@sephirot89:
Dann werde ich mir das mal ansehen. Ich dachte immer, dass man bei Arbeitslosengeld generell ein paar Jahre gearbeitet haben muss. Und dass man sich als arbeitssuchend melden muss. So weit ich weiß, würde bei mir eher die allgemeine Grundsicherung in Betracht kommen. Aber ich kann mich auch irren. Meine beste Freundin und ich wollen wegen ihr sowieso nochmal zum Amt im Mai, da werden wir das bestimmt alles noch einmal hinterfragen. Man, wie ich die Termine dort hasse.
Ich fühle mich einfach nicht bereit für eine Ausbildung. Ich habe damals in solch einer Ausbildungsstätte eine Berufsvorbereitung gemacht, welche 11 Monate gehen sollte. Danach hatte man die Chance, im selben Haus in eine Ausbildung nach Wahl einzusteigen. 9 Monate lief alles gut, doch dann begannen die Vorbereitungen für die Ausbildungen und alles lief schief. Ich merkte, dass meine Tablettendosis für den Stress, der mit Ausbildungsbeginn vor mir stand, nicht mehr ausreichen würde. Also ging ich in die Akutpsychiatrie zum neuen Einstellen der Tabletten unter ärztlicher Aufsicht (wollte das aus Hypochondrie-Gründen nicht allein tun). Geplant waren 4-5 Wochen. Doch es wurden mehr. Zu viel. Weil die in der Psychiatrie einfach nicht zu Potte kamen. Ich verpasste wichtige Termine, die ich für eine Ausbildung vorher zu erfüllen hatte (Eingliederung in die Berufsschule u.Ä.). So verlor ich die Ausbildung. Und die Berufsvorbereitung wurde noch während meines Aufenthaltes beendet. Das war zu viel für mich. Da hatte ich einmal wirklich geglaubt, ich hätte eine Möglichkeit für eine gute Zukunft gefunden, und dann ging alles kaputt. Schon wieder. Ich hatte schon so viele Fehlschläge im Leben, und dieser letzte Fehlschlag brachte das Fass zum Überlaufen. Das war Sommer 2017. Seitdem wohne ich wieder bei meinen Eltern und bringe in meinem Leben nichts mehr zustande. Höchstens einen wöchentlichen Arzttermin. Mehr schaffe ich nicht. Ich habe keine Kraft mehr, die neuen Tabletten machen mich häufig müde (helfen aber zu gut, um sie abzusetzen oder auszutauschen), Motivation und Freude an Dingen fehlt mir komplett. Die einzige Freude, die ich mir wirklich bewahren konnte, ist das Online-Zocken mit meinen Freunden. Meine Eltern denken natürlich sofort, ich sei süchtig danach, weil ich an manchen Tagen bis zu 6 Stunden und mehr vor dem Fernseher hocke, aber das stimmt nicht. Ich kann auch ohne, doch warum sollte ich nicht die letzte Tätigkeit ausführen, die ein bisschen Licht in meine triste Stimmung bringt? Als Sucht kann man das wirklich nicht bezeichnen. Da fehlen wichtige Faktoren. Zudem mag ich elektronische Dinge sowieso sehr gerne (kleiner Nerd

).
Die Entscheidung, mit meiner besten Freundin jetzt in eine Wohnung zu ziehen, ist die schwerste, die ich seit langem getroffen habe. Und ich habe Angst, dass meine psychische Verfassung alles zerstören wird, aber bei meinen Eltern halte ich es nicht aus. Sie kommen nicht wirklich klar damit, dass ich psychische Probleme habe. Das hat damals in Kindesalter angefangen und trotzdem fehlt ihnen jegliches Verständnis dafür. Vielleicht können sie es auch einfach nicht verstehen, weil sie selbst diesen Schmerz und diese Hoffnungslosigkeit noch nie gespürt haben. Aber die Methoden, mit denen sie mich dazu bringen wollen, doch eine Ausbildung zu machen oder mir einen Job zu suchen, machen mich nur noch mehr fertig. Ich habe es jetzt lange Zeit ertragen, aber es wird mir zu viel. Und da mich niemand besser versteht als meine beste Freundin, werde ich jetzt über meinen Schatten springen und mit ihr eine WG gründen. Sie wird nicht auf mir herumhacken, wenn ich etwas nicht schaffe. Sie kennt den Schmerz nämlich. Und wir ergänzen uns gut - was der eine mal nicht kann, macht der andere. Ich habe seit langer Zeit wieder einen Funken Hoffnung, dass meine Zukunft nicht genauso aussieht wie meine Gegenwart. Und ich bete dafür, dass das Schicksal mal keine miese Hexe ist.
