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Min0109

Min0109
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Hallo zusammen,

ich habe ja bereits vor geraumer Zeit geschrieben, dass ich aktuell eine schlechte Phase habe. Aber seit 2 Tagen ist es so gruselig, wie noch nie.
Am Mittwoch war ich mit einer Freundin zum Spazieren verabredet und bereits zu Hause habe ich gemerkt, dass Panik hochkommt. Ich bin trotzdem losgefahren und als ich angekommen bin, kam die Panik dann richtig in Form einer Panikattacke. Wir sind langsam spazieren gegangen und haben uns unterhalten. Nach ca. 2 Stunden trennten sich unsere Wege und ich merkte, dass ich ein "komisches" und ungutes Gefühl der Angst geblieben ist. Zu Hause bin ich nicht zur Ruhe gekommen und habe versucht mich abzulenken. Nachts bin ich dann mit starker Angst aufgewacht. Es war keine Panikattacke, sondern einfach starke Angst. Seitdem geht es nicht mehr weg. Es war gestern Früh so furchtbar, dass ich meine Psychiaterin angerufen habe und auch kommen durfte.

Mein Tag besteht aktuell 24/7 aus Angst und ich habe im Grunde vor allem Angst. Überhaupt den Tag zu schaffen und "rumzukriegen". Schlafen kann ich auch nicht. Ich bin nicht angstunerfahren, aber so was habe ich noch nicht erlebt.

Meine Ärztin hat mir nun zusätzlich zu meinem Citalopram, was ich schon ewig nehme, Pregabalin in einer niedrigen Dosis aufgeschrieben. Ich nehme jetzt 3x 25mg tgl. Sie hatte mir das Medikament vor 5 Jahren bereits einmal vorgeschlagen als es mir nicht gut ging, aber ich habe es dann letztendlich nicht genommen. Aktuell geht es mir aber so mies, dass ich alles nehmen würde. Insofern habe ich schon die ersten beiden Dosen genommen. Eine Wirkung merke ich noch nicht wirklich. Das einzig Schöne war, dass ich abends mal etwas auf der Couch dösen konnte, aber als ich ins Bett gegangen bin, war die Angst wieder da und ich bin nur am Grübeln. Wie auf einem Kreisverkehr.

Meine Ärztin sagte, dass sie es gut finden würde, wenn ich weiterhin an meiner Struktur festhalten (unter der Woche arbeiten, studieren, Verabredungen). Meine Gruppentherapie ist gestartet und ich war bereits 2x dort und fühle mich dort recht wohl. Meine Ärztin sagte, in der Akutpsychiatrie sehe sie mich gerade nicht. Ich könne mich vorsichtshalber auf die Warteliste der Tagesklinik setzen lassen, aber sie würde es erst einmal so versuchen in der Kombi mit den Medis, Sport, Struktur und Gruppe. Klingt alles sinnig, aber ich denke ununterbrochen: ich habe Angst, ich halte das nicht mehr aus und habe wirklich Angst vor jedem Tag. Im Grunde gilt es diesen zu bewältigen ohne großartige Freude, immer gefangen in dieser Sch. Gedankenschleife. Ich frage mich, wie ich da wieder rauskomme. Ich würde am liebsten meinen Kopf abschrauben und durch einen neuen ersetzen.

Ich weiß, dass ich notfalls auch einfach in die Klinik fahren könnte. Da habe ich natürlich auch Angst vor und frage mich, was die dann machen würden. Ich möchte einfach nur wieder gesund sein und nicht, dass mein Leben sich 24/7 um Ängste dreht und ich kein anderes Thema mehr habe. Ich habe bislang alles beibehalten an Aktivitäten, aber ich habe das Gefühl, dass die Angst das nicht interessiert.

Ich war letztes Wochenende sogar für 3 Tage in Münster mit meiner Familie, obwohl ich natürlich davor auch Angst hatte. Aber es hat dort ganz gut geklappt und von daher war ich am Montag und Dienstag ganz gut drauf und nun ist es seit Mittwoch so!
Ist es euch auch schon einmal so ergangen? Wie ging es dann weiter? Ich freue mich einfach über Austausch und Mutmacher sind auch gerne genommen.

