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Hi,

ich brauche noch mal einen Rat. Ich bin total fertig.
Mir gehts ja im Moment nicht so gut. Nun beginnt morgen
meine Fahrgemeinschaft (hatte es bis jetzt geschafft nicht daran teilzunehmen). Ich bin wirklich fertig. Ich traue mir noch nicht so die langen Strecken auf der Autobahn zu. Ich leide manchmal unter Zwangsgedanken. Auf der Autobahn, wo es nur geradeaus geht, ist es besonders schlimm.
Es sind so Gedanken, wie ich laß das Lenkrad los oder Fahr gegen die Leitplanke oder ich halte jetzt sofort an! Ich weiß, dass es komische und fürchterliche Gedanken sind. Gerade das macht mich so fertig. Wenn ich alleine fahre, dann passiert nur mir etwas aber ich trage ja auch die Verantwortung über meine Insassen und damit komme ich nicht klar. Wie soll ich Verantwortung übernehmen, wenn ich mir selber nicht vertraue. Leider ist es die einzige Möglichkeit dort hinzukommen. Alleine fahren, wäre zu teuer. Jetzt könnte ich nur weinen, weil ich mich im Kreis bewege. Ich bin kein mutiger Autofahrer, das war ich noch nie. Ich hatte mal einen Unfall, den ich bis heute nicht vergessen kann, auch wenns nur ein Blechschaden war. Ich bin wirklich fertig. Leider kann ich auch nicht mit Bus und Bahn fahren. Die Stadt hat keinen Bahnhof. Wie soll ich mich verhalten. Morgen muss ich noch nicht fahren aber am Dienstag. Weiß jemand Rat? Ich bin dankbar über jeden Rat, vielleicht kennt ja jemand das Gefühl von Zwangsgedanken und weiß, was man dagegen tun kann!

Liebe Grüße Kad

20.07.2008 19:50 • 21.07.2008 #1


13 Antworten ↓


Lysira
Hallo Kad,

mir tut das so leid, ich lese Deine grosse Not und kann das so verstehen.

Ich denke, die einzige Möglichkeit ist, es ihnen zu sagen. Ich bin sicher, sie haben Verständnis. Vielleicht kannst Du ja mit denen abmachen, dass Du vielleicht erstmal nur die Strecke fährst, die nicht die Autobahn beinhaltet?

Meinst Du, dass die Gedanken vielleicht gar nicht kommen, wenn sie sich während der Fahrt mit Dir unterhalten? Also Du abgelenkt bist?

Ich würde mir einfach was überlegen, was ich denen im Gegenzug anbieten könnte. Vielleicht den Kaffee unterwegs zu bezahlen und eben nur ein Stückchen zu fahren.

Gibt es vielleicht einen von der Fahrgemeinschaft, den Du heute noch anrufen könntest? Wenn Du erstmal einem das erklärst, dann hilft er Dir vielleicht bei den Anderen?

Mehr fällt mir leider auch nicht ein.

Ich würde es mit dem Unfall erklären. Das Du seit dem eben Angst hast, Ich glaub, dass verstehen die auch.

Wünsch Dir echt, dass es eine Lösung gibt.
Lieben Gruss

Lysira

20.07.2008 20:24 • #2



Zwangsgedanken beim Autofahren

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Christina
Hallo Kad,

ich kenne solche Zwangsgedanken (u.a.) nur zu gut. Deshalb habe ich auf der Autobahn auch immer fürchterlich zu kämpfen, ganz besonders beim Überholen. Ich bin auch keine mutige Fahrerin, aber mit den Zwangsgedanken hat das ja nichts zu tun. Mir geht es gerade dann besser, wenn ich Beifahrer habe. Erstens lenkt das ab, zweitens bin ich mir sicher, dass ich vielleicht mich allein gegen einen Brückenpfeiler fahren würde, niemals aber auch noch andere mitnehmen würde. Aber wenn das bei Dir anders ist, wird es Dir auch nicht weiterhelfen.

