Zitat von KampfderAngst: Solange alles in ruhigen und gewohnten Bahnen läuft - prima. Aber wenn nicht, sind Angst und Unruhe wieder schnell präsent.
Ruhe und Gewohntes sind jedoch letztlich reine
Interpretationen. Wann begann z. B. Ruhe als solche empfunden zu werden, wann wurde das Erlebte Gewohnheit?
Natürlich verstehe ich, was Du meinst und der Sprachgebrauch ist ja auch meiner. Aber bei genauem Hinsehen ist das nur eine - relativ instabile und äußerst oberflächliche - Be
zeichnung. Der Geist zeichnet aus der Vergangenheit
seine Welt, weil er glaubt, sie
wiederzuerkennen. Unser Erleben ist also eine Erwi(e)derung, ja, eine
Verwiederung unseres Erlebens. Man kann das auch
geistige Prägung nennen.
Was dieser Gewöhnung nicht auf´s Haar gleicht, birgt aus o. g. Gründen Gefahr. Was in der Therapie vorwiegend versucht wird, ist, die Gefahr als gefahrlos darzustellen oder sie zumindest zu relativieren. Was jedoch nicht oder nur selten gemacht wird, ist, das
gewohnte Erleben zu durchleuchten, also die Gewöhnung an sich.
Beispiele:
Zitat von KampfderAngst: Das Wochenende, die Zeitumstellung, jeder nächste Schritt birgt für mich große Unsicherheit.
Was
ist "Wochenende" denn eigentlich (
ohne Deine vorauseilende Interpretation)?
Was bedeutet "Zeitumstellung" denn eigentlich noch, außer eine andere Zeigerstellung auf einer von Menschen erfundenen Uhr, die wiederum eine - letztlich rein fiktive - Maßeinheit wiedergibt?
Allein diese berechtigten Fragen zeigen ganz deutlich,
wie ignorant unsere Gewöhnung tatsächlich ist!
Zeit z. B. ist nichts anderes als eine
Verhackstückelung unseres Erlebens. Ähnlich verhält es sich mit Orten. Auf Zeit und Raum sind jedoch unsere
Verhältnismäßigkeiten aufgebaut - und somit auch unsere Angst
vor etwas. So gesehen, hat Angst eigentlich gar keine Grundlage.
Zitat von KampfderAngst: Ich möchte gerne versuchen, die Angst anzunehmen, ihr zuzuhören und sie dann wieder ziehen lassen...wenn ich doch nicht so voll von ihr wäre.
Um Angst annehmen zu können, muss man sie zuerst verstehen. Wenn sie "übermächtig" scheint, muss man sich vor Augen führen, dass das nicht im mindesten angemessen sein
kann (außer in offensichtlich akut lebensgefährlichen Situationen).
Ein großer Vorteil dieses Forums ist, dass man seine eigenen Themen und die Antworten darauf immer wieder durchlesen und aus einer "neuen" Sicht entsprechende
Einsichten daraus gewinnen kann. Bedenke, dass Gewöhnungen viel Zeit hatten, um sich zu bilden. Ihre Auflösung bedarf zumeist einiger Zeit und Hingabe, aber je bewusster und wissender Du bist, umso schneller und nachhaltiger ist eine (Er-)Lösung möglich.
Vielleicht hilft Dir folgender Blickwinkel: Deine "geistige Gesundheit" ist weder
weit entfernt noch bedarf es eines
bestimmten Zeitraums, sie zu verwirklichen. Es ist nicht
etwas, das Du erreichen oder (zurück-)erlangen kannst, sondern Du
bezeugst sie, indem Du verstehst, wie der Geist arbeitet. Im
Verständnis selbst liegt die
Freiheit selbst.
Der Spiegel blickt in den Spiegel...
