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Hallo ihr lieben Leidensgenossen,
schon länger verfolge ich hier manche Themen im Forum, habe mich aber eben erst frisch angemeldet.

Kurz zusammenfassend:
Ich bin 30 Jahre alt, habe leider 25 kg Übergewicht (4 kg sind nun schon weg, ich mache Weight Watchers). Ende November 2018 hatte ich die ersten Panikattacken, danach wurde ich von Kopf bis Fuß durchgecheckt. Organisch alles in Ordnung.

Seit Mitte Januar habe ich folgendes, für mich großes, Problem: ich kann nicht mehr richtig gähnen! Manchmal funktioniert es, aber ganz häufig bricht es einfach vorher ab und ich spüre einen Druck/ eine Blockade im Brustkorb. Danach habe ich ein ganz starkes Bedürfnis es wieder zu versuchen und werde dann häufig ganz nervös und hibbelig, wenn es nicht klappt.

Im Mai letzten Jahres bin ich eine Treppe heruntergefallen und ganz doof auf dem Rücken gelandet. Seit dem Tag habe ich Probleme mit der BWS und dem linken Schulterblatt. Natürlich war ich danach zum Röntgen und MRT (bws, hws, Kopf), aber dort war alles in Ordnung.
Danach folgten Osteopathie und Physiotherapie nach Liebscher und Bracht. Aktuell mache ich Tuina (eine chinesische Heilmassage).

Es kommt mir so vor, als wäre mein Gähn-Problem mit dem Rücken zu erklären. Könnt ihr mir helfen? Wem geht es vielleicht ähnlich?

Vorletzte Woche waren wir im Urlaub und da ging es mir besser
(Natürlich viel Ablenkung und viel Spaß gehabt, allerdings auch deutlich mehr Bewegung Zuhause)

Dummerweise Google ich (wie wahrscheinlich viele hier) viel zu häufig und habe eben leider einen Forenbeitrag gefunden, der einen Tumor vermutet
Da gehen bei mir direkt wieder alle Alarmglocken an.

Es tut mir leid, dass der Text nun doch so lang geworden ist. Ich freue mich auf eure Antworten.

Heldin89

30.05.2019 20:13 • 13.06.2019 #1


16 Antworten ↓


Luna70
Hallo liebe Heldin,

ich begrüße dich ganz herzlich bei uns im Forum und hoffe, du wirst dich wohlfühlen.

Das mit dem Gähnen habe ich hier noch nie gelesen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es wie ganz viele andere Beschwerden mit Verspannungen zu tun hat. Vielleicht hast du durch durch deine Rückenverletzung dir eine Schonhaltung angewöhnt und atmest auch falsch. Lass das mit dem googeln, wenn du lange genug suchst, findest du wirklich für alles und jedes die Begründung Tumor. Das sagt gar nix.

Hast du es mal mit Atemübungen versucht, die den Brustkorb weiten?

31.05.2019 11:00 • x 1 #2



Blockade beim Gähnen, Druckgefühl im Brustkorb

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Hallo Luna,
mit großer Sicherheit sogar habe ich eine Schonhaltung eingenommen. Ich war tagelang grün und blau am Rücken
Ich mache aktuell Tuina, teilweise mit Ansätzen aus dem Qi Gong für Atemübungen. Wahrscheinlich sollte ich da dahinter bleiben.

Die Beiträge, die ich hier zu dem Thema gefunden habe, sind auch alle schon etwas älter.

Mein Mann sagt immer, dass das Gähnen nicht lebensnotwendig ist und ich es ignorieren soll. Das schaffe ich nicht
Das belastet mich wirklich sehr, auch wenn es sich bestimmt komisch und verrückt anhört

LG Heldin89

31.05.2019 12:19 • #3


Icefalki
Ist nur ein weiteres Symtom, das jeder Angsterkrankte kennt. Ist das Gähnproblem vorbei, kommt das nächste Symtom. Ein Tumor würde im Urlaub nicht durch Ablenkung und Spass und Bewegung gebessert werden.

Und lass das googeln sein. Macht dir nur weitere Ängste, weil immer was Schlimmes geschrieben steht.