Mein Mann, der immer sehr lieb und verständnisvoll ist, kann die Leier auch schon langsam nicht mehr hören und plädiert an meine Geduld und sagte: es wird auch wieder besser werden!

Danke für euer Ohr bzw. Augen und sorry für den langen Text.

24.03.2026 x 3 #1


17 Antworten ↓


sensibelchen98
Hallo liebe @Min0109 das klingt wirklich furchtbar belastend, ich kenne das allerdings auch sehr gut.
Ich denke dein Nervensystems ist total überreizt von der Panikattacke am Mittwoch. Das kann gut und gerne mal mehrere Tage oder sogar Wochen dauern bis sich das wieder einpendelt, daher ist der Rat deiner Psychiaterin wirklich sinnvoll. Halte an deiner Struktur fest so gut es eben geht aber gönne dir auch Ruhepausen! Dein Nervensystem läuft gerade auf Höchsttouren. Gib dir selber Zeit, sei gut zu dir und hab Nachsicht mit dir selbst. So eine heftige Panikattacke kann echt krass viel aus der Bahn werfen aber es pendelt sich letztlich immer wieder ein, bei dir auch, da bin ich ganz sicher. Alles Liebe! 🍀

x 3 #2


A


24/7 starke Angst vor allem Gedankenkreisen

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SilentRoG
Moin,
Hast du schon versucht zu ergründen, was die Gedankenspirale auslöst?
Quasi den beginnenden Gedanken zu finden und ihn zuende zu denken? Also was wäre das Schlimmste, was passieren könnte?

x 4 #3


Min0109
Liebes sensibelchen,

danke für deine aufbauenden Worte. Die tun gut.
Ich hätte gerne jemanden, der auf meiner Schulter sitzen und mir regelmäßig Mut zuspricht und sagt: es wird wieder werden! Im Grunde weiß ich das selbst, da ich ja auch Zeiten hatte, in denen das Thema Angst eine sehr untergeordnete Rolle in meinem Leben gespielt hat. Aber diese komische Phase dauert nun schon seit November und jetzt ist es gefühlt eher noch schlechter geworden... Und irgendwie vernebelt das mein Hirn und ich denke nur negativ.
Durch das Lesen hier im Forum (ich bin recht neu dabei) habe ich gedacht, vlt. habe ich das Thema nie richtig gut gelöst und bearbeitet, sondern muss da jetzt noch mal richtig ran! Im Sinne von radikaler Akzeptanz.
Es tröstet mich immer, auch wenn ich es keinem wünsche und wünschte wir alle wäre ohne unsere Ängste, dass es Gleichgesinnte gibt, die meine Gefühle und Gedanken nachempfinden können. Für Außenstehende ist das ja doch manchmal einfach nachvollziehbar.

x 1 #4


Min0109
@SilentRoG
Lieber SilentRog,

das ist eine gute und berechtigte Frage. Mich treiben wirklich aktuell drei "Horrorgedanken" um:

1. Was ist, wenn dieses Gefühl nie wieder aufhört? und
2. Was ist, wenn ich es nicht mehr aushalten? (dann sehe ich mich z.B. in der Akutpsychiatrie und stelle es mir ganz schlimm vor und sehe eine Abwärtsspirale, keiner kann mir helfen, ich kann nie wieder arbeiten, die Angst bestimmt nur noch mein Leben etc.)

Und was mich sehr angetriggert hat, ist, dass sich vor 14 Tagen ein Kollege von mir das Leben genommen hat.
Ich habe keine Suizidgedanken und möchte das überhaupt nicht, aber trotzdem denke ich: oh Gott, wird es irgendwann so weit sein, dass ich mir dann auch das Leben nehme? Und das macht mir unglaubliche Angst!

Ich habe gestern auch meiner Psychiaterin davon erzählt und sie sagte, dass sie verstehen kann, dass ich diese Nachricht in meiner aktuellen Gefühlslage nicht hören möchte. Sie sagte, wenn ich wirklich einmal solche Gedanken hätte, soll ich sie direkt kontaktieren oder in die Klinik fahren.

