mile83

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Hallo zusammen ,

was meint ihr, würdet ihr eure Agoraphobie bzw. eure panikattacken beim Arbeitgeber bekannt geben oder nicht? Ich leide schon seit Jahren unter starken Panikattacken, habe mein Studium stark verzögert und dank Medis (Xanor) diesen Sommer erfolgreich abgeschlossen. Endlich lol.

Nun heißt es einen Job finden, beim Sozialamt meinte der Sozialarbeiter heute ich solle es auf jeden Fall ansprechen, da ich sonst fristlos gekündigt werden könnte?

Wie sind eure Erfahrungen diesbezüglich, gibt es vielleicht jemanden hier, der es angesprochen hat und den Job dann trotzdem noch bekommen hat?

Danke und lG

10.07.2012 20:22 • 13.07.2012 #1


16 Antworten ↓


Cico005

Cico005


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Hallo

Da ich jemand bin der sehr offen ist würde ich das schon ansprechen. Du glaubst gar nicht wieviel einfacher es sein kann wenn der Chef weiß was los ist. Au0erdem bringst du ihm da ein ganz großes Stück verstrauen entgegen und bist ehrlich.

lg luna

11.07.2012 10:37 • #2


Taddy


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Hallo!
Meine Vorgesetzten wissen über meine Erkrankung Bescheid. Ich gehe sehr offen damit um, weil mir nur dann auch Verständnis in gewissen Situationen entgegenbracht werden kann. Wenn keiner weiß was los ist, kommen schnell Gerüchte auf und es wird spekuliert.
Ich arbeite an einer großen Behörde, deshalb wissen nur ein kleiner Teil meiner Kollegen Bescheid. Den anderen werde ich es auch nicht erzählen. Wieviel der Flurfunk natürlich seinen Teil dazu beiträgt weiß ich nicht.
Ich habe aber nur gute Erfahrungen gemacht, wenn man offen damit umgeht.
Allerdings habe ich auch das Glück sehr verständnisvolle Vorgesetzte zu haben
Gruß
Taddy

11.07.2012 10:40 • #3


mile83


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Danke für eure Antworten

Puh, da fühl ich mich ein wenig erleichtert, weil ich glaube ehrlich gesagt, dass ich es nicht lang geheim halten könnte.

Ich weiß, dass es wahrscheinlich schwerer wird einen Job so zu finden, aber da spiel ich lieber mit offenen Karten. Danke nochmal

LG
Daniel

11.07.2012 11:51 • #4


prinzessin22589


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Ich halte es für grundfalsch im Vorstellungsgespräch solche oder andere Erkrankungen von sich aus anzusprechen. Damit wird dich niemand einstellen. Es ist was ganz anderes wenn du schon arbeitest und dann wenn Probleme auftauchen demem Arbeitgeber die Gründe sagst und zu deiner Erkrankung stehst. Ich weiß ja nicht in welcher Branche du arbeiten willst, aber selbst in Branchen wo Personal händeringend gesucht wird, wird jemand mit einer unberechenbaren Krankheit nicht eingestellt, da man zuverlässige Mitarbeiter mit wenig ausfallzeiten braucht. Daher sprich das blos nicht an, musst du auch nicht, dann er Arbeitgeber darf nach Krankheiten eh nicht fragen. Und fristlose Kündigung deswegen ist auch Quatsch. Wenn du in der probezeit ausfallzeiten hast, wirst du vermutlich gekündigt, aber fristlos nicht.

11.07.2012 15:43 • #5


HeikoEN

HeikoEN


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Ich sehe es genauso wie prinzessin!

Ich würde es NIE in einem Vorstellungsgespräch ansprechen.

WELCHER Arbeitgeber möchte einen kranken Arbeitnehmer einstellen, wenn es davon ggf. Dutzende Alternativen gibt?

Und es ist schlichtweg FALSCH, was der Mensch vom Sozialamt sagt.

Du bist dazu NICHT verpflichtet, außer es ist eine Schwerbehinderung. Ich bin ziemlich fassungslos, dass so ein Mensch Dir diesen Tipp gibt. Echt der Hammer. Aber typisch Amt.

Dann könntest Du auch direkt in die Bewerbungsunterlagen das reinschreiben mit der "Krankheit".

