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Tautropfen

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Hallo ihr Lieben,

ich bin neu hier, und ich weiß gar nicht richtig wo ich anfangen soll. Meine Gedanken sind einfach nur ein Knäul. Ich hoffe, dass ich nicht zu durcheinander schreibe.
Vielleicht einmal zum Kennenlernen. Ich bin weiblich, 62 Jahre alt. Ich lebe seit sechs Jahren getrennt.

2007 lernte ich das erste Mal Panikattacken kennen. Es war furchtbar. Ich versuche zurück zu blicken, sie kamen und gingen, nach heutiger Sicht, hielten sie sich sogar in Grenzen.
Meine Situation heute. Ich leide massiv unter generalisierter Angststörung. Einschließlich Panikattacken, leichten Depressionen, Einsamkeit.
Es ist unerträglich geworden. Ich stehe meistens schon morgens auf und habe Angst vor dem Tag. Dass sich was ereignet, was ich nicht bewältigen kann, dass ich auf irgendwelche Situationen nicht angemessen reagieren kann. Dazu kommt Angst vor Krankheiten (gesund bin ich nicht) und die schiere Angst vor dem Tod. Vor der Stille dir nur die Einsamkeit verursacht.
Immer und immer wieder drehe ich mich im Kreis, ich finde einfach keine Lösung.
Ja, vielleicht habe ich die Angst vor dem Tod, weil ich nicht leben kann. Doch frage ich mich immer Wie. Wie?
Ich weiß keinen Anfang. Und mit der Zeit kommt hinzu, dass ich überhaupt keine Motivation mehr habe.
Ich habe zwei tolle Menschen. Meine Schwester, die nicht in meiner Stadt wohnt, meine Freundin, die oft versucht mir Mut zu machen.
Und trotzdem weiß ja keiner wie schlimm das ist, wenn man anfängt zu zittern, die innere Unruhe kommt, der Druck so groß wird, dass du glaubst zu platzen. Wenn der Verstand ausgesetzt ist. Du nur noch Katastrophendenken hast. Und nichts mehr normal ist. Und du denkst, dass du so nicht mehr Leben kannst. Dann fühle ich mich wie ein Blatt im Wind. Ich kann nicht mehr die Richtung bestimmen. Treibe nur dahin.
Eine Therapie bekomme ich erst wieder in eineinhalb Jahren. Wobei Verhaltenstherapie auch nicht das Richtige für mich ist. Einzig mein Hausarzt hilft mir in zwei bis dreiwöchigen Gesprächen.
Ich hoffe so sehr, dass mich hier jemand versteht. Ich fühle mich so unendlich alleine damit. Vielleicht ist da eine Hand die mich hält. Ich weiß einfach nicht mehr weiter. Hat es jemand von euch geschafft da raus zu kommen?
Kommt mir gerade so vor, als wenn alles nicht so schlimm klingt. Es ist aber die Hölle.
Komisch nicht. ich habe sogar Angst vor den Antworten. Ich schreibe euch zurück wann immer ich kann.
Liebe Grüße von Tautropfen.

18.08.2019 16:19 • 24.08.2019 x 1 #1


32 Antworten ↓


Bernie1970


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Hallo Tautropfen,

ich fühle mit Dir! Es war mutig und richtig von Dir, Dich hier anzumelden.
Vorweg eine Frage: Inwieweit hast Du Dich bisher mit Depressionen, Angststörung und Panikattacken beschäftigt?

Hast Du schon Bücher darüber gelesen? Wenn ja, welche?

Liebe Grüße Bernd

18.08.2019 17:01 • x 1 #2


Tautropfen

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Hallo Bernd,

ich danke dir, dass du schreibst. Es tut gut zu wissen, dass da ein Mensch ist, der mit mir fühlt.
Im Netz habe ich laufend nach diesen Themen gesucht. Doch irgendwie passte alles nicht wirklich.
Bücher habe ich wenige. "Das Leben annehmen", Matthias Wengenroth, Akzeptanz und Commitment Therapie, und "Angst selbst bewältigen", Dr. med. Dietmar Hansch.
Ich muss zugeben, dass ich nicht zu Ende gelesen habe. Irgendwann wurden die Bücher zu anstrengend, wobei ich das Geschriebene von Dietmar Hansch teilweise sehr abgehoben fand.
Natürlich wird einem einiges klar, nützt aber nichts, wenn die Angst auf einmal da ist. Mein Verstand schaltet sich dann komplett aus.
Ich fühle mich dann auch von solchen Büchern meist überfordert. Vielleicht bin ich ja auch ein Dickkopf. Ich weiß es nicht.
Ich kann dir ein Beispiel aus meinen vergangenen Therapiestunden schildern... Gehe spazieren, jeden Tag, sieh dir die Blumen an.
Sagenhaft... Da drehe ich dann immer die gleichen Runden, und bewundere die Blumen. Also ich weiß aber, das ich laufen soll, um meine Angst zu verlieren. Bei mir klappt sowas eben nicht.
Vielleicht hast du eine Idee? Liebe Grüße.

18.08.2019 17:29 • #3


Bernie1970


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Hallo Tautropfen,

Danke für Deine Antwort. Kannst Du Dich erinnern, wann welches Problem zuerst "auftauchte" und vielleicht sogar irgendwelche Auslöser zuordnen? Die Trennung vielleicht? Wie lange wart Ihr zusammen? Kinder?

18.08.2019 17:50 • #4


Tautropfen

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Hallo Bernd,
ja ich kann mich sehr gut daran erinnern.
Ich hatte eine Aushilfsstelle in einem Getränkeladen. Ich wollte was dazu verdienen. Ich habe das sogar total gerne gemacht. Laden dekorieren, Schilder schreiben, immer neue Ideen, und natürlich der Umgang mit den Kunden. Ich kann sagen, dass mich alle gemocht haben. Ich hatte eine mir übergestellte Kollegin. Eigentlich haben wir uns nur zur Übergabe gesehen.
Dann ging es um Überstunden von mir, die sie vor dem Chef rechtfertigen sollte. Ich wollte aber nichts manipulieren. Ich mag sowas nicht. Da hat sie mich gemobbt. Ich habe so etwa noch nie zuvor erlebt. Du konntest dich einfach nicht gegen die Lügen wehren. Du hast Arbeit bekommen, die einer alleine gar nicht schafft. Da bekam ich das erste Mal Panikattacken.
Ich habe noch ein dreiviertel Jahr in dieser Situation ausgehalten. Ich wollte einfach kein Versager sein. Für den ich schon zu Hause gehalten worden bin. Und musste dann doch hinwerfen, weil absolut nichts mehr ging. Als wenn dich einer erdrückt, dir die Luft zum Atmen nimmt. Und du eine innere Qual spürst, die du noch nie gekannt hast.
Dann starb meine Mama 2008 an plötzlichem Herztod. Sie hatte gerade ein Jahr hier in meiner Stadt gewohnt. Ich kann das heute noch nicht begreifen. Schlimm, weil sie in Urlaub bei ihrer Schwester war. Und eine Prozedur die ich nicht kannte. Mit Polizei und so was alles. Ich habe den folgenden Sonntag den ganzen Tag mit Verwandten und ihren Freunden telefoniert. Abends dachte ich, dass ich nicht mehr von meiner Mama spreche. Ja, und sie fehlt heute noch, weil sie mich gesehen hat.
Ich war 35 Jahre verheiratet. Wir haben keine Kinder. Er wollte keine. Es war so still dort. Ein nicht-gesehen-werden.
2013 haben wir uns dann getrennt. Einvernehmlich, wie man so schön sagt.
Ich jedenfalls konnte nicht mehr. Da waren so Sätze wie: "Ich habe es gerne, wenn du unten bist. (seelisch) Zwar nicht ganz unten, aber unten." Ich bin nach Jahren darüber immer noch fassungslos! Wenn ich einen Menschen liebe, dann will ich auch, dass es ihm gut geht. Oder: "Du bist für niemanden der richtige Mensch."
Schlimm ist, dass das nachhaltig ist. Ich weiß gerade nicht, ob ich das längst glaube.
Die Trennung ist sechs Jahre her. Ich habe ein immenses Pensum geschafft um mir mein Zuhause aufzubauen. Aber es hat Kraft gekostet. (Muss aber dazu sagen, dass er mir sehr viel geholfen hat)
Hatte ich etwas geschafft, konnte ich mich nicht mehr freuen. Ich war einfach nur leer.
Die Sprüche, ich sollte mich doch endlich mal freuen, halfen auch nicht.
Ich konnte keine großen Sprünge machen, also blieb ich mehr und mehr zu Hause. Und dann kam die Angst vor allem.
Da habe ich mich dann noch mehr zurückgezogen. Bin kaum noch wohin. Einkaufen viel schwer.
Dann hatte ich eigentlich noch Treffen mit Kollegen der Literarischen Werkstatt. Da gehe ich kaum noch hin. Ab und zu überredet mich eine Kollegin, läßt dann nicht locker bis ich zusage.
Kurz, die Angst beherrscht mein Leben.
Ist wohl jetzt ein bisschen lang geworden. Hoffentlich nicht zu durcheinander.

