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lou89
Hallo zusammen,
ich bin weiblich, 28 Jahre alt. Vor 5 Jahren hat mir eine VT sehr gegen Panikstörung mit Agoraphobie geholfen.
Ein Umzug vor kurzem hat mir völlig den Boden unter den Füßen weggerissen. Neben täglichen Panikattacken kam Grübelzwang, Gedankenkreisen, Unfähigkeit meinen Alltag zu bewältigen... bis hin zu Gedanken alles beenden zu wollen. Laut einer Therapeutin beim Krisendienst, wo ich glücklicherweise in einem ganz schlimmen Moment Hilfe bekam, sieht es ganz nach Depression aus.
Ich bin sehr gespannt auf das Forum und es macht mir Hoffnung, mich mit anderen Betroffenen austauschen zu können!
Liebe Grüße lou

16.03.2018 12:31 • 17.03.2018 #1


14 Antworten ↓


Hotin
Hallo lou,

sei herzlich willkommen.

Ist Dir bekannt, warum Du immer wieder in die Grübelfalle fällst?
Wofür suchst Du hauptsächlich einen Ausweg?

Viele Grüße

Bernhard

16.03.2018 13:25 • #2



Grübelzwang mit Panikattacken und Gedankenkreisen

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lou89
Hallo Bernhard,

dankeschön für die schnelle Antwort und das herzliche Willkommen.

Ich vermute, das ganze wurde durch den Umzug ausgelöst. Eigentlich hab ich großes Glück - habe ein Stipendium für eine Doktorarbeit bekommen und es im Januar angetreten. Nur muss ich die ganzen praktischen Arbeiten 700 km von der Heimat entfernt in Berlin durchführen. Das heißt so ca. 1-2 Jahre in Berlin sein. Weg von meinem gewohnten Umfeld, Familie, Freunden und meinem Partner.

Sobald ich in Berlin war, fingen die Panikattacken an. Inklusive extrem starkem Wunsch der Situation zu entfliehen. Ich dachte nur noch "Ich muss hier weg, sonst passiert was schlimmes!" Wenn ich gerade nicht in Panik war, hatte ich schlimme Gedanken und Befürchtungen: Was, wenn ich für immer hier bleiben muss? Was, wenn meine Beziehung dadurch gefährdet wird? Was, wenn ich hier sterbe und meine Familie und Freunde niemals wiedersehe?

Habe mich dermaßen in diese Gedanken reingesteigert, dass ich entweder nur geweint hab oder dasaß und wie gelähmt war. Was zur Folge hatte, dass ich die Arbeit und den Alltag überhaupt nicht mehr auf die Reihe bekommen hab. Und die Folge davon waren dann natürlich Ängste zu versagen, Zukunftsängste, und die Spirale ging weiter abwärts. Habe mich in der Heimat zur Therapie angemeldet, dort wo ich auch damals war. Allerdings habe ich das Erstgespräch erst am 8. Mai und keine Ahnung, wie ich bis dahin durchhalten soll. Medis hat mir der Neurologe verschrieben, aber ich bin mir noch unsicher ob ich sie nehmen soll.

Ich quäle mich nur noch zur Arbeit. Sehe alles negativ, kann mich über nichts freuen, und was mich früher begeistert hat ist mir jetzt gleichgültig. Und es macht mir extrem zu schaffen, dass alle meine Bezugspersonen so weit weg sind. Mal habe ich einen guten halben Tag, aber dann geht es am nächsten Tag wieder zwei Schritte zurück. Ich kann mich nicht ständig so fühlen. Das ist kein Leben.

Kennst du dich mit der Problematik aus, so wie ich sie beschreibe? Was sind deine Erfahrungen?

Viele Grüße

16.03.2018 14:42 • #3


timmae87
Auch von mir ein herzliches Willkommen!

Zitat von lou89:
Medis hat mir der Neurologe verschrieben, aber ich bin mir noch unsicher ob ich sie nehmen soll.


Was hat er dir denn verschrieben?

16.03.2018 14:51 • #4


lou89
Zitat von timmae87:
Auch von mir ein herzliches Willkommen!



Was hat er dir denn verschrieben?


Dankeschön!
Er hat mir Venlafaxin verschrieben. Das hat mir auch damals eigentlich ganz gut geholfen... ich habe nur Angst, dadurch so gefühllos zu werden und nicht mehr ich selbst zu sein.

16.03.2018 14:57 • x 1 #5


timmae87
Mit Venlafaxin hab ich keine Erfahrung. Ich nehme im absoluten Notfall Tavor. Heute wars wieder soweit, ich saß wieder auf dem Gedankenkarussel und so bin ich immer weiter in die Angst gerutscht (Angst verrückt zu werden, schwer krank zu sein, Todesangst). Insolchen Momenten bin ich froh das Medi zu haben, weil es doch recht schnell beruhigt.

