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Hallo Leute!

Ich habe es beim besten Willen nicht geschafft eine treffende Rubrik für mein Thema zu finden, da es so viele Bereiche anschneidet.
Ich bin neu im Forum und lese mir gerne Verbesserungsvorschläge durch .

Die Situation ist folgende: Ich befinde mich seit August in Gesprächstherapie mit der Diagnose Anpassungsstörung/Soziale Phobie.
Im Juni habe ich erfolgreich mein Abitur gemacht und wusste überhaupt nicht was ich machen sollte. Schon in der Zeit vor dem letztendlichen Schulabschluss habe ich angefangen die ersten Symptome zu spüren und die Monate nach dem Abschluss haben dann den Ausbruch gefestigt. Mein Vorhaben war es nach der Schule einen Work and Travel Auslandsaufenthalt in Australien zu machen. Ich wollte mich nicht direkt wieder auf die Schulbank der Uni setzen, sondern erstmal etwas erleben. Ich hatte diese Entscheidung jedoch auch eher aus einer Ahnungslosigkeit getroffen und wollte den anderen auch zeigen, dass ich etwas mit meinem Leben anstelle. Die genauen Beweggründe zu erläutern würde den Rahmen sprengen, jedoch habe ich nach etwa 2 qualvollen Monaten des Hin und Hers und dem Hang zur Verzweiflung zusammen mit meinen Eltern die Entscheidung getroffen, den Flug zu stornieren und alles hinzuschmeißen (ca.1 Woche vor dem Flugtermin). Zu diesem Zeitpunkt waren die Symptome beinahe voll ausgeprägt, was vor allem zu der Entscheidung führte. Höllische soziale Ängste, ich konnte nicht mehr mit anderen zusammen essen und musste mich mehrmals übergeben bei dem Versuch etwas unter den Augen von anderen zu essen. Ich war dann auch erstmal sehr erleichtert, dass die Zeit der Qual endlich vorbei war als meine Reisekollegen ohne mich geflogen sind, jedoch folgte darauf eine 2- monatige Phase der nahezu kompletten sozialen Isolation und die Ängste wurden nur noch schlimmer und ich kam in das allzu bekannte Vermeidungsverhalten.

Des Weiteren kommt hinzu, dass ich mich in den ,,Nach-Abi-Monaten'', in denen ja die meisten Absolventen erstmal frei haben, sehr stark in ein Mädchen verliebt habe. Sie hatte genau wie wir zu dieser Zeit das Ziel des Auslandsaufenthaltes in Neuseeland und ist dann auch ein Monat vor unserem Termin zusammen mit einer Freundin geflogen. Nun zum für mich Herz-zerreißenden Punkt: Ich bin mich vollkommen sicher, dass sie auch Gefühle für mich hatte, jedoch wusste ich ja, dass wir uns in kürzester Zeit eh für ein Jahr nicht mehr sehen werden. Ich versuchte mich also die ganze Zeit über nicht zu verlieben, was natürlich überhaupt nicht funktionierte.
Ich hatte noch nie eine Freundin und habe es mir immer so sehr gewünscht. Ich wurde so oft schon zurückgewiesen oder habe mich nicht getraut, weil ich glaubte keine Liebe zu verdienen. Und genau zu diesem Zeitpunkt wo es passt kommen solche Umstände und dann noch diese beschissene psychische Krankheit dazu. Liebe ist mittlerweile bei mir mit Angst verschmolzen, einfach weil ich es nie anders erlebt habe.

Ich merke langsam wie viel Text es bräuchte und hier alles zu vermitteln was mir gerade in den Gedanken schwebt, ich möchte euch aber nicht noch mehr Lesearbeit geben und bleibe deswegen beim Wesentlichen.

