Zitat von Disturbed: Wie soll "Man" es wissen? Weiß man das einfach so, weil man sich vertraut? Oder weiß man es, weil bei einer Untersuchung nichts gegenteiliges festzustellen war? Warum sollte man sich untersuchen lassen, wenn man sich selbst vertraut, das da nichts ist. Was unterscheidet eine Untersuchung, in der ja auch nur Werte ermittelt werden, die bestimmten Vorgaben entsprechen sollen, davon bestimmte Werte selbst zu ermitteln?
Normalerweise haben Menschen zunächst einmal ein Urvertrauen in ihren Körper, welches solange intakt ist, bis ein traumatisches Ereigniss eintritt, welches groß genug ist dieses Vertrauen zu erschüttern oder gar zu zerstören. Bis dahin "weiß" man es einfach und vertraut sich blind. Viele hier wie auch ich, haben damals ohne es zu wollen eine Tür geöffnet, die besser verschlossen geblieben wäre, denn den Geist den man da aus der Flasche gelassen hat, lässt sich nur äußerst mühevoll wieder einfangen. Sobald die Zweifel stark genug sind, wird das Hirn kreativ. Das menschliche Hirn denkt negativ. Das hat evolutionäre Gründe, es geht um Schutz. Dieser Umstand der eigentlich schützen soll, bringt aber eben genau die Probleme mit sich, an denen viele Menschen leiden, die ihr Vertrauen verloren haben und ist letzten Endes auch einer der Gründe für den Vertrauensverlust. Eben weil wir zuerst negativ denken, gibt es Raum dafür sich an Zweifeln abzuarbeiten.
Das manifestiert sich in unterschiedlichen Verhaltensweisen die sich bsplw. zu einer Angsterkrankung und/oder den Drang (und Zwang) nach Kontrolle entwickeln können. Die Sicherheit die man einmal hatte ist weg. Wiederkehrende Untersuchungen oder Dinge wie ein Blutdruckmessgerät Zuhause, eine Fitbit, ein Pulsoxymeter oder Handyapps mit Auswertungsfunktionen sind im Grunde nichts anderes als ein Substitut, eine konstruierte Version dessen was man einmal hatte. Man WILL Sicherheit, aber kann sie nicht leben. Deswegen sind solche Dinge für Angstpatienten zweischneidige Schwerter. Wer sowieso alles anzweifelt, der kann mit unterschiedlichen Ergebnissen nichts anfangen. Es gibt individuell für jeden ein absolutes Ideal welches erfüllt sein soll, aber erreicht wird es fast nie. Jede Abweichung gilt als Bestätigung sich weiter überwachen zu müssen. Man macht seine Lebensqualität von Ergebnissen abhängig.
Ich weiß nicht, wie es bei anderen hier ist, aber vor meiner Herzangst (es fing bei mir mit 31 an), machte ich mir überhaupt keine Sorgen um meine Gesundheit. Wenn ich krank war bin ich zum Arzt gegangen, hab gesagt was ich habe, er hat eine Diagnose erstellt, mir ein Rezept gegeben und gut wars. Krankheit auskuriert, nie wieder daran gedacht. Es war einfach die Sicherheit, ich stellte gar nicht infrage was der Arzt mir sagte. Ich wusste, dass ich das ganz einfach überleben werde.
Dort wieder hinzukommen erfordert eine sehr große Portion an Willenskraft und Durchsetzungsvermögen gegenüber sich selbst. Wer sein Urvertrauen wiedererlangen will, der muss zunächst erst einmal lernen sich wieder an etwas heranzuwagen, sich nicht zu verstecken und aufhören sich einzuschränken. Das Hirn braucht einen Grund um seine Denkmuster zu ändern. Solange es keinen gibt, ändert sich nichts. Man muss erleben, dass man auch ohne wöchentlichen/monatlichen Arztbesuch, auch ohne seinen Puls oder seinen Blutdruck ständig zu messen nicht tot umfällt, dass Herzstolpern nach dem Sport vorkommen kann und man trotzdem am nächsten Morgen problemlos wieder wach wird.
Niemand wird so akut krank, dass eine permanente Überwachung notwendig wäre, die mancher hier aufgrund seines Kontrollzwangs ausübt. Deswegen geht man einmal zum Arzt und wenn er sagt, dass mit dir alles in Ordnung ist, dann geh raus und mach dein Ding. Ich brauchte vier Jahre um das zu verstehen und zu verinnerlichen.