18.08.2019 18:25 • x 3 #5


Bernie1970


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Hallo Tautropfen,

vielen Dank erst mal. Es kann sein, dass ich mich erst am Dienstag wieder melde, dann aber ausführlich .
Guts Nächtle

18.08.2019 19:48 • x 1 #6


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Hallo Bernd,
das ist völlig OK. Guts Nächtle sagt immer meine Schwester zu mir. Schön.
Schlaf du auch gut.
Und Danke für deine Antworten.
Auch für PN Antworten.
Ich fühle mich etwas erleichtert. Nicht mehr ganz so erdrückt. Dank euch.

18.08.2019 20:03 • x 1 #7


soleil

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Liebe Tautropfen,

ich möchte dir sagen, dass mich deine Lebens-Leidensgeschichte sehr berührt.
Herzlichen Dank für deine Offenheit.
Auch ich leide an einer generalisierten Angststörung und weiteren psychischen Erkrankungen.
Morgens aufzuwachen und Angst vor dem Tag zu haben, das kenne ich nur nur zu gut.
Oft eine panische Grundstimmung zu haben. Immer die Befürchtung, was kommt als nächstes?
Als hätte man jemanden im Nacken sitzen, der einen runterdrückt.
Keine wirkliche Freude mehr am Leben, weil da oft nur noch Leere ist.
Latent begleitet mich immer der Schatten der Depression. Gleichgültig was ich mache.
Ich kämpfe mich durch jeden Tag und oft frage ich mich abends, ob es jemals besser wird.
Mein Psychiater ist mir leider auch keine grosse Hilfe.
Du wurdest plötzlich von dem Menschen getrennt, der dich gesehen hat. Von deiner Mutter.
Auch meine geliebte Mutter hat mich gesehen. Auch sie verstarb, Anfang 2013. Der Schock sitzt tief.
Ich verstehe dich da sehr gut.
Du wurdest von deinem Mann nicht gut behandelt, klein gemacht, als Versagerin abgestempelt.
Auch ich hatte Beziehungen ähnlicher Struktur. So etwas fällt tief in die Seele und hinterlässt Narben.
Die Frage nach dem Warum bleibt unbeantwortet.
Immer wieder wurde ich verlassen von Menschen, die mich wirklich gesehen haben.
Von meiner Mutter, meinem besten Freund. Auch er ist verstorben.
Meine Geschichte ist lang. Ich hätte viel zu erzählen. Doch es ist dein Thread.
Ich möchte dir nur sagen, dass ich mit dir fühle, mich sehr gut in dich einfühlen kann.
Du bist nicht alleine. Vielleicht hilft dir der Austausch hier. Gibt dir das Gefühl, etwas von deinem Seelenballast hier lassen zu können.

Fühl dich gedrückt.

19.08.2019 04:50 • x 2 #8


Bernie1970


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Guten Morgen Tautropfen,

ganz kurz (bin grad am Kater-Streicheln, da kann man nebenbei tippen...):

Danke, langsam kriege ich ein Bild von dem, was Du erlebt hast. Ich weiß nicht, ob Dein Psychiater auch sowas wie Psychoanalyse macht? Nimmst Du Psychopharmaka und/oder Beruhigungsmittel?

Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Du Dir im Klaren darüber bist, dass Dein Ex-Mann mindestens eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat? Falls nicht, dann informiere Dich mal ausführlich über dieses Krankheitsbild. Was solche Menschen, die leider selten behandelt werden weil sie sich meist nicht als krank verstehen, ihrem Umfeld damit antun, muss man als Betroffener verstehen.

Das sehe ich als den wichtigsten Punkt an. Warum Du an solch einen "Helden" geraten bist, wäre zu hinterfragen, nämlich dahingehend, um auch Dein Verhalten (und somit Deinen Verantwortungsteil - nicht Schuld!) verstehen und erst mal entsprechend einordnen zu können.
Der dritte, wichtige Punkt ist der wahrlich schockierende Tod der Mutter. Die Umstände haben m. E. eine angemessene Trauerarbeit, die beim Verlust wirklich wichtiger Menschen unbedingt angebracht ist, sehr erschwert - wenn nicht sogar unmöglich gemacht. Letzteres kannst Du jedoch nachholen, unabhängig davon, wie lange das zurückliegt.
Punkt 4 ist die vollzogene Trennung von Deinem Mann und der immense Kraftakt des Umzuges. Nach so langer Zeit des Zusammenlebens, egal unter welchen Umständen, ist das ohne jeden Zweifel eine große Leistung aber eben auch unglaublich belastend.
Punkt 5 und 6: Das Gefühl der Einsamkeit und die Entwicklung gewisser depressiver Tendenzen. Beides nachvollziehbar und absolut verständlich.

Diese Punkte stellen m. E. die wahren Hintergründe der Angststörung dar. Ich denke, das hat Dir der Psychiater auch schon so aufgedröselt? Falls nicht, such Dir einen erfahrenen Therapeuten, idealerweise jemanden, der Psychoanalyse betreibt.

Gerne tauschen wir uns hier über Deine aktuellen Themen, Einsamkeit, Angst und Panikattacken aus.

Falls Du Zeit und Lust hast, könntest Du für Dich (!) alle weiteren Punkte aufschreiben, welche Deiner ersten PA in einem zeitlichen Abstand von bis zu 1 Jahr vorausgingen, die Du als belastend einstufen würdest.

