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Hallo,

ich schreibe hier in der Hoffnung, dass vielleicht jemand ähnliches schonmal dieses Gefühl erlebt hat und mir Mut machen kann.

Vor ca. 4 Wochen hatte ich einen Nervenzusammenbruch. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und hatte Herzrasen, starkes Muskelzittern und schwitzen, Todesangst und damit ein Gefühl die Kontrolle zu verlieren. Vor allem das letzte halbe Jahr stand ich unter ständiger Belastung und unheimlichen Druck. Bin in psychologischer Behandlung und dort wurde ein depressiver Erschöpfungszustand festgestellt. Nebenbei leide ich schon seit meiner Kindheit unter generalisierter Angst, mit der ich eigentlich in den letzten Jahren ganz gut klar gekommen bin, nur das ich mein berufliches Leben kaum entfalten konnte, wodurch natürlich viel Unzufriedenheit, Wut und Druck entstanden ist. Besonders im letzten halben Jahr bin ich deutlich über meine Grenzen gegangen und habe nicht auf mein Inneres gehört. Nach dem Nervenzusammenbruch kann ich fast nichts mehr, fühle mich ziemlich leer und ausgebrannt, besonders durch das Gefühl der Entfremdung steigere ich mich schnell in Panikattacken hinein. Man hat einfach das Gefühl keinen Halt mehr zu haben, der Körper kommt mir fremd vor und die Bewegungen irgendwie nicht wie die eigenen. Von meiner Psychologin habe ich gesagt bekommen, dass ich mich jetzt nur noch versuchen soll zu entspannen. Durch das Entfremdungsgefühl ist es nur sehr schwierig, da es mir große Angst macht. Vielleicht gibt es hier ja jemanden, der mir Hoffnung geben kann, dass dieses Gefühl auch wieder weggeht und warum es überhaupt da ist? Warte momentan auf einen Platz in einer Klinik, aber das dauert natürlich. Deshalb schreibe ich auch hier, um ein paar Erfahrungen von anderen zu hören.

Freue mich über jede Antwort!

19.06.2013 09:49 • 07.07.2019 #1


15 Antworten ↓


Hallo Lisa,
ich hatte 2011 einen Zusammenbruch nachdem ich jahrelang beruflich über meine Grenzen ging. Das Entfremdungsgefühl kenne ich sehr gut und es geht wieder weg. In dem Moment wo du anfängst dich bewusst zu entspannen und vor allem abzuschalten, zieht sich dieses Gefühl zurück. Ich denke das dies ein Schutzmechanismus deines Gehirns ist, um alles Überflüssige auszugrenzen. Mach deinen Kopf leer, geh raus in die Natur( naja vielleicht nicht gerade heute, bisschen heiß) aber das half mir am besten. Ich habe mich so lange wie möglich draußen aufgehalten wo es schön ist - Bäume, Wasser, Vögel -einfach setzen und ruhen.

Und gib dir Zeit, ich denke das ist das Wichtigste. Erzwinge nichts und lass die Arbeit, den Beruf, weit hinter dir.

LG

19.06.2013 10:10 • x 1 #2



Entfremdungsgefühl Symptome / Ursachen - was tun?

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Hallo Entje,

deine Antwort beruhigt mich. Es ist einfacher dieses Gefühl zu akzeptieren, wenn man hört, wie andere damit umgegangen sind und es vor allem überwunden haben.

Vielen Dank für deine Antwort. Lg

19.06.2013 11:30 • #3


Hallo Entje,

wollte noch fragen, ob dieses Gefühl bei dir anfangs auch fast durchgehend da war? hab es eigentlich die ganze Zeit, am schlimmsten ist es morgens, beim aufstehen komm ich mir vor, als wenn es wie im Alptraum ist. Wenn ich mich entspanne oder ich abgelenkt bin, geht es auch etwas zurück, aber längst nicht so, als wenn es komplett weg ist. Jeder Tag ist echt sehr quälend, da es so unangenehm ist. War es bei dir auch so stark vorhanden?

