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Hallo Zusammen,

mich würde mal von denen, denen es besser oder gut geht, interessieren, warum sie hier sind.
Mir geht es ja bereits seit fast einem Jahr wieder gut, dennoch lässt mich das Thema Angst nicht los.
Das heißt zwar nicht, dass sie in meinem Alltag und meinen Gedanken noch präsent ist,
im Unterbewusstsein offensichtlich schon.

Ich hab das Gefühl, ich muss im Forum regelmäßig vorbei schauen, dass ich ja nicht vergesse,
wie schlecht es mir ging und das ich auch ja immer auf mich aufpasse.

Das ist jetzt nichts was mich groß belastet, mich würde dennoch interessieren, ob es Anderen
auch so geht und ob ihr hier wirklich nur seid um zu helfen oder ob euch auch der letzte Schritt
der Heilung, das Loslassen, schwer fällt?

Vielen Dank schon mal für euer Feedback.
Grüße
vom Paddelmädchen

07.11.2015 16:28 • 10.11.2015 #1


16 Antworten ↓


Schlaflose
Ich bin hier vor mehr als 4 Jahren per Zufall gelandet, als ich nach einem Medikament gegoogelt habe. Damals war ich fast ein Jahr krank geschrieben und hatte viel Zeit und Langeweile, und so bin ich hier aus Zeitvertreib hängen geblieben. Wegen meinen eigenen Ängsten war ich nie hier, sondern um mit meinen Erfahrungen und meinem Wissen zu helfen und um mich einfach mit anderen zu bestimmten Themen, die mich interessieren, auszutauschen.

07.11.2015 17:05 • #2



Warum seid ihr hier? - Loslassen

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alice01
Hallo Paddlmädchen,
mir geht es ähnlich wie dir, nur dass ich überzeugt bin, dass es bei mir nicht am Nicht-Loslassen-Können liegt.
Nach der Therapie, als es mir wieder besser ging wollte ich das ganze Thema einfach hinter mir lassen, das Leben wieder genießen und diese schlimme Zeit einfach vergessen. Das ging auch 7 Jahre gut. Doch dann kam die Angst in Form eines Rückfalls, eines sehr kleinen zwar, zurück.
Diesen Fehler möchte ich nicht wieder machen. Ich denke auch, dass ich heute sehr viel mehr die Angst verstanden habe, als damals nach der Therapie und mir sehr vieles mehr bewusst machte. Außerdem sehe ich die Angst nicht mehr als Gegner an, sondern als einen Teil von mir, der mir hilft, solange ich ihn gut pflege und nicht mehr abweise.
Hier im Forum war ich zu Anfang sicherlich, um mir diese Dinge und die Methoden aus der Therapie wieder bewusst zu machen.

Mittlerweile bin ich jedoch überzeugt, dass mir die Thematik Angst so bewusst ist, dass ich problemlos ohne das Forum zurecht käme. Ich möchte aber vieles dem Forum wieder zurück geben und es bereitet mir sehr viel Freude, wenn ich anderen weiterhelfen kann, auch wenn das hier im Forum nur für Mini-Schritte möglich ist.
Außerdem habe ich hier tolle Gesprächspartner gefunden, mit denen ich mich gerne austausche, auch abseits der Angst.

07.11.2015 17:11 • #3


Icefalki
Ich bin hier, weil ich vor einem Jahr meinen Job hingeworfen habe und plötzlich vor dem Nichts gestanden habe.

Da meine Ängste schon sehr lange kein Thema mehr sind, bzw. ich sehr bewusst mit mir umgehen muss, wurde dieses Schreiben und Austauschen ein kleiner Rettungsanker für mich.

Zumal meine frühere Tätigkeit auch im Anlysieren und Erkennen von verstecken Problemen gehandelt hat. Das hat meinem Tag ein bisschen Struktur gegeben und wurde mir auch sehr wichtig.

