Zitat von MadMurphy:Zitat von xoxoxoxo: Ich bin seit 17 Monaten in Psychotherapie und habe dort gelernt, die Angst einfach auszuhalten, ohne ihr große Beachtung zu schenken. Dadurch ist meine Angst vor der Angst fast komplett verschwunden und dementsprechend verkrampfen meine Muskeln auch kaum noch.

Hi xoxoxoxo,mich hätte mal interessiert, was Du so bei der Psychotherapie gemacht hast. Ich selbst mach das jetzt auch bereits ca. 8 Monate (kogn. Verhaltenstherapie), aber schaffe es nicht, Angst auszuhalten. Bei jedem neuen Wehwehchen (und das wechselt leider ständig) renne ich wieder zum entsprechenden Doc, um mir meine Kurpackung "Beruhigung" abzuholen. Helfen tut es nicht oder wenn überhaupt nur kurzfristig. Meine Therapeutin ist eine sehr gute, allerdings suchen wir noch immer den "Hebel" zum "aushalten der Angst" - deshalb meine Frage.
Danke für ein kurzes Feedback, viele Grüße, MM.

Hallo MadMurphy,
gerne schreibe ich dir ein bisschen dazu. Ich versuche mich kurz zu fassen um nicht den Rahmen dieses Threads zu sprengen
Mein Therapeut hat mich von Anfang an ein Angsttagebuch führen lassen. Jede Stunde wurde die aktuelle Aktivität und die Angst/Angspanntheit auf einer Skala von 1-10 notiert. Desweiteren haben wir zu Beginn ersteinmal die "biologische" Komponente der Angst durchgearbeitet (Was ist der Sympatikus, was ist der Parasympatikus, welche Organe wirken bei einer PA mit, etc.....) und die Bedeutung und Wichtigkeit der Angst in den letzten Jahrtausenden. Danach habe ich gelernt, wie ich eine Panikattacke selber auslösen kann (Hyperventilationsübung) - zuerst unter Anleitung und gleichzeitiger Bearbeitung der "biologischen" Symptome, dann mindestens dreimal täglich zuhause. Als die Panikattacken einigermaßen "unter Kontrolle" waren, hat er mir das meditieren beigebracht. Auch das habe ich erst mit ihm zusammen, dann täglich alleine zuhause weitergeführt.
Gleichzeitig haben wir angefangen meinen aktuellen Lebensstil zu hinterfragen:
- Vermeidungsverhalten/Sicherheitsvermeiden
- wie ist eigentlich mein Energielevel: was raubt mir Energie, was gibt mir Energie? Auch hierzu habe ich mehrere Wochen ein "Energietagebuch" geführt
- Tagesplan erstellen
- Wie bewerte ich Erfolg und Misserfolg (Attributationsstil, etc.)
- Vier Felder Schema statt Pro und Contra Fragestellungen
- Selbstmanagement nach Kanfer
- ...
Das ist natürlich nicht alles von heute auf morgen passiert, sondern über mittlerweile 18 Monate. Wie du siehst hatte meine Therapie sehr viel von "Schule" und sehr wenig von "wir setzen uns Mal 50 Minuten hin und quatschen". Ich hatte immer eine Art von Hausaufgabe zu erledigen und habe mich einmal die Woche mit meinem Therapeuten getroffen. Vor allem die Aufzeichnungen haben sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Aber die wöchentliche Auswertung hat irgendwann dazu geführt, dass ich meine Gefühlslagen immer genauer kennen und verstehen gelernt habe. Ich bin zwar immer noch nicht perfekt und meine Psyche schafft es mich immer wieder aufs Neue zu überraschen, aber ich habe die Werkzeuge um mir selbst zu helfen