Habe schon versucht Medikamente wie AD zu nehmen, aber dadurch habe ich mich nur noch schwächer gefühlt. Zurzeit nehme ich vorm schlafen gehen nur Atosiltropfen, die helfen mir vor allem bei den Verspannungen und zum schlafen. Habe das Gefühl, es gibt auch keine Medikamente gegen so einen starken Erschöpfungszustand, außer halt Beruhigungstropfen. Hast du irgendetwas in der Zeit eingenommen?

Auf eine Antwort würde ich mich freuen. Vielen Dank schonmal

22.06.2013 09:27 • #4


Hallo Lisa,
ja das Gefühl war eine ganze Zeit (einige Wochen) durchgehend. Abends wurde es ein wenig besser am Morgen war es am allerschlimmsten. Ein richtiges beängstigendes Entfremdungsgefühl, wirklich ein Alptraum- wie du das auch schon beschreibst.
Jeder Schritt, jedes Nachdenken und jede noch so kleine Entscheidung war bei mir kaum noch möglich durch diesen allumfassenden Zustand. Ich hatte immer das Gefühl, ich gehöre nicht mehr dazu.
Es wird langsam vergehen, habe Geduld mit dir.
Medikamente nahm und nehme ich nicht. Ich habe mich in dieser Zeit echt zum Essen gequält und zwar wertvolle unbehandelte Lebensmittel mit viel Folsäure, B Vitaminen, alles was nervenstärkend und aufbauend ist.Essen war ein Drama, das hatte ich vor lauter Arbeit weit hinten angestellt, ist aber wichtig, damit sich der Körper stärkt, die Zellen Nahrung haben...
Dann habe ich noch eine Verhaltenstherapie gemacht.

Noch heute rutsche ich in diese Zustände und das meist am Morgen und nur kurz, wenn ich zu viel Stress hatte, also bekomme später keinen Schreck, kann immer mal vorkommen. Gesundwerden ist ein langer Weg.

Also:
B Vitamine, Folsäure, (aber nicht aus der Apotheke), frisches Obst (entgiftet), viel frisches Gemüse (stärkt),genügend Wasser, genügend Schlaf und viel Natur. Dazu noch eine starke Familie, die hatten es mit mir nicht leicht.

Ganz liebe Grüße- es wird besser-
Entje

22.06.2013 12:43 • #5


Lisa, da fällt mir noch ein Heilstein ein: der Purpurit. Ich weiß nicht wie du zu solchen Sachen stehst, aber mir tat er gut. Ich habe ihn am Lederband getragen und regelmäßig gereinigt und aufgeladen.

22.06.2013 12:54 • #6


Hallo Entje,

vielen Dank für deine ausführlichen Antworten. Die Sache mit dem Heilstein ist nicht so mein Ding, aber das sieht ja jeder anders

Es tut wirklich gut zu lesen, dass es bei dir sehr ähnlich war. So fühlt man sich nicht, als wenn man der einzigste Mensch auf der Welt mit diesem Problem ist. Bei mir ist es auch genau so, dass ich mich meist abends am besten fühle, wobei wie schon erwähnt, es nie ganz weg ist. Vor allem wenn ich extrem angespannt bin oder mich irgendetwas belastet, ist das Gefühl sofort wieder ziemlich stark vorhanden. Es ist wirklich schwer dabei nicht die Hoffnung zu verlieren, denn momentan kann man sich kaum vorstellen, dass es irgendwann wieder verschwunden ist. Manchmal versuche ich mir dieses Gefühl mit irgendner Krankheit zu erklären, weil man schwer nachvollziehen kann, dass der eigene Körper einen das antun kann. Aber im Endeffekt hat man leider gar keine Wahl, als das Gefühl irgendwie zu akzeptieren.

Mit dem Essen hatte ich direkt nach dem Zusammenbruch große Probleme, ich konnte bestimmt eineinhalb Wochen fast nichts essen, weil mir so übel war. Momentan geht es Gott sei Dank wieder, da ich mich ohne noch zusätzlich geschwächt gefühlt habe. Mir wird erst jetzt richtig bewusst, was man seinem Körper antun kann, dass man in so einen Zustand gerät. Ich wünschte mir, dass ich schon eher reagiert hätte, um das jetzt nicht durchleiden zu müssen. Aber man sieht es leider erst am Ende.