LG und bis bald! Bernd

19.08.2019 06:00 • x 2 #9


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Liebe Soleil,

schön, dass du da bist. Ich versuche zu antworten, so wie ich kann. Mit leicht zittrigen Händen, weil ich glaube, dass auch das Selbstwertgefühl auf der Strecke geblieben ist.
Ich kann mich in dem was du schreibst gut wiedererkennen. So stehe ich morgens auf.
Ich spüre auch den inneren Druck, alle Dinge zu leisten. Meine ehemalige Therapeutin sagt, dass ich mir den Druck selber mache. Ja, wahrscheinlich hat sie recht. Ich weiß aber nicht, wie ich dem begegnen soll.
Vielleicht ist es der Anspruch den man an sich selber stellt. Das beweisen müssen keine Niete zu sein. Keine Ahnung.
Mein Morgen läuft immer gleich ab... ich stehe sehr früh auf, dann fange ich an meine Wohnung in Ordnung zu bringen. Alles steht an seinem Platz, alles ist aufgeräumt. Ich brauche Struktur, damit sich mein Auge ausruhen kann. Es ist schon genug Chaos in mir. Rein äußerlich darf das nicht sein. Außer Abends. Da mache ich nichts mehr.
Ja und dann ist alles getan. Und ein langer Tag liegt vor mir.
Und immer diese Angst, was denn an diesem Tag alles schief gehen kann. Erst abends atme ich durch. Gut schlafen kann ich aber trotzdem nicht.
Ich weiß jetzt nicht, ob ich auf alles geantwortet habe. Ich kann hier nichts einsehen. Ich und Technik. Aber dann schreibe ich dir noch einmal.
Was ich aber sagen möchte... Ich betrachte das nicht als meinen Thread. Du kannst dir genauso alles von der Seele schreiben. Ich bin froh, den Weg hierher gefunden zu haben. Fühle mich als Teil einer Gemeinschaft. Ich denke, dass das wichtig ist, endlich zu wissen, dass man nicht alleine ist.
Liebe Grüße zu dir.

19.08.2019 10:28 • x 2 #10


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Hallo Bernd,
mal sehen ob ich alle Punkte auf die Reihe bekomme. Aber erst einmal fühle ich mich nicht so alleine durch euch. Das ist ein gutes Gefühl.

Fange ich bei Medikamenten und Therapie an... Vorausschicken muss ich dabei aber eine Besonderheit. Ich habe einen seltenen Gendefkt. Durch Zufall, diagnostiziert 2002, als ich mit unerklärlichen Schmerzen ins Krankenhaus gebracht worden bin. Nur festzustellen in einem akuten Schub. Da hast du dann eine Liste mit wahrscheinlich unbedenklichen Medikamenten, die keinen Schub auslösen. Da kann ich also die Hälfte aller Medikamente schon nicht nehmen. Zum Beispiel Schmerzmittel. Erlaubt ist mir Paracetamol, die nächste Liga wäre dann schon Morphium.
Das heißt für mich... Seele geht auf den Rücken, Blockaden, Muskelschwäche.. ich kann Paracetamol nehmen. Das war es dann. Also muss ich durch den meisten Schmerz so gehen.
Ich habe keinen Psychiater. Die Versuche, die ich unternommen hatte, endeten genau beim Gendefekt. Ratlosigkeit, kein großes Wissen.
Einzig was ich, mit meinem Einverständnis bekomme, ist Imap. In letzter Zeit habe ich aber vermehrt den Eindruck gewonnen, dass sie mir nichts nützt. Immer wenn ich die Spritze bekam, wurden die Angstzustände unermesslich.
Jetzt erst habe ich mich damit befasst. Ich möchte sie nicht mehr nehmen. Ich gerate bei dem Gedanken jetzt schon in Panik.
Ich werde es mit Opipramol versuchen. So ist der Plan. Und hoffen, das mein Gen darauf nicht reagiert.
Eine Therapie steht mir erst im Oktober 2020 wieder zu.
Ich war jahrelang bei einer Therapeutin. Verhaltenstherapie. Ich kam damit überhaupt nicht zurecht. Ich wollte nicht Dinge machen müssen. Da hat sich alles in mir gesträubt.
Hast du mal einen falschen Satz gesagt, oder die Wortwahl war nicht richtig, ist sie so lange darauf herumgeritten, bis dir genau das einfiel, was sie hören wollte. "Ich habe das Gefühl", "Nein, nicht das Gefühl, sondern?"
Für mich ist das am Menschen vorbei. Manchmal kam ich mir so vor, als wäre ich ein kleines Kind, das die Hausaufgaben nicht gemacht hat.
Erst kürzlich war ich zu einer Notstunde bei ihr. Ich kam mir vor wie ein Kleinkind. Ich hätte alles in mir. Ich bräuchte nur machen. Und wenn ich nicht mache, dann gehen sie in die Klinik. Zu mir dann nicht.
Ich glaube, dass ich da sechs Jahre war. Ich gehe nicht wieder hin.

Meine Mama... wir sind uns erst viel später näher gekommen. In meiner Kindheit war sie irgendwie nicht vorhanden. Das änderte sich aber. Da wurden wir irgendwie wie Freundinnen, Vertraute. Sie hat mich gesehen. Extra Essen gekocht wegen meiner Unverträglichkeiten. Einmal sagte sie zu mir: Sie hätte mich ja lieb, aber ich sei kein Diplomat. Ich musste so lachen. Ja weil das stimmt. Jedenfalls war ich keiner. Bei ihr war alles wie ein Stück Heimatboden.
Noch heute ist es mir unendlich wichtig dieses Gefühl von Heimat zu haben. Dort wo ich sicher bin. Aufgehoben und angenommen.

Als ich siebzehn Jahre alt war, zogen meine Eltern weiter weg.Mit meinen zwei jüngeren Geschwistern. Ich wollte nicht mit. Wollte hier in meiner Stadt bleiben. Damals kam dann ein Jahr später die Volljährigkeit mit achtzehn. Heute vielleicht Gang und Gäbe. Damals eben nicht.
Erst möbliertes Zimmer, dann kurzfristig bei meinem älteren Bruder, dann meine eigene Wohnung. Ich bin so eingezogen wie sie war. Siebziger Jahre Tapeten, Kohleofen, Ofen im Bad der nicht angeschlossen war, zusammengesammelte Möbel.
Aber es war meines.
Während die Mädels tanzen gingen, saß ich mit deren Freunden in meiner Wohnung bei Tee, oder gepanschtem Glühwein und diskutierte über Gott und die Welt. Ohne Angst zu sprechen, meine Meinung zu sagen, zu überzeugen, oder auch nicht.
Heute war das für mich die schönste Zeit in meinem Leben. Es gab sie nie mehr.
Dann lernte ich mit achtzehn meinen Mann kennen. Er war still. Und ich dachte, dass er was zu sagen hätte. Aber er war, wie ich später feststellte, einfach nur still. Doch zuverlässig. Das schätze ich an einem Menschen sehr.
Ich habe nur geheult, als wir in eine andere Wohnung zogen. Vorbei mein eigenes Reich.
Ja, ich habe über Narzissmus gelesen. Ob er einer war, kann ich nicht sagen.
Wie soll ich es beschreiben.... Ich bin kein nachtragender Mensch. Aber er sagte einmal, dass es seine beste Eigenschaft sei nachtragend zu sein. Und genauso war das.
Er hat Dinge rausgekramt die manchmal sogar zwei Jahre zurücklagen.
Ich musste umdenken. Also entstanden in meinem Kopf Schubladen, in denen ich alles sammeln musste, um seinen Vorwürfen überhaupt stand zu halten. Es war schrecklich.
Streit muss auch einmal gut sein. Über Dinge muss man reden können. Akzetieren, Kompromisse eingehen, versuchen den anderen zu verstehen.
Aber das ging alles nicht. Heute weiß ich aber, dass er mir immer mehr Ängste eingepflanzt hat. Ich habe das nicht bemerkt. Es kam schleichend. Eben wie schleichendes Gift.
Ich war eigentlich ein selbstbestimmter Mensch. Ich glaube, das konnte er nicht haben. Ich glaube außerdem, dass er nicht so viel Selbstbewußtsein hatte, und mich daher immer gerne klein gesehen hat.
Tja, und jetzt bin ich klein. Habe Angst und Panik. Komme mir manchmal so hilflos vor. Genau da, wo er mich eigentlich immer haben wollte.
Ich sehe ihn übrigens heute noch manchmal. Ab und zu kommt er vorbei. Ist aber seltener geworden. Und er hilft mir ab und zu, wenn es was zu reparieren gibt. Das muss ich dazu sagen.