Sprich, das Helfen wollen hat dann mir selbst sehr geholfen.

Was ich hier auch sehr wichtig finde, dass ehemalige Betroffene sehr wichtig für das Forum sind, spricht das doch dafür, dass es echte Hoffnung gibt, dass auch tiefe Täler durchschritten werden können.

Ich habe schon viel losgelassen. Aber dieses Forum gefällt mir. Irgendwie sitzt man gemeinsam in der Runde, und kennt sich irgendwie ein bisschen.

Ich mag es, wenn ich gut geschriebene, intelligente und tiefgründige Berichte und Meinungen und Erfahrungen lesen darf. Da lerne ich auch immer wieder etwa dazu.

Ich mag keine Oberflächlichkeiten mehr, mich interessiert das Dahinter, auch im realen Leben.

Und meine Ängste würden mich wieder einholen, wenn ich mich nicht ganz bewusst immer wieder mit mir auseinandersetzen würde. Ich war viel zu lange in dieser Problematik alleine drin, umso mehr genieße ich jetzt die Sicherheit, erstens nicht mehr alleine zu sein und zweitens mein Leben jetzt genießen zu dürfen.

Und der einzige Arzt, der mich regelmäßig sieht, ist nach wie vor mein Psychiater..

Man gönnt sich ja sonst nix.

07.11.2015 23:26 • #4


alice01
Hallo Icefalki,

darf ich dich fragen, wie bei dir diese, ich nenne sie mal regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Psychiater ablaufen? Ich bin seit meiner Therapie nirgendwo mehr gewesen. Ich habe mir aber oft schon gedacht, ob eventuell so ein regelmäßiger Check für mich vielleicht auch besser wäre...

07.11.2015 23:58 • #5


dont_panic
Ich weiß, es ist nicht wirklich nett, aber ich brauche dieses Forum unter anderem um mir klarzumachen, daß es mir RELATIV gut geht.
Hier sind so viele, denen es so viel schlechter geht und das hilft mir, mich zusammenzureißen. Ich darf mich nicht fallen lassen, ich darf nicht aufgeben, denn dann geht es mir noch so viel schlimmer. Dann verliere ich evt. meinen Job, mein soziales Umfeld, meine Freunde.
Ich bin (noch) nicht ganz unten und ich will da auch nicht ankommen.

Kein netter Grund, aber unglaublich wichtig für mich.

08.11.2015 01:34 • x 1 #6


Icefalki
Hi Alice, ich gehe alle 2-3 Monate zum Termin. Der wird immer wieder ausgemacht und wir besprechen da in ca. 30 Minuten meine aktuelle Situation. Zwischenzeitlich kenne ich ihn und seine privaten Verhältnisse und wir therapieren uns gegenseitig. D.h. Wir witzeln gerne rum.

Der kennt mich jetzt in- und auswendig. Ist wie hier, meine Stabilität hängt davon ab, wie ich mich hinterfrage. Geschieht zwar manchmal schon automatisch aber manchmal muss ich mich richtig bewusst abfragen.

Z.zt. Habe ich ne neue Stelle. Eigentlich war es nur so ein, na ich bewerbe mich halt mal, wird eh nix. Und was ist passiert, ich alte Kuh hab die Stelle.

Soweit war ich ganz stolz, jetzt wirds aber ernst. Ich kann gar nix mehr. Ist beim HNO Arzt, alles per PC und ich bin grottenschlecht und null Ahnung.

Als extrem leistungsbezogener Mensch kämpfe ich jetzt mit dieser Situation. Es ist schrecklich und ich kann nur damit leben, weil ich mir ständig sage, dass ich Zeit haben darf. Habe das auch schon mit dem Chef besprochen, der mich extra wegen. Eines Alters und meiner Erfahrung ausgesucht hat.

Und jetzt stoßen gerade wieder Welten in meinem Kopf aufeinander. Mein Ego und meine tatsächliche Leistung und mein akzeptieren müssen, dass ich echt bei null bin.