Ich weiß nicht, wie ich gut mit diesen Gedanken umgehen soll, außer eben zu versuchen radikale Akzeptanz zu kultivieren. Im Sinne von: ja, ich habe eine generalisierte Angststörung mit Panikattacken und Depressionen und aktuell keine gute Phase und das nehme ich jetzt so an. Und dass es nichts bringt die Angst, wie einen Ball immer wieder unter Wasser drücken zu wollen, sondern zu sagen: jetzt ist sie gerade da, vlt. auch 24/7 und zu versuchen das Beste draus zu machen. Aber das fällt mir einfach unglaublich schwer....

x 1 #5


Lokalrunde
Gedankenkreisel und die Endlosschleife. Habe ich alles erlebt und kann mich zu 100 % in dich hineinversetzen. Meine Akutphase damals ging 7 Monate, vom Hausarzt zum Psychiater und von da zu einem Facharzt für psychotherapeutische Medizin, einmal die Woche 50 Minuten in seiner Praxis. Er lehnte Medikamente größtenteils ab, nach ein paar Sitzungen wurde ihm bewusst, dass es zu lange dauern würde in einer ambulanten Therapie, womit er recht hatte.

Er sorgte dafür, dass ich schnell in eine stationäre Therapie kommen sollte. Nach 4 Monaten begab ich mich dorthin und landete in einer Klinik, die nach dem 12-Schritte-Programm ausgelegt war. Rastede, damals die Kleeblattklinik, wo ich 10 Wochen an mir gearbeitet habe. Ich erlebte ein volles Programm von 07:00 bis 21:00 Uhr, auch am Samstag, und nur der Sonntag war in aller Stille. Ich hatte alleine an 5 Tagen in der Woche jeweils 4 Stunden Gruppentherapie. Ergotherapie Musik/Malen Sporttherapie. Einzeltherapie bei damaligem Chefarzt. Ich bekam sogar zweimal eine Familienaufstellung bei Dagmar Ingwersen. Es war hart und ich habe so gut wie alles akzeptiert und mich nie gegen etwas gesträubt, ich wollte gesunden. Es gab kein Radio/Fernsehen/Zeitung, kein Rauchen/Alk., kein Smartphone. Zwei Wochen Kontaktsperre nach Hause. Das war 1998.

Was soll ich sagen, die haben mir das Leben gerettet damals. Ich war danach aber noch 6 Jahre immer wieder ambulant mit zwischendurch Pausen bei meinem Arzt. Auch du kannst es schaffen, aus dieser Schleife zu kommen. Ich selber habe gemerkt, dass Auspowern beim Sport gut war, um das Gedankenkarussell zu stoppen. Immer wieder in die Angst gehen und dennoch Leute besuchen und etwas unternehmen. Ich habe mich damals in der akuten Zeit vor den Spiegel gestellt und gesagt: „Hier bin ich, Angst, du kannst mir nichts anhaben, du bist ein Nebel, der einem die Sicht nimmt, mir nimmst du sie nicht!“ Manchmal dachte ich, ich ersticke oder werde irre und habe nur geweint, aber das kann Angst nicht verursachen! Angst essen Seelen auf, wenn man sich nicht erwehrt dagegen. Auch du kannst sehr viel schaffen, sogar alleine. Nimm jede Hilfe an und vor allem: verstecke dich nicht! Alles Gute dir.

x 2 #6


SilentRoG
Zitat von Min0109:
@SilentRoG Lieber SilentRog, das ist eine gute und berechtigte Frage. Mich treiben wirklich aktuell drei "Horrorgedanken" um: 1. Was ist, ...

Der Ansatz mit der Akzeptanz wird auf jeden Fall der Beste sein, denn wenn du die Situation akzeptierst wie sie ist, dann nimmst du der Angst die Bestätigung des Alarms. Und stufst die Situation so dann von "gefährlich / bedrohlich" auf "unangenehm" herunter, statt die Angst durch Unterdrückung zu füttern und den Alarm zu bestätigen.

