Hallo Zusammen,

ich möchte heute die Gelegenheit nutzen und mich mit "Gleichbelasteten" austauschen. Ich habe eine diagnostizierte Angst und Panikstörung mit Agoraphobie. Diagnose erhielt ich vor knapp neun Jahren, danach absolvierte ich einen langen Weg mit Reha, Langzeittherapie, Tagesklinik und Umschulung um den Weg zurück ins Leben und Arbeitsleben zu finden. Nun bin ich seit 3 Jahren wieder beruflich tätig und das klappte bisher auch sehr gut. Konnte sogar Anfang letzen Jahres die Medikamente absetzen. Nun habe ich aktuell das Problem, dem Stress und Arbeitspegel des Berufs gefühlt nicht mehr gewachsen zu sein. Es ist hier wohl eine Zusammenspiel aus beruflichem und privatem Stress gepaart mit wenig Schlaf, der zur Rückkehr von gewissen Symptomen führt. Denke hauptsächlich liegt es an der momentan niederigen Energie, die mich mit aufflauenden Symptomen in der aktuellen Situation nicht so gut umgehen lässt.

Nun wollte ich mich gerne erkundigen, wie ihr Euer Berufsleben meistert und was Ihr für Strategien in kraftraubenden Zeiten habt. Wissen Euere Arbeitgeber übers Krankheitsbild Bescheid, seit Ihr mit GdB beschäftigt?

Ich freue mich auf Beiträge . Liebe Grüße Sindy

24.01.2018 09:50 • 31.01.2018 #1


3 Antworten ↓


HeikoEN
Wenn Du erfolgreich eine Therapie durchlaufen hast, dann hast Du auch (neben den Medikamenten) die Zusammenhänge über Angst und mögliche Gegenmaßnahmen gelernt (z.B. Entspannungsübungen, Sport usw.).

Ich kenne eine Vielzahl von Leuten, die z.B. mit aktivem Sport ihre psych. Zustand/Belastung komplett (!) "therapieren". Durch das "gute" Körpergefühl werden Körpersymptome nicht mehr so bedrohlich wahrgenommen.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, würde ich den Arbeitgeber nie über eine psych. Erkrankung informieren. Natürlich kommt es auf den Arbeitgeber an (ob Kleinunternehmen oder Großkonzern) und noch weitere Parameter, aber die Erfahrung zeigt, dass die Gesellschaft zwar schon viel weiss über Ängste und Depressionen, aber im Berufsleben das eher negativ ausgelegt wird.
Ein Arbeitgeber ist auch primär nur an der Arbeitsleistung interessiert und trotz einer moralischen und gesellschaftlichen Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer (sogar gesetzl. verankert), ist das heute schlichtweg wenig wert nur noch. Leistung, Flexibilität, Fachwissen sind Schlagworte, die in bestimmten Branchen knallhart gelebt werden, insb. wenn man Karriere machen will. Eine Erkrankung, insb. psychisch, lässt eher eine dauerhafte Minderung der genannten Attribute erwarten und warum sollte ein Unternehmen den vollen Preis für halbe Arbeitskraft bezahlen?

31.01.2018 12:53 • #2


Schokopudding
Ich finde, es ist ein zweischneidiges Schwert und hängt vom jeweiligen Arbeitgeber ab.

Es gibt sicher welche, die damit nicht umgehen können, keinerlei Empathie für ihre Angestellten aufbringen und nur mit einer kurzfristigen Perspektive arbeiten.

Es gibt aber auch solche, welche am Wohlbefinden ihrer Angestellten interessiert sind und bereit sind, schlechte Strukturen zu verändern. Einfach schon aus dem Grund, weil ungünstige Strukturen zu einer ganz großen Kostenstelle werden können und da spreche ich nicht nur von weiteren Krankenständen, sondern auch von Personal, das unmotiviert ist, innerlich gekündigt hat oder sogar sabotiert.

31.01.2018 13:38 • #3


Hast du schon an eine Kur als Präventionsmassnahme gedacht? Oft hilft es die Situation aus der Ferne zu betrachten. Was genau sind die Triggerpunkte. Zuviele Stunden; Arbeitsumfeld, welche Punkte lassen sich ändern.....du würdest erst einmal Abstand bekommen und könntest Energie tanken. Vorausgesetzt natürlich eine "Reise " gehört nicht zu den Stressoren.

31.01.2018 15:56 • #4





Dr. Christina Wiesemann