Das schafft mich ganz schön. Bin ich nicht mehr gewohnt. Aber ich will das mal versuchen, wer weiß.

Sind jetzt aber Situationen, die mir alles abverlangen.

Und darum bin ich auch froh, mit meinem Therapeuten darüber reden zu dürfen. Kopfmässig weiß ich alles, aber meine Gefühle muss ich achtsam hegen und pflegen.

08.11.2015 19:55 • #7


Hallo Paddlmädchen,

das Forum hat mir geholfen zu erkennen, dass es bei einer psychischen Störung nicht nur schwarz und weiss gibt, sondern auch noch ganz viel dazwischen - nicht mehr krank zu sein bedeutet nicht automatisch gesund zu sein.
Dummerweise setzt dieses schwarz-weiß Denken bei mir öfter Mal ein und ich verfalle in alte (schlechte) Angewohnheiten. Ich habe dann das Gefühl gesund zu sein und höre auf mich um mein eigenes Seelenwohl zu kümmern - was dann wiederrum in einem Rückschritt mündet. Das Forum hilft mir dabei, an dem Thema dran zu bleiben und erinnert mich daran, dass ich dafür arbeiten muss wenn es mir gut gehen soll.
Ich bin also mittlerweile aus purem Egoismus hier

08.11.2015 20:43 • #8


Icefalki
Komisch, wie ähnlich wir alle empfinden.

08.11.2015 21:45 • #9


Ja, das ist schon irgendwie amüsant.

09.11.2015 00:29 • #10


Maldur
Zitat von xoxoxoxo:
Hallo Paddlmädchen,

das Forum hat mir geholfen zu erkennen, dass es bei einer psychischen Störung nicht nur schwarz und weiss gibt, sondern auch noch ganz viel dazwischen - nicht mehr krank zu sein bedeutet nicht automatisch gesund zu sein.
Dummerweise setzt dieses schwarz-weiß Denken bei mir öfter Mal ein und ich verfalle in alte (schlechte) Angewohnheiten. Ich habe dann das Gefühl gesund zu sein und höre auf mich um mein eigenes Seelenwohl zu kümmern - was dann wiederrum in einem Rückschritt mündet. Das Forum hilft mir dabei, an dem Thema dran zu bleiben und erinnert mich daran, dass ich dafür arbeiten muss wenn es mir gut gehen soll.
Ich bin also mittlerweile aus purem Egoismus hier


oh ja so gehts mir auch. da denkt man, es ist wieder alles super, und verfällt schon wieder in alte schädliche muster...

09.11.2015 20:03 • #11


Eine Sachbearbeiterin hatte da für mich Mal genau die richtigen Worte parat:
Eine psychische Krankheit wie ich sie habe ist wie eine Behinderung. Wenn man eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit in Arm oder Bein hat, muss man sein Leben auch daran anpassen. Warum sollte es bei einer psychischen Behinderung anders sein? Nur, weil man es nicht sieht?

Ich kann mich immer noch schwer mit dem Gedanken an eine Behinderung meinerseits anfreunden, aber eigentlich gebe ich ihr da vollkommen recht. Man muss nicht aufhören die Dinge zu tun, die das Leben zu bieten hat. Man muss sie einfach anders angehen als früher.

09.11.2015 21:48 • #12


Schlaflose
Eine psychische Krankheit ist nie WIE eine Behinderung, es IST eine. Ich habe das schwarz auf weiß auf dem Bescheid vom Versorgungsamt.