Die Angst gegenüber der Akutpsychiatrie kann ich dir nicht nehmen, aber ich kann dir nach eigener Angsterfahrung schildern, dass ich dort sehr nette Mitpatienten kennengelernt have, mit denen ich auch heute noch im Austausch bin. Der einzige Punkt, der mir Missfallen hat, war dass dort nur so mit Pillen um sich geworfen wurde. Das fand ich weniger gut, da ich gemerkt hatte, dass sich meine Situation bereits ohne Pillen verbessert hatte.

Die Situation mit dem Kollegen ist natürlich belastend. Aber die Gründe kennst du nicht und wirst du auch nie erfahren.
Auch dort bleibt nur Akzeptanz übrig. Die Welt dreht sich weiter.

Oftmals sind es solche Situationen, die uns triggern und dann brauchen wir ein wenig Zeit, bis das System wieder runterkommt.
Vielleicht kannst du das ganze durch gezielte Entspannung unterstützen. Und dann wirst auch du deinen Alltag wieder aufnehmen können.

#7


Min0109
@SilentRoG
Danke für deine erneute Antwort und dass du deine Erfahrung von der Akutpsychiatrie geteilt hast. Ich habe da sehr sicher ein völlig falsches Bild! Im Grunde ist es auch völliger Quatsch, denn dort soll einem (im besten Fall) einfach nur geholfen werden. Wie auf einer somatischen Station auch.
Das mit Tabletten kann ich mir allerdinngs vorstellen. Ich wollte auch erst kein Pregabalin nehmen, aber jetzt ist es okay für mich, um überhaupt irgendwie etwas runterzufahren. Perspektivisch soll es auch wieder weg und ich bekomme nur eine kleine Dosis.

Danke auch für deine Worte bezüglich meines Kollegens. Du sagst es: Ich kenne überhaupt keine konkreten Hintergründe, außer dass er schon lange an Depressionen gelitten hat.
Ich muss es irgendwie "abhaken". Ich war auch nicht befreundet mit ihm, sondern wir hatten eben nur beruflich miteinander zu tun und ich bin einfach geschockt.

Du hast es wahrscheinlich auf den Punkt gebracht, dass all das meine Angst verstärkt hat.

Ich werde gleich mal zum Sport gehen. Und ich muss dringend mal wieder Progressive Muskelentspannung machen, liegt schon ewig brach und könnte ggf. ganz gut sein.
Und ich versuche mir zu sagen: Es ist wie es ist, ich akzeptiere es. Es ist unangenehm, aber nicht das Ende der Welt.
Ich hoffe, das funktioniert perspektivisch. Aber manchmal schwankt meine Zuversicht am Tag stark und das Thema nimmt fast den ganzen Tag ein.

x 1 #8


SilentRoG
Zitat von Min0109:
@SilentRoG Danke für deine erneute Antwort und dass du deine Erfahrung von der Akutpsychiatrie geteilt hast. Ich habe da sehr sicher ein völlig ...

Sport ist eine gute Idee um den Kopf frei zubekommen. Und auch Entspannung.
Es wird auch wieder bessere Tage geben, solche Trigger Situationen gehen vorbei.

Ich wünsche dir alles Gute.

x 1 #9


Min0109
Danke! Das ist ganz lieb von dir. Sitze gerade auf dem Fahrrad im Gym und radel.

x 1 #10


Flame
Es ist immer schwer,wenn die Angst so vorherrschend ist.

Letztendlich sagen aber Deine Angstgedanken bzw. Deprigedanken nicht die Wahrheit.
Es sind nur Befürchtungen,reine Konstrukte in unserem Kopf (beängstigende Phantasien aber eben wirklich nur Phantasien).

Gut ist,dass Du medikamentöse Hilfe in Anspruch nimmst.
Das dauert in der Regel einige Zeit,bis das greift bzw. auch eine optimale Medikation gefunden ist.

Was ich Dir noch an´s Herz legen möchte ist eine Bedarfmedikation (falls Du die noch nicht hast).
Damit Du über die "Tiefen" besser hinweg kommst bis die Medikamente,die erst noch ihre Wirkung entfalten werden besser hinweg kommst.

Da kannst Du mal nachfragen beim nächsten Termin und wenn Du das Gefühl hast,Du hältst es bis dahin nicht mehr aus,kann man auch ohne Termin in die Praxis gehen und um Hilfe bitten.

x 1 #11


Greta__
Hallo du Liebe.

