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Badsidejoe

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Hallo liebe Leute,

ich bin 26, Masterstudent und habe seit etwa 5 Jahren mit Angst und Panikattacken zu tun. Auch als Kind hatte ich schon immer wieder mit Ängsten zu tun. Dies hatte ich aber im Jugendalter erfolgreich abgelegt.
Während ich die letzten Jahre immer wieder von Rückfällen geplagt war, aber alles in allem ein halbwegs zufriedenes Leben geführt habe, habe ich das damals verschriebenen Escitalopram langsam abgesetzt, bis aktuell 2mg. Auch die Physiotherapie hatte ich dann beendet, da ich mich stabil genug gefühlt habe.
Vor etwa einem Jahr habe ich mich leider intensiv mit dem Solipsismus auseinandergesetzt. Die Panik und Angst kam wieder. Bereits als Kind habe ich tagelang geweint, da ich mit der Vorstellung des nichts nach dem Tod nicht umgehen konnte. Nun sollte mich die Vorstellung in den sprichwörtlichen Wahnsinn treiben, dass alles um mich herum nicht real sein könnte ,ich das für mich nie wiederlegen kann und alles keine Rolle mehr spielt. Keine Menschen, keine Dinge. Gleichzeitig plagte mich die Tatsache, dass dieses Problem so verrückt klingt, dass ich letztendlich eh in der Psychiatrie Lande. Davor hab ich riesen Angst! Letztendlich konnte ich mich einigermaßen von dem Gedanken entfernen.
Seit einer Woche bin ich nun wieder bis zum Hals in selbiger Situation gefangen, nur gefühlt noch heftiger. Ich habe jetzt bereits einen Psychotherapie Termin für in einer Woche und überlege das Escitalopram wieder hochzudosieren in der Hoffnung wieder Ruhe vor diesem unendlich schlimmen Gefühl zu haben. Ich habe einfach so riesen Angst davor, dass ich nun für immer in diesem Film festhänge und es rein gar nichts gibt, was mich da wieder herausholt. Auch fürchte ich, dass das vielleicht keine Angststörung mehr ist, sondern Schizophrenie oder irgendeine andere unheilbare Krankheit. Ich habe sogar meine Stelle abgesagt, die ich im Anschluss meines Studium bekommen hätte. Gleichzeitig muss ich noch meine Masterarbeit fertig schreiben, das fällt mir jedoch unendlich schwer, da nichts mehr einen Sinn ergibt. Auch Spaß habe ich nicht mehr, da ich ständig in oben beschriebene Zwangsgedanken reinrutsche.
Ich bin gerade voll am verzweifeln.
Vielleicht kann jemand helfen?

08.06.2019 11:39 • 14.06.2019 #1


13 Antworten ↓


Icefalki

Icefalki

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Die Angst, verrückt zu werden, ist nichts anderes, als der erlebte Angstzustand. Verrückt bedeutet, ohne Kontrolle, sich hilflos ausgeliefert zu fühlen, das dem jetzigen Gemütszustand voll entspricht.

Da man eben nicht verrückt ist, findet der Verstand eben eine Gefahrenquelle. Es braucht eine Logik in der Unlogik.

Angst ist Empfindung. Je weniger die logisch ist, desto mehr Angst vor dem Durchdrehen. Und das ist logisch.

Meistens steckt dann auch eine Depression dahinter. Angsterkrankte haben auch sehr grosse Schwierigkeiten mit Veränderungen. Ich würde nach Absprache mit dem Psychiater das AD wieder hochsetzen um Stabilität zu bekommen. Den Master dann beenden, eine Stelle antreten und wenn du dort gut angekommen bist, kannst du evtl. Wieder ausschleichen.

Hinter Ängsten steht immer die eigene innere Unsicherheit, das Leben nicht bewältigen zu können. Je intelligenter, empatischer, desto schlimmer. Muss man auch erstmals begreifen.

