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koenig
Aufgrund meines heutigen Beitrags (Geräusche hören) muss ich jetzt doch mal diesen Beitrag verfassen.
Und zwar war es vor Jahren ja eher so, dass ich an Angst- oder Panikattacken litt und in der Hinsicht mich vielerlei Symptome begleiteten.

Seit einiger Zeit sind es aber weniger Ängste als solche Sachen wie Zwangsgedanken, Fokussierung aufs Sehen/Hören oder andere Phänomene.

Kann es sein, dass die Psyche sich wieder andere Wege des Ausdrucks sucht? Hängt es auch mit der hormonellen Situation (beginnende Wechseljahre, Veränderungen beruflicher Art vor ca. 8 Monaten, der mittleren Lebensphase zusammen?

Meine Therapeutin erinnert mich immer wieder daran, dass ich in solchen Situationen auch wieder meine Gefühle anschauen soll (diese vergesse ich oft). Ich stelle fest, dass da schon viel Unmut derzeit da ist. Mir ist schon klar, dass ich mich dann über all diese Dinge nicht wundern muss.

Wie geht es euch so?

19.08.2022 09:11 • 19.08.2022 #1


11 Antworten ↓


Icefalki
Hallole meine Liebe,

Ich bin ja der Meinung, dass Angsterkrankungen auch nur ausbrechen, wenn sie den geeigneten Menschen dafür vorfinden. Genügend Vorraussetzungen vorhanden sind, so dass sich dieser Mensch ein Leben lang fürchten darf.

Ich denke mir, ohne diese Grundbedingung, diesen Angriffspunkt, leidet man eben dann an etwas anderem.

Und natürlich arbeiten wir daran, dass es uns besser gehen kann und das funktioniert auch ganz gut, wenn die Lebenssituationen gut eingestellt sind und alles soweit flutscht.

Dann kommen Störungen und Peng- die Krankheit bekommt einen Schubs und zeigt sich wieder. Dass sich die Symtome anders zeigen, halte ich für absolut normal, da das eh reine Wahrnehmungen sind, die man dann bewertet und je nach Bewertung dann fürchtet.

Auch nix anderes als die ganzen Panikattacken. Jetzt fürchtet man sich eben anders.

Ich kann dir nur von mir berichten: Wenn ich unter alles einen Strich ziehe bleibt übrig:

Ich habe Angst, dass mit mir etwas Schlimmes geschehen könnte. Ich könnte jetzt Seiten voll schreiben, was diese Empfindung bedeutet, aber es ist diese kindliche Angst, total alleine, ohne Schutz, bei vollem Bewusstsein, dass etwas Furchtbares geschieht, hilflos und ohnmächtig allem ausgeliefert zu sein.

Und dieser Zustand muss dann erstmals mit dem Verstand erfasst werden, damit ich mir klarmachen kann, Stop, mist, was ist im Moment wirklich das Problem.

Bei mir stelle ich immer die gleichen Muster fest: in unbekannten Krisensituationen will ich abtauchen, stelle mich tot, mein Stresslevel steigt dabei ins Unendliche, und alles wird als feindlich empfunden, allerdings ohne dass ich in der Lage bin, meiner Meinung nach vernünftig zu handeln.

Und dieser Zustand dauert dann so lange, bis die Gefühle wieder leiser werden.

Ich bin das aber gewohnt, heisst, mein innerlich am Rad drehen ist nix Neues aber ich weiss, dass ich irgendwann auch wieder runterkomme. Aber dabei geht es mir auch nicht gut. Diesen Zustand hasse ich auch.

Ich denke mir oft, dass das wie Schübe sind. Hast du ne blöde Krankheit äussert die sich auch so. Immer mal wieder kommen Schübe und dann spinnt das gesamte System. Wir haben das eben psychisch. Ist nicht besser, auch nicht schlechter, ist eben eine Krankheit.

19.08.2022 09:47 • x 3 #2



Veränderungen der psychischen Symptome

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koenig
Hallo Icefalki,

ich bin immer total fasziniert von deinen Antworten. Du schreibst das auf, was ich wahrscheinlich theoretisch alles weiß, nur in Stresssituationen nicht mehr ordnen kann. Du kannst das aber in so lebendige Texte umwandeln, dass es mir gleich so viel besser geht. Du hast eine besondere Gabe.

