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Min0109

Min0109
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Hallo zusammen,

ich habe ja bereits vor geraumer Zeit geschrieben, dass ich aktuell eine schlechte Phase habe. Aber seit 2 Tagen ist es so gruselig, wie noch nie.
Am Mittwoch war ich mit einer Freundin zum Spazieren verabredet und bereits zu Hause habe ich gemerkt, dass Panik hochkommt. Ich bin trotzdem losgefahren und als ich angekommen bin, kam die Panik dann richtig in Form einer Panikattacke. Wir sind langsam spazieren gegangen und haben uns unterhalten. Nach ca. 2 Stunden trennten sich unsere Wege und ich merkte, dass ich ein "komisches" und ungutes Gefühl der Angst geblieben ist. Zu Hause bin ich nicht zur Ruhe gekommen und habe versucht mich abzulenken. Nachts bin ich dann mit starker Angst aufgewacht. Es war keine Panikattacke, sondern einfach starke Angst. Seitdem geht es nicht mehr weg. Es war gestern Früh so furchtbar, dass ich meine Psychiaterin angerufen habe und auch kommen durfte.

Mein Tag besteht aktuell 24/7 aus Angst und ich habe im Grunde vor allem Angst. Überhaupt den Tag zu schaffen und "rumzukriegen". Schlafen kann ich auch nicht. Ich bin nicht angstunerfahren, aber so was habe ich noch nicht erlebt.

Meine Ärztin hat mir nun zusätzlich zu meinem Citalopram, was ich schon ewig nehme, Pregabalin in einer niedrigen Dosis aufgeschrieben. Ich nehme jetzt 3x 25mg tgl. Sie hatte mir das Medikament vor 5 Jahren bereits einmal vorgeschlagen als es mir nicht gut ging, aber ich habe es dann letztendlich nicht genommen. Aktuell geht es mir aber so mies, dass ich alles nehmen würde. Insofern habe ich schon die ersten beiden Dosen genommen. Eine Wirkung merke ich noch nicht wirklich. Das einzig Schöne war, dass ich abends mal etwas auf der Couch dösen konnte, aber als ich ins Bett gegangen bin, war die Angst wieder da und ich bin nur am Grübeln. Wie auf einem Kreisverkehr.

Meine Ärztin sagte, dass sie es gut finden würde, wenn ich weiterhin an meiner Struktur festhalten (unter der Woche arbeiten, studieren, Verabredungen). Meine Gruppentherapie ist gestartet und ich war bereits 2x dort und fühle mich dort recht wohl. Meine Ärztin sagte, in der Akutpsychiatrie sehe sie mich gerade nicht. Ich könne mich vorsichtshalber auf die Warteliste der Tagesklinik setzen lassen, aber sie würde es erst einmal so versuchen in der Kombi mit den Medis, Sport, Struktur und Gruppe. Klingt alles sinnig, aber ich denke ununterbrochen: ich habe Angst, ich halte das nicht mehr aus und habe wirklich Angst vor jedem Tag. Im Grunde gilt es diesen zu bewältigen ohne großartige Freude, immer gefangen in dieser Sch. Gedankenschleife. Ich frage mich, wie ich da wieder rauskomme. Ich würde am liebsten meinen Kopf abschrauben und durch einen neuen ersetzen.

Ich weiß, dass ich notfalls auch einfach in die Klinik fahren könnte. Da habe ich natürlich auch Angst vor und frage mich, was die dann machen würden. Ich möchte einfach nur wieder gesund sein und nicht, dass mein Leben sich 24/7 um Ängste dreht und ich kein anderes Thema mehr habe. Ich habe bislang alles beibehalten an Aktivitäten, aber ich habe das Gefühl, dass die Angst das nicht interessiert.

Ich war letztes Wochenende sogar für 3 Tage in Münster mit meiner Familie, obwohl ich natürlich davor auch Angst hatte. Aber es hat dort ganz gut geklappt und von daher war ich am Montag und Dienstag ganz gut drauf und nun ist es seit Mittwoch so!
Ist es euch auch schon einmal so ergangen? Wie ging es dann weiter? Ich freue mich einfach über Austausch und Mutmacher sind auch gerne genommen.