Danke aber nochmal fürs Zeit nehmen um mir zu antworten, deine Antworten machen Mut. Ich denke in einer schwierigen Situation wie dieser, gibt es fast nichts besseres als die Erfahrungen anderer zu hören, nur so fühlt man sich nicht ganz so allein.

Wenn ich eine weitere Frage habe, komme ich sicher nochmal auf dich zurück

Lg und schönen Abend

22.06.2013 20:46 • #7


Hallo, ich bin grade sehr beruhigt das ich nicht der einzige bin der das durchmacht..
Ich hatte auch einen Nervenzusammenbruch, und bin seit 3 Monaten krankgeschrieben..
Wäre es möglich mal mit dir Privat zu schreiben ? Da ich einige Fragen habe ob du gewisse Dinge erlebt hast so wie ich.
Ich bin 17 , habe Facebook oder whatsapp.
Würd mich wirklich riesig freuen wenn du antworten würdest
Mit freundlichen Grüßen Nico

04.03.2015 02:13 • #8


Daniel09

04.07.2019 20:30 • #9


Lottaluft
Ich kenne das Gefühl leider
Manchmal hilft es mir wenn ich mich dann stark konzentriere
Ich versuche dann immer bei geschlossenem Mund meine Zunge leicht anzuheben und gerade zu halten das ist anstrengender als man denkt

04.07.2019 20:33 • #10


Gaulin
Zitat von Daniel09:
Bei einer Angststörung treten ja ab und an Entfremdungsgefühle auf bzw das Gefühl irgendwie ist etwas anders oder leere Gefühl.

Kannst du das etwas genauer beschreiben? Entfremdungsgefühle und innere Leere sind zwei verschiedene Gefühle. Was meinst du mit etwas ist anders?
Entfremdungsgefühle (neben sich stehen, alles wie einen Film ablaufend wahrnehmen, Derealisation-meinst du das?)

04.07.2019 20:36 • #11


Daniel09
Entfremdungsgefühle (neben sich stehen, alles wie einen Film ablaufend wahrnehmen, Derealisation-meinst du das?)

Ja genau das meine ich. Ich wusste nicht genau wie ich es Beschreiben soll, sorry

04.07.2019 20:39 • #12


Daniel09
Zitat von Lottaluft:
Ich kenne das Gefühl leider Manchmal hilft es mir wenn ich mich dann stark konzentriere Ich versuche dann immer bei geschlossenem Mund meine Zunge leicht anzuheben und gerade zu halten das ist anstrengender als man denkt



das ist echt ganz schön anstrengend

04.07.2019 20:59 • #13


Lottaluft
Zitat von Daniel09:
das ist echt ganz schön anstrengend



Ja aber man ist halt so konzentriert das man nicht änglich ist weil alles gerade anders wirkt

04.07.2019 21:02 • #14


Gaulin
Zitat von Daniel09:
Ja genau das meine ich. Ich wusste nicht genau wie ich es Beschreiben soll, sorry

Alles gut, ich wollte lieber noch mal nachfragen, damit keine Missverständnisse aufkommen.
Vom Prinzip her müsste man wieder realisieren. In der Akutphase könnte das hinterfragen von Gedanken und verändern ins Realistische helfen. Wenn es schon chronisch ist, gestaltet sich das schwieriger ( das selbe Prinzip, aber dauert seine Zeit, es ist ein Lernprozess der viel Übung bedarf). Es entsteht leider nicht grundlos. Kennst du deine Diagnosen?

04.07.2019 21:03 • #15


Daniel09
Nein kenn meine Diagnose leider noch nicht ich . Hab erst im August ein Termin. Aber ich gehe halt von einer Angststörung aus weil das Derealisation nicht immer habe nur ab und zu . Gerade wenn ich alleine bin wo ich mir Gefühlt am meisten Sorgen mache das irgendwas passiert und Angst bekomme oder bei Stress auf Arbeit.

07.07.2019 13:19 • x 1 #16



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Dr. Reinhard Pichler