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Hallo, möchte mich hiermit vorstellen. Mein Name ist Stefanie, bin über 60, wohne in Leipzig, allein. Durch meine Krankheit bin ich Rentnerin (EU) und habe schon allerhand durchgemacht. Das betrifft gesundheitliche Probleme als auch private. Durch Stöbern kam ich gestern zu diesem Forum und würde gern etwas mitmischen.

Zum Glück habe ich Hobbys und eine große Liebe zu den Tieren. Stricken, Malen, Lesen und meine 2 Wellis machen mich noch glücklich. Durch meine Krankheit Brustkrebs einschl. Metastasen höre ich manchmal das Gras wachsen .Es ist zwar schon 9 Jahre her, aber durch die Metastase kommt immer die Angst, lohnt sich dies oder jenes noch?

Alles muss ich mit mir alleine ausmachen. Meine Angst ist, dass ich in der Nacht sterbe (Stent am Herzen 2011) und keiner kann sich um meine Vögel kümmern. Ich habe zwar einen Sohn in der Nähe wohnen, der sich aber selbst nie meldet(keine Zeit). Ich werde nur von meiner Schwiegertochter angerufen, wenn ich gebraucht werde. Z.B. meine Enkelin vom Kindergarten abholen. Ich fühle mich total aussortiert, nicht mehr dazugehörig. Ist das nicht traurig?
Obwohl ich Optimistin bin, hänge ich schon oft durch. Erfreue mich aber trotzdem auch an kleinen Dingen...
Kennt jemand die Angst vor der Zukunft? was, wenn man Hilfe braucht? -- Eure Stefanie

23.01.2014 16:59 • 26.01.2014 #1


3 Antworten ↓


Hallo,

es gibt doch gerade bei Brustkrebspatientinnen so Selbsthilfegruppen und Therapie- Kreise, in denen sich die Frauen nach der Therapie gegenseitig unterstützen und Halt geben- frag doch mal in der Klinik nach, wo Du behandelt worden bist!
Giltst Du denn momentan als geheilt, also war die Therapie erfolgreich, die Du gehabt hast?
Wie lange bist Du schon beschwerdefrei?
Je länger schon alles ok. ist, um so unwahrscheinlicher wird es doch, dass noch nachträglich wieder etwas auftritt!

Hast Du gar keine Bekannten?
So von früher? Verwandte?
Vielleicht einfach mal irgendwo mitmachen, um Leute kennenzulernen- Gymnastik- Kurs, Kurs bei der VHS, der sich mit einem Deiner Hobbies beschäftigt oder sowas?
Hast Du Dir schon mal überlegt, vielleicht in eine Alten- WG zu ziehen?
Oder später (dafür bist Du ja noch zu jung!) in betreutes Wohnen?

Hast Du eine Ahnung, warum sich Dein Sohn nie bei Dir meldet?
Nimm es nicht persönlich, aber manchmal gibt es ja auch Animositäten zwischen Eltern und Kindern, die den Eltern gar nicht klar sind?
Mal mit ihm geredet, warum er sich nie meldet?
Mal der Schwiegertochter gesagt, dass es Dir schon auch gut tun würde, wenn Du nicht nur als nützliche Oma gebraucht würdest, sondern auch gern mal zum Plaudern zum Kaffee kommen würdest?
Vielleicht ist den beiden gar nicht klar, wie allein Du Dich fühlst!

Liebe Grüße!

23.01.2014 17:51 • #2



Angstgefühle, weil allein mit Krankheit

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Hallo, liebe Ma.... vielen Dank für Deine Antwort. Ich habe wohl ein bisschen zu viel gejammert, aber wer so eine schwere Krankheit hat weiß was ich meine. Man ist glaube ich immer allein. Weil es ja nur den eigenen Körper betrifft.
Mein Sohn und Frau haben beide Arbeit, 2 Kinder, 2 Katzen, 1 Hund und somit nie Zeit. Da kann ich mich leider auch nicht zum Kaffee einladen. Da hätte ich ein schlechtes Gewissen, die Zeit zu stehlen, obwohl ich sie alle liebe.

Eigentlich habe ich auch viele Bekannte und Freunde. Aber die beste Freundin ist leider nach Berlin gezogen. Selbsthilfegruppen ist eine gute Erfindung, jedoch bekommt man dann die Krankheit nie aus dem Kopf. Ich bin in einer Strickgruppe, wo wir für Bedürftige aus gespendeter Wolle stricken. Z.Z. stricken wir Babyschuhchen fürs KH, jedes Neugeborene bekommt ein Paar zur Begrüßung auf dieser Welt.
Du hast geschrieben, später vielleicht einmal Pflegeheim, welch ein Grauen... Von Beruf bin ich Staatl. anerkannte Altenpflegerin und habe viele Jahre in der mobilen Krankenpflege gearbeitet. Dabei habe ich viel Leid kennen gelernt. Aber das schlimmste war, als mein Vater 2011 in einem Pflegeheim endlich starb.
Er hatte Demenz und zum Schluss war er nur noch ein lebloser Körper im Bett. Er konnte da schon Jahre nicht mehr reden und denken.
Dort habe ich mir auch meine Herzkrankheit geholt, weil ich mich ständig über die Missstände beschwert habe und das Personal mich dort lieber von hinten sah.
Wenn man bedenkt, dass das Heim das vierfache meiner jetzigen Rente monatlich bekommen hat und mittags finde ich meinen Vater ungewaschen in seinem Urin ohne Versorgung in seinem Bett vor, dann steigt einem schon der Blutdruck vor Wut. Ewige Diskussionen erfolgten ständig. Man lässt dort seine ganze Kraft als Angehörige. Soviel zum Heim..

Jedenfalls werde ich mir Mühe geben und die Ohren steif halten. liebe Grüße...

26.01.2014 16:15 • #3


Ich habe von betreutem Wohnen gesprochen, wo man eine eigene kleine Wohnung hat, aber Betreuung erhalten kann, wenn man mal krank sein sollte, und ausserdem Freizeitaktivitäten angeboten werden und man die Möglichkeit zu gemeinsamen Kaffeetrinken o.ä. hat, aber genauso auch die Wohnungstüre hinter sich zumachen und allein bleiben kann, je nach Gusto und Befinden.
Von einem Pflegeheim habe ich nicht gesprochen!

Übrigens finde ich die Tatsache, dass Dein Sohn und Deine Schwiegertochter beide berufstätig sind, ist kein Argument dafür, dass Ihr Euch nie trefft- es gibt ja auch noch Wochenenden und Urlaub oder Feiertage...
Wenn Ihr in derselben Stadt wohnt, kann man sich doch an freien Tagen mal besuchen?!
Was würde passieren können, wenn Du einfach mal anrufst und sagst, Du würdest am kommenden Sonntag gerne mal zum Kaffe vorbeikommen, Du würdest die Familie gern mal sehen?
Kannst ja sagen, Du bringst auch einen Kuchen mit, dann ist das Eis schon gebrochen- wird immer gern genommen...

Wünsche Dir, dass Du einen Weg findest, mehr mit Deiner Familie in Kontakt zu sein und auch sonst vielleicht Leute triffst, die Dir sympathisch sind, Deine Interessen teilen (wie die Strickgruppe ) und mit denen Du ein bisschen kommunizieren kannst!

26.01.2014 17:06 • #4




Dr. Matthias Nagel