Pfeil rechts
1

Guten Morgen zusammen,
ich bin auf diese Seite gestoßen da ich meiner Tochter (21) helfen möchte und muss.
Ich selber habe keine Erfahrung mit Angststörungen, bei meiner Tochter ist dieses Gefühl relativ neu. Mittlerweile hat sie dauerhaft Angst und ich kann ihr nur helfen, indem ich bei ihr bin. (Ich bin keine Glucke, sie sagt mir von sich aus, dass meine Gegenwart ihr gut tut )
Nach ihrem Arztbesuch wurde ihr von ihrem Hausarzt zur Überbrückung ein Psychopharmakum (Sertralin) verschrieben. Durch eine halbe Tablette am Abend ist sie fast hyperventiliert, hatte riesige Pupillen, einen Bewegungsdrang und Angst. Ich habe sie morgens um 5 Uhr auf ihren Wunsch hin zu mir geholt. Darauf hin haben wir Hilfe bei der Psychatrischen Ambulanz gesucht und die Psychaterin hat ihr Cipralex verschrieben, die sie morgens eingenommen hat und bei der in der darauffolgenden Nacht die selben Nebenwirkungen, nur etwas abgeschwächt, auftraten. Darauf hin hat sie keine weitere Tablette mehr eingenommen und stattdessen ein pflanzliches Beruhigungsmittel eingenommen, das bekanntermaßen erst nach einiger Zeit wirkt. Meine Tochter hat bis auf gestern, die vergangenen Nächte bei mir verbracht. Ich hatte Grippe und bin deswegen noch krankgeschrieben.
Kann mir jemand sagen was wir als nächstes tun könnten? Bis wir einen Therapietermin haben ist dauert es vermutlich noch Monate.
Ich würde mich über den ein oder anderen Tip riesig freuen.
Eine etwas verzweifelte Mama (die keine Glucke ist!)
Bettina

22.02.2016 11:27 • 22.02.2016 #1


9 Antworten ↓


jan24
Hallo ich bin 24 Jahre alt

Wie äußern sich die Panik Attacken bei ihr?
Habt ihr eine Vermutung woher es kommt ?
Ist etwas schlimmes passiert vor kurzem oder auch schon etwas länger her ?

Lg

22.02.2016 11:44 • #2



Angststörung/Panikattacken meiner Tochter

x 3


Hallo Jan,
Sie hatte es nicht immer leicht. Sie ist ohne ihren leiblichen Vater aufgewachsen, weil wir uns getrennt haben als sie 3 Jahre alt war. Ich habe eine längere Beziehung (in die meine Tochter gut integriert wurde und die beiden sich gut verstanden haben) und hin und wieder kürzere Partnerschaften gehabt. Bestimmt habe ich als Mutter auch einige Fehler gemacht. Rückblickend denke ich, dass ich sie bestimmt hier und da vernachlässigt habe. Wir haben darüber schon oft gesprochen und ich habe mich für verschiedene Dinge entschuldigt aber ich kann sie nicht ungeschehen machen. Meine Tochter hat mir verziehen und wir haben heute ein unbeschwertes, vertrauensvolles Verhältnis. Sie hat heute ihr Abitur und ist in der Schule zwar mittelmäßig aber ohne sitzenbleiben durchgekommen und ist eine liebenswerte nette junge Frau. Dies als ganz kurze Zusammenfassung. Ich habe sie nie bestraft oder eingesperrt, dies habe auch ich selbst nie erfahren und ich denke, dass sie grundsätzlich eine ganz schöne Kindheit verlebt hat. Ihr Papa hatte etwa 3-4 Jahre nach unserer Trennung eine neue Beziehung und zwei Kinder mit der Frau bekommen. Er hat sich auch vor der Beziehung nur unregelmäßig gekümmert und meine Tochter an ihrem Papa-Wochenende auch schonmal warten lassen. Die Beziehung zu ihrem Papa ist mittlerweile ganz eingeschlafen aber ich glaube, dass sie hin und wieder drunter leidet und biete ihr ab und zu an, mit ihr zusammen mal erst den Kontakt wieder aufzunehmen, das lehnt sie aber ab.
Ich kann schlecht beschreiben wie sich die Panikattacken äußern, da ich es nicht verstehen kann. Sie beschreibt mir, dass sie Angst und Unruhe bekommt, Angst vor nichts bestimmtem. Allerdings kann sie sich auch ganz schlecht in mit Menschen gefüllten Räumen aufhalten, das hat sich erst vorletztes Wochenende wieder besonders geäußert. Sie wollte unbedingt wieder arbeiten gehen weil sie sich selbst auch vor dem Verlangen wehren möchte, sich selbst komplett vom Alltag auszuschließen aber sie ist am Wochenende nicht mit ihren Freunden zusammengewesen .... aus Angst.
Lieben Gruß,
Bettina