Ich glaube, ich habe irgendwie einen durchgängigen Faden verloren. Weiß auch nicht, ob ich alles beantwortet habe.
Aber jetzt muss ich mich hier noch um einiges kümmern. Also erst einmal Pause.

Ganz liebe Grüße.

19.08.2019 11:35 • x 2 #11


Bernie1970


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Guten Morgen Tautropfen,

herzlichen Dank für die erhellenden Zeilen. Es ist bemerkenswert, dass Du offenbar noch alles so lebendig "auf dem Schirm" hast. Auf mich wirkst Du überhaupt nicht verwirrt oder so.

Ich musste meine Infusionen heute auf den Vormittag verlegen und somit kann ich nicht abschätzen, ob ich heute zu längerem Schreiben im Büro komme. Habe daheim ja keinen PC.

Ein paar Fragen hätte ich noch:

Welche Nahrungsmittelunverträglichkeiten hattest Du damals und bestehen sie heute noch?

Gibt es seitens der Medizin einen Namen für den Gendefekt? Was bewirkt dieser Gendefekt noch, außer dass Du einige Medikamente nicht verträgst?

Welche Indikation führte zu der Entscheidung, das Neuroleptika Imap auszuprobieren und wie lange hast Du es in welcher Dosierung genommen?

Bist Du Dir sicher, dass Deine Rückenschmerzen und die Muskelschwäche psychisch bedingt sind? Traten sie schon vor der Einnahme des Imap auf?
Warst Du deswegen schon mal bei einem Physiotherapeuten oder, besser noch, bei einem guten (!) Chiropraktiker?

Kannst Du eine Parallele zwischen den Schmerzen und der Depression erkennen?

Viele Menschen werden psychisch behandelt wegen chronischer, nicht offensichtlich ableitbarer Schmerzen doch eigentlich sind die Depressionen in Wirklichkeit eine - verständliche - Folge der dauernden Schmerzen.

Bis bald und einen guten Tag?

LG Bernd

20.08.2019 06:07 • x 1 #12


soleil

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Hallo liebe Tautropfen,
Zitat von Tautropfen:
schön, dass du da bist. Ich versuche zu antworten, so wie ich kann. Mit leicht zittrigen Händen, weil ich glaube, dass auch das Selbstwertgefühl auf der Strecke geblieben ist.

Setz dich nicht unter Druck. Antworte so und wie du kannst. Wir sind hier nicht in der Schule und deine Antwort wird nicht bewertet.
Ich verstehe, dass dein Selbstwertgefühl auf der Strecke geblieben ist. Das Verhalten deines Ex-Mannes und auch das anderer Menschen haben dich geprägt und dich letztendlich im wahrsten Sinn des Wortes - klein - gemacht. Sich davon wieder zu erholen und zu neuen Kräften und zu einem neuen Selbstwertgefühl zu kommen ist eine Herkulesaufgabe.
Zitat von Tautropfen:
Ich spüre auch den inneren Druck, alle Dinge zu leisten. Meine ehemalige Therapeutin sagt, dass ich mir den Druck selber mache. Ja, wahrscheinlich hat sie recht. Ich weiß aber nicht, wie ich dem begegnen soll.
Vielleicht ist es der Anspruch den man an sich selber stellt. Das beweisen müssen keine Niete zu sein. Keine Ahnung.
Mein Morgen läuft immer gleich ab... ich stehe sehr früh auf, dann fange ich an meine Wohnung in Ordnung zu bringen. Alles steht an seinem Platz, alles ist aufgeräumt. Ich brauche Struktur, damit sich mein Auge ausruhen kann. Es ist schon genug Chaos in mir. Rein äußerlich darf das nicht sein. Außer Abends. Da mache ich nichts mehr.
Ja und dann ist alles getan. Und ein langer Tag liegt vor mir.
Und immer diese Angst, was denn an diesem Tag alles schief gehen kann. Erst abends atme ich durch. Gut schlafen kann ich aber trotzdem nicht.

Sicher, du machst dir den Druck selber. Eben weil du geprägt bist von seelischen Verletzungen, die dir zugefügt wurden. Du möchtest beweisen, dass du etwas leisten kannst, wie du schreibst, keine "Niete" zu sein. Ich denke, unbewusst wütet da immer noch dein Ex-Mann in dir, der sagt "Du kannst nichts, du bist nichts, du bist ein Niemand". Solche lang anhaltenden Erniedrigungen machen was aus einem, verändern den Menschen, ob er will oder nicht. Irgendwann fühlt man sich tatsächlich klein und unbedeutend. Du hast das auch sehr lange Zeit mit dir machen lassen. Das ist kein Vorwurf an dich. Es fordert Kraft und Mut, gewohnte (Beziehungs-)Strukturen zu verlassen, auch wenn sie einen nur noch zerstören.

Du kannst dich schon gut selbst reflektieren finde ich. Du schaffst eine äussere Ordnung, weil deine innere chaotisch ist. Was könnte dir helfen, etwas Ordnung in dein Inneres zu bringen? Hast du da irgendeine Vorstellung?
Wie sieht dein Tag sonst noch aus. Wie sieht dein "nichts tun" aus? Sitzt du dann auf dem Sofa und wartest, bis der Abend kommt? Wohl eher nicht. Vielleicht liest du ein Buch und/oder hörst Musik. Das ist kein "nichts tun", oder du machst etwas anderes, was dir in den Sinn kommt. Ich nehme an, du meinst mit "nichts tun", dass du nichts machst, was dich weiter bringt, was dir Freude und Abwechslung bringt, was dir vielleicht auch hilft, eine andere Denkweise zu bekommen. Ist das so?

Dann bist du in einer negativen Angst-Erwaltungshaltung, was der Tag schlimmes bringen könnte. Was könnte denn nach deiner Vorstellung schlimmes passieren? Angst lähmt, das wissen wir alle. Vielleicht hilft es dir, dir immer wieder bewusst zu machen, dass es deine Gedanken sind, welche die Angstgefühle nähren. Angst kann sich konditionieren, wird zum festen Programm, wenn wir sie über einen längeren Zeitraum zulassen. Doch Konditionierungen lassen sich auch wieder lösen.

Abends geht es dir dann besser. Du atmest durch. Dann ist die Angst weg? Kannst du dir erklären warum dieser Zustand immer erst abends eintritt?

Ich wünsche dir sehr, dass du wieder ein wenig Freude in deinem Leben empfindest und wieder lernst dich wertzuschätzen. Denn du bist eine sehr empathische, sehr sympathische, tiefsinnige Frau.