08.06.2019 11:57 • x 5 #2


Badsidejoe


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Danke für deine Antwort. Ich wünschte ich könnte das alles so rational sehen wenn ich wieder mitten drin stecke, das fällt mir bisher jedoch sehr schwer. Gibt es irgendwelche akuten Handlungen die einen da herausbringen können? Das mit der Angst einfach Angst sein lassen und weitermachen hat bei mir höchstens am Anfang der Angststörung geklappt, bei diesem dann doch sehr philosophischen Problem, bekomme ich das gar nicht gebacken. Da bin ich vollkommen meinem Gedankenchaos ausgeliefert.

08.06.2019 16:55 • #3


Flame

Flame

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In den Angstphasen ist es unmöglich,die Gedanken zu kontrollieren.
Das Einzige,was ein bisschen hilft,ist sich in´s Hier und Jetzt zu holen über starke Sinnesreize (Ammoniakampulle aus der Apotheke,eiskalt duschen,auf Chili beissen,laute Musik).
Manchmal hilft auch Bewegung um das Adrenalin im Körper abzubauen,dass sich bildet,wenn man Angst hat.

Ich würde Dir ebenfalls raten,Dein Medikament wieder aufzudosieren und dann auch weiterzunehmen,wenn es Dir gut geht als Rückfallprophylaxe.
Ich würde auch mal Deinen Psychiater fragen nach einem Bedarfsmedikament zur Beruhigung.
Am besten gleich morgen auch,wenn Du dann ausnahmsweise ohne Termin hingehst.

Deine Gedanken sind übrigens typisch bei Angststörungen also ganz und gar nicht ungewöhnlich.
Gedanken sind nur Gedanken und nicht automatisch auch die Wahrheit.
Fokussiere Deine Gedanken auf was konstruktives z.B. das Lesen eines Selbsthilfebuches (sofern die innere Anspannung das Lesen erlaubt),das holt einen aus den kreisenden Gedanken raus.

Ich weiss,Du kannst das jetzt nicht glauben aber alles wird wieder gut.
Sobald das Escitalopram wieder greift,kannst Du auch wieder normal denken,keine Sorge.

10.06.2019 16:25 • x 1 #4


Badsidejoe


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Vielen Dank, das hilft mir wirklich sehr.Das Escitalopram habe ich bereits auf 5mg hochgesetzt, ich hatte das für den Anfang so in Erinnerung. Ich weiß jedoch nicht ob der therapeutische Effekt bei dieser Dosis schon gegeben ist. Die Nächte sind ziemlich unruhig seitdem. Vor Bedarfsmedikamenten habe ich etwas Schiss, da ich Angst vor Kontrollverlust und Abhängig habe.
Bis weilen nochmal vielen vielen Dank für eure Hilfe. Das tut echt gut.

10.06.2019 18:39 • x 1 #5


Flame

Flame

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Ein beruhigendes Bedarfsmedikament kann etwas müde machen und bringt die Gedanken zur Ruhe.
Mehr kann nicht passieren hinsichtlich eines Kontrollverlustes.
Eine Abhängigkeit ensteht erst bei regelmässiger Einnahme.

Ich rate Dir,es mal zu probieren,man kann ja mit eine Minidosis anfangen und dann ganz langsam steigern.
In dem Tempo,in dem Du es Dir zutraust.
Mir persönlich hilft es sehr,wenn alles zuviel wird.

10.06.2019 19:14 • #6


Badsidejoe


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Wenns irgendwie geht werde ich das ohne durchziehen, aber ich werde meine Ärztin mal darauf ansprechen. Danke für den Ratschlag. Das Escitalopram wirkt noch nicht wirklich, wenn dann sehr subtil. Kann das sein, dass es bei der zweiten Einnahme weniger wirkt, als es das schon einmal hat?

11.06.2019 23:28 • #7


Flame

Flame

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Das ist nicht ausgeschlossen aber viel wahrscheinlicher ist,dass die Dosis noch zu niedrig ist.

12.06.2019 06:02 • x 1 #8


Badsidejoe


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Ich fühl mich jetzt echt total durch den Wind. Manchmal geht's mir ganz gut und ich schaffs halbwegs positiv zu denken um im nächsten Moment überrumpelt mich die Angst wieder und ich fühl mich hundselend. Ich weiß nicht wie ich das schonmal überstanden habe.. Meint ihr ich sollte die Dosis auf 10 mg erhöhen? Mein Psychiater, nimmt sich keine Zeit leider...komischer Kauz. Meine Therapeutin kann ich erst Freitag treffen.