Im Grunde ist mein Muster deinem sehr ähnlich, das habe ich ja schon mal gesagt. Ich kann mir vorstellen, dass du vielleicht auch die Gefühlsseite oft links liegen lässt und es dadurch zu den Schüben kommt.

Zitat von Icefalki:
Ich habe Angst, dass mit mir etwas Schlimmes geschehen könnte. Ich könnte jetzt Seiten voll schreiben, was diese Empfindung bedeutet, aber es ist diese kindliche Angst, total alleine, ohne Schutz, bei vollem Bewusstsein, dass etwas Furchtbares geschieht, hilflos und ohnmächtig allem ausgeliefert zu sein.


Jetzt muss ich tatsächlich mal an mein inneres Kind denken. Ich habe mir da ein eigenes Bild aufgebaut, vergesse aber dann auch wieder, mal nach dem Kind zu schauen. Da liegt bei mir ja auch häufig das Problem und von daher dieselben Ängste wie du.


Zitat von Icefalki:
Und dieser Zustand dauert dann so lange, bis die Gefühle wieder leiser werden.

Ja, genau.

Mir ist schon bewusst, dass es eine Lebensaufgabe für mich sein wird, aber mitunter gibt es Zeiten, da finde ich es nur noch anstrengend.
Mir fallen oft Sachen an meiner Tochter auf, die mir zeigen, dass auch sie sehr sensibel ist und ich zeige ihr, wie sie damit besser umgehen kann, das was ich nicht gelernt habe oder was in meiner Kindheit auch gut und gerne untergraben wurde (emotionale Abwertung etc.). Aber so war die Zeit. Sie kann aber schon besser mit sich und ihren Gefühlen umgehen. Das macht mich sehr froh.

19.08.2022 10:03 • x 1 #3


Icefalki
Zitat von koenig:
zeige ihr, wie sie damit besser umgehen kann,


Jetzt weisst du, warum du den Mist bekommen hast. Du zeigst anderen einen Weg, damit es gar nicht so heftig wird.

Wenn ich gut drauf bin, bin ich sogar dankbar, wie viel ich durch diesen Mist habe lernen dürfen. Ok, wenn der Schub dann kommt, ist aus mit Dankbarkeit, dann bricht die Hölle aus. Liegt vielleicht daran, dass wir sehr intensiv sind, da ist Nix mit Einfach. Bissle stolz dürfen wir aber auch sein, dass wir so sind, wie wir sind. Oder?

Und das mit deiner Tochter ist doch supi. Sag ich doch, sei auch bissle stolz auf deine Macke, die macht uns zu besseren Menschen, naja zumindest zu über alles nachdenkende Menschen. Grins.

19.08.2022 10:16 • x 1 #4


SaraLinton
@Icefalki im Prinzip finde ich das alles voll logisch und meine Therapeutin hat das auch immer so erklärt.

Sorry wenn ich mich einklinke @koenig . Aber mir geht es ja aktuell auch schlechter denn je und die letzten Wochen waren einfach Stress pur.
Dennoch kann ich den Schwindel und die Fallneigung, den Fluchtreflex absolut nicht akzeptieren.

19.08.2022 10:19 • x 1 #5


koenig
Zitat von SaraLinton:
Sorry wenn ich mich einklinke . Aber mir geht es ja aktuell auch schlechter denn je und die letzten Wochen waren einfach Stress pur.
Dennoch kann ich den Schwindel und die Fallneigung, den Fluchtreflex absolut nicht akzeptieren.


Das ist völlig okay, dass du dich einklinkst. Akzeptanz ist schon ein wichtiges Instrument, um die Ängste etc. zu verringern. Es ist aber ein Prozess, der eben auch Geduld erfordert. Du kannst lernen, Akzeptanz für dich, deine Gefühle, deine Symptome zu entwickeln.

19.08.2022 12:27 • #6


nadine3
@Icefalki das hast du einfach perfekt beschrieben! Kann ich zu 100 % unterschreiben!

