Zitat von vent:Sehen wir die Angst vor der Unzuverlässigkeit der eigenen Illusion als Selbtschutz, müssten wir auch die gesamte gedankliche Konstruktion der vermeintlichen Sinnfindung in der Erfüllung einer sich selbst auferlegten Norm ähnlich wahrnehmen, also die Ursache der Krankheit zum erfolgsbringenden Meilenstein umfunktionieren.
Oh, bei manchen ist das so. Ausreichend begabte Narzissten können sich so u.U. ihr Leben lang stabil halten. Symptome treten mitunter erst auf, wenn die selbst auferlegte Norm nicht mehr erfüllt werden kann. Kann sie erfüllt werden, hat man es mit Erfolgsmenschen zu tun, die der (Leistungs)Gesellschaft als Vorbilder dienen. Die Psyche schlägt keine Wege ein, die nicht schon mal funktioniert haben. Krank wird man erst, wenn man an die Grenzen dieser Wege stößt und keine Handlungsalternativen entwickelt oder gelernt hat.
Zitat von vent:Eine Alibifunktion bedeutet doch auch sich einzubilden, dass Angst uns daran hindert ein großartiger Mensch zu sein und uns die Selbstbeweihräucherung, aus der ein innerer Konflikt entsteht, weiterhin schmackhaft macht. Das ist das Sich-die-Angst-schön-zu-reden.
Wenn man da stehen bleibt, ja. Meist dämmern einem solche Funktionen der Angst aber doch im Rahmen einer Psychotherapie und da sollte mindestens der Therapeut drauf kommen, dass es sich um Größenphantasien handelt, die es abzubauen gilt. Die Kosten der Heilung anzuerkennen heißt ja nicht, die höheren Kosten des Krankbleibens zu ignorieren.
Zitat von vent:Zitat:Die Stabilität von Selbstbild und Selbstwert gehen weit über Alibifunktionen hinaus, auch an einem äußerst negativen Selbstbild und Selbstwert werden geradezu verzweifelt festgehalten.
Beim
Selbstbild und
Selbstwert stelle ich mir die Frage, warum Psychologie und Psychotherapie ein positives Selbstbild und einen genormten Selbstwert anstrebt, wenn einer ihrer eigenen Grundsätze heißt, dass das Werten und Vergleichen in menschlichen und zwischenmenschlichen Bereichen ein kontraproduktiver Weg ist und Polarität die Grundlage für Zweifel, Neid, Eifersucht und andere belastende Emotionen darstellt.
Aua! Es geht um ein realistisches und stabiles Selbstbild und einen positiven Selbstwert... Selbstbild verstanden als die Gesamtheit dessen, was man über sich selbst weiß oder zu wissen glaubt - über die eigenen Fähigkeiten, Reaktionsmuster, die Beschaffenheit des Körpers etc. Man kommt nicht unbeschadet über die Straße, wenn man die eigene Geschwindigkeit nicht einschätzen kann. Magersüchtige sehen ihr Hungern als begründet an, weil sie ein völlig verzerrtes Selbstbild haben. Und ein positiver Selbstwert ist die Überzeugung, liebenswert und vollständig zu sein - einfach so, unabhängig von Leistung und auch unabhängig von Vergleichen. Das Konzept als solches hat mit Bewerten nichts zu tun, höchsten mit Wertschätzen. Leider geht aber nicht jeder mit einem positiven Selbstwertgefühl aus der Kindheit hervor, sondern das Selbstwertgefühl ist allzu oft an Leistung, Normen oder Vergleiche gekoppelt. So lange man dabei gut abschneidet, mag es okay oder sogar "positiv" sein. Und das gute Abschneiden wird als zunächst realistisches Selbstbild gespeichert. Die Falle liegt darin, dass der für das Selbstbild notwendige Vergleich, die Einschätzung, inwieweit man Anforderungen und Veränderungen entsprechen kann, sofort und in ungünstiger Weise auf das Selbstwertgefühl rückwirkt - weil man wertet (wie man's gelernt hat). Da kann es sich schonmal besser anfühlen, auf realistische Selbsteinschätzung zu verzichten und lieber Phantasien nachzuhängen.
Nicht zu werten dürfte in den meisten Therapien ein zentrales Ziel sein. Ein Bild von sich zu haben, ist m.E. aber notwendig.
Liebe Grüße
Christina