Hey Lost, ich kenne das zu gut und will dir Hoffnung machen und dir einfach ein paar meiner Gedanken dazu schreiben (sorry wenn es ziemlich unstrukturiert ist)
Dieser Zustand ist unerträglich manchmal. Mir ging es 2015 besonders stark so. Selbst als es besser wurde und ich manchmal an Brücken vorbei gefahren bin, dacht ich mir noch "was wäre, wenn ich jetzt runterstürzen würde oder wenn die Depression mal so schlimm wird, dass ich es tun "müsste" "Das waren richtig aggressive Zwangsgedanken und irgendwann versteht man auch, warum sich Leute das Leben nehmen.. Dieses Verständnis empfand ich als besonders erdrückend, da ich zeitweise eben diese Verbundenheit empfand. Ich weiß nicht, ob du dieses Gefühl kennst..Alle Menschen erscheinen fröhlich und man versteht nicht, was die anders machen und kapselt sich ab... Dadurch geht man noch mehr kaputt, aber dabei sein und so tun als ob nichts wäre, geht eben auch nicht... Man will unbedingt leben und was ändern, einen Sinn haben, aber man weiß nicht wie.. Irgendwann erscheinen alle Probleme, die man versucht hat mit der Zeit zu bekämpfen als nichtig, weil diese große "Sinnlosigkeit" einfach das größte Problem wird..es wird unerträglich und kaum aushaltbar und das 24/7
Ich denke, wichtig ist zu erkennen, dass das am Ende nur Gedanken und Grüblereien sind und nicht mehr..So wie sie gekommen sind, können sie sich auch wieder verändern und gehen.. Das ist möglich! aber dafür muss man eben einiges tun. Da sind sie im Nu, weg leider nicht so schnell. Auf die Frage, wie sich der Zustand verändert, gibts auch keine eindeutige Antwort, weil da jeder seinen eigenen Weg beschreiten muss, der super unterschiedlich sein kann.. Ich kann dir nur erzählen, was mir geholfen hat, aber das ist eben individuell. Dass du eine Therapie machst is gut, aber erwarte nicht, dass es schnell geht. Bei mir hat der Prozess Jahre gedauert und dann muss man leider sagen, dass nicht jeder Therapeut was taugt. Ich drück dir die Daumen, dass du eine gute Wahl getroffen hast. Bei mir war es wichtig zu erkennen, dass ich die Richtung verändern muss, da es nur von innen heraus geschehen kann und nicht von außen... durch Zufall bin ich in einen neuen Freundeskreis gerutscht und habe erkannt, dass ich nicht allein bin mit Problemen. Viele davon waren auch Mitte 20 und hatten ihr Leben ebensowenig unter Kontrolle wie ich (wenn auch aus den verschiedensten Gründen) Ich hab verstanden, dass ich gut so bin wie ich bin und es eben nicht nur die super Menschen gibt, bei denen alles funktioniert.. Das da draußen ist eine Scheinwelt.. Jeder hat ein Paket zu tragen.. Lass dich nicht blenden... Die Akzeptanz hat mir geholfen, die dreckigen Gefühle abzuschwächen und mich zu akzeptieren. Am Anfang hat sich das auch falsch und sinnlos angefühlt mit den Leuten was zu unternehmen und ich hatte ständig Angst und Depriattacken, aber es wurde besser.
Noch dazu habe ich ein neues Hobby begonnen, was auch ganz langsam zur Leidenschaft wurde.. Am Anfang war es nur dumme Ablenkung, aber ganz langsam wurde es immer mehr und zum Teil meines Lebens und fraß mehr Zeit... Dadurch bin ich wieder in andere Kreise gerutscht und habe neue Leute kennengelernt. Privat ist das natürlich nur eine Seite.. Die berufliche/studentische Seite hat sich auch verändert. Ich hab mein Studium gehasst.. Ich war zeitweise so depressiv, dass ich nicht mehr hingehen konnte, bzw. dort in Tränen ausgebrochen bin... Da ich leider damals keine Option hatte zu wechseln (da ich so planlos war und nicht wusste was) musste ich es fertig machen und ab dem Zeitpunkt wo ichs akzeptiert hatte, hat sich die Sichtweise auf diesen Teil auch komplett verändert.. Plötzlich war es nicht mehr schlimm.. Das war magisch..kann es auch kaum erklären, aber plötzlich war es ok... und warum? weil ich auch da erkannt habe, dass NICHTS endgültig ist... Das waren jetzt 1,5 jahre (die plötzlich gut waren) und jetzt kann ich immer noch was anderes machen und meine Richtung ändern.. Das muss man verstehen.. Nichts ist endgültig und auch nicht der Tod... Du kannst nicht wissen, was danach passiert, ich auch nicht, keiner kann das..keiner weiß es.. du hast nur dieses eine Leben, also leb es und mach was draus.. nur du kannst was ändern..
Der ganze Prozess hat bei mir wirklich viele Jahre gedauert mit unendlich vielen Rückschlägen, die immer noch ab und zu kommen, aber es geht immer weiter.. man muss nur in eine Richtung gehen...stehen bleiben zieht dich nur weiter in den Sumpf.. verlier bloß nicht den Mut... schau an welchen Stellen du in deinem Leben, Veränderungen treffen kannst und teste, was passiert.. gibt dir Zeit und gibt nicht auf... Wir sind im gleichen Alter und haben unser Leben noch vor uns... da müssen wir was daraus machen...