Ich kriege es irgendwie nicht verarbeitet, dass das Mädchen, das ich so liebe eine so schöne Zeit (ich kriege es immer wieder über den Blog mit) in Neuseeland hat und ich in einer so tiefen Krise stecke. Ich bin eifersüchtig, wütend und traurig. Ich weiß, dass ich sie loslassen muss. Sie hat mich ja bestimmt schon lange vergessen. Des Weiteren kann ich keinen Abschied nehmen von meinem geplatzten Wunsch des Auslandsaufenthaltes. Ich habe Angst, dass jetzt die einzige Zeit gewesen wäre, so etwas zu erleben und ich habe den Rückzieher gemacht. Dabei merke ich wie ich mich selbst total abwerte, obwohl ich ja sogesehen nichts für meine Erkrankung kann. Ich hatte auch schon Selbstmordgedanken, aber durch die Therapie ist alles schon ein Stückchen besser geworden.

Danke schonmal an alle die bis hierhin gelesen haben und ich freue mich über jede Einschätzung und Rückmeldung. Es tat einfach mal gut einen kleinen Ausschnitt des Leidensdruck hier loszuwerden.

Habt noch einen schönen Tag!

20.01.2017 16:12 • 21.01.2017 #1


4 Antworten ↓


Icefalki
Hallo, nunja, das erste, das wir lernen dürfen, ist zu begreifen, dass wir eine psychische Erkrankung haben, die so schnell nicht weggehen wird. Drum ist es gut, dass du in Therapie gehst.

Dass du aufgrund der Problematik nun eben nicht alles tun kannst, was du willst, wirst du akzeptieren lernen müssen.

Oder du tust es trotzdem. So oder so, Auswirkungen hat es immer.

Neid oder Eifersucht bringt dich kein Stück nicht weiter. Zorn auf dich selbst auch nicht.

Nutz die Zeit, therapeutisch an dir zu arbeiten. Hast genügend Zeit, alles noch nachzuholen.

Therapie ist jetzt wichtiger als alles andere.

20.01.2017 16:38 • x 1 #2



Zukunft, Soziale Phobie & Eifersucht

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@Icefalki
Ja, da hast du Recht. Mein Verstand ist zwar auch schon zu dieser Ansicht gekommen, jedoch lassen mich eben die Gefühle einfach nicht los. Ich hatte auch einfach schon immer hohe Ansprüche an alles und vor allem an mich selbst. Deswegen fällt es mir umso schwerer zu akzeptieren, dass alles überhaupt nicht so läuft wie ich mir das vorstelle. Sicherlich ist es ein Lernprozess .

21.01.2017 12:03 • #3


Icefalki
Tja, immer diese Ansprüche, das kenn ich auch. Was wir vergessen, dass es u.U. genau diese Ansprüche sind, die uns alles versemmeln.

Wichtig wäre es, den Grund rauszufinden, warum man diese hohe Ansprüche hat. Es steckt vielleicht sehr viel Angst dahinter, die wir uns nicht eingestehen. Warum sonst, diese hohen Erwartungen?

Ist doch eigentlich Blödsinn uns selbst so unter Druck zu setzen.

21.01.2017 16:27 • #4


Ja also ich sehe dieses Thema mit den hohen Ansprüchen irgendwie zwiespältig. Auf der einen Seite können sie eben extrem hinderlich sein, auf der anderen Seite haben sie mir auch schon zu Leistungen verholfen, zu denen viele nicht in der Lage waren. Ich glaube die Kunst ist zu wissen, wann man seinen ,,inneren Antreiber'' braucht und effektiv nutzt und wann nicht.

Dein Eindruck ist sehr treffend und eigentlich würde ich über solche Dinge auch gerne in der Therapie sprechen. Mein Therapeut arbeitet wie fast alle Tiefenpsychologen mit dem inneren Team und stellt dann oft Fragen wie: ,,Was sagt ihr Teamchef dazu?'' oder ,,Wie kam es, dass der innere Teil XY so viel Macht bekam?'' etc. und ich weiß auf solche Fragen oft nicht die richtigen Antworten oder kann mich zu wenig an die Vergangenheit erinnern. Sehr frustrierend. Ich würde mir da ein etwas mehr menschliches Gespräch wünschen .

21.01.2017 17:00 • #5





Mira Weyer