Ist es bei dir den ganzen Tag schlimm?

16.03.2018 15:04 • #6


lou89
Ist Tavor dann etwas, was sofort hilft? Ich kenne mich da nicht aus. Bekommt man das für solche Notfallsituationen verschrieben?

Bei mir ist es eigentlich immer morgens sehr schlimm und wird über den Tag hinweg etwas erträglicher. Aber ganz weg ist es nie. Und bei dir?

Was machst du gegen das Gedankenkarussel, außer den Medis?

16.03.2018 15:19 • #7


Bauer-Jani
Hallo Lou89!

Willkommen im Forum

Fühle, wenn ich deine Zeilen lese, mit dir mit. Mir ging es in den letzten drei Jahren sehr ähnlich und bin nun froh, nach drei Jahren, wieder in meinem gewohnten Umfeld zu sein!
Habe in der "Isolation" auch mental sehr stark abgebaut und mich jeden Tag durch gekämpft.
Als Medi habe ich neurexan genommen und bin.
Wünsche dir Kraft!

Liebe Grüße
Jani

16.03.2018 16:26 • x 1 #8


timmae87
Ich nehm Tavor 1,0 mg nur wenn es gar nicht mehr anders geht. Das war diese Woche 2 mal der Fall. Es wirkt bei mir in ner halben bis ganzen Stunde und ich hab damit dann meist den Rest des Tages Ruhe. Die Ängste sind weg und man fühlt sich insgesamt positiver.

Meist probier ich es mit Ablenkung, Bewegung oder PMR. Aber immer gelingt es nicht, von den Gedanken wegzukommen. Bei mir fängt es auch morgens an, abends und nachts hab ich eigentlich kaum Beschwerden.

Zitat von Bauer-Jani:
Als Medi habe ich neurexan genommen


Warst du zufrieden damit? Wie hat es gewirkt?

16.03.2018 16:35 • x 1 #9


lou89
@jani: Vielen Dank für die ermunternden Worte. Es klingt so, als hätte sich der Kampf bei dir gelohnt. Was hat dir Kraft gegeben, durchzuhalten?

Auch an die anderen, wie schafft man es sich immer wieder aufzuraffen? Ich habe das Gefühl, es wird mit der Zeit immer schwieriger.

16.03.2018 16:47 • #10


Bauer-Jani
Zitat von Bauer-Jani:
Als Medi habe ich neurexan genommen


Warst du zufrieden damit? Wie hat es gewirkt?[/quote]
Also zumindest habe ich mir gesagt, dass es hilft und vielleicht war ich alleine dadurch schon ruhiger. Ein stärkeres Medi wollte ich auf keinen Fall nehmen.
Der wirkliche Erfolg kam dann erst mit der Therapie bei einer Tiefenpsychologin jetzt ab Anfang Januar.

16.03.2018 17:26 • #11


Bauer-Jani
Zitat von lou89:
@jani: Vielen Dank für die ermunternden Worte. Es klingt so, als hätte sich der Kampf bei dir gelohnt. Was hat dir Kraft gegeben, durchzuhalten?

Auch an die anderen, wie schafft man es sich immer wieder aufzuraffen? Ich habe das Gefühl, es wird mit der Zeit immer schwieriger.

Mir hat Kraft gegeben, das ich einen Tag im der Woche in meiner Heimat war, das ich mir gesagt habe das es absehbar ist das ich wieder in meiner Heimat bin, dass Forum hier gab mir Kraft, dass.die Menschen voll hinter mir standen.
Lou89 das schaffst du auch!

16.03.2018 17:30 • x 1 #12


Hotin
Hallo lou89,
Zitat:
Kennst du dich mit der Problematik aus, so wie ich sie beschreibe?


Einiges verstehe ich glaube ich schon davon.
Zitat:
Das heißt so ca. 1-2 Jahre in Berlin sein. Weg von meinem gewohnten Umfeld, Familie, Freunden und meinem Partner.


Das bedeutet natürlich, völlig anders mit den eigenen Gedanken umzugehen.
Plötzlich bist Du für fast alles allein verantwortlich. Musst allein Entscheidungen treffen.
Das kann am Anfang Ängste erzeugen.
Zitat:
Sobald ich in Berlin war, fingen die Panikattacken an. Inklusive extrem starkem Wunsch der Situation zu entfliehen.


