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Bernstein38
Hallo hier ist Bernstein ,
ich bin ganz neu in diesem Forum und bin noch unsicher....

Ich versuche meine Situation mal ein Wenig zu beschreiben:
Meine Angst vor Krankheiten trage ich eigentlich schon mehrere Jahre mit mir herum .
Aber ganz schlimm wurde es als ich innerhalb von 3 Jahren 4 liebe Menschen an Krebs verloren habe.
Hab aber trotzallem immer versucht meine Situation und Gefühle vor meiner Familie zu verheimlichen.

Im Juni 2013 zog dann meine älteste Tochter von zu Hause aus und verpflichtete sich für 13 Jahre bei der Bundeswehr
und da kam eigentlich meine Krankheit so richtig ins Rollen.
Erst verfiel ich in eine Depression - mittelgradig....wollte mir aber nicht eingestehen das ich Hilfe brauchte.
Fing an meinen Körper immer öfters zu beobachten.
Meine Muttermale am Rücken ließ ich mir weg läsern , obwohl ich vom Hauarzt die Diagnose hatte diese sind harmlos.
Kleinste Pickel im Gesicht verunsicherten mich ....da dachte ich das könnte Hautkrebs werden.
Meine Ängste wurden schlimmer so das ich an ventrikulären Extrasystolen liet.....
klar dachte ich sofort an einen Herzfehler oder Infarkt.
Es ging weiter das ich Nachts nicht mehr schlafen konnte obwohl ich todmüde war... Hitzewallungen Mundtrockenheit Herzklopfen -stolpern , Magen Darm Probleme , Innere Unruhe , Reizbarkeit....ect....
All diese Symtome wurden von mir nicht akzeptiert und ich konnte mir nicht vorstellen das es von der Psyche kommt.
Also wurde gegoogelt und ich redete mir natürlich ein das diese Symtome alle zu einer Krankheit gehören müssen.

Bis eines Nachts.......da erlitt ich meine erste große Panikattacke...
Ich wurde aus dem Schlaf gerissen....ich dachte ich bekomme einen Infarkt
Mit dem Rettungswagen kam ich ins Krankenhaus und ich wurde auf den Kopf gestellt.
Blutbild, Langzeit EKG ,Langzeit Blutdruck , Magenspiegelung , Belastungs EKG , Herzecho....ect. am Ende hieß es alles OK
Die Ärzte erklärten mir es kommt von der Psyche....
Das war ein Schlag ins Gesicht und ich konnte es nicht verstehen und irgendwie nicht glauben.
Ich begab mich in Psychotherapie und bekam zu Anfang Mirtazapin 15 mg.
Diese nahm ich 6 Wochen und stand völlig neben mir und hab den Arzt gebeten diese Abzusetzen.
Das taten wir auch .
Wir trafen uns auch 2 mal die Woche und machten eine Verhaltenstherapie , mit 5 wöchiger Reha in einer Verhaltensklinik.
In der Klinik bekam ich Blut abgenommen und am Tag meiner Entlassung lass ich in meinem Entlassungsbrief...
Kontrolle der Leberwerte und da kam meine Angst vor Krankheiten wieder ins Rollen.

Ich malte mir die schlimmsten Krankheiten aus warum diese Kontrolle erforderlich ist ....ich muss dazu sagen das von 3 Leberwerten nur 1 Wert leicht erhöht war und die anderen Normal waren .
Und auch alle anderen Werte ok waren.
Der Arzt in der Klinik versicherte mir das dies nichts dramatisches ist und das dies auch unter der Einnahme von Medikamenten liegen kann....nehme regelmässig Thyronajod 75 und Pantoprazol

