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Minut

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Hallo liebe Forengemeinde,

mir schwirrt heute ein Thema im Kopf herum dass ich mal zu Papier bringen muss. Es ist keine akute Angst aber auf Dauer doch schon belastend und ich glaube, vielen geht es ähnlich. Vielleicht setzt es auch immer wieder die Geburtsstunde für viele Hypochonder.

Wie auch immer, es geht um die vielen Horrorstories, die bestimmt jedem mal mehr und mal weniger begegnen! Im Internet ließt man von einem Kleinkind, das an einem bösartigen Hirntumor erkrankt ist, im Bekanntenkreis ist ein gesunder Mensch im mittleren Alter plötzlich tot umgefallen, etc. etc. Ich bin seit bestimmt zwei Jahren Hypochonder und hatte, laut meinem Gehirn, schon etliche (tödliche) Krankheiten. Gerade wird in meinem Umfeld ein Stammzellspender für einen an Leukämie erkrankten Teenager gesucht. Es ist ja bekannt, dass googlen und gerade das Internet es für viele deutlich schlimmer macht (Stichwort Cyberchondrie), und so sehr ich mich selbst auch zu überzeugen versuche diesen Stories keine Aufmerksamkeit zu schenken, es klappt nicht immer, oder? Von diesen Dingen wird ja hauptsächlich berichtet, da eine z. B. eine Krebserkrankung bei Jugendlichen viel seltener ist als bei älteren Menschen - wenn auch nicht weniger tragisch. Der Verstand weiß das, die Emotionen nicht.

Wie geht ihr damit um? Es scheint so unmöglich, allem einfach aus dem Weg zu gehen.

Liebe Grüße

13.01.2019 14:48 • 13.01.2019 #1


3 Antworten ↓


Der Sorgenmache.


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Hallo Minut,

das was du hier schreibst, könnte eine Typenbeschreibung über mich sein. Ich brauche nur irgendwo etwas über eine Krankheit zu hören und ZACK!, hab ich das auch. Ob es sich hierbei um Fussbronchitis oder hustende Haare handelt ist völlig egal. Ich habe es! Oder besser, ich glaube es zu haben. Wenn ich dann noch anfange zu googeln, macht das die Sache nicht besser. Ich versuche zwar nicht mehr so oft zu googeln, was mir auch mehr oder weniger gelingt, aber es passiert noch zu oft, dass ich doch schwach werde. Und seltsamer Weise kennt Google nur schlimme Verläufe und egal was für ein Symptom man hat: Das Ende ist nah! Zumindest laut Google.

Wenn man dann noch anfängt sich auf etwas sehr genau zu fixieren, dann macht das die Sache nicht besser. Seit Monaten bin ich auf meine Zähne fixiert. Jedes Ziehen, Drücken oder sonst was wird sofort (negativ) bewertet. Dass man beim Essen spürt, dass man isst sollte ja eigentlich normal sein. Wenn ich es nicht spüren würde, dass ich gerade Essen im Mund habe, dann sollte ich mir Sorgen machen. Stattdessen: Mache ich mir Sorgen, weil ich beim Essen etwas an den Zähnen spüre

Zitat von Minut:
Der Verstand weiß das, die Emotionen nicht.

Ja, aber offenbar ist die Emotion stärker.

Zitat von Minut:
Wie geht ihr damit um? Es scheint so unmöglich, allem einfach aus dem Weg zu gehen.

Ich versuche mich auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren. Lustige Filme gucken, Hobby, in die Stadt fahren usw.. Aber leider holen einen die Sorge auch immer mal wieder ein. Das Problem ist, man nimmt ja seinen Körper überall hin mit. So, und da ist es nun mal so, dass man seinen Körper auch mal spürt. Es sticht mal hier, es juckt mal da. Dann zuckt mal der Muskel oder es tut auch mal etwas weh. Liegt ganz einfach daran, dass man lebt und der Körper nicht tot ist. Gott sei dank! Ein Auto klappert ja auch schonmal hier und da. Aber leider neigt man als Hypochonder dazu, solche Dinge sofort negativ zu bewerten und sich dann auszumalen, dass das Ende nah ist.
Ich bin sehr fantasievoll und manchmal denke ich, ob vielleicht genau hier das Problem ist. Da man viel Fantasie hat, kann man sich alles sehr stark vorstellen. Das funktioniert im positiven genau so wie im negativen. Warum man aber seine Fantasie nicht nutzen kann um mehr positive Gedanken zu kreieren und diese zu verfolgen weiss ich nicht. Ich habe mir aber vorgenommen genau dies zu tun. Mir ist bewusst, dass dies ein weiter und steiniger Weg ist, aber ich will es versuchen. Denn von der Hypochondrie mein Leben zerstören zu lassen, dass will ich nicht...

Gruss
Markus

13.01.2019 16:10 • #2


Paula78


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Ich sauge sowas auch sehr schnell auf und beziehe es auf mich.

Mir hilft wirklich, kaum noch was im Internet zu lesen. Manchmal muss ich auch echt hier im Forum aufpassen, was da für Trigger stehen. Aber sich von den Gesundheitsseiten, die mir Google News anbietet (natürlich verstärkt durch mein früheres Surfverhalten) hilft mir massiv.

Mittlerweile schaff ich es (leider noch nicht immer) bei einem neuen Symptom nicht zu googlen, sondern es einfach abzuwarten. Vieles ist innerhalb von 2 - 4 Tagen von allein weg.

LG
Paula

13.01.2019 17:01 • #3


Mutexia

Mutexia


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Ich war richtig, richtig schlimm unterwegs. Ich hatte gefühlt alle Krebsarten und bei Deinen genannten Beispielen, hatte ich die gehörten Symptome auch.

Mittlerweile ist es mir fast egal. Ich taste mich nur noch im normalen Rahmen ab (alle paar Wochen den Hoden z.B) und das wars. Sollten wirklich ernsthafte Symptome auftreten, werde ich schon zum Arzt gehen. Ich kann nicht alles verhindern und die dauernde Sorge kostet Lebensfreude ohne Ende. Ja ich habe vor der Angst kapituliert. Den Kampf kann ich nicht gewinnen, denn ich müsste gegen mich kämpfen. Das bedeutet, dass der Verlierer bereits feststeht.

13.01.2019 19:25 • x 1 #4



Dr. Matthias Nagel