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Hallo zusammen,

seit einiger Zeit habe ich mich im Internet ein wenig über Angststörungen schlau gemacht und lese schon eine Weile immer mal wieder hier im Forum mit. Es ist schön zu sehen, dass ich nicht allein mit meiner Angststörung bin, denn so wie jeder in meiner Umgebung darauf reagiert, könnte man wirklich den Eindruck bekommen. Ich bin schon ziemlich schockiert, wie viele Angst-Geplagte es wirklich gibt.Und doch wird man teilweise nicht ernst genommen. Aber alles von Anfang an.

Ich bin 23 Jahre alt und Studentin im 7. Semester. Am Anfang habe ich das Studium zugegebenermaßen etwas schleifen lassen und vor etwa genau einem Jahr stand ich daher sehr unter Druck, als es darum ging, die entsprechende Anzahl an ECTS Punkten für das Bafög Amt nachzuweisen. Innerhalb von 3 Wochen hab ich 10 Klausuren geschrieben und auch alle bestanden. Davor habe ich allerdings auch mehrere Wochen 12 Stunden am Tag gelernt. Gegen Ende dieser Horrorphase fing das dann mit den Angstzuständen an. Ich muss euch wohl nicht beschreiben, wie sich das äußert. Seit Anfang des Jahres kommt hinzu, dass ich mich kaum vor die Tür traue, es kostet mich extrem große Überwindung und es kommt auch vor, dass ich draußen angekommen direkt wieder umkehre. In der Öffentlichkeit halte ich es nur draußen aus und auch nur, wenn die Luft angenehm und nicht zu schwül oder zu warm ist. Ich kann keine öffentlichen Gebäude mehr betreten, weil die meisten total überheizt sind und ich dann das Gefühl habe, ich würde umkippen. Einkaufen gehe ich nur noch im REWE, weil es dort eine Klimaanlage gibt oder in Läden, in denen die Kasse direkt an der Tür ist. Große Kaufhäuser, wie Karstadt oder Kaufland meide ich, vor allem, wenn die untersten Stockwerke dort unter der Erde liegen. Dieses Problem hatte ich vor diesen Angstzuständen nicht. Ich fühle mich generell übermäßig nervös, wenn ich z.B. weiß, dass ich in 2 Tagen das Haus wegen was auch immer verlassen muss. Schlafstörungen habe ich zum Glück keine, aber die Sache schlägt mir auf den Magen.

Nun habe ich vor 4 Wochen ein Praktikum angefangen, 70km von meinem Wohnort entfernt. Im Nachhinein frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe. Bisher habe ich jede Woche gefehlt. Der Chef hat mich darauf angesprochen, ich hab ihm erklärt, was Sache ist, aber ich habe nicht den Eindruck, dass er mir glaubt. Er meinte, wenn ich kein Bock hab, wenns mir da nicht gefällt, soll ich gehen. Von meinen Eltern erfahre ich auch keine Unterstützung. Sie halten mich für faul, weil ich mich die ganze Zeit in der Wohnung verschanze (ich wohne z.Z. bei meiner Mutter). Nur um ihnen zu beweisen, dass sie falsch liegen und ich nicht faul bin, quäle ich mich jeden Morgen zur Arbeit. An guten Tagen legt sich die Nervosität, sobald ich im Büro bin und meinen ersten Tee getrunken habe. An schlechten Tagen (wie heute) wird es nur noch schlimmer. Da ich morgens um 7 das Haus verlasse und abends um 8 erst wieder Heim komme, kann ich nicht einmal eine Therapie beginnen. Hier arbeitet kein Therapeut am Wochenende. Nun überlege ich das Praktikum abzubrechen. Einerseits habe ich für diesen Platz wirklich gekämpft, ich hab mir wirklich so sehr gewünscht dieses Praktikum machen zu dürfen! Die Leute sind toll, es ist schön da und es ist wirklich genau das, was ich nach dem Studium machen will! Andererseits kann ich doch nicht 6 Monate so weiter machen! Ich kann doch nicht jede Woche fehlen! Vor allem habe ich nur noch bis Ende September das Auto (ich muss es mir teilen), was mir auch immer etwas Sicherheit gibt, danach muss ich mit dem Zug fahren. Für mich der blanke Horror! Ich weiß einfach nicht, was ich machen soll. Ich bin erst 23 und habe bis auf ein paar Nebenjobs nicht einen Tag richtig gearbeitet! Dabei würde ich so gerne ein normales Leben führen, ich habe immer davon geträumt mal aus diesen ärmlichen Verhältnissen rauszukommen, nicht immer jeden Cent zwei Mal umdrehen zu müssen. Aber so wird das doch nix!

23.09.2013 16:49 • 24.09.2013 #1


2 Antworten ↓


Hallo Little Miss Sunshine,

Ist das Praktikum denn Pflicht? Wie ist das denn dann, wenn du nicht hinfahren kannst; geht es dir dann körperlich so schlecht, dass du nicht fahren kannst?

lg

23.09.2013 23:03 • #2


Hi, ich kann dich da voll und ganz verstehen. Ich habe die Panikattacken in öffentlichen Verkehrsmitteln. Für mich der reine Horror, da ich damit fahren muss um jeden Tag zur Arbeit zu kommen. Mal gehts gut, mal denke ich ich muss aussteigen. Ich versuche mich immer mit Musik oder Spiele auf dem Handy abzulenken. Manchmal klappt es, manchmal leider nicht, da bin ich dann zu sehr damit beschäftigt keine Attacke zu bekommen. Es ist einfach nur ätzend sich jeden Tag Gedanken zu machen, ob man gut hin und zurück kommt. Ich war auch bei einem Therapeuten, aber die Therapie ist mir leider so sehr auf den Magen geschlagen, das ich einfach Angst hab sie weiter zu machen. Ich sag dir, das ist ein reiner Teufelskreis. Ist denn bei dir in der Nähe nichts wo du ein Praktikum machen könntest? Ich kann deinen Chef aber auch nicht verstehen. Obwohl ich denke das man es erst erlebt haben muss um es richtig zu verstehen. Ich sehe jetzt jede Panikattacke mit anderen Augen, weil ich mich jetzt genau darein versetzen kann. Ich denke mal andere sehen uns als übertrieben an.

24.09.2013 08:27 • #3




Dr. Reinhard Pichler