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Hallo zusammen,

mal kein konkretes Thema, sondern was allgemeines. Zum einen bei mir und in vielen Beiträgen ist mir eine Sache aufgefallen: Wenn vom Arzt die Diagnose gestellt wird, es ist etwas pyscho-somatisches, dann ist man als Patient irgendwie enttäuscht. Das kenne ich auch von mir.

Vielleicht kann ich mich auch irren, aber es scheint, als wenn in einer Arztpraxis häufiger diese Diagbose gestellt wird, als noch vor 20 Jahren. Das muss nichts mit den Patienten zu tun haben. Meine Vermutung ist, die Schulmedizin hat früher sehr stark auf organische Erkrankungen geachtet und solange gesucht, bis sie was gefunden hat. Den Einfluss der Psyche hat man gering eingeschätzt. Jetzt sieht die Schulmedizin die Psyche als einen Schlüssel für Symptome. Während man früher gesucht hat und gesucht hat, sagt man sich, es gibt wohl keine organische Ursache. Doch oft wäre es dem Patienten wohl lieber, wenn der Arzt sagen könnte, Organ A ist krank.

Bestes Beispiel ist die funktionelle Dyspepsie, oder auch Reizmagen genannt. Man hat haargenau dieselben Symptome wie bei einem Magengeschwür, einer Gastritis, einem Reflux, aber bei der Magenspiegelung lässt sich nichts finden. Es muss deswegen nicht zwangsläufig psycho-somatisch sein, aber eine organische Ursache fällt weg. Das muss man als Patient dann akzeptieren und damit tun wir uns erstaunlicherweise schwer.

meint
Raj

30.07.2009 20:09 • 02.08.2009 #1


4 Antworten ↓


Heutzutage ist es eh schwer, seinem Arzt wirklich zu vertrauen, finde ich.
Die meisten normalen Hausärzte sind inzwischen so überlastet, die nehmen einen als Patienten gar nicht mehr ernst bzw. nehmen sich nicht genügend Zeit.

Bestes Beispiel: War kurz nach dem Tod meines Papas im Krankenhaus wegen Atemnot, es wurde nix festgestellt, ich wurde wieder Heim geschickt mit der Empfehlung, mich nochmal beim Hausarzt deswegen zu melden; bin also hin, hab erzählt, dass ich keine Luft mehr bekam, richtig Erstickungsgefühle hatte, aber alles weg ist, seit ich weiß, dass ich gesund bin, dass ich etwas unter Druck stehe wegen Vaters Tod und dem Abi. Das Ende vom Lied: Wurde mit einem feuchten Händedruck und einem Rezept gegen Bronchitis (?!) nach Hause geschickt.

Bin bloß froh, dass ich meinen Körper selber so gut einschätzen kann.
Die Diagnose mit der Panikstörung hab z.B. auch ich gestellt, nicht mein Arzt Und mein Therapeut hat sie mir dann auch bestätigt.

Ich finde es also ganz gut, wenn viele Ärzte heitzutage die Seele und ihren massiven Einfluss, den sie ja nun mal auf den Körper hat, auch bedenkt, wenn sich ein Patient vorstellt.
Bei mir z.B. ist das nicht passiert, und davon war ich eher enttäuscht.

Ich fands auch erleichternd, zu wissen, dass es nix am Körper ist sondern die Psyche. Denn die Psyche kann man ja wieder gerade biegen.
So ne ernsthafte Herzerkrankung hätte ich ner Panikstörung definitiv nicht vorgezogen

Liebe Grüße,
Pilongo

30.07.2009 22:17 • #2



Psyche und Gesundheit

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Mir geht es wie dir, Pilongo: Ich bin immer heilfroh, wenn ein Arzt, den ich im Prinzip für kompetent halte, mir sagt, dass "es" auch psychisch bedingt sein kann. Dann weiß ich wenigstens, dass mein Körper an sich okay ist und ich die Chance habe, ihn wieder gut zum Laufen zu bringen. Das gelingt mir dann auch meistens. Oft mit Unterstützung von bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen, die ihrerseits offenbar eng mit der Psyche zusammenhängen, da unter Stress z.B. B-Vitamine und Magnesium verstärkt verbraucht werden.