Was Dir vielleicht helfen könnte, sind Erkenntnisse aus der Neuropsychologie. Danach sind bei Zwangskranken bestimmte Regionen im Frontalhirn vergleichsweise überaktiv. Diese Zentren sind zuständig für die Handlungskontrolle. Diese Überkontrolle ist mit Angst verbunden (sich nicht kontrollieren zu können und die Katastrophenhandlung doch zu machen) und damit, sich dauernd auf die Zwangsgedanken zu konzentrieren. Das ist das Blöde dabei, was wir wahrnehmen. Gleichzeitig sorgt unser hyperaktives Frontalhirn aber dafür, dass wir die Letzten auf dem Planeten wären, die wirklich das Lenkrad loslassen oder in die Leitplanke fahren würden.

Langfristig hilft gegen Zwangsgedanken hauptsächlich eine konfrontative Rosskur: Du sprichst Dir die Katastrophe in allen Einzelheiten auf Band, mit allen Folgen und ohne irgendwelche Beschwichtigungen. Dieses Band sollte Angst auslösen. Das hörst Du Dir täglich an, bis Du Dich dabei langweilst. V.a. und auch jetzt: Versuch' nicht, die Zwangsgedanken zu unterdrücken, das verstärkt sie nur (kennst Du wahrscheinlich: Denk jetzt auf keinen Fall an einen rosa Elefanten...). Versuch', sie zuzulassen und als Symptom einer Angststörung wahrzunehmen, nicht als Zeichen für etwas, das Du tun würdest - denn siehe oben: Dein Hirn lässt Dich gar nicht.

Zu Zwangsgedanken kenne ich nur ein einziges Buch (zu Zwangshandlungen gibt es viele), das aber zum Glück gut ist: Der Kobold im Kopf von Lee Baer.

Was die Fahrgemeinschaft angeht, bleibt Dir natürlich auch noch Vermeidung: Falls Du Deinen Mitfahrern von Deinen Zwangsgedanken erzählst, werden sie sich darum reißen, an Deiner Stelle (ggf. in Deinem Wagen) hinterm Steuer zu sitzen... Hab' ich mal so gemacht, und außer, dass mich niemand mehr als Fahrerin haben wollte, kamen keinerlei negative Reaktionen.

Liebe Grüße
Christina

20.07.2008 20:32 • #3


Hallo Ihr Lieben,

danke für eure lieben Worte und Ratschläge. Ich hatte auch überlegt zu sagen, das ich ungerne Autobahn fahre, der Unfall war zwar nicht auf der Autobahn, aber das brauchen die ja nicht zu wissen.
Ich dachte, wenn ich sage, das ich noch sehr unsicher fahre, würden die evtl. die Autobahn fahren und ich die Landstraße. Es ist wirklich nicht sehr einfach. Die 2 Mädels, die auch in meiner Stadt wohnen, sind sehr eigen und bestehen auch darauf, dass jeder mal fährt. Ich versuche mich schon umzuschauen, ob es evtl. noch eine andere Fahrgemeinschaft gibt. Mein Angst Problem ist es ja auch, dass ich Angst habe die Kontrolle über mich zu verlieren und so ist es halt wohl auch auf der Autobahn. Anderseits möchte ich mich ja auch irgendwie der Angst stellen. Ich fahre Gott Sei Dank erst Dienstag, so daß ich morgen während der Fahrt ja mal versuchen kann, wie die Anderen so drauf sind. Es ist wirklich sehr schwer. Ich glaube, auch wenn es der einfachste Weg wäre, einfach die Wahrheit zu sagen, sage ich es lieber nicht. Wer versteht schon solche Gedanken. Ich habe mich am Anfang vor solchen Gedanken richtig geschämt. Teilweise mochte ich es noch nicht mal meinen Therapeuten erzählen, bis ich erfahren habe, das es bei Angststörungen wohl sehr oft vorkommt. Trotzdem schäme ich mich manchmal. Ach, das ist echt doof......
Warum kann man nicht einfach wieder mutig sein.........

