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Hallo,

durch Corona ist bei mir leider einiges durcheinander gekommen. .

Nachdem ich meine Angst, Panikattacken und Depression vor einigen Jahren mit Therapie und Medikamenten in den Griff bekommen habe und nach einiger Zeit beides komplett absetzen/abschließen konnte, bin ich durch die ganzen Einschränkungen nun wieder mittendrin.

Das erste halbe Jahr konnte ich vieles noch gut kompensieren. Dann habe ich gemerkt, wie mit jeder Einschränkung ein Stückchen Angst/Depression zurückkehrte.

Ich habe dann durch meinen Hausarzt wieder Citalopram verschrieben bekommen; aktuell bin ich bei 10mg. Dies sollte auch erstmal die "Enddosis" sein, aber ich habe das Gefühl, dass es nicht ausreicht. 10mg nehme ich jetzt seit etwas mehr als einer Woche. Mit dem einschleichen habe ich vor vier Wochen begonnen, in ganz kleinen Schritten. Vielleicht bin ich da auch zu ungeduldig und muss noch etwas warten, aber seitdem ich Ciralopram wieder nehme, sind Panikattacken hinzugekommen. Ich habe die Hoffnung, dass diese bei einer höheren Dosierung wieder nachlassen?

Ich weiss, dass es Erstverschlechterungen gibt und das es dauern kann, bis das Medikament wirkt. Als ich es das erste Mal genommen habe, ging es mir bereits nach zwei Wochen viel besser - da war aber auch die Dosierung höher.

Eigentlich sollte ich auch bei einem Psychiater / Psychologen vorstellig werden, aber ich habe aktuell echte Probleme überhaupt jemanden für ein Erstgespräch zu finden. Ich habe zwar noch meine Aufzeichnungen aus der ersten Therapie und versuche einiges davon wieder umzusetzen, da ich aber damals an einem ganz anderen Punkt in meinem Leben war und durch die aktuellen Einschränkungen sind viele Sachen gar nicht mehr durchführbar.

31.03.2021 10:32 • 04.05.2021 #1


22 Antworten ↓


Hallo,

mir geht es da ähnlich. Letztes Jahr im März ist mein Job weggefallen, wegen Corona kam ich auch so nicht mehr unter Leute, selbst einkaufen haben mein Partner und ich nur 1 mal pro Woche und im Wechsel gemacht. Ich habe, wenn er einkaufen war, im Auto gewartet und teilweise richtig Panik bekommen, weil ich die Coronasituation so schlimm fand.

Medikamente nehme ich weiterhin, konnte sie sogar im Sommer langsam reduzieren, doch im Winter bekam ich wieder Depressionen.
Dann habe ich von so vielen anderen gehört, die an sich nicht psychisch krank sind, denen es ähnlich ging. Das hat mich etwas aufgebaut.
Man darf nicht vergessen, dass im Winter viele einen Vitamin D Mangel haben und das viel ausmachen kann. Ebenso eine Unterversorgung mit Eisen, B12 etc.

Meine Therapie ist letztes Jahr ausgelaufen, es stehen einem dann noch 3 Sitzungen pro Quartal zu, die ich auch nutze. Evtl ist es bei dir möglich, deinen alten Therapeuten zu kontaktieren?

Wegen Corona ist schon noch einiges möglich, das meiste mache ich aber nicht, weil man Kontakte meiden soll. Mittlerweile überlege ich genau, was ich davon nicht trotzdem umsetzen kann. Zb gehe ich jetzt wieder mehrmals pro Woche einkaufen und war auch einmal kurz mit Anmeldung shoppen. Demnächst möchte ich auch eine Strecke mit der Bahn fahren, weil das damals der Anfang meiner Panikattacken war.

Ich weiß nicht, ob es dir auch so geht, aber so ein Rückfall zieht mich runter, ich denke dann, dass ich "nie wieder" gesund werde, nie arbeiten gehen kann usw. Ist nicht immer leicht, sich selber von den Gedanken weg zu bringen. Mir hilft es auch, mir nicht zu große Ziele zu setzen und auch mal "scheitern" zu dürfen.

Zu deinem Medikament kann ich nichts sagen, habe das zwar auch mal genommen, weiß aber die Dosis nicht mehr. Der Psychiater sollte dein erster Anlaufpunkt sein, da hat man meistens nicht so lange Wartezeiten. Bei meinem habe ich jetzt sogar viel eher einen Termin bekommen, als sonst, evtl, weil viele wegen Corona spontan wieder absagen müssen.