20.08.2019 07:22 • x 2 #13


Tautropfen

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Guten Morgen Bernd,

meine Gedanken liegen heute wie Schatten in meinem Kopf. Ich habe zwar hier alles getan, aber ich bin unendlich müde und erschöpft. Gestern Abend war mir schwindelig. Mit dem Schwindel kam die Übelkeit.
Vielleicht einfach zu viel geschrieben, nachgedacht, ich habe keine Ahnung.

Ja, der Gendefekt hat einen Namen... Akute intermittierende Porphyrie. Nur im Schub nachweisbar. Schub hieß bei mir damals, Schüttelfrost, schnelle Atmung, Schmerzen bei mir im oberen Magenbereich. Schmerzen die man kaum aushält. Ich musste mich ständig übergeben. Und ich konnte kaum was sagen. Mit Rettungswagen ins Krankenhaus. Nur ein Arzt hatte die Idee, dass es das sein könnte.
Ich bekam schlicht und einfach einen Glucosetropf. Genau das hilft. Wusste ich damals aber nicht. Tausend Untersuchungen. Unmögliche Behandlung. Glucosetropf wollte ich nicht mehr, und habe mich dann zweiTage später selber entlassen. Immer noch mit den Schmerzwellen. Zu Hause wurde es dann besser.
Freitags kam dann das Ergebniss.
Es gibt auch ein spezielles Mittel, aber findest du nirgendwo. Ist der Pharmaindustrie zu teuer, weil ja selten.
Du musst auf Medikamente achten, am besten gar keine, einschließlich Antibio, Narkose, auch beim Zahnarzt.
Auslöser sind Stress, egal welcher Art. (ganz groß für mich) Medikamente und Alk.. Lichtempfindlichkeit kommt auch dazu.
Nicht erkannt, nicht behandelt kann ein Schub zum Tod führen. Lähmungen verursachen.
Ich bin damals gut raus gekommen. Kümmere mich um jedes Medikament. Habe genug Ahnung um mich mit Ärzten auseinanderzusetzen. Die meisten haben das mal in ihrem Studium am Rande mitbekommen, obwohl es heute nicht mehr ganz so schlimm ist wie früher.
Gibt ein paar Centren in Deutschland, dazu zählen München, Chemnitz, ich glaube Aachen und Düsseldorf. In Düsseldorf war ich dann einige Jahre später.
Daher kann auch Muskelschwäche kommen. Physio wäre angebracht, bekommst du aber deswegen nicht. Ist allen zu teuer.
Ich muss darauf achten regelmäßig zu essen, möglichst Medikamente zu meiden, Stress abzubauen. ( das ist mir nicht möglich mit dem Stress, der kommt bei mir immer wieder) Ich trage Glucosefläschen bei mir.
Trotzdem habe ich das ganz gut weggesteckt. Warum weiß ich auch nicht.

Ich habe einen ganz tollen Chiropraktiker. Dieser Mensch ist einmalig. Der hat eine wirklich tolle Seele. Aber das wissen auch andere. Der kann einfach keine Notfälle behandeln. Der bringt sich sonst selber an den Rand. Mein nächster Termin ist am 4. September. Ich habe andauernd Blockaden. Den Rücken runter. Die kommen eindeutig von der Seele.
Wenn das Leben kommt... Ducken. Und schon habe ich die nächste Blockade. Angst und Panik verkrampfen zusätzlich die ganze Muskulatur.

Ende 2017 hat mir mein ehemaliger Hausarzt Cipro verschrieben, auf einen vagen Verdacht hin. Ich habe ihm vertraut.
Den Verlauf aufzuschreiben dauert zu lange. Jedenfalls haben die Fluorchinolone aber auch alles an Muskeln, Sehnen und Knochen angegriffen. Es war die Hölle! Ich konnte nicht mehr richtig laufen, nichts mehr richtig heben. Mein alter Hausarzt wollte sich davon nichts annehmen.
Einen Tag vor Heiligabend war ich dann noch in der Notaufnahme. Neben mir ist gleich ein Krankenhaus, ein blöder Arzt, aber immerhin sollte ich dann Cortison nehmen. Das ist sowieso mein Notfallmedikament. Und ich hatte das zu Hause.
Ich bin dann gleich mit einer Stoßtherapie angefangen, und Heiligabend konnte ich mich nach zwei Wochen endlich wieder bewegen.
Ich habe das meiner Krankenkasse gemeldet, aber bringt eh nichts.2018,2019 bekomme ich immer noch Schmerzen in den Gelenken. Geht irgendwie nie ganz raus. Übrigens ist das Netz voll von Geschädigten. Gibt auch Sendungen darüber.
Ist in vielen Ländern verboten, nur hier geht das über den Tisch wie nichts.
Bitte nehmt nie Fluorchinolone! Inzwischen haben die Ärzte hier auch Rote Hand Benachrichtigungen wegen des Medikamente bekommen.
Mir geht es aber so weit gut. Ich hatte Glück, nicht wie so manch anderer.
Imap bekam ich vor vielen, vielen Jahren von einer Internistin. Sie fand keinen Schmerzauslöser, (kann schon durch die Porphyrie gekommen sein.) und meinte ich wäre ein Hektiker, was auch nicht zu ändern wäre.
Also, stelle gerade fest, dass es viele Idioten gibt! Ich hatte lediglich viel Energie, und bin eben auch nicht wirklich ein geduldiger Mensch. Macht aber nichts. Dafür werden viele Dinge auch schnell erledigt.
Dann bekam ich die Imap 2007 wegen des Mobbings.
Dann als meine Mama starb. Schließlich verselbstständigte sich das. Unerträgliche Angstzustände. Imap.
Mein neuer Hausarzt, der einfach super ist, was für ein toller Mensch, gibt mir die mit meiner Zustimmung so alle 4 Wochen.
Total schwierig etwas geeignetes zu finden.
Ich will jetzt aber nicht mehr. Vielleicht Opipramol. Ich lasse die Tage auf mich zupendeln.
Ich kann eh suchen so viel wie ich will, bei den Nebenwirkungen wird mir schlecht. Und leider ziehe ich sie an.
Also versuchen zu kämpfen.

Habe Lactose, Sorbit, Fructose und Histaminintolleranz. Kann aber damit leben. Etwas geht immer. Egal ob Schinken, Geräuchertes, Schokolade oder sowas. Viel schlimmer fände ich Gluten. Das habe ich Gott sei Dank nicht.

Kann sein, das jetzt Antworten fehlen. Ich weiß auch nicht wie das mit dem Editieren geht. Macht auch nichts.

Wieso bekommst du Infusionen, wenn ich fragen darf?

Erst einmal ganz liebe Grüße zu dir.

20.08.2019 10:14 • #14


Tautropfen

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Hallo liebe Soleil,

bei deinen Worten kommen mir die Tränen, weil sie so lieb von dir sind.

Ja, 35 Jahre prägen. Das stimmt. Ich bin nur oft über mich selber so traurig, dass solch eine Angst durchbrechen konnte. Aber da kamen so viele Dinge dazu.
Ich versuche einmal zu schildern...