Mein Mann, der immer sehr lieb und verständnisvoll ist, kann die Leier auch schon langsam nicht mehr hören und plädiert an meine Geduld und sagte: es wird auch wieder besser werden!

Danke für euer Ohr bzw. Augen und sorry für den langen Text.

14.02.2026 x 3 #1


10 Antworten ↓


sensibelchen98
Hallo liebe @Min0109 das klingt wirklich furchtbar belastend, ich kenne das allerdings auch sehr gut.
Ich denke dein Nervensystems ist total überreizt von der Panikattacke am Mittwoch. Das kann gut und gerne mal mehrere Tage oder sogar Wochen dauern bis sich das wieder einpendelt, daher ist der Rat deiner Psychiaterin wirklich sinnvoll. Halte an deiner Struktur fest so gut es eben geht aber gönne dir auch Ruhepausen! Dein Nervensystem läuft gerade auf Höchsttouren. Gib dir selber Zeit, sei gut zu dir und hab Nachsicht mit dir selbst. So eine heftige Panikattacke kann echt krass viel aus der Bahn werfen aber es pendelt sich letztlich immer wieder ein, bei dir auch, da bin ich ganz sicher. Alles Liebe! 🍀

x 3 #2


A


24/7 starke Angst vor allem Gedankenkreisen

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SilentRoG
Moin,
Hast du schon versucht zu ergründen, was die Gedankenspirale auslöst?
Quasi den beginnenden Gedanken zu finden und ihn zuende zu denken? Also was wäre das Schlimmste, was passieren könnte?

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Min0109
Liebes sensibelchen,

danke für deine aufbauenden Worte. Die tun gut.
Ich hätte gerne jemanden, der auf meiner Schulter sitzen und mir regelmäßig Mut zuspricht und sagt: es wird wieder werden! Im Grunde weiß ich das selbst, da ich ja auch Zeiten hatte, in denen das Thema Angst eine sehr untergeordnete Rolle in meinem Leben gespielt hat. Aber diese komische Phase dauert nun schon seit November und jetzt ist es gefühlt eher noch schlechter geworden... Und irgendwie vernebelt das mein Hirn und ich denke nur negativ.
Durch das Lesen hier im Forum (ich bin recht neu dabei) habe ich gedacht, vlt. habe ich das Thema nie richtig gut gelöst und bearbeitet, sondern muss da jetzt noch mal richtig ran! Im Sinne von radikaler Akzeptanz.
Es tröstet mich immer, auch wenn ich es keinem wünsche und wünschte wir alle wäre ohne unsere Ängste, dass es Gleichgesinnte gibt, die meine Gefühle und Gedanken nachempfinden können. Für Außenstehende ist das ja doch manchmal einfach nachvollziehbar.

x 1 #4


Min0109
@SilentRoG
Lieber SilentRog,

das ist eine gute und berechtigte Frage. Mich treiben wirklich aktuell drei "Horrorgedanken" um:

1. Was ist, wenn dieses Gefühl nie wieder aufhört? und
2. Was ist, wenn ich es nicht mehr aushalten? (dann sehe ich mich z.B. in der Akutpsychiatrie und stelle es mir ganz schlimm vor und sehe eine Abwärtsspirale, keiner kann mir helfen, ich kann nie wieder arbeiten, die Angst bestimmt nur noch mein Leben etc.)

Und was mich sehr angetriggert hat, ist, dass sich vor 14 Tagen ein Kollege von mir das Leben genommen hat.
Ich habe keine Suizidgedanken und möchte das überhaupt nicht, aber trotzdem denke ich: oh Gott, wird es irgendwann so weit sein, dass ich mir dann auch das Leben nehme? Und das macht mir unglaubliche Angst!

Ich habe gestern auch meiner Psychiaterin davon erzählt und sie sagte, dass sie verstehen kann, dass ich diese Nachricht in meiner aktuellen Gefühlslage nicht hören möchte. Sie sagte, wenn ich wirklich einmal solche Gedanken hätte, soll ich sie direkt kontaktieren oder in die Klinik fahren.