Kurz befriedigte mich diese Ausage !
Von der Reha aus fuhr ich in Urlaub aber dies war kein entspannter Urlaub denn egal wo ich war , war das Handy im Anschlag und ich am googeln und steigerte mich immer weiter rein.....ich fing an mein Essen auf Leberdiät umzustellen , kaufte mir teuere Mariendistelkapseln , fing an meine Haut auf gelbe Stellen zu untersuchen , Untersuchte meinen Stuhl und Urin...und das Gedankenrad war voll im Gange. Immer mehr Angstsymtome zeigten sich ...Magenschmerzen mit Sodbrennen , Mundtrockenheit und Kloßgefühl im Hals , Innere Unruhe ect........Morgens wachte ich auf und schon die Gedanken krank zu sein.......und immer weiter Googeln.....
Aus dem Urlaub zuhause als erstes zum Arzt .....Magenspiegelung-OK Ultraschall Leber und Organe -OK
Ich hab mir ein Blutzuckermessgerät gekauft-----Werte OK

Ich hab meinen Therapeuten angerufen der ist für 3 Wochen im Urlaub , wenn er zurück ist gehe ich sofort hin.
Das ganze ist mir schon sehr peinlich aber es ist sehr schwer mit dieser Angst zu leben
Dieses ganze grübeln grübeln.........ich weis auch das dieses Grübeln die Angstsymtome auslöst und das es ein Teufelskreis ist...aber trotzallem ist es schwer für mich es einfach abzustellen....

15.08.2014 10:07 • 15.08.2014 #1


2 Antworten ↓


Hallo Bernstein,

erst einmal herzlich willkommen hier

Das, was du von dir beschreibst, das kennen hier sicher die meisten und du wirst auch eine Fülle an Threads finden, wo ganz ähnliche Probleme und Erfahrungen thematisiert werden.

Dass du eine Psychotherapie machst oder gemacht hast, ist sicher eine sehr gute Sache und auch dringend wichtig, aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine Therapie nur eine Hilfestellung, einen Anstoß zur Selbsthilfe bieten kann. Den weit überwiegenden Part muss man selbst übernehmen.

Ich frage mich oft, wie es einem gelingen kann, diesen Teufelskreis der permanenten Selbstkontrolle zu durchbrechen; ich stecke da selbst noch mittendrin.
Der allerkleinste Anlass kann mich total aus der Bahn werfen und für Wochen oder gar Monate schwer verunsichern.
Rückblickend stelle ich fest, dass ich in den letzten 1,5 Jahren nur wenige Tage hatte, in denen mich keine Krankheitsängste überkommen haben.
Und sobald ich denke, ich bin auf einem guten Weg, ich kann aufatmen, kommt - bamm- wieder ein Rückschlag in irgend einer Form und das Gedankenkarussell fährt wieder mit mir los.

Wie wir da langsfristig rauskommen ? Ich weiß es nicht.

Ich wünsche dir jedenfalls, dass du hier im Forum auch, wie ich, gute Denkanstöße und Hilfestellungen erhalten wirst.

Aber merke dir bitte eines: das, was du beschreibst ist NICHT peinlich ! Sondern es ist eine ernstzunehmende gesundheitliche Störung, die einem verdammt viel Lebensqualität rauben kann und gegen die wir daher dringend etwas unternehmen müssen

15.08.2014 11:07 • x 2 #2


Bernstein38
Ich danke dir für deine Antwort☺
Es hat mich sehr viel Überwindung gekostet mich hier anzumelden. Es ist nicht einfach.....ja und ich sehe mich genauso....dieses Selbstbeobachten....mir ist schon klar das ich mich selbst dort reinsteiger aber ich hab den Knopf zum Umdenken noch nicht gefunden. Ich hatte auch Phasen , in denen hab ich nicht den Fokus auf mich gesetzt sondern auf mein jüngstes Kind...sie ist 10 Jahre. Dieses ständige Drang nach Ihr zu schauen ob es ihr gut geht oder ob ihr was weh tut....das kleinste zimperlein hat mich aufschrecken lassen.
Und hab sie zum arzt geschleppt. Dies hab ich heute im griff.....gott sei dank. ......dafür stehe ich und mein Körper im Mittelpunkt. Dir wünsche ich viel kraft aber es ist alles nicht einfach.....und ich hab die arzt besuche so satt......alles ein mist....

15.08.2014 11:20 • #3




Dr. Matthias Nagel