Anfang 2013 bat mich meine Nachbarin um Hilfe. Jünger als ich. Sie kam bei ihr einfach nicht mehr klar. Alles wuchs ihr über den Kopf.
Also habe ich angefangen für zwei bis drei Stunden, zwei Tage die Woche bei ihr zu arbeiten. War am Anfang schwierig, weil sie nichts abgeben konnte, bis ich den Vorschlag machte, ihre Wäsche zu bügeln.
Zeitgleich wollte mein Mann Teile der Wohnung renovieren, trotz geplanter Trennung. Es musste ja alles einwandfrei sein.
Also habe ich die Zimmer leer geräumt, war drüben bei meiner Nachbarin. Das alles war schon ein Akt.
Bei meiner Nachbarin war alles erst einmal gut.
Dann bekamen wir im Mai unsere neuen Mietverträge.
Wir wohnten in einem Dorf damals. Oh je, man trennt sich nicht. Man hällt durch. Ich war diejenige die so etwas schlimmes macht. Dann redet man einfach ein paar Wochen nicht mit seinem Mann. So geht das. Das war unsere Vermieterin.
Ich fing im Mai schon an unsere Wohnung in Kisten zu packen. Denn eines hatte mich die Vergangenheit gelehrt, es kommt nie so wie du denkst.
Ich habe da völlig alleine vor gestanden. Dachboden, Keller, Garage, Wohnung, aufteilen, verpacken, organisiert stapeln.
Ich habe einfach nur noch gearbeitet.
In die neuen Wohnungen sollten wir rechtzeitig, ist aber nichts geworden, bei mir zum Beispiel wurde ein komplett neues Badezimmer gebaut.
Also erst spät da rein. So wie es die Zeit zuließ renoviert, Arbeiten gegangen.
Ende August sollte der Umzug sein. Die Wohnungen waren nicht fertig. Ich habe gemerkt wie es mir immer schlechter ging. Ich war so ziemlich am Ende meiner Kräfte.
Und glaube mal nicht, dass ich irgendeine Hand hatte, die mich hielt. Nicht einmal die meiner Freundin. 40 Jahre Freundschaft,
und in ihrem Leben stand ich jedesmal wie eine Eins, wenn sie mich brauchte. Wirklich.
Mein Mann meinte, ich könnte ja hier bleiben, wenn mir der Umzugstermin nicht passt, dann müsste ich zusehen, wie ich da rauskomme.
Übrigens blieben auch alle Nebenschauplätze an mir hängen. Papiere, Verträge, Wohnungsbesichtigungen, uuu.
Ende August sind wir dann umgezogen. Ja, ins gleiche Hochhaus. Ich weiß, ungewöhnlich, aber im Nachhinein erst einmal das Beste für mich.
Die Wohnungen waren natürlich nicht fertig. Bei mir fehlten zwei kleine Flure, Vorratsraum und Bad.
Also hast du im Chaos weitergemacht. Einfach immer weiter.
Von meiner Stadt bin ich dann mit dem Bus noch immer zur ehemaligen Nachbarin gefahren. Eineinhalb Stunden ein Weg. 10 Euro abzüglich Busgeld. Viel blieb nicht, aber ich brauchte das Geld. Ich lag knapp über dem Sozialsatz.
Gemeinsamer Kredit musste auch noch bezahlt werden.
Also musste ich dahin. Nur hat sich alles verändert. Ich war plötzlich keine gute Nachbarin mehr, sondern eine die das Geld brauchte. Und dann kam so oft Schikane.
Ich hielt durch. Wohnung im Laufe der Monate zu Ende renoviert. Die letzten Kisten ausgepackt. Und natürlich gesehen, was alles noch so fehlt. Jedenfalls für mich.
Das Ganze ging bis November 2017. Ich war auch hier wieder am Ende. Ich konnte mich kaum noch bewegen. Da schon aufkommende Angst.
Ich habe das dann von jetzt auf gleich beendet. (Habe heute noch Kontakt zu ihr. Telefonisch.)
Unerträglich was manche Menschen mit einem machen, und wie weit man selber aushält.
Ich habe vieles geschafft. Ich habe den Kredit abbezahlt. Musste im Laufe der Zeit teure Geräte ersetzen.
Wie ich das alles gemacht habe, weiß ich auch nicht, ich habe einfach gekämpft.

Mein Mann wohnt hier nicht mehr. Er lebt mit seiner neuen Beziehung zusammen. Ich bin nicht mehr knapp über dem Sozialsatz, weil er in Rente gegangen ist. Es ist nicht mehr ganz so erdrückend.

Und so kommt die Angst... Ein Beispiel... vor ca. drei Wochen geht auf einmal mein Toaster kaputt. Kopf am drehen. Wie mache ich das jetzt. Zwei Tage später gibt mein Drucker den Geist auf.
Ich habe alles bewältigt. Toaster steht, neuer Drucker ist da, konnte ihn sogar installieren. Probleme gelöst.
Und dann kann ich es plötzlich nicht mehr verarbeiten. Ich sehe mich um, überlege was als nächstes kaputt geht, und welchen Spielraum ich noch habe. Panische Angst, Angst, Angst. Mein Verstand hat keinen Zugriff mehr.
Abends ist der Tag vorbei. Nichts passiert, alles gut, ich komme zur Ruhe, gucke irgendwas im Fernsehen, lasse mich berieseln. Tag geschafft. Aber es gibt immer einen nächsten Morgen.

Meine langjährige Freundin habe ich nicht mehr.

Was blieb war nur meine Schwester, die ich über alles liebe. Sie ist mein Stern. Aber ich bin meiner ganz früheren Freundin wieder sehr nahe gekommen. Ein paar Jahre jünger als ich, und als ich so zwanzig Jahre alt war, hockten wir ständig zusammen. Das ist die Schwester meines Mannes. Ungewöhnlich. Es passt aber, als hätten wir uns vorher nie aus den Augen verloren. Ein Mensch mit einem goldenen Herz. Was es doch für Unterschiede zwischen Geschwistern geben kann.

"Nichts tun".... Tja, schwer zu beschreiben. Eigentlich dachte ich, ich könnte gut alleine sein. Musste aber feststellen, dass das nicht stimmt. Jeder hat wahrscheinlich einen Lebensplan. Meiner war nun hinüber.
Ich habe früher viel gelesen, aber heute nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Vielleicht fesselt mich auch nichts mehr.
Großartige Hobbys habe ich nie gehabt. Da war meine letzte Hündin. Heißgeliebt! Ein unendlich tolles Leben mit ihr. Das genau wollte ich auch zu Ende bringen. 2010 bekam sie einen Hirnschlag, und lebte nun in ihrer eigenen stillen Welt. Sie war vorher ein Energiebündel. 2012 haben wir sie dann einschläfern lassen. Es ging nichts mehr. Sie hat nur noch geblutet. Lief in der Wohnung unruhig hin und her, als wenn sie ihren Frieden suchte. Ich konnte das nicht mehr mit ansehen. Lieben heißt auch loslassen können. Nicht an sich selber denken. Leider meinte mein Mann hinterher, dass sie noch Leben könnte, wenn ich sie nicht einschläfern lassen hätte. Da war ich dann auch noch die Mörderin. Nein, meine Kleine hat sich nur noch gequält. Leider kann ich auch diesen Satz nicht vergessen.
Sie lag begraben auf dem Tierfriedhof in Dortmund. Dieses Jahr habe ich die Grabstelle geküngigt. Schlimm. Ich musste noch einmal hin, abräumen. Aber mit seiner Schwester. Das war das Beste. Ihn hat das alles sowieso nicht gekümmert. Er war ja auch nicht da. Tot ist tot. Wo ist Herzenswärme?

