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Liebe Community!

Ich lese nun schon länger immer wieder Einträge hier, weil es mich zum Teil wirklich beruhigt, wie vielen Menschen es ähnlich wie mir geht. Vielen Dank an alle Betreiber*innen dieses Forums! Das ist eine großartige Sache.

Nachdem es mich heute Abend wieder Mal erwischt hat, habe ich beschlossen selbst hier zu schreiben, auch wenn es schon zahlreiche Threads in diese Richtung gibt. Vielleicht hilft es mir ja, ein bisschen was loszuwerden. Gleichzeitig würde ich mich auch sehr über Austausch freuen.

Kurz zu meiner Geschichte:
Ich bin männlich, 30+ und hatte schon öfter in meinem Leben Phasen, in denen ich Angst vor bestimmten Krankheiten hatte. Dies legte sich aber immer, nachdem bei Untersuchungen nichts rausgekommen ist.

Seit März ist alles anders. Voller Freude bekam ich meine erste Impfung gegen Corona und am Rückweg wurde ich von Meldungen erschlagen, dass Land für Land den Impfstoff, den ich bekommen habe, wegen vereinzelter tödlich endender Nebenwirkungen aussetzt. Ab diesem Moment habe ich begonnen meinen Körper massiv auf Schmerzen, etc. zu beobachten. Eine Woche nach der Impfung wurde mir unter der Dusche schwindelig. Weil ich das so nicht kannte, habe ich panische Angst bekommen und die Rettung gerufen. Ab ins Krankenhaus - sehr genau durchuntersucht - alles ok! Ich war beruhigt, aber das hat leider nicht wirklich angehalten. (Die zweite Impfung habe ich mir trotzdem geholt, weil zum Glück mein Gehirn noch ganz gut funktioniert und diese irrationalen Dinge häufig wegschieben kann).

Seither leide ich ständig unter irgendwelchen Beschwerden, mal wechseln sie sich ab, Mal tauchen sie zusammen auf. unter anderem: seltsames Kribbeln im Kopf, Herzrasen, starkes Schwitzen, dauerhaft kalte Hände und Füße, immer wieder Schwindel und das Gefühl nicht gut sehen zu können, Schmerzen in den Waden und abwechselnd in den Oberschenkeln, Brustschmerzen, Engegefühl in der Brust, Komisches Gefühl im linken Arm, Verdauungsprobleme, etc.

Zusätzlich beobachte ich meinen Körper in schlimmeren Phasen sehr genau und mir fällt natürlich immer etwas auf, das für eine schwere Krankheit sprechen könnte.

Hier ein paar Auszüge meiner abnormen Beobachtungen:
Meine Halsvenen kommen ganz stark raus (von vielen Seiten als nicht wahr bestätigt)
Meine Arme werden bei Bewegung ganz blass (von vielen Seiten als nicht wahr bestätigt)
Meine Beine sind geschwollen (von vielen Seiten als nicht wahr bestätigt)
Ich habe Sockenabdrücke (die hab ich schon immer. aber jetzt wurden sie plötzlich furchtbar bedrohlich)
Meine Adern an den Handinnenflächen sind extrem stark und dunkel sichtbar (hier frag ich nichtmal mehr bei Leuten nach)

Zusätzlich fühle ich immer wieder meinen Puls, beobachte ob ich gerade besonders blass oder rot im Gesicht bin, etc.

Ich habe schon alles durch: einige EKGs, ein Belastungs-EKG, Herzultraschall, Schädel-MRT, Blutabnahmen, Lungenröntgen, blablabla. Es kam nie wirklich was raus.
Nur beim Herzultraschall wurde mir gesagt, dass die Pumpleistung für mein Alter und Gewicht nicht hundertprozentig perfekt ist (ich mache gerade auch keinen Sport, oder sonst viel Bewegung - nehme an, dass mein Herz da auch nicht wie das eines Athleten pumpt), es gab aber keine Diagnose. Ich solle mir keine Sorgen machen und in 3 Monaten nochmal eins machen (das wäre dann in diesem Monat).
Hilfreich war das natürlich nicht, wobei ich mich immer wieder selbst zu beruhigen versuche. Auch wenn etwas minimal nicht in Ordnung wäre (Codewort: Herzschwäche), würde ich so schnell wahrscheinlich nicht daran sterben. Das mit dem Beruhigen klappt aber leider nicht immer.