Ich habe nicht schlecht gestaunt, als mir mein Orthopäde mitteilte, ernsthafte Kniebeschwerden könnten auch psychisch bedingt sein! Das hätte selbst ich nicht angenommen. Aber es scheint zu stimmen, denn es hat sich ohne ersichtlichen physischen Grund stark gebessert, seitdem es mir psychisch umständehalber wieder besser geht.

Hingegen habe ich im Krankenhaus, in das ich wegen Herzrasens eingeliefert worden war, überhaupt keine Reaktion oder Verständnis erlebt, als ich sagte, m.E. sei das psychisch bedingt gewesen und sie würden organisch wohl nichts finden - was dann auch so war.

Es gibt also unter den Medizinern sone und solche. Natürlich sind sie oder fühlen sie sich verpflichtet, alles Körperliche abzuchecken, und das ist zudem auch lukrativer.

31.07.2009 00:17 • #3


Hallo Pilongo und GastB,

vielleicht gibt es zwei Gruppen von Patienten. Die einen, die über die Nachricht, dass keine organische Erkrakung vorliegt, sondern die Psyche Verursacher der Beschwerden ist, ganz froh sind. Dazu würdet ihr auch gehören. Und die anderen, die als Patient lieber weiter suchen würden, bis sie eine organische Ursache finden. Ich bin da wohl zwischen den beiden Gruppen. Vielleicht weil ich Ärzten (noch) nicht hundertprozentig traue. Wobei Mißtrauen nicht das richtige Wort ist. Ich bin wohl zu sehr Perfektionist und würde am liebsten zu 100% bestimmte Krankheiten ausschliessen. Aber das ist ja praktisch nicht möglich.

MfG
Raj

02.08.2009 16:45 • #4


Ich glaube nicht, dass man Krankheiten "zu 100 % ausschließen" kann. Denn der Körper ist schon in der nächsten Minute nach der Untersuchung nicht mehr derselbe. "Man steigt niemals in denselben Fluss." Was heute nicht da ist, kann morgen bzw. über- oder überübermorgen "da" sein.

Gerade bei psychisch bedingten Beschwerden, z.B. Magenschmerzen, bin ich überzeugt, dass der Körperteil trotz erstmal nicht sichtbarem Schaden zunächst in Minidosen und allmählich immer stärker beschädigt wird - denn von nix hat man keine Schmerzen; wird die psychische Ursache nicht rechtzeitig behoben, knickt der Körperteil schließlich irgendwann ein und es ergibt sich tatsächlich ein organisch feststellbarer Befund. Das Ganze ist also m.M.n. ein gradueller Prozess, und die nun physisch erkennbare Krankheit kann so sehr wohl psychisch bedingt sein.

Mit dem Nichtwahrhabenwollen einer psychischen Belastung bewirkt man daher m.E. nur, dass man seinen Körper bzw. den reagierenden Körperteil immer mehr damit belastet, anstatt ihn zu entlasten. Und so "hat" man dann irgendwann tatsächlich die Krankheit, die vorher vom Mediziner "ausgeschlossen" wurde.

Deswegen kann ich jedem nur empfehlen, sich schnellstens (auch) die psychischen Faktoren anzugucken, die zu den Beschwerden geführt haben könnten und die die Beschwerden aufrechterhalten. Damit hat man eine Chance, relativ schnell und mit praktisch keinen oder wenigen (Dauer) Nebenwirkungen wieder gesund zu werden (sprich: diese Beschwerden nicht mehr zu haben).

Gruß,
GastB

02.08.2009 17:42 • #5




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