12.06.2019 19:30 • #9


Flame

Flame

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Ich würde die Dosis ruhig schon in Eigenregie langsam erhöhen,sonst verlierst Du noch mehr Zeit.
Du kannst das Medikament ja schon.
Ein Psychiater,der sich keine Zeit nimmt,kann man nicht brauchen.

Dann würd ich mal die anderen Psychiater in Deiner Stadt durchtelefonieren und dort hingehen,wo Du am zeitnahsten einen Termin bekommst.
Die anderen Termine erstmal stehen lassen und dann schauen,wie es bei dem nächsten ist.
Ärzte muss man solange wechseln bis man sich gut aufgehoben fühlt,das kann manchmal dauern.

Bei meinem Psychiater kann ich jederzeit kommen,wenn was ist und er ruft einen sogar zuhause zurück,wenn man es nicht in die Praxis schafft.

Dass die Angst quälend ist,ist logisch aber das wirst Du auch dieses Mal überstehen.
Erinnere Dich immer wieder daran,dass es Dir bereits wieder richtig gut ging.
Was man einmal schafft,schafft man auch ein zweites Mal.
Davon abgesehen: es kann auch genauso schnell wieder besser werden wie es sich verschlechtert hat.

Geniesse in jedem Fall die angstfreien Momente und Phasen ganz bewusst und nutze diese Zeiten um Dir bewusst was Gutes zu tun (z.B. essen gehen oder was schönes unternehmen).

Gestern 05:33 • x 1 #10


Badsidejoe


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Vielen Dank Flame, du hilfst mir mit deinen Worten wirklich weiter. Bin froh, dass es Leute gibt die sich ohne Gegenleistung um das Wohlergehen Anderer kümmern. Das ist nicht selbstverständlich!
Meine Therapeutin, welche ich ja morgen sehe, hat mir gestern noch per E-Mail versichert, dass sie mir auch Medikamente verschreiben kann, das ist mir sogar lieber, da ich mich bei ihr gut augehoben fühle. Mit Psychiatern und Neurologen habe ich bisher nur schlechte Erfahrungen gemacht. Der erste hatte mir damals während meiner aller ersten Angst- und Panikphase nach einem fünf minütigem Gespräch Schizophrenie nachgesagt und wollte mich mit Neuroleptika vollpumpen. Das hat alles massiv verschlimmert. Seitdem habe ich sehr großen Respekt davor.
Mit langsam erhöhen meinst du die Erhöhung auf 10mg? Das wäre nämlich das was ich aus meiner ersten Einnahmezeit kenne und vermutlich gemacht hätte.

Gestern 13:12 • #11


hoffender

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Zitat von Icefalki:
Die Angst, verrückt zu werden, ist nichts anderes, als der erlebte Angstzustand. Verrückt bedeutet, ohne Kontrolle, sich hilflos ausgeliefert zu fühlen, das dem jetzigen Gemütszustand voll entspricht.

Da man eben nicht verrückt ist, findet der Verstand eben eine Gefahrenquelle. Es braucht eine Logik in der Unlogik.

Angst ist Empfindung. Je weniger die logisch ist, desto mehr Angst vor dem Durchdrehen. Und das ist logisch.

Meistens steckt dann auch eine Depression dahinter. Angsterkrankte haben auch sehr grosse Schwierigkeiten mit Veränderungen. Ich würde nach Absprache mit dem Psychiater das AD wieder hochsetzen um Stabilität zu bekommen. Den Master dann beenden, eine Stelle antreten und wenn du dort gut angekommen bist, kannst du evtl. Wieder ausschleichen.

Hinter Ängsten steht immer die eigene innere Unsicherheit, das Leben nicht bewältigen zu können. Je intelligenter, empatischer, desto schlimmer. Muss man auch erstmals begreifen.