Lg Kad

20.07.2008 20:52 • #4


Hallo, habe gerade Deine Zeilen gelesen und fühle mich nun ein wenig zurückversetzt ca. für 1 Jahr!
Mir ging es damals genauso wie Dir heute ! Soll ich oder soll ich nicht - den anderen die Wahrheit sagen - ??
Nun das Resultat:
Erstmals wochenlang irgendwelche Ausreden herbeigezogen, z.B. Kopfschmerzen, übelkeit etc. ständig etwas anderes !
Das ganze wurde mir dann nur noch peinlicher und dann habe ich mir eine Person meines Vertrauens herausgepickst und die Wahrheit ausgespuckt!
So! Ab da war mein Kopf wieder frei für wichtigere Dinge als Ausreden suchen!
Mir kam großes Verständnis entgegen , ja sogar die eine oder andere Zustimmung von Personen die so etwas selbst schon kannten! Die Überraschung meinreseits war groß - glaube mir - !
Ich fahre heute noch nicht Autobahn - aber egal - ich wollte Dir damit nur sagen dass Du ruhig mit offenen Karten spielen solltest ! Meine Erfahrung jedenfalls !
Du wirst Dich wundern, wie groß das Verständnis Deiner Kollegen sein wird ! Wir müssen uns vor NICHTS schämen ! Es kann jeden und jederzeit selber treffen ! Wir haben uns dies nicht ausgesucht !
Ich wünsche Dir dass Du genau wie ich offene Kollegen hast die Verständnis für Dich aufbringen !
Lass Dich mal grüßen hier.....

20.07.2008 21:11 • #5


Hallo Kad,

Ich an deiner Stelle würde nichts von den Zwangsgedanken erwähnen, weil es von normalen Menschen sowieso nicht verstanden wird, oder sie dich noch für geisteskrank einstufen (das ist einfach so bei Leuten die sowas nicht haben oder kennen )

Am besten ist denke ich wenn Du sagst das du seit deinem Unfall an extremer Panik auf der Autobahn leidest, und es Dir nicht zumutest. Denke das wird eher akzeptiert (oder verstanden)

Ps. Du kommst nicht zufällig aus Ex-Yu? Wegen deinem Nick?
Kad

20.07.2008 21:15 • #6


Hallo ich nochmal!
Das wichtigste hatte ich wohl vergessen ....sorry....sorry...
Von den Zwangsgedanken würde ich vorerst nichts erwähnen, denke - das wäre für viele Nichtbetroffene einfach eine Stufe zu hoch ! Das habe ich damals auch nicht sofort gemacht !
Aber Du kannst erklären dass Du an Panikattacken leidest ! Das ist für ganz ganz viele verständlicher und nicht mehr ganz so fremd - für viele jedenfalls - !
Ich drück Dir fest die Daumen ! LG Grüße

20.07.2008 21:23 • #7


Hi an Alle!

Vielen lieben Dank für eure lieben Worte. Übrings Kiki, ich komme nicht daher. Ich muss gleich los und werde es mit dem Unfall erwähnen. Ich kann mir aber in etwa schon vorstellen, wie die reagieren werden. Mir gehts echt beschissen, ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und fühle mich wie der wandelne Tod. Ich bin so unter Druck, dass ich sogar Nachts nicht mehr schlafen kann. Jetzt warte ich manchmal nur noch darauf umzukippen. Es tut gut, wenn es Menschen gibt, die einen verstehen. Leider kommt das aus meinem Umfeld nicht viel zurück. Ich weiß so langsam echt nicht mehr, wie lange ich das alles noch aushalte. Kennt ihr das auch? Ich wäre jetzt am liebsten auf einer einsamen Insel oder irgendwo, wo mich keiner findet. Ich fahre jetzt gleich zur Höhle des Löwens. Wenn ich heute Abend wieder da bin, werde ich sofort ins Bett gehen, die 1 Stunde Schlaf schlaucht mich jetzt schon. Auf das nachher viele PA's kommen werden Ich erwarte sie jetzt schon....Lg Kad

21.07.2008 05:38 • #8


Lysira
Ich hoffe sehr, dass Du es gut überstehst und Deine Fahrgemeinschaft Verständnis zeigt.