@luna hat dir schon geschrieben, was ich dir auch schreiben würde. Und lass deine Ängste behandeln.

31.05.2019 12:26 • #4


Vielen Dank icefalki 3
Noch nie habe ich das so direkt gelesen, dass das ein typisches Angstsymptom ist. Das beruhigt mich WIRKLICH ungemein!

Ich war von Dezember bis Februar bei einem Psychologen im Gespräch. Leider musste ich die Therapie abbrechen, weil ich mich übelst beleidigt hat (aufgrund meines Übergewichtes), da konnte ich kein Vertrauensverhältnis mehr aufbauen. Ich habe noch 6 Stunden übrig, allerdings sind alle anderen Psychologen hier im Umkreis über Monate voll oder nehmen noch nicht mal noch jemanden auf die Warteliste.

LG

31.05.2019 12:58 • #5


Luna70
Zitat von Heldin89:
Das belastet mich wirklich sehr, auch wenn es sich bestimmt komisch und verrückt anhört


Für uns hier gibt es nichts, was sich komisch oder verrückt anhört.

Kleine Anekdote aus meinem Leben: ich hatte diese Woche hier geschrieben, dass ich vom Fahrrad gestürzt bin und mir das Knie aufgeschlagen habe. Völlig korrekt haben mich zwei liebe Userinnen darauf aufmerksam gemacht, dass Tetanus Impfschutz nicht verkehrt wäre. Allerdings, was macht man als Angsthase dann, man googelt. Blöder Fehler, irgendwo habe ich dann gelesen, dass das mit Halsschmerzen anfangen kann und prompt habe ich tatsächlich ganz ekelhafte Halsschmerzen bekommen. Ich war völlig von der Rolle, bin früher von der Arbeit heim und war die Erste in der Nachmittags-Sprechstunde beim Hausarzt. Die Ärztin fand die Wunde völlig unspektakulär, Impfung haben wir trotzdem erneuert und irgendwann habe ich mich auch wieder beruhigt. Die Halsschmerzen waren dann natürlich auch weg.

Solche Geschichten könnte ich noch viele erzählen. Tatsache ist, wenn wir uns auf irgendwas konzentrieren, wie du das mit dem Gähnen machst, dann verstärken wir alles um ein Vielfaches.

Zitat:
Leider musste ich die Therapie abbrechen, weil ich mich übelst beleidigt hat (aufgrund meines Übergewichtes),


Das geht natürlich überhaupt nicht. Hast du mal mit der Krankenkasse darüber gesprochen, dass du keinen Platz auf einer Warteliste bekommst?

31.05.2019 13:43 • #6


Ich bin so froh, dass ich mich hier im Forum angemeldet habe und es noch mehr verrückte Angsthasen gibt
Das Umfeld versteht einen ja meist nicht wirklich und ich höre so oft denk einfach nicht mehr dran und hör auf Angst zu haben. Wenn man diesen Schalter einfach umlegen könnte, würde es dieses Forum nicht geben

Ich hoffe deinem Knie geht es mittlerweile besser!

Ja, ich habe tatsächlich bei der Kasse angerufen, den Psychologen gemeldet und gesagt, dass bei mir noch 6 Stunden offen sind. Sie konnten mir lediglich eine Praxis in knapp 110km Entfernung vorschlagen. Da ich allerdings zwei kleine Kinder habe, von denen eins auch erst nächstes Jahr in den Kiga geht, bin ich immer auf die Omas/Opas angewiesen, die mir die Kids abnehmen können (Mein Mann kommt erst abends nach Hause). Leider passte der vorgeschlagene Termin nicht, da sie alle noch TZ oder VZ arbeiten.
Ich bleibe da aber dran und gehe die Liste erneut durch.

Nochmal: vielen Davon für eure lieben Worte, das ist Balsam für die Seele 3

31.05.2019 14:10 • x 1 #7


nittels
Den Druck auf der Brust nennt man Fassreifengefühl. Meist ist das begleitet durch einen Druck im Hals, das nennt man dann Klos im Hals. Und das verhindert das Gähnen, meist gepaart mit Probleme beim Schlucken. Hatte ich während meiner Angsterkrankung. Konnte weder Gähnen noch gescheit schlucken, egal wie sehr ich es erzwingen wollte.