Eigentlich schreibe ich Lyrik und manchmal Geschichten, aber seit der Angst geht das nicht mehr so gut.
Es gab auch schon Lesungen. Stell dir vor, das habe ich mal gemacht. Unglaublich und lange her.

Ich stöbere gerne im PC nach Dingen die mich interessieren. Ja, ich liebe auch Musik. Es gibt so viel. Ich mag Rock, Deutschrock, etwas Metall, Gothik. Muss mich bewegen und berühren. Mag aber eher gute Texte. Also nach meiner Auffassung. Zum Beispiel von Subway to Sally, "Einsam". Oder schaue mal auf Youtube My dying bride, "Roads". Klasse. Liebe aber auch Lorrena Mc Kennitt, Mark Knopfler, Eric Clapton, Joe Bonamassa, vieles, vieles.

Oh, ich glaube, dass ich dich gerade zugeschüttet habe. Ich höre erst einmal auf.

Fühle dich gedrückt.

20.08.2019 11:34 • x 2 #15


Tautropfen

Tautropfen


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Ein PS noch...

Ich bin nicht sportlich, aber dafür liebe ich Bauernhofcafés, Antikmärkte, und Kappesmärkte. Einfach da sitzen, mit einem lieben Menschen, reden und schweigen können. Menschen beobachten. Wie gehen sie miteinander um, was bekomme ich an Gesprächen mit. Mag ich total gerne. Gedanken über die Menschen machen.
Gehört leider auch der Vergangenheit an. Wüsste nicht, wie ich da hinkommen soll.

So jetzt bin ich erst einmal still.

Nochmal ganz liebe Grüße zu dir.

20.08.2019 11:47 • #16


soleil

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Hallo liebe Tautropfen,

erst mal, du brauchst nicht "still" zu sein und du hast mich auch nicht "zugeschüttet".
Still war dein Mann, im Sinne von er hat dich nicht gesehen. Hier wirst du gesehen.
Auch wenn es nur das geschriebene Wort ist, so ist es doch besser als nichts. Auch wenn wir anonym sind, sind wir doch Menschen aus Fleisch und Blut, die dir zuhören und dich verstehen.
Ich lese dich gerne und ich fühle mich mit dir verbunden.
Du bist eine tief fühlende Frau, die schon viel in ihrem Leben mitgemacht hat.
Dass du das alles über solch einen langen Zeitraum geschultert hast, zeigt mir mal wieder, dass der Mensch fähig ist, vieles zu ertragen.
Ich kenne Menschen aus meinem Umfeld, die es Jahrzehnte lang ertragen haben, vom Partner gedemütigt und erniedrigt worden zu sein. Es waren ausschliesslich Frauen. Sie haben es nicht geschafft, aus dem toxischen Umfeld auszubrechen, ihr eigenes Leben zu leben, frei von Menschen, die ihnen nicht gut taten. Denn sie waren in irgendeiner Form vom Partner abhängig; finanziell, emotional, oder beides. Irgendwann suchten sie die Schuld bei sich "Er wird schon seine Gründe dafür haben, dass er mich so schlecht behandelt. Ich bin wohl schlecht". Der Selbstwert war ganz tief gesunken und mit ihm die Wertschätzung für die eigene Person. Nicht nur einmal habe ich erlebt, dass nach dem Tod des verhassten Partners diese Frauen regelrecht aufgeblüht sind. Sie fingen an zu leben, unternahmen Dinge, besuchten Veranstaltungen, trafen sich mit anderen Frauen etc. pp. Du hast es aus freien Stücken geschafft, dich nach 35 Jahren von diesem toxischen Mann zu trennen und dem gebührt mein Respekt. Das ist nicht einfach. Denn wie schon geschrieben, eine so lange Zeit prägt einen. Du warst nie alleine, hast mit ihm zusammengelebt. Nun plötzlich nach der Trennung warst du vollkommen auf dich gestellt, vor allem räumlich. Da war niemand mehr, wenn du nach Hause kamst. Da war keine Ansprache, nichts. Das macht erst mal traurig und ängstlich. So ging es mir nach meiner Scheidung auch. Plötzlich war ich alleine in der Wohnung und hatte das Gefühl, die Leere erdrückt mich. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Es hat lange gedauert, doch heute ist es genau anders herum. Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, mit einem Partner zusammen zu leben. Ich bin mein eigener Herr und kann tun und lassen was ich will. Auch könnte ich nach so vielen Jahren des alleine lebens mich nur noch schwer auf Kompromisse einlassen.
Zitat von Tautropfen:
Und so kommt die Angst... Ein Beispiel... vor ca. drei Wochen geht auf einmal mein Toaster kaputt. Kopf am drehen. Wie mache ich das jetzt. Zwei Tage später gibt mein Drucker den Geist auf.
Ich habe alles bewältigt. Toaster steht, neuer Drucker ist da, konnte ihn sogar installieren. Probleme gelöst.
Und dann kann ich es plötzlich nicht mehr verarbeiten. Ich sehe mich um, überlege was als nächstes kaputt geht, und welchen Spielraum ich noch habe. Panische Angst, Angst, Angst. Mein Verstand hat keinen Zugriff mehr.

Es ist also vor allem die Angst davor, dass etwas kaputt gehen könnte? Doch du hast bewiesen, dass du das mit dem Toaster und Drucker bewältigt hast und nun hast du zwei neue Geräte da stehen. So würde es auch geschehen, wenn wieder etwas kaputt ginge. Du würdest die Sache erneut bewältigen. Es sind die Gedanken, die dir einen Angst-Streich spielen. Du schreibst, dass dein Verstand keinen Zugriff mehr hat. Doch du könntest deinen Verstand durch deine Gedanken "umpolen". Sag ihm, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass wieder mehrere Dinge gleichzeitig kaputt gehen und selbst wenn es so wäre, du wieder mit der Lage klar kommen würdest. Du hast dir selbst bewiesen, dass es immer eine Lösung gibt.

Dass du deine Freundin nach so vielen Jahren der Freundschaft verloren hast ist schmerzlich. Sehe es so, die eine Tür ging zu und eine andere öffnete sich. Du hast die Freundschaft zu einer früheren Freundin wieder aufleben lassen und verstehst dich sehr gut mit deiner Schwester. Das sind Menschen, die dich sehen und mit denen du dich verbunden fühlst. Diese Gewissheit macht dich ein Stück weniger einsam. Ist es nicht so?

Die Geschichte mit deiner Hündin hat mich sehr betroffen gemacht. Ich liebe Tiere über alles und kann sehr gut nachvollziehen, durch welch grossen Schmerz du gehen musstest. Ein Tier ist einem oft sehr viel näher als die Menschen um einen rum. Gerade auch bei dir wird das so gewesen sein. Deine Hündin gab dir das, was dein Mann dir verwehrte - Liebe -.
Zitat von Tautropfen:
Ich bin nicht sportlich, aber dafür liebe ich Bauernhofcafés, Antikmärkte, und Kappesmärkte. Einfach da sitzen, mit einem lieben Menschen, reden und schweigen können. Menschen beobachten. Wie gehen sie miteinander um, was bekomme ich an Gesprächen mit. Mag ich total gerne. Gedanken über die Menschen machen.
Gehört leider auch der Vergangenheit an. Wüsste nicht, wie ich da hinkommen soll.