31.03.2021 15:40 • x 3 #2



Rückfall durch Corona

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Da hast du wohl Recht. Der Winter hier in meiner Gegend war gefühlt endlos lang. Eigentlich mag ich die Weihnachtszeit und war ich nie ein Winterdepressions-Typ - aber diesen Winter war alles anders.

Es ist bei mir auch so, dass ich in Momenten der richtigen Angst und Verzweiflung das Gefühl habe, ich werde verrückt und es kann nicht mehr besser werden. Dazu kommt dieses Mal, dass sich der Fokus meiner Panikattacken verschoben hat:

Trigger

Früher stand das Gefühl im Vordergrund, dass ich nicht atmen kann (ich habe immer hyperventiliert). Jetzt habe ich bei einer Panikattacke Angst, ich könnte mir etwas antun, da das ja als Nebenwirkung im Beipackzettel der Tabletten steht. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu erwähnen, dass ich solche Absichten nicht hege. Es ist einfach mein Katastrophendenken während einer Panikattacke.



Das letzte Jahr hat auch wirklich viel Selbstvertrauen gekostet: im Moment habe ich riesige Angst davor, Fehler zu machen. Dabei geht es nicht um die Fehler an sich, sondern darum, dass ich davon ausgehe damit eine absolute Katastrophe auszulösen und sei der Fehler noch so klein. Kommt es dann tatsächlich zu einem Fehler, kann ich witzigerweise damit sehr gut umgehen. Manchmal verstehe ich meine eigenen Gedanken nicht.....

Mir hat es immer sehr geholfen, einen geregelten Tagesablauf zu haben. Das ist leider aktuell nicht möglich. Normalerweise würde ich mich auch mit Freunden treffen oder mit der Familie Abendessen. Auch das geht nicht. Dazu kommt, dass auch mein Sport sowie mein Hobby nicht stattfinden dürfen. Ich habe also sehr viel Zeit zum nachdenken.

Besonders schlecht geht es mir immer dann, wenn ich zur Ruhe komme. Das ist z.B. dann, wenn ich alleine zuhause bin oder auch nachts, wenn ich eigentlich schlafen sollte und von einer Panikattacke geweckt werde. Ich versuche mich an Meditation und Yoga, aber das hilft meistens nur in dem Moment, wo ich es mache.

Mein früherer Therapeut hat leider gar keine Kapazitäten frei. Vielleicht könnte ich ihm trotzdem eine E-Mail schreiben? Irgendwie habe ich momentan so eine ganz blöde Hemmschwelle im Kopf. Ich habe das Gefühl, mein Hausarzt hat ganz viel Verständnis und ich habe Schiss davor, dass ein Psychiater oder ein neuer Psychotherapeut das vielleicht nicht hat. Verstehst ihr, was ich meine?

Ich überlege nun, ob ich das Citalopram nicht auf 20mg hochdosiere. Das war damals meine Dosis, die mir extrem gut geholfen hat. Mit meinen 10mg liege ich ja noch unter der therapeutischen Dosis. Aber auch da habe ich irgendwie Angst vor der Angst.

31.03.2021 17:10 • #3


Icefalki
Zitat von Ostseemädchen:
. Das war damals meine Dosis, die mir extrem gut geholfen hat.


Also, warum zögert du noch? Du kennst doch die Wirkung.

31.03.2021 17:12 • x 1 #4


Zitat von Icefalki:
Also, warum zögert du noch? Du kennst doch die Wirkung.

Das ist auch so eine Angst-vor-der-Angst-Sache: Geht es mir dann vielleicht schlechter? Ist das die falsche Entscheidung? Wie schnell soll ich hoch dosieren? Muss ich das nicht in jedem Fall zuerst mit meinem Hausarzt besprechen?

Mein Freund und mein bester Kumpel sagen immer: "Wenn ich mir zu jedem *** so viele Gedanken machen würde wie du, hätte ich auch Depressionen und Panikattacken. Mach doch einfach Mal! " Entscheidungen treffen ist echt meine Achillesferse....

31.03.2021 17:28 • #5


Icefalki
Ja, aber das wird dein Hintergrundsproblem bei deinen Ängsten sein.

Wenn man so im Dazwischen hängt, ist das per se angstmachend. Ich habe eines gelernt bei der ganzen Geschichte, dass man Entscheidungen treffen muss, egal was passiert.