Du bist mit deinen Gefühlen, Gedanken nicht allein.

Ich habe seit Monaten auch 24/7 mit Angst zu tun, das ist wirklich schrecklich. Wie du gehe ich arbeiten, einkaufen, gehe Gassi und überall ist die Angst vorherrschend. Das ist anstrengend, macht sehr traurig, auch mutlos und lässt einen an sich selbst zweifeln.

Ich glaube sehr stark, dass der Freitod deines Kollegen das Fass zum überlaufen gebracht hat. Mit manchen Triggern kann man einfach nicht gut umgehen, wenn man selbst fragil ist.

Mir wurde im September Bupropion verordnet. Es wurde im Laufe der Monate immer schlimmer mit der Angst und ich bin wirklich verzweifelt. Ich habe es letzten Dienstag abgesetzt und habe kommenden Mittwoch Termin bei meiner Psychiaterin. Ich denke das ich auch etwas benötige was mich runter holt, stabilisiert und nichts was mich pusht (wie das Bupropion).

Vielleicht setzt du dich hin und versuchst für dich zu schreiben. Alles raus was du denkst/fühlst, insbesondere den Trigger mit deinem Kollegen.

x 1 #12


Min0109
@Greta__

Hallo liebe Greta,

ganz lieben Dank für deine Nachricht. Es tut mir leid, dass es dir aktuell genauso geht wie mir. Mich tröstet es, da ich schon ab und zu denke: geht es jemanden auch so - in meinem direkten Umfeld kenne ich keinen der damit zu tun hat.
Ich versuche auch alles aufrechtzuerhalten und an meiner Struktur festzuhalten und Dinge zu ändern, zu verbessern. Ich arbeite z.B. seit Corona zu 100% im homeoffice und muss nur punktuell zu Außenterminen. Aktuell merke ich selbst, dass dieses ständige zu Hause sein und im Grunde dadurch weiter in der Gedankenschleife zu hängen, nicht gut ist. Ich habe mir jetzt für nächste Woche einen Platz in einem Coworking Space gebucht, um einfach für das Arbeiten raus zu kommen.Sollte dies mir "gefallen" wäre ich offen, das ab sofort so weiter zu handhaben.

Was ich "schlimm" finde, und ich weiß Zuschreibungen sind gut, dass ich morgens aufwache und schon direkt Angst vor dem Tag habe. Einfach Dauerangst und mich gar nicht mal unbeschwert freuen kann.Es gilt den Tag so gut wie möglich zu bewältigen. Ich komme auch schlecht mit Leerlauf zurecht und kann mich nicht gut einfach hinsetzen und "entspannen". Ich freue mich gerade auch nicht auf das Wochenende, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass ich bei der Arbeit gerade nicht sonderlich gefordert bin und dann am Freitag nicht das Gefühl habe: puuh, endlich frei, das war eine anstrengende Arbeitswoche, jetzt kann ich mal relaxen.
Ich kann einfach gerade wenig mit mir selbst anfangen und habe den Eindruck ich mache alle Dinge, einfach um Dinge zu machen, weiter eine Struktur zu haben und um den Tag rumzukriegen. Ich verabrede mich auch noch, gehe raus. Gestern war ich z. B. im Stadion beim Fußball, um mich abzulenken. Ich musste da auch ein wenig schmunzeln, denn es gibt eine Fan Base, die sich der Psycho Clan nennen und ich meinte zu meinem Mann: eigentlich müsste ich da drüben stehen.

Es ist aber im Großen und Ganzen wie du schreibst: es ist anstrengend, macht sehr traurig und mutlos.

Mit geht es seit November so, da hat es sich so eingeschlichen, dass ich vermehrt Panikattacken hatte und dann irgendwann diese Dauerangst da war. Das habe ich noch nie so erlebt. Und ich frage mich natürlich: wann wird das besser? Ich versuche mir zu sagen: ja, es wird auch wieder besser werden, kein Zustand ist für ewig, nimm es an, es ist aktuell so wie es ist. Aber es ist einfach wahnsinnig schwer. Denn eigentlich bin ich ein sehr unbeschwerter, fröhlicher Mensch, aber das ist zur Zeit weg.