Also nach dem Motto: "Hier bewirbt sich ein Kranker". Dann weiss der Arbeitgeber direkt, er braucht sich diese Mappe schonmal gar nicht ansehen.

Spaß beiseite.

Wie sind denn die Zukunftsaussichten? Also Therapie? Gibt es Medikamente? Wenn nicht, wäre es eine Alternative?

Ich würde ggf. auch natürlich anfangen bei dem jeweiligen Unternehmen und alles versuchen, arbeitsfähig zu bleiben, insb. in der Probezeit. Denn wie willst Du sonst jemals in den Arbeitsprozess kommen, wenn Du, wie Du schreibst, ja schon durch die Angsterkrankung einiges an Zeit "verloren" hast.

Und bitte begründe im Anschreiben oder im Gespräch Dein langes Studium NICHT damit, dass Du psychisch krank bist bzw. gewesen bist. Sei kreativ und begründe das ggf. mit nebenbei arbeiten müssen, weil niemand das Studium finanziert hat usw.

11.07.2012 17:07 • #6


Cico005

Cico005


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Also ich lass ja jedem seine Meingung aber ich bitte euch keiner ist Perfekt. Was glaubt ihr was los ist wenn das raus kommt? Ist das dann der richtig Weg?

Entweder ich steh zu dem was mit mir los ist oder ich belüg mich selber......
Sorry für die Offenheit aber der Arbeitgeber ist doch nicht irgendwer. Und woher wollt ihr denn wissen das man dann nicht eingestellt wird? Das ist doch kompletter Unsinn. Wenn ein Stück Mensch in diesem Chef steckt dann wird er sich das anhören und zur Kenntniss nehmen.
Und zu dem Satz von wegen es gäbe viele Alternativen zwecks gesunden Menschen warum lasst ihr euch als Randgruppe festnageln? wir sind doch keine Unmenschen.

lieben gruß luna

11.07.2012 19:43 • #7


prinzessin22589


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Das ist wirklich weltfremd, wenn man glaubt man wird krank eingestellt. Eine Krankheit ist eine Privatangelegenheit und geht erstmal niemanden was an. Ein Arbeitgeber kann Mensch sein, wenn man als Arbeitnehmer schon mit seiner Leistung überzeugt hat und dann kann man auch Verständnis zeigen. Mit Lügen hat das nichts zu tun. Ich kann es nur von beiden Seiten sagen, da ich selber Betroffene bin aber auch einstelle und fuhrungsverantwortung habe. Ich komme auch aus einem Bereich, wo wirklich Arbeitskräfte gebraucht werden, würde aber nie jemanden chronisch kranken einstellen. Wenn ein Arbeitnehmer krank wird und dann das Gespräch sucht, dann kann man Verständnisvoll ihn begleiten, aber auch nur wenn derjenige entsprechend mit seiner Erkrankung umgeht. Wenn du dich arbeitsfähig hälst und in den arbeitsprozess willst, dann sprichst du nicht darüber. Niemand redet im Vorstellungsgespräch über seine Erkrankungen, warum auch wenn es die Arbeit nicht beeinträchtigt. Wenn es bei dir die Arbeit beeinträchtigt, dann wirst du die Probezeit auch nicht überstehen. Sorry das ich das so hart sagen muss, aber der Arbeitgeber hat nicht nur die Aufgabe den Arbeitnehmer zu begleiten und schützen, sondern auch die Abläufe aufrecht zu erhalten und wenn jemand viel krank ist, dann kostet das den Arbeitgeber viel Geld und die Kollegen müssen alles auffangen. Und noch mal, über eine Krankheit muss man nicht sprechen und der Arbeitgeber hat ja nicht mal das recht zu erfahren an welcher Krankheit du leidest, wenn du dich krank meldest.

11.07.2012 20:16 • #8


Cico005

Cico005


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Da kann ich dir leider nicht zustimmen. Dann bist du nicht besonders gut informiert. Ich bin selbst Leitung einer Firma und war natürlich auch mal Arbeiter. Deshalb kenn ich wie du auch beide Seiten.
Ich kenne durch meine Kontakte viele Chefs die Chronisch Kranke eingestellt haben und immer noch einstellen.
Wenn jeder so denkt dann wird es bald keine Arbeiter mehr geben denn die anzahl an Depressiven, Angsterkrankten ect nimmt stetig zu.

