Pfeil rechts
1

Flousen
Grüßt euch.

Ich Kämpfe mittlerweile seit 2012 gegen die Angst und Panikstörung an.
Mal geht es mir richtig gut und dann habe ich wieder starke Probleme.
Bei mir geht das ganze Karussell immer erst dann los sobald ich mein Heimatort verlasse. Ich kriege Magen Probleme, Unruhe, Nässe Hände, und will nur noch nach Hause.
Wenn ich permanent dran bleibe raus zu fahren und Dinge zu unternehmen ist es fast weg aber lasse ich mal Wochen dazwischen und fahre nirgends hin ist es wieder extrem stark da. Ich weiß wenn ich weg fahre das es wieder und wieder beginnt aber fahren tue ich trotzdem nur macht es mir einfach kein spaß mehr nach so viel jahren.

Und ja ich habe Therapie 2 Jahre lang gemacht das ganze schwächt die Ängste zwar ne zeit lang ab kommen tun sie trotzdem aus dem Nichts wieder.
Dieses unsichere Gefühl außerhalb kotzt Mich an.

Wie geht ihr mit Sowas um?

28.02.2020 09:45 • 28.02.2020 #1


2 Antworten ↓


cube_melon
Hallo Flousen,

wenn ich etwas bei mir etwas verstanden habe, dann ist es die Essenz aus deinem Satz.
Stark vereinfacht hast Du dir deine Frage bereits selbst beantwortet:

"Wenn ich permanent dran bleibe raus zu fahren und Dinge zu unternehmen ist es fast weg"

Mir ist bewusst das man das nicht ganz so einfach nur auf diesen Satz herunterbrechen kann, aber es offenbart einen wichtigen Kern.
Nicht bei jedem und auch nicht immer gleich stark, können sich Blockaden immer weiter aufbauen, wenn man gewisse Dinge eine Weile vermeidet, die zwar kurz vorher gut gingen, es aber vorher eine Weile gedauert hat sich das zu erobern.

Handelt man gegen die inneren Widerstände, erhöht sich der innere Stresspegel. Das kann bis zur Panikattacke gehen und/oder zu einer Art Traumatisierung führen (inneres Kind fühlt sich unbeschützt oder sogar misshandelt).

Den Weg sehe ich darin, das man es schafft sich wieder der Konfrontation zu stellen. Es ist sicher hilfreich, wenn man in der Lage ist sich selbst so weit einschätzen zu können wie hoch die Dosis der Konfrontation sein darf. Kann man es nicht einschätzen, sollte man sich Unterstützung durch eine Therapie suchen.

Zum Verständnis - Angst ist ein natürlicher Mechanismus. Richtig Programmiert ist alles bestens, in anderen Fällen werden sensorische Informationen und damit auch Situationen falsch bewertet und interpretiert. Als Green Zone erklärte Bereiche können ihren Status verlieren und dann kann genau das eintreten, was Du mit dem Wegfahren wahrnimmst.

Als Beispiel:
Eine meiner wichtigsten Ressourcen ist das Radfahren. Im Winter kann ich das nicht nutzen. Also habe ich eine Pause von ca. September bis März.
Das erste mal wenn ich Radfahren "will", habe ich extremste Angst davor. Deshalb fange ich Wochen vorher an mich Schrittweise darauf vorzubereiten. Denn selbst vor der Wartung meines Rades habe ich dann Blockaden. Denn wenn das Rad bereit ist, hätte ich ja keine Ausrede mehr und "müsste" mich dem Stellen.

Also:
- Warme Radhosen raussuchen, Waschen
- Klamotten anziehen und schauen ob die noch ok sind.
- Die Schuhe überprüfen
- Das Rad checken. Evtl. über ein paar Tage Teile austauschen.
- Tacho mit neuer Batterie versorgen
- Aktivlautsprecher aufladen
- Mp3 musik zusammenstellen
- E-Bike Akkus aufladen
- Pannenwerkzeug checken
- Satteltasche anbringen und alles benötigte hineintun.

Mit diesen vielen Mini-Schritten bin ich in der Lage meine Blockade einfacher zu überwinden.
Die ersten Strecken sind klein. Mit so 10 km fange ich an und gehe auch nicht drüber. Selbst wenn ich mich fit fühle. Je nach dem wie es mir die nächsten 24h hinterher geht, sind die nächsten Strecken entsprechend länger.

Der Anfang, bis ich das Radfahren wieder "befriedet" habe (es in meinem Kopf also keine Gefahr mehr darstellt), ist halt jedes Jahr eine große Herausforderung. Und das wird nur besser und bleibt auch das Jahr über konstant, wenn ich mind. 1x pro Woche eine Tour mache. Daher fahre ich auch bei Regen.

Es ist im ersten Moment erst einmal wie es ist. Und du hast keine andere (sinnvolle) Option als dich der Situation anzupassen.

Was eben bei mir hilft, ist die Teilung der großen Blockade in mehrere einzelne Teilaufgaben.
Achte einmal darauf wann bei dir die Blockaden anfangen sich zu zeigen. Als Beispiel Planung wo es hin soll, Klamotten auswählen, Schuhe anziehen usw..

Vielleicht kannst Du emotionalen Zugang zu dieser Technik finden.

28.02.2020 10:56 • #2


Schlaflose
Zitat von Flousen:
Wie geht ihr mit Sowas um?


Mir geht es bei allem so, wovor ich einen Horror habe, ob es Telefonieren, Autofahren, Tanken, am Geldautomaten Geld abheben uvm., wenn ich es öfters hintereinander gemacht habe, wird es zur Routine, wenn ich es länger nicht mache, ist die Angst wieder so groß wie vorher. Wie ich damit umgehe? Zähne zusammenbeißen und durch.

28.02.2020 13:48 • x 1 #3




Dr. Christina Wiesemann