Mir gehts ähnlich...leide seit 11 Jahren an einer panikstörung mit depressiven Episoden....war mit Venlafaxin ne zeitlang gut eingestellt bis ich letztes Jahr im Februar einen ersten Rückfall trotz Medi hatte!heuer im März hatte ich dann den zweiten Rückfall und von dem hab ich mich immer noch nicht erholt!aktuell hab ich neben Todesangstpanikattacken das Gefühl dass alles zu viel wird und mir die Luft zum Atmen nimmt! Ausserdem fühöe ich mich getrieben und komme nicht zur ruhe...habe Angst unter den Umständen zusammen zu brechen, die Kontrolle zu verlieren oder verrückt zu werden!
Meinst du das ist ein Symptom der panikstörung oder bereits eine art erschöpfungsdepression infolge der panikstörung? Wie würdest du vorgehen?
Nehme aktuell 62,5 mg venlafaxin und bin bei einer psychologin in der Ambulanz!?

Vor 56 Minuten • #12


Icefalki

Icefalki

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Zitat von hoffender:
Meinst du das ist ein Symptom der panikstörung oder bereits eine art erschöpfungsdepression infolge der panikstörung? Wie würdest du vorgehen?


Ich denke, das eine beinhaltet das andere. Mein jetziger Rückfall hat sich auch irgendwie angekündigt. Allerdings hab ich es gar nicht realisiert. Und wenn zuviel zu schnell kommt, hat man den Salat.

Ich denke, dass du gegen deine Depression angehen musst, dann werden die Gedanken wieder klarer. Panikattacken habe ich schon lange nicht mehr, aber dieses, alles wird zuviel, und extreme Unruhe und diese Auswegslosigkeit verbunden mit dem Leichentuch auf der Seele, das war vorhanden. Mit Venlafaxin kenne ich mich nicht aus. Ich nehme Citalopram und bin gleich auf 20 mg. War nochmals heftig, aber den Mist kenn ich in- und auswendig.

Jetzt zur Todespanik. Die kenne ich von früher, auch , die Angst Kontrolle zu verlieren und verrückt zu werden. Wirst du nicht, stirbst auch nicht, wenn du wieder mal klar denken kannst, evtl. Mit einer Erhöhung des AD, dann geh deine Ängste rational an. Das geht.

Man kann Strategien entwickeln, dass es immer Möglichkeiten gibt, sich nicht ausgeliefert zu fühlen, nur solange man im Angstmodus ist, kann man nimmer klar denken. Drum sollte da mal Ruhe einkehren.

Ich hätte auch nicht gedacht, dass sich eine Depression so aufwühlend anfühlt. Da mein AD jetzt aber wirkt, mir es deutlichst besser geht, muss das eine gewesen sein.

Wie gesagt, ich kenne dein AD nicht und wie hoch man es dosieren kann, oder ob du wechseln musst. Spreche das mal mit dem Arzt durch und mache die Therapie bei deiner Psychologin weiter.

Sinn des Ganzen ist, dass du dich selber kennenlernst. Nur das führt zu der Akzeptanz, dass man psychische Probleme hat. Und dass das, so schlimm es sich auch anfühlt, bewältigt werden kann.

Vor 20 Minuten • x 1 #13


hoffender

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Zitat von Icefalki:
Ich denke, dass du gegen deine Depression angehen musst, dann werden die Gedanken wieder klarer. Panikattacken habe ich schon lange nicht mehr, aber dieses, alles wird zuviel, und extreme Unruhe und diese Auswegslosigkeit verbunden mit dem Leichentuch auf der Seele, das war vorhanden. Mit Venlafaxin kenne ich mich nicht aus. Ich nehme Citalopram und bin gleich auf 20 mg. War nochmals heftig, aber den Mist kenn ich in- und auswendig

Ok wie lange hattest du dann Panikattacken und wie hast du sie in den Griff bekommen?
Ja das citalopram hatte ich auch schon mal überlegt zu nehmen...mir hatte das venlafaxin eigentlich immer gut geholfen bis eben letztes Jahr! Ja glaube auch dass Panikstörung und Depression immer gemeinsam auftritt!
Genau die Gedanken alles wird mir zu viel ist jetzt eben eine recht neue Komponente mit der ich noch nicht so recht umzugehen weiß, was mir wiederum Angst macht!

Vor 5 Minuten • #14



Dr. Christina Wiesemann


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