Wenn man so schon an die Sache heran gehen würde dann kann man die Welt wie du sie beschreibst auch nicht verändern.

Deshalb und genau aus diesem Grund werden wir nämlich zur Randgruppe gemacht und das finde ich wirklich extrem schade.

Lieben Gruß Luna

11.07.2012 20:51 • #9


prinzessin22589


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Wenn die Krankheit die Arbeit nicht beeinflusst gibt es keine Einschränkung. Ist aber egal, jeder hat ja seine eigene Meinung aber hier geht es auch um jemanden der überhaupt noch nicht im Arbeitsprozess war, ein Berufsanfänger der zugibt das er sein Studium nicht direkt durchziehen konnte und jetzt ohne Erfahrung Arbeit sucht ist sicherlich nicht der traumarbeitnehmer. Man sollte sich nicht so schlecht wie möglich verkaufen und eine angsterkrankung kann man wirklich so im griff haben, dass es zu keinen Einschränkungen kommt. Jede chronische Erkrankung ist anders. Ein Diabetiker wird zum Beispiel keine Probleme bei der Arbeitssuche haben. Ene psychische Erkrankung ist aber anders, da unberechenbar

11.07.2012 21:25 • #10


Cico005

Cico005


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Du hast schon recht jeder hat da seine eigene Meinung
Ich seh es halt ein bissi anders wie du aber ok.... wäre ja langweilig wenn wir alle einer Meinung wären

lieben gruß luna

11.07.2012 21:42 • #11


HeikoEN

HeikoEN


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Genau, vielleicht sollte man so "verfahren" einfach eigene Erfahrungen zu sammeln, diese aber kritisch zu beobachten, damit man nicht zu lange, in einer etwaigen Schleife hängt.

Meine Meinung darüber habe ich oben schon geschrieben. Als Ergänzung dazu nochmal:

Eine Bewerbung ist ein Verkauf der eigenen Arbeitskraft.

So sollte man da rangehen und man sollte sich in die Lage des "Käufers" versetzen, wenn er die Wahl zwischen einem "problemfreien" und "problembehafteten" Produkt hat.

Wofür wird er sich entscheiden?

Und mit der Annahme, im Angestelltenverhältnis aufgrund der Erkrankung NICHT bestehen zu können, nimmst Du einiges VORWEG!

Nämlich die Annahme, es wirklich NICHT zu schaffen.

D.h., Du gehst HEUTE ja bereits davon aus, dass Du es nicht schaffen wirst.

Aber auch heute schon Deinen etwaigen Arbeitgeber darum bittest, Verständnis dafür aufzubringen.

Welcher Kunde entscheided sich für ein Produkt, bei dem bereits auf dem Preisschild draufsteht, dass das Produkt nicht richtig funktionieren wird?

Versuchen wir objektiv zu bleiben...

KEIN Kunde wird das Produkt kaufen. Vielleicht von einem Kunden, der die Sprache nicht kann oder die Brille vergessen hat. DAS wird es auch geben. Also es wird einen Arbeitgeber geben in Deutschland, der Dir auch mit dieser Strategie einen Job geben wird. Aber ich bin 100%, 1000% überzeugt, es wird KEIN guter Arbeitgeber sein.

Ich bin gespannt auf Deine Erfahrungen und hoffe, Du teilst sie uns mit!

12.07.2012 07:18 • #12


hasi123


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ich leide seit über einem Jahr an Panikattacken, ich habe letztes Jahr 6 Monate lang im Einzelhandel als Aushilfe gearbeitet, trotz Panikattacken, allerdings wurde es durch die Arbeit nur schlimmer, was wohl daran lag, dass wenn es mir mal nicht gut ging und ich trotzdem zur Arbeit kam, mir Sätze anhören musste wie ,,entweder sie geben 100% oder sie können gehen", letztendlich habe ich im November die Kündigung bekommen.