Diese Woche habe ich wieder ziemlich heftige Brustschmerzen. Die traten aber nicht plötzlich auf, sondern sind immer irgendwie da. Sie wurden nur schlimmer. Am Montag war ich dann im Krankenhaus. Wieder EKG, Blutabnahme,. Überraschung: Alles ok. Nur der Blutdruck war erhöht - wegen der Angst, meinte der Arzt.

Die Schmerzen waren dann wieder erträglicher und mir ging es eigentlich recht gut. Heute sind sie aber wieder heftig geworden. Besonders links, dann aber auch mittig, dann auf beiden Seiten. Ich bin diesmal aber nicht ins Krankenhaus, weil ich auch keine Lust mehr hab mir irgendetwas anschauen zu lassen. Nachdem die Schmerzen bei bestimmten Verrenkungen/Bewegungen und beim Bücken stärker sind und manchmal gar nicht spürbar, glaube ich eigentlich auch nicht daran, dass es das Herz ist. Dennoch hatte ich vorher, nachdem ich meine Schmerzen intensivst beobachtet hatte, wieder eine Panikattacke.

Ich versuche auch wirklich mein Bestes, das loszuwerden. Ich gehe einmal pro Woche in Therapie und habe auch das Gefühl, dass es hilft, versuche zu entspannen, rede mit Freund*innen und Familie darüber, hatte dazwischen auch eine sportliche Phase (leider wieder weg), lenke mich ab,. und wenn ich denke: Jetzt gehts bergauf - BUMM - erwischt es mich wieder. Und obwohl ich es alles schon so gut kenne, kommt dann immer der Gedanke: Jetzt ist es anders. Jetzt ist es wirklich etwas Bedrohliches! Wenn es dann vorbei ist, bin ich sehr zornig auf mich, dass ich mich wieder Mal wegen nichts so reingesteigert habe. Und ein bisschen Restangst bleibt auch. Ich glaube ich war seit März keinen einzigen Tag hundertprozentig entspannt.

Am schlimmsten ist es, wenn ich alleine zuhause bin. Das war früher nie ein Problem. Jetzt fürchte ich mich immer ein bisschen davor. Und das Badezimmer ist ein Feind geworden. Die Dusche, bei der es ja zum ersten Mal passiert ist, ist oft eine Qual, aber ich machs natürlich trotzdem - denn ohne Duschen geht ja nix.

Ansonsten bin ich aber noch ganz gut lebensfähig, gehe normal arbeiten (wo es mir meistens super geht und ich fast keine Beschwerden habe) , treffe Leute, gehe raus. Eine Angst ist aber, dass das kippen könnte und ich mich nicht mehr aus der Wohnung traue, wie so viele Betroffene. Das wäre mein absoluter Albtraum.

So. Das war meine Geschichte. Ich habe nicht wirklich Fragen, würde mich aber freuen, wenn sich Menschen melden, denen es ähnlich geht, oder Menschen, die ihre Ängste und Zustände irgendwie losgeworden sind. Ich brauche irgendeine Hoffnung, dass es vorbei geht.

Entschuldigung für so viel Text, aber es musste irgendwie raus.