Und ich denke auch, diese Info von meinem Kollegen hat mich dann zusätzlich aus der Bahn geworfen. Denn natürlich habe ich das dann komplett auf mich übertragen und gedacht: werde ich irgendwann auch so hoffnungslos sein und sagen ich schaff es einfach nicht mehr?

Dass mit dem Aufschreiben habe ich heute Nacht auch gedacht (als ich mal wieder wach gelegen habe und gegrübelt habe). Einfach mal alles runterschreiben.
Gestern habe ich auch mit dem Buch: "Das Leben annehmen" angefangen. Da geht es um die Akzeptanz– und Commitment–Therapie (ACT).

Ich hoffe, Du findest eine gute Medikation, die dich etwas runterbringt. Ich nehme seit Donnerstag Pregabalin in einer Minidosis (75 mg tgl.). Es bringt mich etwas runter, aber ist natürlich kein Wundermittel und meine Gedanken kann es leider nicht ändern.

Wenn du Lust hast, können wir uns auch schreiben und uns gegenseitig Mut machen!

x 1 #13


Min0109
@Flame

Hallo Flame,

danke auch für deinen Beitrag.

Ja, letztendlich muss ich mir wirklich immer wieder sagen, dass meine Angst- und Deprigedanken nicht die Wahrheit sind, bzw. meine Befürchtungen reine Konstrukte in meinem Kopf. Rational weiß ich das, aber ich kriege den Switch nicht hin gelassen zu bleiben und das auch zu fühlen, denn das Angst- und Deprigefühl bleibt ja trotzdem und suggeriert mir, doch da ist was, was dich ängstigen muss, bzw. depri macht.

Ich finde es auch wahnsinnig anstrengend den ganzen Tag damit beschäftigt zu sein!

Mein Mann fragt mich auch, ob es denn gut ist, dass ich so viel zu dem Thema lese oder nun im Forum aktiv bin. Ich solle den Fokus lieber auf etwas ganz anderes zu lenken. Ich denke, anteilig hat er recht. Aber da es eben mein aktuelles Nr. 1 Thema ist, suche ich nach Erfahrungsaustausch, um mich damit nicht so alleine zu fühlen. Mein Mann hat die Problematik nicht und ist sehr rational (aber sehr liebe- und verständnisvoll). Das ist auch gut so, da es mich das in gewisser Weise auch erdet.

Eine Bedarfsmedikation habe ich noch nicht, darüber habe ich auch schon nachgedacht. Als pill in the pocket für den Notfall.
Ich habe gesehen, dass du Pregabalin 400mg nimmst. Wie lange nimmst du das Medikament schon und hast du noch Ängste? Ich war erst skeptisch, ob ich das Medikament möchte, denn es ist ja etwas umstritten, aber aktuell fühle ich mich so "schlecht", dass ich denke: nee, ich bin bereit! Rein damit zwinkern

x 1 #14


Greta__
Zitat von Min0109:
@Greta__ Hallo liebe Greta, ganz lieben Dank für deine Nachricht. Es tut mir leid, dass es dir aktuell genauso geht wie mir. Mich tröstet es, da ...

Ich bin seit einer Trennung Ende 2020 allein. Die Trennung hat mir den Boden weggezogen.
Ich bin seitdem nicht mehr wirklich auf die Beine gekommen. Vorher: Sehr aktiv, Dauerkarte für Fußball, großen Bekanntenkreis, Reisen etc. pp.

Jetzt bin ich zu viel allein, bin bewusst von einer Vor-Ort Anstellung (habe dort Mobbing erlebt), letztes Jahr in 100% Remote gewechselt, wie du. 😊

Anfang diesen Jahres ist mein Kind ausgezogen. Ich bin dazu auch in den Wechseljahren, der Endokrinologe vermutet das viel an der Angst mit den Hormonen zu tun hat. 23.02. haben wir Besprechungstermin. Das zieht sich jetzt aber auch schon so ewig, das ich nicht weiß: Psyche? Hormone? Was wird behandelt?

Ich bin auch sehr in meinen Gedanken, Fokus nach innen, jede Körperbewegung wird "gescant".

