Zitat von JenniferB1611: bei meiner Psychiaterin gestern nicht gegangen bin mit der Erwartung, dass die mir ein 3. Medikament empfehlen würde.
Zitat von JenniferB1611: Und der Termin bei der Psychiaterin hätte mir zwar neue Hoffnung geben können, aber stattdessen bin ich einfach nur verunsichert, was ich für eine Entscheidung treffen soll, weil ich immer Angst habe, dass es die falsche Entscheidung mit fatalen Folgen ist...
Ich kann Dich total verstehen und natürlich sind Deine Ängste nicht unberechtig, denn reden wir mal Klartext und ohne Zurückhaltung.
Mein Dad war knapp 30 Jahre Krankenpfleger in der geschlossenen, psychiatrischen Station einer großen Klinik. Er hat meiner Mutter entsprechend viele Dinge erzählt (die war ja auch sehr lange Krankenschwester). Seit meiner Erkrankung habe ich dann in Gespräche mit meiner Mutter auch immer wieder mal über die Geschichten von meinem Dad gesprochen. Natürlich hatte mein Dad in der ganzen Zeit auch nicht selten den Eindruck, dass einige Patienten ab einem gewissen Punkt sozusagen einfach "mit der Brechstange" behandelt wurden, sprich, es wurden ihnen immer mehr Medikamente gegeben. Den Satz "Dass es einigen da irgendwann das komplette Gehirn zerschießt, ist doch nicht verwunderlich" werde ich daher nie vergessen.
Sicherlich sind das Erzählungen aus einer Klinik und dort im Extrembereich. Einige Patienten dort waren auch sozusagen "irreparabel" geschädigt. Ich weiß auch, dass z.B. Soldaten, die schlimme Kriegsereignisse durchgemacht haben, so geschädigt sind (das kann man im MRT sogar sehen an deren Gehirnarealen), dass sie niemals mehr ohne dauerhaft starke Medis auskommen können und selbst damit wird es nie wieder "gut" sein. Bei Extremfällen im sehr hohen Alter wird Tavor manchmal als Dauermedikament gegeben. Die Abhängigkeit wird akzeptiert, weil es wohl nicht anders geht und das hohe Alter soll dann die Wirkung samt Abhängigkeit rechtfertigen.
Mich hatten diese Geschichten damals sehr traurig gemacht, weil es eben den Begriff "Hoffnungslosigkeit" in den Raum schmeißt. Sorry, dass ich da jetzt etwas ein paar unschöne Sätze geschrieben habe. Es soll keinen hier herunterziehen. Das sind wie gesagt Extremfälle und ich glaube eigentlich auch nicht, dass die Psychiater, die uns hier betreuen, einfach mal so bestimmte Grenzen überschreiten. Aber trotzdem müssen wir ein wenig wachsam bleiben und im Zweifel auch Zweitmeinungen einholen finde ich. Auf der anderen Seite weiß eben doch keiner von uns hier, wie schwer die Erkrankung des anderen ist. Ich kann bzgl. PTBS etc z.B. nicht wirklich engste Erfahrungen mitteilen, weil da selbst in unserer Selbsthilfegruppe keiner ist, der das hat. Mein Thread hier ist auch wohl eher hilfreich für die Angstpatienten, welche kein klassisches PTBS haben, sondern lange Zeit ein recht normales und glückliches Leben hatten, dann aber irgendwann im (mittleren) Erwachsenenalter "zusammenklappen" / Symptome entwickeln. Die Grundlagen dafür wurden bei vielen natürlich auch schon im Kindesalter gelegt, aber wohl weniger durch Missbrauch etc, sondern durch bestimmte Prägungen.
Ich wollte das nur nochmal betonen, weil ich absolut verstehen kann, wenn wir uns dann an manchen Punkten nicht mehr so ganz in den anderen hineinversetzen können.