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Trantor
Hallo Leute, ich bin noch neu hier im Forum, die Suchfunktion half mir nicht wirklich weiter, deshlb ein eigenes Thema.

Wie erkenn ich den Unterschied zwischen einer Panikattacke und einer echten Erkrankung?

Die meisten hier haben Angst einen Herzinfarkt zu erleiden oder einen Schlaganfall. Ich bin Migraenepatient und bei einer AURA ohne Kopfschmerzen sind die Symptome die selben wie bei einer TIA (Schlaganfallvorbote).

Der einzige Unterschied ist, dass das Gehirn voll durchblutet wird, jedoch Extremitaeten taub werden, Schwindel, Seh- und Sprachstoerungen. Da schrillen bei mir die Alarmglocken, Arzt rufen, ja, nein. Ich nehme immer ein Aspirin und 15 Minuten spaeter ist wieder alles normal.

Was aber wenn ich wirklich einen Schlaganfall habe und damit gewohnt wie immer umgehe, Aspirin nehme, warte bis es besser wird und einfach so tue als wenn nichts gewesen ist?

Mich interessiert es allgemein wie man eine Panikattacke von einer echten ploetzlichen Krankheit wie Herzkasper oder Schlaganfall unterscheiden kann. Bei mir laeuft es meistens so ab, dass ich in grosser Menschenmenge ein Unwohlsein verspuere und mich dementsprechend reinsteiger mit allen Boni:

Schwindel, Kurzatmigkeit, Mundtrockenheit, Schweissausbruch, weiche Knie, Sehstoerungen, Tauheitsgefuehle, Angst zu ersticken, Herzstolpern und schliesslich die totale Panik gleich ohnmaechtig zu werden und zu sterben.

Zu Entspannungs- Atemuebungen komme ich dabei nur ganz selten, laufen oder was lesen funktioniert ueberhaupt gar nicht. Was essen macht die Sache noch schlimmer, habe psychosomatische Schluckstoerungen, ich kriege ja schon Angst wenn ich nur daran denke etwas zu essen.

Also bin ich mir nie wirklich sicher ob alles i.O ist oder nicht, der Arzt sagt ja aber ich weiss nicht so recht.

Ich rauche nicht, trinke keinen Alk. und drehe am Rad wenn ich taeglich nicht einen Apfel esse.

16.01.2013 01:35 • 16.01.2013 #1


3 Antworten ↓


Hallo,

also ich habe auch seit meiner Kindheit Migräne, daher habe ich bei Kopfschmerzen eigentlich so gut wie nie Angst, weil ich mir immer sage, dass ich Migräne habe. Ich habe dazu immer Übelkeit und bin Licht- und geräuschempfindlich. Ich sage mir immer, die Wahrscheinlichkeit, dass es ein neuer Migräneanfall ist, ist 100mal wahrscheinlicher als ein Schlaganfall.
Ansonsten bei anderen Dingen warte ich meist ab. Wenn mir heute etwas wehtut, dann ist es bei mir nie permanent. Vor allem, wenn ich abgelenkt werde, verschwinden die Beschwerden meist und kommen erst wieder, wenn ich mich ganz darauf konzentriere. Bei einer ernsten Erkrankung wären sie immer da. Daran mache ich meist den Unterschied bei mir persönlich fest.

16.01.2013 11:44 • #2


Hi,

Antwort: Gar nicht.

Das ist das Problem von Angstkranken: Wir wollen immer 100%ige Sicherheit, das wir Symptome zuordnen und als harmlos bewerten können. Zu der Bewältigung der Angsterkrankung ist aber eben absolut wesentlich, zu akzeptieren, das man natürlich an einem Herzinfarkt oder an einem Schlaganfall erkranken kann. Nur ist die Wahrscheinlichkeit bei Angstkranken wenn sie ansonsten (also bis auf die Angsterkrankung) gesund sind, genauso klein oder groß wie bei allen anderen Menschen entsprechend ihrer Risikofaktoren, bei den allermeisten Ängstlingen die ich kenne, inkl. mir, also fast 0.

Das Kniffeilige ist ja gerade eben, wenn man bei Herzphobie plötzlich mal andere Symptome hat als die bekannten: Also ne Salve statt Extrasystolen oder Schmerzen statt Herzrasen. Dann zurückzukommen zu dem Gedanken: Auch das sind jetzt Angstsymptome, alles andere ist extrem unwahrscheinlich, und falls doch, muss mich eben einer vom Boden abkratzen. Das sind eben die hohen Weihen des Umgangs mit der Angst. Ansonsten geht es ja los mit: "Gestern war ich noch gesund und hatte nur Angst, aber heute habe ich ja vlt. wirklich was, Doc, guck doch mal."

Der (an sich ja vernünftige) Gedanke, genau spüren zu wollen, ob sich was verschlimmert oder anders ist als letztes Mal führt ja bei uns Ängstlichen eben zu der self-fulfilling-prophecy, das durch Anspannung die Symptome tatsächlich schlimmer werden, man sich tatsächlich noch mehr drauf konzentriert und dann die Panikspirale nach oben treibt.

Mal ganz ketzerisch: Wenn dich insbesondere in Menschenansammlungen die Schlaganfall-Angst inkl. Symptome erfasst, hast du doch kein Problem. Entweder es ist eine Attacke, die du aushalten kannst, oder es ist tatsächlich ein Stroke, dann wird jemand für dich den Notarzt rufen wenn du umfällst. Und diese Wahrscheinlichkeit ist was-weiß-ich-wieviel-1000 zu 1. Gerade im Stadion denke ich mittlerweile: Guck mal, die alle hier fallen gleich mit der gleichen Wahrscheinlichkeit tot um wie ich selbst. Und wenn ich mich so umgucke, sehe ich auch noch viele Risikofaktoren auf zwei Beinen.

Wir Ängstlinge haben ja medizinisch gesehen sogar einen echten Vorteil. Wir sind (meist) gründlichst untersucht, während andere fröhlich paffend, mit einer Cola in der Hand und nem Blutdruck von 180/100 in der Fankurve stehen und sich über den Schiedsrichter aufregen und das letzte Mal 1998 beim Arzt waren.

Das ist jetzt alles schön kluggeschixxen, wenn mich heftige Extrasystolen plagen, neige ich auch zu Attacken, aber es wird besser, wenn man was dagegen tut. Und natürlich, wenn ich als Herzphobiker plötzlich nichts mehr sehen und nicht mehr sprechen könnte oder meine Arme sich nicht mehr bewegen, dann rufe ich den Arzt (oder jemand anders hoffentlich).

Alles Gute

16.01.2013 17:06 • x 1 #3


Man sagt ja: Wenn man einen Schlaganfall habe, könnte man nicht mehr auf Aufforderung lachen, die Zunge heraus strecken, einen einfachen Satz nach sprechen und die Arme nach Oben heben.
Wenn der Schlaganfall schwer ist, fällt man ohnehin um.
Ich kann dich aber vollkommen verstehen. Ich hatte auch schon Angst davor.

16.01.2013 17:47 • #4





Prof. Dr. Heuser-Collier