Und danach fiel ich in ein noch tieferes Loch, die Ängste wurden schlimmer.
Bis April 2012 habe ich nicht gearbeitet, da mir aber die decke auf den Kopf fiel, habe ich mir wieder einen Job im Einzelhandel in einer kleinen Filiale gesucht.
Es läuft ganz gut, allerdings habe ich häufig während der Arbeit und häufig auch davor heftige Panikattacken.
Da wäre es mir manchmal lieber, mein Arbeitgeber wüsste von meiner Erkrankung, so dass ich wenn ich eine Attacke habe einfach mal kurz eine Auszeit nehmen könnte, weil so muss ich mich zusammenreißen und habe jedes Mal schon vor der Arbeit Angst mir könnte schlecht werden etc....

Demnächst werde ich auch in eine Klinik gehen, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich meinem Arbeitgeber sagen soll.

12.07.2012 22:54 • #13


Taddy


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Also ich glaube, es ist einfacher dem Arbeitgeber von den Problemen zu erzählen, wenn man schon im Arbeitsverhältnis steht. Beim Vorstellungsgespräch würde ich es wahrscheinlich auch eher nicht ansprechen. Es sei denn der Arbeitgeber fragt direkt nach....
Es kommt aber auch immer auf die Leute an. Also, ich habe großes Glück, dass ich sehr verständnisvolle Vorgesetzte habe. Natürlich finden sie es auch nicht unbedingt toll, dass ich öfter mal fehle oder zwischendurch mal eine Auszeit auf der Arbeit brauche. Aber es kommen keine blöden Sprüche oder so.
Ich arbeite aber auch bei einer großen Behörde und bin nicht die einzige die psychische Probleme hat.

13.07.2012 12:43 • #14


Cico005

Cico005


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@ heiko.
Ich finds ein wenig sakastisch Betroffene mit einem Produkt zu verlgeichen.... Passt denke ich hier überhaupt nicht her.... Das könnten andere schon wieder falsch verstehen.

Ich merke schon das du eine recht Krasse eigene Meinung hast die ich auch vollkommen Akzeptiere.

Jeder hat wie gesagt andere Erfahrungen gemacht um mit der Krankeit umzugehen.

Lieben Gruß Luna

13.07.2012 16:29 • #15


HeikoEN

HeikoEN


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Zitat von Cico005:
@ heiko.
Ich finds ein wenig sakastisch Betroffene mit einem Produkt zu verlgeichen.... Passt denke ich hier überhaupt nicht her.... Das könnten andere schon wieder falsch verstehen.


Völlig richtig. Der Vergleich "hinkt" natürlich in Bezug auf Menschlichkeit usw., aber die Realität sieht einfach NICHT so aus, dass es den sozialen Arbeitgeber gibt, der sich um seine Belegschaft kümmert.

Burn-Out, Depressionen etc. werden da gegenüber den eigenen langgedienten Arbeitnehmern in Kauf genommen, weil es schlichtweg um Zahlen geht.

Aber es kommt auch ein wenig auf den Bereich an, in dem man arbeiten möchte, um mir wiederum ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen

Zitat von Cico005:
Ich merke schon das du eine recht Krasse eigene Meinung hast die ich auch vollkommen Akzeptiere.

Jeder hat wie gesagt andere Erfahrungen gemacht um mit der Krankeit umzugehen.


Völlig richtig. Ich finde es auch gut, wenn Du hier die Frage mal stellst, aber anhand der Antworten kann man auch gut ablesen, welche unterschiedlichen guten bzw. schlechten Erfahrungen wohl schon gemacht wurden. Aber Erfahrungen musst Du, dass weisst Du bereits, selber sammeln und natürlich wünsche ich Dir einen Arbeitgeber, der eine Einstellung hat, die positiv ist und wäre wirklich interessiert, wenn Du uns hier auf dem Laufenden halten würdest...

13.07.2012 17:01 • #16


mile83


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Hallo danke nochmal an alle die geposted haben.

Naja bin echt in einer Zwickmühle, das Problem bei mir ist, dass wenn ich sehr nervös bin und PA kriege, ich unter Umständen anfange Würgeattacken zu kriegen. Wird schwer das zu verheimlichen. Ich weiß nicht, ich hab jetzt noch einen Termin beim Arbeitsamt mal sehen was die sagen

LG

13.07.2012 20:18 • #17



Dr. Reinhard Pichler


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