Öffentliche Verkehrsmittel sind nicht möglich, bzw. deine Freundin oder/und Schwester haben kein Auto?
Zitat:
Eigentlich schreibe ich Lyrik und manchmal Geschichten, aber seit der Angst geht das nicht mehr so gut.

Das ist sehr schön. Wäre es nicht eine Option, langsam wieder damit anzufangen? So, wie es deine Kräfte und die Angst zulassen. Es würde Abwechslung in dein Leben bringen und du kommst auf andere Gedanken. Ich habe vor ca. einem Jahr angefangen zu malen. Auch und gerade wegen meiner Angst. Mittlerweile ist das malen zu einem festen Bestandteil meiner Tagesstruktur geworden.

Ich schicke dir viele liebe und gute Gedanken.
soleil

21.08.2019 07:08 • x 2 #17


Tautropfen

Tautropfen


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Liebe Soleil,

ich kann dir erst einmal nur einen wunderschönen Morgen wünschen, falls das möglich ist.
Ich habe nachher einen Termin zur Physio, und muss mich ein bisschen sputen. Vielleicht schaffe ich es aber vorher noch dir zu antworten. Mal sehen wie viel Zeit mir noch bleibt.

Fühle dich mit Wärme umarmt.

21.08.2019 08:12 • #18


soleil

soleil


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Mach dir keinen Stress liebe Tautropfen.
Ich laufe nicht weg.

21.08.2019 08:13 • #19


Tautropfen

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Hallo liebe Soleil,

manchmal weiß ich gar nicht wo ich beginnen soll.
Jetzt habe ich während des Duschens die ganze Zeit mit dir geredet...
Ja, es ist schön, dass es euch gibt, ich fühle mich dadurch nicht mehr so alleine mit meiner Angst. Anonym ja, aber ich sehe es wie du, hinter dem geschrieben Wort sind Menschen. Das ist wichtig.
Und du bist für mich auch ein ganz warmherziger Mensch. So empfinde ich dich.

Zur Angst... Nein, es ist nicht nur die Angst, dass wieder was kaputt geht. Es ist überhaupt die Angst, irgendetwas nicht zu bewältigen. Ich habe meistens nur Katastrophengedanken im Kopf. Da kommt dann erschwerend hinzu, dass ich Angst vor Krankheiten und dem Tod habe. Da zwickt wieder etwas, meist mein Herz, und ich denke, dass ich gleich genauso wie meine Mama sterbe.
Mich findet keiner. Dieses Haus hier ist sehr anonym. Würmer zerfressen mich. Nichts mehr in meiner Wohnung zu gebrauchen, wovon ich gerne hätte, dass meine Schwester und meine Freundin sie bekommen. Die Wohnung ist gerade nicht aufgeräumt. Ich nicht gut genug angezogen. Verrückt nicht wahr. Könnte mir ja eigentlich alles egal sein.
Also ich denke jeden Gedanken bis zum bitteren Ende.
Ich weiß nicht, wie oft ich schon zum EKG war, und es war immer alles in Ordnung. Ich muss mir dann oft sagen, ruhig, ganz ruhig, es ist nur der Rücken.
Die Angst vor dem Tod werde ich haben, so meine Überlegungen, weil ich nicht wirklich lebe, ich nicht glücklich bin, und da drehe ich mich im Kreis, und weiß nicht, wie ich das ändern soll.
Ja, spüre ich so wie du gespürt hast, es ist leer. Alles, aber auch alles musst du mit dir alleine ausmachen. Ich sehe mich um in meiner Wohnung, meinem Panikroom, und da bin nur ich. Da ist keiner, der mal sagen würde, mache dir keine Sorgen, wir schaffen das schon, niemand den ich morgens ganz früh rufen kann und mit Begeisterung Sternschnuppen zeigen kann. Ja, hört sich komisch an, aber ich kann begeisterungsfähig wie ein Kind sein. Und dabei sind es die kleinen Dinge. Ich kann eben einfach nichts teilen. Da ist keine Umarmung, keine Wärme, einfach nichts.
Hätte ich ja auch nicht von mir gedacht. Meine Überlegungen gehen ja auch in deine Richtung. Will ich noch einmal mit jemandem zusammenleben? Keine Ahnung. Die Nähe -Distanz müsste stimmen. Und es müsste auf Augenhöhe sein.
Ich möchte nicht, dass einer hinter mir, oder vor mir geht. (da fällt mir gerade der Song von Karat ein, "Mich zwingt keiner auf die Knie. Meine ich jedenfalls.)
So geht es mir auch in meiner Freundschaft zu meiner Freundin. Rauskommen und Bauernhofcafés. Ziemlich schwierig für mich. Sie ist sehr eingespannt in ihrem eigenen Leben. Sie weiß zwar, dass ich Angst habe, aber wer das nicht hat, weiß auch nicht wie schlimm das ist. Die Angstzustände, wenn sie extrem schlimm sind, kämpfe ich hier alleine aus.
Sicher würde sie einmal mit mir fahren. Dann kommt aber ihr Faktor Zeit. Sie fährt, ich bezahle. Sie verlangt das überhaupt nicht, aber ich habe damit ein Problem einem was schuldig zu sein.
Ich habe seit eineinhalb Jahren einen Gutschein von ihr liegen. Ich durfte mir etwas aussuche. Ich würde gerne nach Bochum ins Planetarim, da gibt es Sternenhimmel mit Musik, Shows. Ganz toll. Einfach nur traumhaft. Ich würde gerne hin, dann frage ich mich... wird dir nicht schwindelig, bekommst du Panik, uuu. So zögere ich die Entscheidung immer weiter hinaus.
Das geht mir auf meinen Wegen genauso. Der Weg zu meiner Bank ist nicht weit. Das geht noch. Betrete ich den Raum wird mir schwindelig, mir wird ganz warm. Ich weiß nicht wieso.
Angst vor der Angst.
Ich wünschte, ich könnte meine Gedanken umpolen. Ich wünschte, ich würde den Schalter finden. Ich wünschte, dieser Zustand hätte endlich ein Ende. Ich möchte einfach nur leben. Aber dieser Gedankenwechsel funktioniert leider nicht.
Ich war übrigens schon immer ein Mensch der ständig nur nachgedacht hat. Schon als Kind, als Jugendliche. Hab mich dann an einsame Orte begeben um einfach nur nachzudenken.
Vielleicht hat das ja auch etwas für sich. Ich kann (konnte zumindest) schreiben. Wenigstens ein positiver Aspekt.
Liebe Soleil, ich kann aber nicht mit Angst im Kopf schreiben. Ich hoffe, dass das wiederkommt.

Ich liebe auch Tiere. Und ja, meine Hündin, dass war Liebe. Kann einer denken, was er will darüber. Da ist es egal, ob du morgens zerzaust aufstehst, ein Pickel im Gesicht hast, ob du ein Morgenmuffel bist, oder, oder. Die hat mich einfach geliebt so wie ich war. Das schafft kein Mensch. Ich auch nicht. Ich habe ja auch meine Macken, meine Unzulänglichkeiten, meine Toleranzgrenze.
Ich vermisse sie noch heute. Aber wir hatten ein schönes Leben, dafür bin ich dankbar.
Ein neuer Hund ist aber für mich keine Frage mehr.

Ich finde schön, dass du für dich die Malerei entdeckt hast. Dann hast du auch eine künstlerische Ader.

Ich muss jetzt gleich los.

Soleil, ich mag dich sehr.

21.08.2019 10:36 • x 1 #20




Mira Weyer