Traurigkeit, Angst, Angst von dem Tod, alle möglichen Phantasien, Verzweiflung - die Gefühle erleben Einzelne in unterschiedlicher Intensität, je nach dem es ihnen möglich ist integrale Funktionen heraus zu bilden. Das ist auch etwas, wodurch man reift, auf dem Gebiet kann man sich immer verbessern. Ein Beispiel dazu - ein Kind hat die Angst, ungewollt vom Hochturm in die Tiefe zu springen. Es stellt sich diesen Vorgang in seiner Phantasie bis ins Detail vor, verarbeitet auf die Art seine Höhenangst, lernt sie in sein Leben zu intergreiren ohne dass sie sich später störend auswirkt, entwickelt gleichzeitig das Vertrauen in die eigene Autonomie und Willensstärke - "alles Unsinn, was ich denke, wenn ich nicht will, springe ich nicht."
So gesehen kann man auch ZG als eine Art Lernprozess verstehen, der an einem bestimmten Punkt ins Stocken kam, eine Hürde, über die man nicht hinweg kommt. Auch die Angst vor der eigenen Aggressivität, man verarbeitet sie indem man sich Situationen vorstellt, in denen sie dominiert, um die Angst davor zu bewältigen. Den Aggressionstrieb kann man auf eine andere Art ausleben, wandeln, beim Sport z. B., es wäre m.W.n. eine Überlegung wert, ob das nicht Erleichterung verschafft. Aggression darf man ausleben, eben in einer Form, die für einen selbst und andere keinen Schaden bedeutet.
Aus meiner Sicht gibt es zwei Hauptgruppen der Betroffenen, die Einen wollen was ändern, tun alles dafür, und es gelingt ihnen dann auch irgendwann das zu erreichen, was sie sich vorgenommen haben. Die zweite Gruppe fällt in eine Art Lethargie und findet heraus, dass man durch eine passive Art auf der gesellschaftlichen Ebene Aufmekrsamkeit, Mitleid u. ä., kurz eine Sonderstellung erwirken kann. Das eigene Leben oder die Einstellungen dazu sind aber nie eine abgeschlossene Sache, jeder hat die Möglichkeit sein Leben zu jeder Zeit neu zu erfinden, zu definieren.
Deine Einstellung kannst nur du selbst erkennen und auch du hast die Möglichkeit sie zu ändern. Menschen, die vor dem Ablauf des Sterbens weniger Angst haben als vor weiteren psychischen Schmerzen und Verzweiflung, sind auf einem ganz anderen Level als du, und der Zettel, den du vom Therapeuten bekommen hast, dient nicht dem persönlichen Schutz vor dem Selbstmord, sondern ist eine Art von Hilfsmittel zwecks Gedanken-Stopp-Übung. Zum Thema ZG ist sehr viel geschrieben worden - wo Verdrängungen herkommen, welche Funktion und Folgen sie haben, das alles kann man mit relativ wenig Aufwand erfahren, denn u. a. funktionieren die Mechanismen bei jedem sehr ähnlich.
Viel Erfolg, und nicht aufgeben.
LG Nyan