Meine Hündin ist im Prinzip das einzige was mich täglich "zwingt" raus zu gehen. Fluch und Segen zugleich.

Ich empfinde auch alles als sehr anstrengend, den Alltag, einkaufen, Struktur finden. Früher fand ich Wochenenden und Urlaub immer toll, für mich ist es, wie bei dir, derzeit mehr Qual als Freude.

Ich hätte gern wieder ein Leben.

Mein Therapeut liegt mir in den Ohren wieder vor Ort zu arbeiten, wegen sozialen Kontakten, Struktur. Ich weiß das er Recht hat, habe aber Angst (HaHa, da isse wieder), ob ich das schaffe.

Wie du siehst, haben wir viele Ähnlichkeiten und offen darüber reden zu können, ohne lange Erklärungen, sind in unserer Situation glaube ich wirklich gut.

#15


Min0109
Hallo Greta,

ich bin gerade draußen unterwegs, da heute hier nach Ewigkeiten mal schön die Sonne scheint.
Ich schreibe dir nachher eine PN, wenn das okay ist.

x 1 #16


B
Hallo,

eben lese ich deinen Bericht und denke er könnte von mir sein. Wie geht’s dir aktuell? Ich versuche seid zwei Jahren da raus zu kommen und habe mit sämtlichen Antidepressiva/Pregabalin/ Tavor für schlimme Zeiten/Nahrungsergänzungsmitteln/Klinikaufenthalten/Hypnosen/Psychotherapie/Entspannungen…einfach alles versucht. Aber diese Angst vor einfach jedem neuen Tag, wie bei dir 24/7 lähmt mich so sehr. Vielleicht können wir uns auch etwas austauschen. Lg

x 1 #17

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Min0109
Hallo Belaisa,

danke für Deine Zeilen. Entschuldige, dass ich jetzt erst antworte, aber ich war doch einige Zeit nicht im Forum unterwegs.
Tja, wie geht es mir aktuell. Ich würde sagen: (sehr) schwankend.
Es gibt Tage, da geht es mir (sehr) gut und ich denke: prima, es geht aufwärts, so kann es bleiben und dann gibt es Tage so wie heute, wo ich bereits nachts mit Angst und einem depressiven Gefühl aufwache und morgens in Tränen ausbreche, weil ich einfach fix und foxy bin und denke: ich möchte das nicht mehr - dieses lähmende und bedrohliche Gefühl, diese Hoffnungslosigkeit, die mich dann gefangen nimmt, weil ich denke, wann wird es wieder besser?
Ich versuche mich in Gelassenheit zu üben und mir zu sagen: es ist wie es ist und mit der Angst und der Depression in Kontakt zu treten, sie als zwar ungebetenen Gäste zu sehen, aber eben als Gäste, die gerade da ist und den ich akzeptieren muss.
Ich bin leider einfach sehr ungeduldig und ich weiß, es bringt nichts die Tage, Wochen und Monate zu zählen und rückblickend immer zu sagen: Jetzt geht das schon seit XY.... (was ich aber manchmal leider mache). Und an schlechten Tagen vergesse ich leider auch die guten Momente.
Aktuell stehe ich auf der Warteliste einer Klinik und es gibt Tage, da denke ich: was soll ich da? Brauche ich das wirklich? Ich kriege das auch ambulant hin. Und an Tagen wie heute denke ich: Warum stelle ich das in Frage! Natürlich nimmst Du das wahr!
Nichtsdestotrotz kann ich mir nicht wirklich vorstellen solange von zu Hause weg zu sein und habe -natürlich- Angst davor. Und fange dann an zu katastrophisieren.
Also wie Du merkst, habe ich noch einen Weg vor mir, auch was meine Gedanken betrifft - ich nehme sie schon als nicht zielführend wahr, aber sie kommen noch und manchmal steige ich dann in das Gedankenkarussell mit ein und kann mich nicht von ihnen distanzieren.
Ich wünsche mir mehr Gelassenheit, mehr Geduld und am Ende eine radikale Akzeptanz bezüglich meiner aktuellen Situation.
Wie ist es bei dir? Arbeitest du? Machst du alles trotz Ängsten?

#18


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Mira Weyer
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