Dir ganz doll die Daumen drück

LG Lysira

21.07.2008 10:31 • #9


Frank 007
Hallo Kad,

ich hab mich kürzlich noch mit dem Thema Zwangsgedanken beschäftigt, weil ich plötzlich auch welche hatte. Dann hab ich recherchiert und gelesen, das Zwangsgedanken oft im Zusammenhang mit einer depressiven Phase oder am Ende einer solchen auftreten. Dann hab ich mir Literatur besorgt, weil ich wirklich Angst hatte diese Gedanken in die Tat umzusetzen. Es gibt ein gutes Buch zu dem Thema. Der Kobold im Kopf von Lee Baer. Kann ich dir nur empfehlen, nimmt den Gedanken ein wenig den Schrecken.
Ich hoffe das hilft Dir ein wenig und ich kann den Druck unter dem du stehst voll nachvollziehen!
Nimmst du eigentlich Medikamente?
LG Frank

21.07.2008 10:42 • #10


Hallo Ihr Lieben,

als hätte ich es mir gedacht. Die F-Gemeinschaft hatte natürlich kein Verständnis. Ich darf zwar jetzt bis Ende Juli so mitfahren bzw. muß Benzingeld bezahlen, dann wollen sie aber lieber nicht mehr mit mir fahren. Schließlich sei ja kein Verlaß auf so jemanden. Ich war wirklich sehr sauer. Ich kam mir so blöd vor, als ich es gesagt habe und komme mir immer noch blöd vor. Ich muss jetzt schauen, was ich mache, wahrscheinlich muss ich mir jetzt ein Zimmer nehmen. Das finde ich natürlich auch nicht so toll, gerade auch bedingt durch mein Ängste bin ich nicht gerne alleine. Wenn die Strecke nicht so weit und teuer wäre, würde ich sie trotz meiner Ängste alleine fahren. Es tut gut, wenn man wengistens hier verstanden wird, man fühlt sich so elend. Dabei haben doch bestimmt viele Menschen Angst. Die nächsten Tage mit der F-Gemeinschaft könnt ihr euch ja jetzt denken, wie man sich findet unter Leuten, die denken Du bist bescheuert, dabei habe ich sogar gelogen und gesagt, ich hätte ein blödes Erlebnis auf der Autobahn gehabt.

Wenigstens findet man hier Trost;-)
Liebe Grüße Kad

21.07.2008 19:30 • #11


Hallo Kad !

Das tut mir sooo leid.
Ja, das sind diese blöden Rückschläge, die uns alle immer wieder treffen.

Aber vielleicht kannst du es als Chance sehen.
Da dir ja nun demnächst die Möglichkeit der Fahrgemeinschaft versagt ist, bist du gezwungen, umzudenken.
Du wirst irgendeine andere Lösung finden müssen.
Und vielleicht ist gerade diese eine neue Lösung DEIN Schritt ins Leben !

Ich wünsche es dir .

( Manchmal merkt man nicht sofort, dass man vorwärts kommt, aber wenn du irgendwann zurückschaust, siehst du es. )

Liebe Grüße,
winterfee

21.07.2008 19:40 • #12


Lysira
Hallo Kad,

das ist echt schade. Ich war sicher, Du würdest auf Verständnis stoßen, aber so kann man sich irren. Tut mir sehr leid.

Hast Du schon mal darüber nachgedacht, Dir dort vielleicht ein Zimmer in einer WG zu suchen? Immerhin würdest Du dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, keine Fahrten und trotzdem nicht alleine.

Jedenfalls ist es gut, dass Du die nächsten Tage nicht fahren musst und somit ist wenigstens etwas dabei herausgekommen.

Sicher, Vermeidungshaltung ist ja eigentlich grad das Falsche, aber ich finde man sollte zumindest selbst entscheiden können, wann man etwas anpackt und nicht, weil man keine andere Wahl mehr hat.

Echt blöd alles

LG Lysira

21.07.2008 19:47 • #13


Hi winterfee,

danke, das ist lieb von Dir. Ich fühlte mich eh unter Druck gesetzt von denen. Sie waren so festgefahren. Ich gucke, ob ich evtl. noch jemanden finde, der aus meiner Richtung kommt. Ansonsten versuche ich es mit dem Zimmer. Es gibt auch viele Kollegen, die dort wohnen, vielleicht kann man sich ja mal treffen..

Nachdem ich vorhin so fertig war und nur noch geweint habe, geht es mir jetzt schon etwas besser.....

Alles Liebe

Kad

21.07.2008 19:49 • #14



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