Liebe Grüße

02.11.2021 23:39 • 05.11.2021 x 1 #1


8 Antworten ↓


Hallo hell
Es freut mich das du den Weg in dieses Forum gefunden hast und dich traust einen Beitrag zu schreiben.
Viele hier (auch ich) kennen das Problem was du beschreibst. Durch die Angst steigern wir uns zum einen in Symptome rein und sie werden immer schlimmer und man denkt wenn nicht gleich jemand nachschaut was da los ist wars das...aber ich kann dich beruhigen, bei dir wurde nix gefunden nach gründlichen durchcken. Das reinsteigern kommt bei dir davon, das du jetz deinen Körper ganz ganz ganz ganz genau beobachtest, so fallen dir Kleinigkeit auf, du steigert dich rein, sie werden schlimmer. Ein ewiger böser Kreislauf. Aber keine sorge es ist alles gut du bist durchgecheckt

03.11.2021 00:28 • x 1 #2



Angst vor Herzinfarkt Brustschmerzen, Herzrasen, Schwindel

x 3


Hey hell,
erstmal brauchst du dich für den langen Text nicht entschuldigen - ist doch toll, wenn du dir das alles mal von der Seele schreiben konntest!

Ich kenne das mit der übersteigerten Wachsamkeit in Bezug auf den eigenen Körper sehr gut.
Zur Zeit liegt die Fokussierung bei mir stark auf dem Herz, habe es aber gerade ganz gut im Griff.
Trotzdem merke ich jede noch so kleine Unregelmäßigkeit sofort und mein Körper schüttet gefühlt sofort Adrenalin aus. Allerdings ist mein Umgang damit mittlerweile etwas besser geworden, nachdem mir nun mehrere Herzspezialisten gesagt haben, dass mein Herz gesund ist.

In der Vergangenheit hatte ich aber schon die verrücktesten Sachen. Meistens ging dem Ganzen immer eine Story voraus, die ich irgendwo aufgeschnappt hatte - zb ein TV Beitrag über eine Herzkrankheit oder irgendein Fall aus dem Bekanntenkreis (Schlaganfall, MS, Krebs, was auch immer). Das hat dann ausgereicht, damit mein Gehirn genau diese Symptome in mir hervorrufen kann.
Eine Zeit lang hatte ich auch diese starken Halsvenen, als ich etwas über Aortendissektion gelesen hatte. Ich hatte wirklich alle paar Minuten gefühlt, wie dick sie sind.
Oder dauerhaftes Kribbel/Taubheitsgefühl in der linken Gesichtshälfte als ich von einem Schlaganfall im Bekanntenkreis gehört hatte. Meine Panikattacken hatten sich zu der Zeit auch auf genau diese Symptome gestützt. Einmal konnte ich kaum noch richtig laufen, weil ich das Gefühl hatte, meine Beine sind komplett taub.
Seitdem sich meine Angst hauptsächlich aufs Herz beschränkt, sind diese ganzen anderen Symptome komplett verschwunden.
Diese Erkenntnis macht die ganze Symptomatik für mich aber auch etwas weniger bedrohlich.

Es ist auf jeden Fall richtig krass, was man alles erlernen und verlernen kann, wenn man einfach nur seinen Fokus ändert.
Und es ist auch krass, was unser Gehirn bzw das vegetative Nervensystem für Symptome hervorrufen kann, ohne dass eine organische Ursache zu Grunde liegt.

Ich kann dir auf jeden Fall empfehlen, mit Sport anzufangen, falls du das noch nicht getan hast. Das hat bei mir echt was gebracht. Brauchte anfangs aber auch Unterstützung dabei, weil ich durch die Herzangst echt Probleme hatte, meinen Puls richtig hochzubringen.

03.11.2021 00:43 • x 1 #3


Danke @Angsthase19 und @Tidus! Es tut gut zu wissen, dass man nicht alleine dasteht. Gestern konnte ich kaum schlafen, weil sich die Schmerzen so extrem angefühlt haben. Heute war es besser und in der zweiten Tageshälfte sogar viel besser. Verrückt, was da alles mit einem passiert...
Habt ihr irgendwelche Tipps, wie man sich schnell runterholen kann, wenn es ganz heftig wird?

