Hallo Doris,
ich kann dich gut verstehen, es ist unheimlich anstrengend, ständig in Angst zu sein und sein Leben nicht so fortführen zu können, wie man es gerne möchte.
Ich bin natürlich keine Psychologin und kann nur aus eigenen Erfahrungen berichten, vielleicht hilft dir das ja ein wenig.
Als bei mir die Angststörung begonnen hat, hatte ich auch unheimliche Angst, dass es immer so bleiben würde, ich dauernd mit Panikattacken zu kämpfen haben würde, nie wieder ein "normales" Leben führen könnte. Ich war bisher auch noch nicht bei Psychologen, aufgrund unheimlich langer Wartezeiten, aber auch, weil ich mir nicht sicher bin, ob es sich für mich lohnen würde. Denke, es liegt an jedem selbst zu wissen, ob er diese Hilfe braucht und es ist sicherlich in vielen Fällen von großem Vorteil, wenn man es allein nicht schafft. Aber grundsätzlich würde ich sagen, muss man selbst kämpfen. Es selbst wollen. Der Psychologe kann nicht mit dir auf die Straße gehen, sich mit dir den Situationen stellen, die dir Angst machen. Das muss man leider allein tun. Und man kann es ganz bestimmt auch schaffen, es zu überwinden.
Ein guter Freund von mir hatte dasselbe Problem und ihm wurde ebenfalls gesagt, dass man "damit leben" muss, dass es nie wieder weg geht. Ich denke, es kommt darauf an, wie man es interpretiert. Natürlich kann eine Panikattacke wieder auftreten. Aber das heißt nicht, dass du jetzt dein Leben in Angst verbringen musst. Ich persönlich finde es ziemlich hart, einem Menschen, der sowieso schon leidet, so eine "Diagnose" an den Kopf zu werfen und ihm in gewisser Weise Hoffnung zu nehmen, die eindeutig besteht. Ich kenne Einige, die so etwas schon durchgemacht haben und selbst nach langer Zeit noch einen Weg gefunden haben, ihre innere Ruhe wiederzufinden. Und auch, wenn ich es selbst noch nicht ganz geschafft habe, so habe ich zumindest keine Panikattacken mehr. Und das zeigt doch schon, dass man es mit Willenskraft und dem Bewusstsein, dass es nichts Schlimmes ist, schaffen kann, oder?
Es ist nämlich nichts Schlimmes. Du bekommst Angst vor etwas, was nicht existiert. Wozu sich also unnötig hineinsteigern? Damit macht man es sich nur schwerer. Ich weiß, es klingt soo einfach und das ist es bestimmt nicht, aber wie gesagt, es ist zu schaffen. Man braucht eben etwas Geduld und Kraft.
Ich weiß nicht, was dir dein Psychologe in Bezug auf dein tägliches Verhalten gesagt hat?! Ich persönlich bin kein Freund von Medikamenten, weil eine Angststörung damit höchstens ein wenig unterdrückt wird, aber sie verschwindet davon nicht. Was bringt es einem, sich ewig zuzudröhnen und dennoch zu leiden?
Du sagst, du kannst nicht allein vor die Tür... das Problem habe ich auch zeitweise, allein aus Angst, dass es mir in der Öffentlichkeit schlecht gehen könnte, die Sicherheit der eigenen vier Wände dort fehlt, man nicht weiß, wo man hin kann. Und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, mir ist es noch nie passiert, dass ich draußen eine Panikattacke bekommen habe. Eben genau WEIL ich es mir vorher in allen Farben ausgemalt habe. Aber ist das wirklich so dramatisch? Dann passiert es eben.
Du kannst dich nicht dein Leben lang verstecken und du sagst ja, dass deine Freunde bereits Abstand genommen haben. So kann es nicht weitergehen.
Ich zwinge mich, raus zu gehen. Begleitung ist schön und gut, aber auch das ist nur eine Vermeidungstaktik. Man weiß, da ist jemand, der einem im Notfall (der zu 99% nicht eintreten wird) helfen kann. Aber andere Menschen gehen schließlich auch allein hinaus. Und das Einzige, was uns von anderen unterscheidet ist, dass wir uns einreden, es könnte etwas passieren.
Ich habe es anfangs so gemacht, dass ich mich einfach vor die Tür gestellt habe. Und wenn es mir nicht so gut ging, habe ich versucht, es durchzuhalten. Bis es besser wurde. Irgendwann bin ich dann einfach mal ums Haus gegangen oder die Straße entlang. Und inzwischen kann ich Vieles ganz allein bewältigen.
Was das Schlafen angeht... damit habe ich auch Probleme. Was mir inzwischen ganz gut dabei hilft, ist eine Art Meditation vor dem Zubettgehen. Ich mache Entspannungsmusik an, setze mich aufs Bett und schließe die Augen. Konzentriere mich voll auf die Musik und versuche ansonsten an gar nichts zu denken. Und es funktioniert. Ich bin dann ein wenig lockerer. Und zum Einschlafen höre ich meist ein Hörspiel oder so... da ist man abgelenkt. Vielleicht probierst du es einfach mal, schaden kann es zumindest nicht .
So, ich hoffe, ich konnte dir ein wenig helfen. Und sei es nur, dass du weißt, es gibt Menschen, die dich verstehen und welche, die es tatsächlich geschafft haben, ihre Angst zu überwinden.
Bis dann