kinderblume1973 schrieb am Di, 19 Juni 2007 16:15
Ich hatte gestern ein langes Gespräch mit meiner Therapeutin,
die meinte ich solle froh sein, dass mein Freund nicht emotional auf meine Ängste eingeht, sondern die Sache NÜCHTERN anpackt. Klar ist es gut,wenn mein Freund nicht mit PANISCH wird bei einer meiner Angstattacken, aber ein bisschen mehr Verständnis für das Krankheitsbild wäre schon schön.
Und nun zu Dir Gast:
Ich bin froh, dass ich mit meinen Sorgen nicht alleine dastehe.
Ich habe auch meine Arbeit wegen meinen Panikattacken verloren.
Ich war bei der AWO tätig und vielleicht haben mich die vielen alten Menschen zu oft an den Tod erinnert. Habe nämlich Todesängste/plötzlicher Tod wie zB: Herzinfakt, Hirnschlag u.s.w.
Jetzt bin ich auf der Suche nach einer neuen Arbeit.Vielleicht finde ich ja eine Halbtagsstelle im Kindergarten.
Das wäre echt toll....
Tja und an meinen Ängste arbeite ich auch weiter.
Bis denne Anja
Hi, hier ist Cathy
ich wollt mich nicht einmischen, um nicht auch noch als "unsensibel" rüber zu kommen...aber warum glaubst Du, sagt Deine Therapeutin ganz klar und deutlich "Dein Freund hat genau richtig reagiert"? Du möchtest Verständnis für eine Angststörung inklusive Panikattacken, die Du selbst nicht verstehst. Hatte ewig lange Gespräche mit dem Psychologen und Thereapeuten meiner Schwester, weil ich jahrelang bevor sie endlich zur Therapie ging, mit echter Angst auf ihre Panikattacken reagiert habe...und ihr damit anscheinend sugeriert habe, dass auch ich um ihr Leben besorgt bin... ich will auf keinen Fall behaupten, dass sie das folgende geplant und eingefädelt hat...aber die Panikattacken waren nur der Anfang...je mehr ich oder ihre Partner darauf eingegangen sind, je weniger war sie nach einigen Jahren "im Stande" ihrem Beruf nachzugehen, ihre Kinder regelmäßig zu betreuen, alltägliche aber unangenehme Routinen zu erledigen etc...
Sie ging wirklich erst zum Psychologen als ich die Stadt und das Land verlassen habe...und als ich wiederkam, gab´s eben dieses Arztgespräch: Ich soll sie sogar stehen lassen und gehen, wenn sie mir gegenüber einen agressiven oder vorwurfsvollen Ton anschlägt...denn auch das ist ein Verhaltensmuster und Gefühl, dass genau wie die Panikattacken, in ihr entsteht und tatsächlich NIE "passiert" wenn sie wirklich alleine ist oder befürchten muss alleine gelassen zu werden...
Mal kurz gesagt: ihre Panikattacken sind/waren absolut echt, wurden aber über die Jahre Teil ihrer Persönlichkeit und vor allen eine "Möglichkeit" für sie zu kommunizieren...auch mit sich selbst...sie hat nicht mehr gesagt bzw. sie mußte nicht mehr sagen und fragen "Hör mal, kannst Du vielleicht für eine Woche meine Jungs versorgen, ich bin echt fertig und brauch ne Auszeit" oder "ich lass mich für 2 Wochen krankschreiben und mach mir ne gute Zeit" oder "Der Typ mit dem ich zusammen bin, langweilt mich zu tode, ich glaub ich trenn mich lieber" stattdessen, gab´s einen Anruf aus der Notaufnahme....und erst seitdem weder ich, noch ihre mittlerweile halbwegs erwachsenen Söhne und Partner nicht mehr mit Anteilnahme, Angst und Präventionsmaßnahmen wie (lass mal, ruh dich mal aus, ich mach schon) reagieren und natürlich mit Hilfe durch Fachärzte, sind diese Panikattacken "Vergangenheit"...sie fürchtet sich immer noch vorm Sterben bzw. vor dem Tod, aber auch das ist viel mehr ein Ausdruck ihrer Sorge was und ob was "danach" kommt, ob sie mit "Strafe" rechnen muss etc...sie ist nicht im Reinen mit sich selbst und das macht ihr Angst vor dem Tod
Ich will ganz ehrlich nicht den Klugscheißer spielen und Dir einreden, bei Dir ist das GENAU so, wollte nur klarstellen, dass ich mich mit diesem Thema schon lange - aus rein persönlichen Gründe - beschäftige ... Du betonst sehr oft "Mein Partner/Freund" zeigt nicht genug Verständnis, reagiert nicht richtig - ich leide darunter, hab deswegen meinen Job verloren usw. Das ist ganz fürchterlich für Dich, gar keine Frage, aber warum Deine Therapeutin die fachliche Meinung vertritt, Dein Freund sollte Deine Angst und Panik nicht noch durch unsachliche und ängstliche Anteilnahme "bestätigen" und "nähren" scheint auch nicht auf Verständnis Deinerseits zu stoßen. Machst Du Dir nicht auch Sorgen, dass Dir sowas im Kindergarten passieren könnte? Mit all den Kleinchen drumherum?
Ganz wirklich, ich wünsch Dir alles erdenklich Gute, aber so Panikattacken sind immer irgendein Zeichen von dem, was in Dir drin abläuft, das würde auch nicht "besser" wenn Dein Freund Dich fürsorglich und einfühlsam betreute, von daher wünsch ich Dir natürlich auch alles Gute bei der "Suche"
Cathy