Ich weiß nicht, wie ich gut mit diesen Gedanken umgehen soll, außer eben zu versuchen radikale Akzeptanz zu kultivieren. Im Sinne von: ja, ich habe eine generalisierte Angststörung mit Panikattacken und Depressionen und aktuell keine gute Phase und das nehme ich jetzt so an. Und dass es nichts bringt die Angst, wie einen Ball immer wieder unter Wasser drücken zu wollen, sondern zu sagen: jetzt ist sie gerade da, vlt. auch 24/7 und zu versuchen das Beste draus zu machen. Aber das fällt mir einfach unglaublich schwer....

x 1 #5


Lokalrunde
Gedankenkreisel und die Endlosschleife. Habe ich alles erlebt und kann mich zu 100 % in dich hineinversetzen. Meine Akutphase damals ging 7 Monate, vom Hausarzt zum Psychiater und von da zu einem Facharzt für psychotherapeutische Medizin, einmal die Woche 50 Minuten in seiner Praxis. Er lehnte Medikamente größtenteils ab, nach ein paar Sitzungen wurde ihm bewusst, dass es zu lange dauern würde in einer ambulanten Therapie, womit er recht hatte.

Er sorgte dafür, dass ich schnell in eine stationäre Therapie kommen sollte. Nach 4 Monaten begab ich mich dorthin und landete in einer Klinik, die nach dem 12-Schritte-Programm ausgelegt war. Rastede, damals die Kleeblattklinik, wo ich 10 Wochen an mir gearbeitet habe. Ich erlebte ein volles Programm von 07:00 bis 21:00 Uhr, auch am Samstag, und nur der Sonntag war in aller Stille. Ich hatte alleine an 5 Tagen in der Woche jeweils 4 Stunden Gruppentherapie. Ergotherapie Musik/Malen Sporttherapie. Einzeltherapie bei damaligem Chefarzt. Ich bekam sogar zweimal eine Familienaufstellung bei Dagmar Ingwersen. Es war hart und ich habe so gut wie alles akzeptiert und mich nie gegen etwas gesträubt, ich wollte gesunden. Es gab kein Radio/Fernsehen/Zeitung, kein Rauchen/Alk., kein Smartphone. Zwei Wochen Kontaktsperre nach Hause. Das war 1998.

Was soll ich sagen, die haben mir das Leben gerettet damals. Ich war danach aber noch 6 Jahre immer wieder ambulant mit zwischendurch Pausen bei meinem Arzt. Auch du kannst es schaffen, aus dieser Schleife zu kommen. Ich selber habe gemerkt, dass Auspowern beim Sport gut war, um das Gedankenkarussell zu stoppen. Immer wieder in die Angst gehen und dennoch Leute besuchen und etwas unternehmen. Ich habe mich damals in der akuten Zeit vor den Spiegel gestellt und gesagt: „Hier bin ich, Angst, du kannst mir nichts anhaben, du bist ein Nebel, der einem die Sicht nimmt, mir nimmst du sie nicht!“ Manchmal dachte ich, ich ersticke oder werde irre und habe nur geweint, aber das kann Angst nicht verursachen! Angst essen Seelen auf, wenn man sich nicht erwehrt dagegen. Auch du kannst sehr viel schaffen, sogar alleine. Nimm jede Hilfe an und vor allem: verstecke dich nicht! Alles Gute dir.

x 2 #6


SilentRoG
Zitat von Min0109:
@SilentRoG Lieber SilentRog, das ist eine gute und berechtigte Frage. Mich treiben wirklich aktuell drei "Horrorgedanken" um: 1. Was ist, ...

Der Ansatz mit der Akzeptanz wird auf jeden Fall der Beste sein, denn wenn du die Situation akzeptierst wie sie ist, dann nimmst du der Angst die Bestätigung des Alarms. Und stufst die Situation so dann von "gefährlich / bedrohlich" auf "unangenehm" herunter, statt die Angst durch Unterdrückung zu füttern und den Alarm zu bestätigen.