Das passiert wenn sich die Muskeln zusammenziehen. Kommt entweder vom Rücken (Verspannungen) oder häufiger durch Stress. Wobei die Verbindung so ist dass du bei Stress schneller atmest aber gleichzeitig keine körperliche Leistung bringst. Der Effekt ist, dass du das CO2 schnell aus dem Blut rausatmest und es mit Sauerstoff anreicherst. Das führt zu einem Ungleichgewicht des CO2 - Sauerstoff Verhältnisses und dazu dass sich die Muskeln zusammenziehen und schon hast du deine beschriebenen Symptome.

Atemübungen bringen da nix, weil mann dann dazu neigt noch tiefer zu atmen und das Blut noch mehr mit Sauerstoff anzureichern. Lösung ist recht einfach; Stress abbauen oder Sport machen (reichert das Blut wieder mit CO2 an). Ad hoc kannst du auch probieren in einen Plastiksack zu atmen; dann erhöhst du den CO2 Anteil der Atemluft, dauert aber. Besser du machst einen flotten Spaziergang.

05.06.2019 15:10 • x 1 #8


Gandalf der Graue
Das mit dem Gähnen hatte ich auch. War echt unangenehm. Bin auch grundsätzlich sehr verspannt. Das hat sich aber wieder gelegt und gähnen ist von Anfang bis Ende möglich. Die ganzen Erklärungen passen hier auch, denn mittlerweile bin ich wieder etwas entspannter.

05.06.2019 15:23 • x 1 #9


Vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Man denkt ja selbst schon, dass man verrückt sein muss, wenn selbst der Psychologe sagt Das mit dem Gähnen hab´ich ja noch niiiiie im Leben gehört. Das gibt es nicht, gähnen Sie doch einfach... so wie ich (Gott sei dank bin ich da weg und habe den Mann der Krankenkasse gemeldet!)

Ich bin wirklich froh, dass ich dieses Forum hier gefunden habe bzw. den Schritt gewagt habe mich hier anzumelden. Mich beruhigen eure Antworten hier so ungemein, vielen Dank

Es klingt alles so absolut plausibel und doch macht man sich verrückt
Ich kann aber heute sagen, dass es im Januar/Februar definitiv deutlich schlimmer war als jetzt (damals auch mit Schluckbeschwerden und Kloß im Hals). Vorgestern und gestern ging es mir sogar richtig gut

Liebe Grüße
Heldin89

06.06.2019 21:23 • #10


Zitat von Gandalf der Graue:
Das mit dem Gähnen hatte ich auch. War echt unangenehm. Bin auch grundsätzlich sehr verspannt. Das hat sich aber wieder gelegt und gähnen ist von Anfang bis Ende möglich. Die ganzen Erklärungen passen hier auch, denn mittlerweile bin ich wieder etwas entspannter.


Das lässt mich ja noch hoffen, dass es bei mir auch wieder verschwindet
Wie lange hattest du die Beschwerden? Auch über Monate hinweg (mit besseren und schlechteren Tagen)?
Ich freue mich sehr, dass es dir wieder besser geht

06.06.2019 21:26 • #11


Gandalf der Graue
Zitat von Heldin89:
Wie lange hattest du die Beschwerden? Auch über Monate hinweg (mit besseren und schlechteren Tagen)?
Ich freue mich sehr, dass es dir wieder besser geht

Danke.

Das zog sich auf jeden Fall mehrere Wochen hin, mit dem nicht richtig gähnen können. Vielleicht sogar Monate. Ich hab grad nicht mehr alles genau auf dem Schirm, es kam eine Zeit lang so vieles gleichzeitig. Mit dem Gähnen gab es in dieser Zeit aber keine besseren Tage. Es ging einfach gar nicht mehr.

Es meinte ja wohl jemand, ist nicht so schlimm, das ist nichts überlebenswichtiges. Das mag schon sein, aber ich konnte früher auch auf Kommando gähnen und das habe ich auch gerne gemacht, weil es irgendwie entspannend ist. Mir hat es also schon gefehlt.