Und nun zur Aufdosierung. Kein Mensch hindert dich, das auch wieder runter zu dosieren. Ist kein Muss auf Ewigkeit.

31.03.2021 17:35 • x 1 #6


Danke für deine klaren Worte. Es tut gut, wenn man einfach Mal darüber sprechen kann und dann noch jemand da ist, der einem das Selbstvertrauen gibt, das man vielleicht momentan selbst nicht hat.
In den schlimmen Phasen hat man immer das Gefühl, man wäre der einzige "Bekloppte" auf der Welt und allen Anderen ginge es viel besser. Auch wenn ich es natürlich niemandem Wünsche tut es gut, hier Leute mit den gleichen Problemen zu finden.

31.03.2021 17:50 • #7


Ich würde auf 20mg hochdosieren, wenn es dir mit 10mg nicht besser bzw sogar schlechter geht. 20mg ist ja eine erprobte Standarddosis. Mir wurde damals gesagt, dass man - solange man unterhalb der therapeutische Dosis (Wert im Blut) - nur NW, aber keine wirkliche Wirkung hat.

Ähnlich wie wenn man bei sehr starken Kopfschmerzen nur eine halbe Tablette nimmt, wo mindestens 1 ganze angeraten ist: dann hat man nur die NW (z.B. Magenschleimhautreizung), aber immer noch Kopfweh.

31.03.2021 19:35 • #8


Pauline333 ich kenne mich mit dieser Materie tatsächlich nicht aus; was du sagst klingt für mich aber plausibel.

Ich habe heute morgen 12,5mg genommen und möchte mich nach Rücksprache mit meinem Arzt dann höher tasten. Etwas Angst habe ich schon. Es macht mich nervös nicht zu wissen, ob die Nebenwirkungen vielleicht noch schlimmer werden und ob ich sie dann aushalten kann.

Einen kleinen Erfolg konnte ich aber auch verbuchen: heute war die erste Nacht, in der ich nicht durch eine Panikattacke geweckt wurde

01.04.2021 11:20 • #9


Glückwunsch zur Nacht
Wenn ich dir noch was raten darf: ab 10mg machen diese Minischritte nach oben nur wenig Sinn. Bei 10mg sind durchschnittlich bereits 70 bis 80% der Rezeptoren blockiert, bei 20mg kommst du auf 90 oder 95. Der Schritt von 10 auf 20 mg hat also ein Anfluten von 10 bis max. 25 Prozentpunkten zur Folge wohingegen von 0 auf 10mg eben von 0 auf 70/80% zur Folge haben. Der Effekt bis auf 10mg ist also DEUTLICH anstrengender körperlich als von 10 auf 20.
Ich hoffe, ich konnte das verständlich ausdrücken. Ich würde direkt auf 15 oder sogar 20mg gehen.

01.04.2021 12:54 • #10


Demnach müsste ich "das Schlimmste" dann wohl überstanden haben? Wenn so viele Rezeptoren schon belegt sind, sollten sich die Nebenwirkungen ja eigentlich nicht übermäßig verstärken.
Ich werde mir bis morgen Mal überlegen, ob ich mutig genug bin, direkt auf 15mg zu gehen.

01.04.2021 13:19 • #11


Sauregurke
Hallo ich täte an deiner Stelle nicht so schnell hochfahren mit dem Citalopram Gib dem Körper etwas Zeit auch wenn es dir schwerfällt mit den Tabletten mitzugehen , ich hab Mal so nen Sprung gehabt von 10 auf 20 und mir ging es damit nicht so gut steiger die Dosis doch lieber konstant.

01.04.2021 14:08 • #12


portugal
Zitat von Ostseemädchen:
Das ist auch so eine Angst-vor-der-Angst-Sache: Geht es mir dann vielleicht schlechter? Ist das die falsche Entscheidung? Wie schnell soll ich hoch dosieren? Muss ich ...


Natürlich mit dem Arzt besprechen. Die mögen es gar nicht, wenn man einen Alleingang macht.

Normalerweise trifft man sich in der Anfangsphase eh jede Woche und dann wird entschieden ob und ab wann hoch dosiert wird.

Alles Gute

01.04.2021 14:42 • x 1 #13


Zitat von Sauregurke:
Hallo ich täte an deiner Stelle nicht so schnell hochfahren mit dem Citalopram Gib dem Körper etwas Zeit auch wenn es dir schwerfä...