22.02.2016 12:12 • #3


jan24
Also bei mir hat es so angefangen , kurze Vorgeschichte ..
Vergangenheit : zum echten Vater kein kontakt aber einen stiefvater seit ich 2 bin bis heute.
Er hat soviele Krankheiten und Operationen das er mir immer sagt ich soll davor aufpassen und davor und davor .... Am Anfang hat es nur genervt aber es hat sich in mein Hirn gebrannt.
Und als 2 größte macke in mein Leben war , als ich 20 war musste ich meine damalige Freundin ( borderlinerin was ich erst spater wusste) wieder beleben weil sie sich erhängen wollte , dass hat geklappt.. Monate später war ich nicht da ... Sie ist tot ...
Und der Anfang : letztes Jahr Juli hatte ich auf einmal Panik Attacken weil ich Kopf schmerzen dauernd hatte dachte an Hirn Tumore herzinfarkt usw usw usw ... Alles beim Arzt checken lassen ... Und natürlich ist alles ok , habe nun am Donnerstag meinen ersten Psychologen Termin.
Ich gehe Gott sei dank gerne zu Arbeit weil ich weiß dort sind immer Leute falls was passiert , die schlimmste Panik Attacke hatte ich im Kino weil ich mir dachte wenn nun was passiert bekommt es keiner mit ...habe 3 Sätze von dem Film mit bekommen ...

Ich will dir mit dem Text sagen , iwo tief vergraben kommt die Angst her .. Verlust Angst , körperliche Gewalt oder sonst wo ...
Hat deine Tochter auch schmerzen ?
Bauch Brust Kopf Magen usw ?
Und das wichtigste ist halte sie nicht für bekloppt sondern nimm sie ernst , sie denkt zwar nur das sie die schmerzen hat aber bevor sie nicht beim Arzt war wird sie keine Ruhe haben ..

Ich habe das große Glück / Pech das meine mtter das gleiche hat ...
Und mein neuer vorgesetzter ebenfalls .. somit hab ich gleichgesinnte zum Reden.
Ich empfehle euch so schnell wie möglich zum Psychologen zu gehen ... Und sie soll ihre Symptome nicht googeln sonst wird alles schlimmer in der jeweiligen Situation

LG Jan
Entschuldige für die Rechtschreibung , schreibe vom Handy mit wenig Zeit ))

22.02.2016 12:29 • #4


Danke, Jan, das ist lieb von Dir, dass Du mir trotz wenig Zeit antwortest.
Das was Du durchmachen musstest, tut mir sehr leid und es ist sicher sehr belastend für Dich.
Meine Tochter war beim Hausarzt, der ihr die ersten Tabletten verschrieben hat und dann bei der ambulanten Psychatrie, auf deren Rat wir neben weiteren Psychopharmaka erst mal einen großen Check beim Hausarzt machen sollten, dies haben wir Freitag direkt gemacht. Morgen geht sie dazu zum Gespräch. Vielleicht ist es auch was neurologisches. Einen Neurologen werden wir auch kontaktieren, ich denk nur, das alles dauert so lange, wie soll sie die Zeit nur überbrücken. Und sieh mal, Jan, ich schreibe hier und suche für sie Hilfe weil ich sie mit ihrer Not voll und ganz ernst nehme, ich kann es nur so schlecht nachvollziehen, weil ich das nicht kenne und auch noch nie davon gehört habe bis vor kurzem.
Kann sowas überhaupt jemals geheilt werden?
Ic

22.02.2016 12:40 • #5


jan24
Kurze Frage du sagtest deine Tochter möchte bei dir sein .. wohnt sie alleine ? Wenn ja wie lange ?
Bei mir hat es damit angefangen seitdem ich ausgezogen bin und ich mir Gedanken machte ob unser Geld reicht dafür , obwohl es unbegründete Angst war weil wir zu 2 gutes Geld verdienen , dennoch hatte ich diese Angst und somit meine erste Attacke ...

Auf deine Frage , ganz ehrlich ich hoffe ...Ich habe hier im Forum gelesen das es bei manchen 10 Jahre oder länger dauerte , ich hab es nun knapp ein Jahr und fange mit dem Psychologen nun an , ich hoffe es geht schneller weg , weil es ist sehr belastend für den Alltag und für den Lebenspartner

22.02.2016 12:46 • #6


Hotin
Hallo tina2lilo,

herzlich willkommen hier.
Bitte nicht erschrecken, wenn ich hier einiges sehr kritisches schreibe.
Nur das hilft. Du solltest Dich wehren, wenn ich falsch liege.

Bei einer Angststörung handelt es sich um aus den Fugen geratene Gefühle.
Daher wird es schwierig sein, wenn Du versuchst uns die Gefühlslage
Deiner Tochter zu beschreiben. Du kannst vermutlich auch nicht genau
beschreiben, wie ihr ein Hamburger auf der Zunge schmeckt.
Das heißt. Sie sollte selbst sagen, was sie empfindet.
Zitat:
Sie hatte es nicht immer leicht. Sie ist ohne ihren leiblichen Vater aufgewachsen


Wer hatte es schon leicht.
Nicht alles ist in der Kindheit begründet.

Zitat:
Bestimmt habe ich als Mutter auch einige Fehler gemacht.