Die Angst gegenüber der Akutpsychiatrie kann ich dir nicht nehmen, aber ich kann dir nach eigener Angsterfahrung schildern, dass ich dort sehr nette Mitpatienten kennengelernt have, mit denen ich auch heute noch im Austausch bin. Der einzige Punkt, der mir Missfallen hat, war dass dort nur so mit Pillen um sich geworfen wurde. Das fand ich weniger gut, da ich gemerkt hatte, dass sich meine Situation bereits ohne Pillen verbessert hatte.

Die Situation mit dem Kollegen ist natürlich belastend. Aber die Gründe kennst du nicht und wirst du auch nie erfahren.
Auch dort bleibt nur Akzeptanz übrig. Die Welt dreht sich weiter.

Oftmals sind es solche Situationen, die uns triggern und dann brauchen wir ein wenig Zeit, bis das System wieder runterkommt.
Vielleicht kannst du das ganze durch gezielte Entspannung unterstützen. Und dann wirst auch du deinen Alltag wieder aufnehmen können.

#7


Min0109
@SilentRoG
Danke für deine erneute Antwort und dass du deine Erfahrung von der Akutpsychiatrie geteilt hast. Ich habe da sehr sicher ein völlig falsches Bild! Im Grunde ist es auch völliger Quatsch, denn dort soll einem (im besten Fall) einfach nur geholfen werden. Wie auf einer somatischen Station auch.
Das mit Tabletten kann ich mir allerdinngs vorstellen. Ich wollte auch erst kein Pregabalin nehmen, aber jetzt ist es okay für mich, um überhaupt irgendwie etwas runterzufahren. Perspektivisch soll es auch wieder weg und ich bekomme nur eine kleine Dosis.

Danke auch für deine Worte bezüglich meines Kollegens. Du sagst es: Ich kenne überhaupt keine konkreten Hintergründe, außer dass er schon lange an Depressionen gelitten hat.
Ich muss es irgendwie "abhaken". Ich war auch nicht befreundet mit ihm, sondern wir hatten eben nur beruflich miteinander zu tun und ich bin einfach geschockt.

Du hast es wahrscheinlich auf den Punkt gebracht, dass all das meine Angst verstärkt hat.

Ich werde gleich mal zum Sport gehen. Und ich muss dringend mal wieder Progressive Muskelentspannung machen, liegt schon ewig brach und könnte ggf. ganz gut sein.
Und ich versuche mir zu sagen: Es ist wie es ist, ich akzeptiere es. Es ist unangenehm, aber nicht das Ende der Welt.
Ich hoffe, das funktioniert perspektivisch. Aber manchmal schwankt meine Zuversicht am Tag stark und das Thema nimmt fast den ganzen Tag ein.

x 1 #8


SilentRoG
Zitat von Min0109:
@SilentRoG Danke für deine erneute Antwort und dass du deine Erfahrung von der Akutpsychiatrie geteilt hast. Ich habe da sehr sicher ein völlig ...

Sport ist eine gute Idee um den Kopf frei zubekommen. Und auch Entspannung.
Es wird auch wieder bessere Tage geben, solche Trigger Situationen gehen vorbei.

Ich wünsche dir alles Gute.

x 1 #9


Min0109
Danke! Das ist ganz lieb von dir. Sitze gerade auf dem Fahrrad im Gym und radel.

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Flame
Es ist immer schwer,wenn die Angst so vorherrschend ist.

Letztendlich sagen aber Deine Angstgedanken bzw. Deprigedanken nicht die Wahrheit.
Es sind nur Befürchtungen,reine Konstrukte in unserem Kopf (beängstigende Phantasien aber eben wirklich nur Phantasien).

Gut ist,dass Du medikamentöse Hilfe in Anspruch nimmst.
Das dauert in der Regel einige Zeit,bis das greift bzw. auch eine optimale Medikation gefunden ist.

Was ich Dir noch an´s Herz legen möchte ist eine Bedarfmedikation (falls Du die noch nicht hast).
Damit Du über die "Tiefen" besser hinweg kommst bis die Medikamente,die erst noch ihre Wirkung entfalten werden besser hinweg kommst.

Da kannst Du mal nachfragen beim nächsten Termin und wenn Du das Gefühl hast,Du hältst es bis dahin nicht mehr aus,kann man auch ohne Termin in die Praxis gehen und um Hilfe bitten.

#11


A


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Mira Weyer
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