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Hallo Zusammen,

habe heute mittag mich in der Vorstellungsecke vorgestellt.

Jetzt meine Frage:
Ich weiß seit kurzen das ich wohl starke Agoraphobie habe. Angst hatte ich schon immer, dazu noch der Missbrauch.

Werde ich jemals irgendwie lernen die Angst loszulassen?Und ohne meinen Schutzkoffer (Wasser,Medis und Handy) auskommen? Werde ich jemals die Angst vor Klausuren verlieren?

Ich bin ratlos. Vor gut 10 Jahren mein Selbstmordversuch, der alles ausgelöst hat, jetzt die Erkenntnis warum, wieso weshalb.

Ich bin so durcheinander. So aufgelöst. Gibt es hier Leute mit Agoraphobie die auch studiert haben? Wie habt ihr die Leute an der Uni erlebt? auch so kalt wie ich? Die sagten "mit einer Anghsterkrankung brauchen Sie erst gar nicht zu studieren".

Danke für eure Hilfe, bin echt verzweifelt

02.01.2010 17:31 • 02.01.2010 #1


3 Antworten ↓


Hallo Babsi,

erstmal willkommen im Forum,

ich wollte jetzt erstmal überhaupt was schreiben, aber ich weiß jetzt keine wirkliche Antwort auf Deine Fragen.
Ich denke, Agoraphobie an sich kann man schon überwinden, aber es kommt vielleicht drauf an, wie schwer sie ist oder was da noch so dahintersteckt. Bei mir ist es auch ziemlich schwierig, aber ich hoffe, irgendwann komme ich wieder klar.
Du bist ja offenbar schon in Therapie, ich hoffe, Deine Therapie hilft Dir ?

Studieren tue ich nicht, deshalb kann ich da auch nichts zu sagen, außer, dass ich das nicht so nett von denen finde, wenn sie das so gesagt haben.

Ich hab auch immer 'ne Tablette, mein Handy und was zu trinken dabei ...

Aber das was Du da schreibst wegen Missbrauch macht mir etwas Sorgen, redest Du darüber mit Deiner Therapeutin ?

Soweit erstmal, liebe Grüße Berliner

02.01.2010 18:11 • #2



Brauche gaaaaanz dringend euren Rat!

x 3


Sunray
Hey Babsi!

Willkommen hier im Forum.

Ich kann dir Mut zusprechen. Wenn du möchtest, kannst du dir ja mal ein paar meiner Beiträge durchlesen, denn ich studiere seit ca. 3 Jahren und meine Agoraphobie inklusive Angst vor Krankheiten und das volle Programm begann vor fast 2 Jahren.

Ich werde im Februar mein Studium beenden, bzw. dann ist das Praxissemester dran und ein Semester später schreibe ich meine Bachelorarbeit. Du siehst, dass alles machbar ist, wenn man es nur selbst will.

Vor knapp zwei Jahren, als alles begann hätte ich nicht im Traum dran denken können jemals wieder einen Vortrag halten zu können oder jemals meine Klausuren schaffen zu können oder aber auf Semesterpartys gehen zu können, aber wie du siehst ich lebe noch und ich habe es überlebt und es auch geschafft!(Ohne Medikamente)

Du brauchst einfach nur den Willen dazu, egal was dir andere Leute erzählen. Denn die Angst ist einfach nur eine Vorstellung und negative Gedanken und Bewertungen, die du wieder verlernen musst.

Wenn ich mal fragen darf, was und wo studierst du denn?

Du kannst mich gerne jederzeit anschreiben, wenn du Fragen hast.

02.01.2010 18:20 • #3


Christina
Zitat von BabsiW82:
Werde ich jemals irgendwie lernen die Angst loszulassen?Und ohne meinen Schutzkoffer (Wasser,Medis und Handy) auskommen? Werde ich jemals die Angst vor Klausuren verlieren?
Ganz klares ja, wieso denn nicht? Es wird sicher anstrengend, zumal es bei dir ja nicht "nur" die Angst ist, sondern noch ein heftiges Trauma dahinter steckt und du anscheinend auch zu Depressionen neigst. Aber machbar ist es. Aus praktischen Gründen würde ich an deiner Stelle zunächst bei den Angstsymptomen anfangen und diese verhaltenstherapeutisch angehen - evtl. konzentriert in einer psychosomatischen Klinik. Jedenfalls kann man schon an der Angst arbeiten und sie gut in den Griff bekommen, auch falls du zur Aufarbeitung des Missbrauchs noch nicht bereit sein solltest. Und mit weniger Angstsymptomen kannst du dann einigermaßen mit beiden Beinen im Leben stehen, zu deinen Eltern auf Distanz gehen und dir dann deine traumatischen Erlebnisse vorknöpfen. Oder auch das wieder im geschützten Rahmen einer Klinik - je nachdem, wie heftig du reagierst.

Zitat von BabsiW82:
Ich bin so durcheinander. So aufgelöst. Gibt es hier Leute mit Agoraphobie die auch studiert haben? Wie habt ihr die Leute an der Uni erlebt? auch so kalt wie ich? Die sagten "mit einer Anghsterkrankung brauchen Sie erst gar nicht zu studieren".
Meine Agoraphobie brach während meines Erststudiums (BWL) aus. Ich habe dummerweise im Laufe der Zeit das Studium wegen der Krankheit recht lange unterbrochen, aber später trotz einiger Restsymptome weitergemacht. Wir hatten auch Prüfungen, bei denen man nicht rausdurfte (auch nicht aufs Klo), einen Sitzplatz zugewiesen bekam und sich mit Perso ausweisen musste. Bei einer solchen Prüfung war's mir nicht gut, aber ich war entschlossen, sie zu schreiben - und wenn ich dem Aufsichtführenden vor die Füße gekotzt hätte. In meinem Jahrgang waren wir an die 1000 Studenten, deutlich mehr als in den Audimax passten. Die Rahmenbedingungen waren also mehr als bescheiden. Aber es geht. Es geht auch notfalls mal mit einem Krankheitssemester - das ist besser, als sich die Noten zu versauen. Witzigerweise habe ich gerade die BWLer als sehr hilfsbereit erlebt, vielleicht weil sich jeder in dieser Masse verloren vorkam, allerdings ist das schon ein Weilchen her. Ich bin dann mit der Agoraphobie sehr offen umgegangen und muss sagen, dass ich damit offene Türen eingerannt habe.

Ich empfehle dir aber dringend, intensiv an den Symptomen zu arbeiten, sie ziehen dir sonst unnötig viel Kraft ab, die du fürs Studium gut brauchen kannst. Die meisten Universitäten haben eine psychologisch-psychotherapeutische Beratungsstelle und bieten sogar Therapiegruppen an. Wende dich doch mal an die und lass' dir ein paar Tipps geben. Vielleicht findest du auch Leidensgenossen. Das wird dir das Unileben sicher erleichtern.

Liebe Grüße
Christina

02.01.2010 18:28 • #4




Dr. Hans Morschitzky