Auf jeden Fall immer auf den Körper hören und nicht zu schnell aufdosieren.

Aber nochmal: die Aufnahme verläuft nicht linear, sondern progressiv.
Beispiel: wenn mit 10mg z.B. schon ca. 70% der Serotoninrezeptoren belegt sind, sind es mit 15mg vielleicht 77% und mit 20mg 80%.

Mit 2,5 mg Schritten ab 10mg zu steigern kann das Leiden unnötig verlängern, weil man entsprechend lange braucht, um die maximale Wirkung zu erreichen.

Aber ja, das muss jeder für sich entscheiden. Gerade mit AD muss man sich mit der Dosisanpassung wohl fühlen. Wenn man Angst vor einer vermeintlich zu großen Steigerung hat, wird allein das zu verstärkten NW führen.

Ich wollte es nur noch einmal genau erklären, weil es im Umkehrschluss eben auch Ängste im Rahmen einer Dosissteigerung nehmen kann.

01.04.2021 15:20 • x 1 #14


Deine Erklärungen haben mir auf jeden Fall geholfen. Danke dafür

01.04.2021 17:29 • x 1 #15


Guten Morgen,
nach Rücksprache mit meinem Arzt, werde ich ab heute 15mg nehmen. Er wäre eigentlich dafür, direkt auf 20mg zu gehen, aber das traue ich mich nicht. Meine 2,5mg Zwischenschritte würden mich am Ende natürlich auch ans Ziel führen, aber er glaubt, dass das mögliche Nebenwirkungen unnötig in die Länge ziehen würde.

02.04.2021 08:17 • #16


Ich habe nun vor fünf Tagen die Dosis erhöht und bis jetzt keine nennenswerten Nebenwirkungen und die, die da sind, sind alle körperlich. Seit der Erhöhung kann ich auch wieder durchschlafen.

Angst und Panik sind immer noch da, allerdings habe ich das Gefühl, als wäre eine Blockade im Kopf: ich spüre die körperlichen Reaktionen und auf der Gefühlsebene ein starkes Unwohlsein, aber dann geht es plötzlich nicht weiter.

05.04.2021 08:37 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Klingt nach dem richtigen Weg
Diese körperlich merkwürdig anmutenden Gefühle lösen sich normalerweise in den kommenden Wochen und Monaten gänzlich auf, sodass man sich wieder wie man selbst fühlt.

05.04.2021 08:51 • #18


Zwischenupdate: Mit der Erhöhung ist mein allgemeines Wohlbefinden auf jeden Fall gestiegen.

Das Einzige, was nahezu unverändert geblieben ist, ist die Angst vor Fehlern. Natürlich versuche ich daran zu arbeiten und habe nicht erwartet, dass das Medikament dieses Problem jetzt für mich löst. Aber ich hatte gehofft, dass es vielleicht etwas leichter wird...

Gerade heute Nacht bin ich z. B. mit dem Handy neben mir eingeschlafen. Ich wollte noch kurz eine interessante Sendung zu Ende schauen, bin aber wohl darüber eingeschlafen. Nun vermittelt mir meine Angst, ich könnte im Schlaf auf irgendeinen Knopf gedrückt haben oder vielleicht im Halbschlaf etwas getippt oder angeklickt haben, was ich klar denkend nicht tun würde...

Allgemein bezieht sich meine Angst vor Fehlern vor allem auf meine Arbeit, auf das Auto fahren sowie darauf, im Internet etwas anzuklicken, was mich dann mit einem teuren Abo dastehen lässt. Andere Bereiche sind eher selten/weniger betroffen.

09.04.2021 05:30 • #19


Guten Morgen,
heute nehme ich die erhöhte Dosis seit 17 Tagen die erhöhte Dosis. Allgemein fühle ich mich besser. Mein Umfeld gibt mir die Rückmeldung, dass ich nun auch wieder umgänglicher geworden bin.

Ich merke aber, dass mich Kleinigkeiten immer noch emotional aus der Bahn werfen. Nicht mehr so, wie ohne Medikament, aber immer noch genug um sich unverhältnismäßig schlecht zu fühlen.

Deswegen werde ich heute mit einer Dosis von 20mg beginnen. Wenn ich merke, dass es am Ende keinen Unterschied macht, kann ich immer noch wieder zurückgehen.

19.04.2021 04:59 • #20



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