War es nicht Dein Wunsch, nach Berlin zu gehen? Was fehlt Dir persönlich denn am meisten, wenn Du davon sprichst,
Deine Bezugspersonen nicht in Deiner Nähe zu haben?
Zitat:
Was, wenn ich für immer hier bleiben muss? Was, wenn meine Beziehung dadurch gefährdet wird? Was,
wenn ich hier sterbe und meine Familie und Freunde niemals wiedersehe?


Warum erzeugen diese Gedanken bei Dir das Gedanken kreisen?
Das wird doch alles nicht passieren.
Zitat:
Habe mich dermaßen in diese Gedanken reingesteigert, dass ich entweder nur geweint hab oder dasaß und wie gelähmt war.


Dieses rein steigern passiert genau beim Gedankenkreisen.
Auf meiner Internetseite http://www.weniger-angst.de beschreibe ich, wie Du so etwas abmildern kannst.
In diese Denkspirale musst Du nicht hinein geraten.
Zitat:
Ich quäle mich nur noch zur Arbeit. Sehe alles negativ,


Etwas verstehe ich nicht. Bringt Deine Situation in Berlin nicht grundsätzlich wesentlich mehr Vorteile für Dich und
Deine Zukunft, als Nachteile?
Ich glaube, so wie Du gedanklich in diese Situation hineingekommen bist, wirst Du auch wieder dort herauskommen.


Viele Grüße

Bernhard

17.03.2018 00:58 • x 1 #13


lou89
Es war nie mein Wunsch nach Berlin zu gehen. Es war mein Wunsch, diesen Job zu machen, und Berlin war schon von Anfang an der Haken an der Sache. Klar bringt es Vorteile für meine Zukunft, aber mittlerweile zweifle ich, ob ich mich dafür so quälen muss oder sollte.

Mir fehlt am meisten die persönliche Nähe, mit meinen Eltern, Freunden und Parnter persönlich sprechen zu können. Klar kann man telefonieren, aber es ist was anderes wenn jemand gegenüber sitzt oder einen in den Arm nehmen kann.

Natürlich weiß ich, dass die Gedanken, die das Gedankenkreisen erzeugen, nicht realistisch sind. Trotzdem "überfallen" sie mich ständig und dann komme ich schwer aus dem Grübeln wieder raus.

Danke für den Link, die Seite ist sehr hilfreich!

"Ich glaube, so wie Du gedanklich in diese Situation hineingekommen bist, wirst Du auch wieder dort herauskommen."

Wie meinst du das genau?

Viele Grüße

17.03.2018 18:59 • x 1 #14


Hotin
Zitat:
Es war nie mein Wunsch nach Berlin zu gehen. Es war mein Wunsch, diesen Job zu machen, und Berlin war schon
von Anfang an der Haken an der Sache.


Auch wenn es eigentlich nicht Dein Wunsch war, nach Berlin zu gehen, so hast Du doch
diesen Schritt getan, weil er Dich beruflich weiter führen wird.
Eine gewisse Zeitspanne wirst Du nun überbrücken müssen. Auch wenn Dir das schwer fällt, so wird das eine
Erfahrung für Dich sein, die Dich reifer und selbstsicherer macht.

Zitat:
"Ich glaube, so wie Du gedanklich in diese Situation hineingekommen bist, wirst Du auch wieder dort herauskommen."

Zitat:
Wie meinst du das genau?


Damit meine ich folgendes. Die meisten Angststörungen entstehen dadurch, dass man sich
selbst Gedankenbilder macht, die immer mehr Angstgefühle erzeugen.
Du hast Dies auch am Anfang Deines Themas beschrieben.

Daher sage ich. Du bist durch nicht hilfreiche (falsche) Gedanken in die Angstspirale hinein gekommen. Folglich kannst
Du nur durch positive, also hilfreiche Gedanken dort auch wieder herauskommen.

Bisher war Dir vermutlich nur bewusst, dass ein anderer Mensch Dich durch Berührungen,
Gespräche und Mut zusprechen, motivieren und beruhigen kann.
Zu einen sehr großen Teil kann man das auch mit sich selbst allein machen.
Dies würde ich Dir empfehlen. Das ersetzt natürlich auf Dauer nicht unbedingt Partner
und Freunde. Und doch kann man, wenn man das möchte auch allein entspannen und ruhig werden.
Probiere es immer wieder aus.

Hilfreich ist auch oft, wenn man in Gedanken mit sich selbst redet. Ich weiß nicht, ob Du so etwas kannst.
Dies beruhigt und hilft auch beim Lösen von Problemen.

Ein schönes Wochenende für Dich

Bernhard

17.03.2018 22:12 • x 1 #15



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