Das wird so sein.
Zitat:
Ich habe sie nie bestraft


Na das wird ja schon der erste Fehler sein. Wie hat sie denn dann ihr Selbstbewusstsein ausgebildet? Das funktioniert
doch nur, wenn man Grenzen erfährt.
Kein Selbstbewusstsein aufbauen, keine Grenzen erfahren und nicht lernen, um etwas wirklich zu kämpfen bedeutet
meist irgendwann - Angst!
Zitat:
Die Beziehung zu ihrem Papa ist mittlerweile ganz eingeschlafen aber ich glaube, dass sie hin und wieder drunter leidet


Sieh mal, das hilft euch nicht, wenn Du etwas glaubst. Leidet sie darunter, oder
nicht. Wie ehrlich redet ihr miteinander?
Wie geht ihr mit euren Gefühlen um?


Schau Dir mal an, was ich hier unter diesem Link mal geschrieben habe.
Ob euch das weiter hilft, weiß ich nicht.


agoraphobie-panikattacken-f4/schlimme-zwangsgedanken-befuerchtungen-t68592-20.html#p867924


Alles Gute für Deine Tochter


Viele Grüße

Hotin

22.02.2016 13:01 • #7


Zu Jans Frage: Seit letztem Sommer wohnt sie mit einer Freundin in einer WG zusammen. Die beiden verstehen sich super und machen zusammen eine Ausbildung (Sie sind nicht ständig zusammen, da sie an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden). Ich würde das mal als Denkanstoß nehmen, die Panik hat sich ja schleichend bemerkbar gemacht.
Zu Hotin:
Danke für die ehrlichen Kommentare! Während ich meinen ersten Beitrag schrieb hatte ich genau den Gedanken, nämlich, dass ich eigentlich nicht beschreiben kann, wie alles genau verlaufen ist. Da hast Du vollkommen Recht! Zu den Strafen, ich meinte damit nicht, dass sie vollkommen anti-autoritär erzogen wurde, mit Strafen meinte ich, sie einzusperren oder zu verprügeln oder solche Dinge, das gab es bei uns nicht! Aber Grenzen habe ich ihr schon aufgezeigt. Aber wie Du schon sagst, es ist nahezu unmöglich das hier über mich laufen zu lassen. Meinen Beitrag habe ich mit der Hoffnung geschrieben, auch etwas zu lernen oder wie ich ihr Hilfestellung geben kann. Leider kann ich ihr dieses Problem nicht abnehmen, wäre das möglich würde ich es tun.

22.02.2016 13:23 • x 1 #8


Hotin
Hallo Tina2lilo,
Zitat:
Meinen Beitrag habe ich mit der Hoffnung geschrieben, auch etwas zu lernen oder wie ich ihr Hilfestellung geben kann.


Danke für Deine Antwort. Ich habe Dich schon verstanden.
Wenn Du ihr helfen willst, dann rede beruhigend mit Deiner Tochter. Mach Dir und ihr klar, dass sie keine
ernste Krankheit hat. Und sei ihr ein ehrlicher Spiegel.
Sage ihr, was Du siehst.
Oft ist eine Angststörung überwiegend „nur“ eine schwere, ernst zu nehmende Kommunikationsstörung.
Hast Du den Eindruck, dass sie offen mit Dir redet?

Also bitte Deine Tochter Dir möglichst ehrlich zu sagen, was sie wirklich belastet.
Aber nicht bedrängen. Um so etwas zu finden musst Du sehr genau und gut zuhören lernen.
Gelegentlich startet so etwas mit einfachen Punkten, wie Minderwertigkeitsgefühl wegen Aussehen,
oder weil ein Partner fehlt, oder so etwas.

Viele Grüße

Hotin

22.02.2016 13:39 • #9


Hallo tina2lilo!

Ich kann dich sehr gut verstehen, meiner Mutter geht es ähnlich. Sie würde mir so gerne helfen ist aber etwas überfordert mit der Situation da sie das nicht kennt. Generell ist es so dass viele Menschen die noch nie eine Panikattacke hatten sich nicht in die Situation hineinversetzen können. Gut gemeinte Ratschläge sind dann geh halt zum Arzt (war ich schon...3000x) lenk dich ab (würd ich ja gern) oder steiger dich ned so rein (da kann ich nurmehr lachen)!
Deshalb liebe ich dieses Forum. Manchmal hilft es schon einfach nur zu lesen dass ich nicht alleine bin und es andren auch so geht und mir geht es schon viel besser!
Ich suche in der Situation einer Panikattacke auch immer die Nähe von Menschen die ich liebe. Der Hintergedanke bei mir ist (so blöd es klingt): wenn ich jetzt sterbe möchte ich nicht alleine sein, oder wenn ich jetzt umkippe findet mich niemand wenn ich alleine bin. Deshalb kann ich mich auch viel schneller beruhigen wenn jemand bei mir ist, nicht aufdringlich, aber einfach für mich da.
Ich finde du bist eine tolle Mutter wenn du dich hier informieren willst um deiner Tochter zu helfen und sie ernst nimmst.
Liebe Grüße

22.02.2016 13:41 • #10



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Christina Wiesemann