Jetzt, wo es mir allgemein besser geht, geht auch das wieder. Ein weiteres Zeichen, dass auch das nur psychisch bedingt war.

10.06.2019 05:18 • x 1 #12


Sonst weiß keiner mehr was oder hat Erfahrungen mit dem Problem?
Heute ist es wieder ganz heftig. Sobald das Gähnen oder tiefe Luftholen nicht klappt, fange ich sofort an zu schwitzen und bekomme Angst.
Außerdem habe ich permanent das Gefühl seit gestern Nachmittag, dass mein Nacken und Schulterblattbereich mal ordentlich knacksen müsste...

Ich bin gerade richtig verzweifelt und dabei müsste ich mich doch auf unser tolles Wochenende freuen... (tue ich ja auch, aber wieso dann diese Symptome?)

Wie wahrscheinlich wird es wohl sein, dass es DOCH einen organischen Grund hat?

Liebe Grüße
Heldin 89

13.06.2019 14:57 • #13


nittels
Am besten gaaaanz schnell wieder runter kommen und mit Wissen kontern (ich hab dir ja eh schon geantwortet). Schon alleine dass die Symptome nur dann auftreten wenn du versuchst die Muskeln voll auszudehnen (wie eben beim Gähnen und tief Luft holen) und sie auf dem letzten Weg blockieren muss dir schon von der Logik sagen dass es was muskuläres und nicht organisches ist. Auch dass die Symtome auf 2 Stellen gleichzeitig (Brust und Hals) auftreten sollte dir Zeigen dass es ein systemmatisches Problem (Anspannung) ist und kein Punktuelles.

Das einzige was mir jetzt ad hoc einfällt wäre dein CO2 Haushalt zu erhöhen, und das schaffst du eigentlich nur mit Bewegung. Geh ne Runde spazieren wenn du kannst. Wenn nicht dann versuche nicht zu hyperventilieren. Atme bewusst ruhig und flach.

13.06.2019 15:16 • x 1 #14


Zitat von nittels:
Am besten gaaaanz schnell wieder runter kommen und mit Wissen kontern (ich hab dir ja eh schon geantwortet). Schon alleine dass die Symptome nur dann auftreten wenn du versuchst die Muskeln voll auszudehnen (wie eben beim Gähnen und tief Luft holen) und sie auf dem letzten Weg blockieren muss dir schon von der Logik sagen dass es was muskuläres und nicht organisches ist. Auch dass die Symtome auf 2 Stellen gleichzeitig (Brust und Hals) auftreten sollte dir Zeigen dass es ein systemmatisches Problem (Anspannung) ist und kein Punktuelles.

Das einzige was mir jetzt ad hoc einfällt wäre dein CO2 Haushalt zu erhöhen, und das schaffst du eigentlich nur mit Bewegung. Geh ne Runde spazieren wenn du kannst. Wenn nicht dann versuche nicht zu hyperventilieren. Atme bewusst ruhig und flach.



Vielen Dank für deine, wieder mal, tolle Antwort
Mein Kopf weiß das alles vom Prinzip her ziemlich genau, es scheitert an der Umsetzung.
Ich habe vorhin mit unserem Kleinen einen tollen Spaziergang im Grünen gemacht, während der Große beim Turnen war.
Die Gedanken kreisen fast nur um das Thema. Ich bin einfach nur genervt davon

13.06.2019 15:44 • #15


nittels
Braucht eine Zeit bis das Wissen im Kopf ankommt und die Angst ersetzt, aber da kommst du schon raus.

Ich habe die letzen 2 Tage wieder starke Depressionen, und natürlich war wieder ein leichtes Fassreifengefühl da. Ich dacht mir nur ah, hatte ich schon länger nicht mehr, na es verschwindest gleich wieder wenns mir besser geht. Mit steigender Erfahrung kommt auch die entsprechende Abhärtung.

13.06.2019 16:02 • #16


Ich hoffe, dass du schnell wieder aus deinem Tief kommst
Alles Liebe

13.06.2019 18:35 • #17



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Dr. Matthias Nagel