19.08.2022 14:22 • x 1 #7


SaraLinton
@Icefalki ich muss jetzt den Absatz nochmal aufgreifen: wenn ich am Rad drehe weiss ich, dass ich irgendwann runter komme....

Wenn ich ein Panikattacke in folge des Schwindel habe, dann denke ich im ersten Moment immer: es ist anders...mich brauch die Rettung. Danach kommt der Gedanke: NEIN.. Du kennst das, weißt was du tun musst und es geht vorbei. Es ist so viele Male vorbei gegangen. Aber es ist immer ein Höllenritt und mit dem Wissen, dass es vorbei geht müsste ich mich doch hinsetzen können und warten. Aber das geht nicht. Ich setze mich hin und springe wieder auf.....

19.08.2022 14:58 • #8


Icefalki
Die Tendenz sollte dahin gehen, dass wir eine Panikattacke vor dem Supergau abfangen können. Meistens kündigt sie sich doch an. Es wird einem komisch. Dann weiss man doch schon, was kommt und dann ist man nur noch beschäftigt, das irgendwie durchzustehen. Anschliessend kommt dann das Deprigefühl, dass dieser Mist denn nie aufhört.

Und hat man seine Panik soweit im Griff, kommt ein anderes Symtom, das einem zeigt, hoppla, mal wieder im Stress? Mal wieder unzufrieden, mal wieder hilflos, mal wieder was zu befürchten?

Bei mir ist es so, dass ich diese negativen Gefühle nimmer ertragen möchte.
Zitat von koenig:
Akzeptanz ist schon ein wichtiges Instrument


Genau, allerdings kann man nicht immer vernünftig und angepasst reagieren, manchmal will man sich auch nimmer mit dem ganzen Mist beschäftigen.

Unterm Strich hilft nur, dass wir uns mögen lernen, uns auch wichtig nehmen, anderen mitteilen, was wir für richtig erachten. Hinstehen und Halt sagen und trotzdem unsere Macken pflegen. Ich denk immer, ok, so bin ich eben. Ich arbeite an mir, so gut es eben geht und wenn's mal wieder schief läuft, bin ich zwar verzweifelt, aber das geht auch vorbei.

Zitat von SaraLinton:

Ich setze mich hin und springe wieder auf.....
ist doch ok. Das meine ich mit so bin ich eben. Jeder darf für sich herausfinden, wie er am besten mit der Angst umgehen kann, und da ist alles ok, was einen weiter bringt.

19.08.2022 16:24 • x 1 #9


SaraLinton
@Icefalki ja, ich fühle die Attacke kommen und konnte sie die letzten Jahre auch immer abbremsen. Aktuell schaffe ich das nicht mehr. Durch das aufspringen habe ich das Gefühl, dass es noch schlimmer wird. Ich schaffe es nicht mehr durch Bauchatmung eine Bremse rein zu hauen. Und ja, das fristet.

Nebenbei was positives heute: nachdem ich den ganzen Tag voller Angst vor der Arbeit am Abend daheim verbracht habe, war ich arbeiten und hatte nur ganz zum Schluss mal zittrige Beine, wo ich mir sagte: es gibt keinen Grund....bleib ruhig. Habe es danach sogar noch in den Supermarkt geschafft

19.08.2022 17:42 • #10


Icefalki
Zitat von SaraLinton:
vor der Arbeit


So geht es ums doch allen. Wir fürchten uns vor etwas, von dem wir denken, dass .....,
und je mehr Kopfkino läuft, desto schlimmer wird alles. Kommt die gefürchtete Situation dann tatsächlich, ist alles halb so schlimm.

Und du kannst jetzt auch mal stolz sein, dass du so tapfer warst. Tapferkeit zeigt sich nämlich dann, wenn man trotz Angst ins Gefecht zieht.

19.08.2022 18:12 • x 1 #11


SaraLinton
@Icefalki ja, im Grunde weiss ich, dass die Angst davor unnötig und viel schlimmer ist. Sie ändert ja nix und es reicht wenn ich panisch werde wenn es Eintritt.
Naja, Dienstag war es halt bei der Arbeit passiert....blöde Erwartungsangst

19.08.2022 18:39 • x 1 #12



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