10.11.2015 05:31 • #13


Carcass
Ich habe mir hier vor knapp 4 Jahren angemeldet , weil es in einem anderen Forum unerträglich wurde und hier ist alles viel offener und angenehmer. Ich bin immer noch hier, weil wenn ich mich für ein Forum entscheide, dann bleibe ich auch dabei. Klar geht es mir viel besser, genau das ist es doch dass man dann anderen doch helfen kann , denen es richtig schäbig geht. Stellt euch mal vor hier wären nur Kaputte, dann hätten wir aber ein Problem würde ich mal sagen , denn dann nur Jammerlappen und keiner der mal Mut zuspricht. Außerdem sind doch hier auch Themen , die nicht nur mit der Angst zu tun haben. Niemand ist wirlich ein Leben lang angstfrei, denn die Disposition wird ewig bleiben, weil man weiss was es heisst, Angst zu haben und die Symptome können jederzeit wieder kommen. Das Bewerten ist allerdings dann so die Frage , gehe ich ins KH oder bleibe ich mit einer kalten Kanne daheim

Ich find es gut hier und mir hat es auch geholfen. In den dunkelsten Phasen habe ich auch um mich getreten , daran erkennt man eben dass ein Forum einen auffägt, denn im Job kann man so nicht randalieren

10.11.2015 06:06 • #14


Ich danke euch für eure Antworten.
Ich finde mich in Jeder wieder.

Mir ging/geht es auch so, dass ich mich oft besser fühle, wenn ich lese, wie schlecht es anderen geht. Egoistisch? Hm. Naja. Ja. Aber ist nicht der fehlende Egoismus das, was uns her gebracht hat? Bei mir war es so und ich hab gelernt, dass man auch mal egoistisch sein muss.

Das Helfen ist für mich so ein Knackpunkt. Mir ging es schon so, dass die Geschichten der Anderen mir geholfen haben, deshalb wollte ich auch meine Geschichte teilen. Mir wurde hier aber schon mehrfach per PN vorgeworfen, ich würde aus rein eigennützigen Gründen helfen. Wer hilft, hilft nicht den anderen, sondern will sich nur selbst beweihräuchern.

Und wenn ich genau darüber nachdenke, hab ich auch selbst schon oft so gedacht. Oder wem geht es nicht so mit dem ein oder anderen User hier, der zig Tausend Beiträge schreibt?

Aber: Ihr habt mich überzeugt! Es stimmt. Ich bin auch sehr gerne hier. Ich lese super gerne von euch. Carcass. Schlaflose. Icefalki, du bist sowieso absolut lesens- und empfehlenswert! Ja.


Ich fühle mich übrigens nicht behindert. Im Gegenteil. Mir wurden neue Wege aufgezeigt. Bessere. Natürlich war es eine schlimme Zeit, aber ich wäre heute unglücklicher als je zuvor, wenn mich die Angst nicht gewatscht hätte und vielleicht ist es wirklich auch wichtig, sich ab und an daran zu erinnern und dankbar und demütig zu sein, für das was man hat und das was man geschafft hat.

@Carcass: Super Bild! War der nicht bei der Sendung mit der Maus oder woher kenn ich den?

10.11.2015 09:29 • #15


Luna70
Ich bin vor ca. 18 Monaten hierher gekommen, weil mich ein ganz normaler Vorsorge-Termin beim Frauenarzt an den Rand des Wahnsinns gebracht hat. Damals wurde mir klar, dass ich mich nun wirklich mal mit meiner Angst-Thematik beschäftigen muss. Momentan geht es mir gut, nächste Woche ist der nächste Vorsorge-Termin und ich bin noch ruhig. Ich habe mir auch schon die Frage gestellt, ob es nicht besser wäre, sich vom Forum zurück zu ziehen, quasi als nächsten Schritt zur Normalität.

Aber zum einen glaube ich, die Veranlagung steckt in mir drin und das wird sich auch nicht mehr ändern. Ich muss wachsam bleiben und der Angst möglichst wenig Raum geben. Zum anderen sind hier viele liebe Menschen, an die ich mich irgendwie gewöhnt habe.

10.11.2015 09:52 • #16


Carcass
Paddlmädchen: Jau, Das ist der Kleine Maulwurf ^^

10.11.2015 09:57 • #17



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