03.11.2021 17:08 • #4


einsam58
Hallo hell, das könnte glatt meine Geschichte sein. War erst gestern Nacht wieder Notaufnahme, 200 Blutdruck, brennen und Druck auf der Brust aber der Toponinwert war in Ordnung. Ich habe das seit der 2. Coronaimpfung so heftig, es wurde 3 Wochen nach Impfung hoher Dimerewert festgestellt aber keine weiteren Untersuchungen. Jetzt vor einer Woche nochmal Test der Wert immer noch hoch. Jetzt habe ich immer Panik wegen Thrombose uns Lungenembolie. Habe auch ständig heftige schmerzen im rechten Bein von Kniehkehle bis Fuss. Ärzte nehmen ein nicht ernst, hören nicht zu oder untersuchen nicht. Das macht mich fertig, jeden Morgen steht man auf mit Angst und Panik.

03.11.2021 20:46 • #5


@einsam58 Es tut mir wahnsinnig Leid, dass es dir so geht und ich fühle mit dir!
Es wird wahrscheinlich wenig helfen, aber ich versuche Mal dir was zur Beruhigung zu schreiben: Wenn man wirklich etwas Bedrohliches festgestellt hätte, hätte man bestimmt auch weiter untersucht.

Es ist so ein schrecklicher Teufelskreis mit der Angst und den Beschwerden. Nachdem ich heute zwischen Ich spür gar nix und Es ist ganz heftig und furchtbar alles durchgemacht habe, ist mir das noch bewusster geworden.

Hattest du auch schon vor deiner Impfung Probleme, wie Angstzustände, Panikattacken, Schmerzen?

03.11.2021 22:02 • #6


einsam58
Hallo hell, ja ich habe schon länger Probleme mit Angst und Panikattacken, wollte mir das nur lange nicht eingestehen. Durch die ständigen Schmerzen verliert man nach und nach Lebensqualität. Jetzt will ich mir helfen lassen weil ich nicht mehr kann, bin nur noch zu Hause, bin froh wenn ich den Haushalt noch schaffe. Dadurch kommt auch die Einsamkeit, es fällt mir schwer überhaupt noch Termine zu machen. Ich habe auch das Vertrauen gegenüber Ärzte verloren, fertigen ein in 5 min. ab, hören nicht zu. Habe mich durch gerungen einen Psychologen zu suchen aber das ist unmöglich. Eigentlich sind die letzten Monate nur noch ein Kampf denn Tag zu überstehen, bin froh das ich das Forum gefunden habe um meine Gedanken mal aus zu sprechen

04.11.2021 13:45 • #7


Zitat von hell:
Liebe Community! Ich lese nun schon länger immer wieder Einträge hier, weil es mich zum Teil wirklich beruhigt, wie vielen Menschen es ähnlich wie ...


Ich nehme an, du hast Astra Zeneca bekommen? Es gibt nur eine schwere NW, nämlich die Sinusvenenthrombose.
Hast du davor Angst? Wenn ja: erstens passiert das - wenn - innerhalb der ersten Wochen und zweitens geschieht das nicht schleichend, sondern plötzlich. Also all die Dinge, die du an dir beobachtest haben nichts mit dieser äußerst seltenen NW zu tun.

04.11.2021 19:18 • x 2 #8


Zitat von Pauline333:
Ich nehme an, du hast Astra Zeneca bekommen? Es gibt nur eine schwere NW, nämlich die Sinusvenenthrombose. Hast du davor Angst? Wenn ja: erstens ...


Danke! Genau, es war AZ. Ist nun aber schon sehr lange her. Ich habe also keine Angst davor. Aber nach der Impfung und den ganzen Meldungen hat meine Angst begonnen, beziehungsweise hatte ich da meine erste PA.
Als ziemlich schnell klar war, dass ich sicher keine Sinusvenenthrombose habe, war es auch eine Zeit lang gut. Danach hatte ich aber immer wieder Panikattacken und die Angst vor Herzkrankheiten hat sich entwickelt.
Ich glaube diese Impfhorrorstories waren der Auslöser dafür, dass es so schlimm geworden ist. Quasi der Tropfen, der nach den ganzen Lockdowns, viel Stress und vielen unaufgearbeiteten Dingen, das Fass zum Überlaufen brachte.

05.11.2021 21:27 • x 1 #9




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