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Hallo zusammen,

ich wende mich an euch, weil ich mittlerweile ratlos bin und nicht mehr weiß, was stimmt und was nicht.

"Meine Geschichte": 22 Jahre alt, Angestellter Bürotätigkeit, mag meinen Job und die Kollegen, bisher glückliches Leben, nie ernsthafte (psychische) Probleme gehabt, fester Freundeskreis, solider familiärer Hintergrund.

Ich hatte im Juli eine Erkältung, die ich eigentlich gut überstanden habe. Danach habe ich schnell wieder mit meinem Fitnesstraining angefangen. Ein paar Tage darauf stellte sich bei mir eine Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Schwummrigkeitsgefühl (schwindelähnlich) ein. Ich habe es erst nicht ernst genommen, hielt es für ein Nachziehen der Erkältung. Ich habe dann auch sofort Pause gemacht, mal einen Tag Urlaub genommen und entspannt. Das Gefühl war für mich neu, in gewisser Weise bekannt (diese Erkältungsabgeschlagenheit), aber für mich nicht gleich einordbar. Ich ging zum Hausarzt um einfach mal prüfen zu lassen, ob alles passt (auch EKG wurde gemacht). Er hat nichts gefunden. Ich ging dann wieder arbeiten, musste aber dann mittendrin aufhören, weil mir extrem unangenehm wurde und ich mich einfach nur hinlegen wollte. So fing es dann an - ich ging nach Hause, ließ mich krankschreiben und beobachtete. Gut, wie man das halt so macht in der heutigen Zeit, habe ich fleißig gegoogled und kam zum Thema Herzmuskelentzündung. Ich bildete mir nicht ein, das zu haben, aber weil diese Schwäche so neu für mich war und ich den Kreislauf Erkältung=Sport=Abgeschlagenheit im Kopf hatte, ging ich zum Kardiologen um das abklären zu lassen. Er hat einen Herzultraschall gemacht und konnte nichts finden. Ich war erst beruhigt, zugegebermaßen auch verwirrt, denn ich fühlte mich nicht gesund und nicht auf der Höhe. Er hatte auch ein Antikörperblutbild gemacht auf div. Viren/Bakterien, wovon ein Virusantikörperwert auf eine akute Infektion hindeutete. Er meinte aber, dass das nicht von Belangen sei und mit meiner Symptomatik auch nicht in Einklang zu bringen ist. Mein Hausarzt ebenso: "uninteressant, wofür hat der das überhaupt getestet". Ich habe dann im Internet weiter geguckt und gesehen, dass zumindest der Blutwert nicht normal ist und ein Zusammenhang bestehen könnte. Ich war natürlich verunsichert, da die Art und Weise, wie die Ärzte den Virus ausgeschlossen haben, recht "patientenunfreundlich" war - "selbst wenn er es ist, da kann man eh nichts machen!".
Die Zeit verging und wir haben nun Ende Oktober, mit Unterbrechungen war ich immer wieder mal arbeiten, draußen, habe versucht so zu leben wie davor. Es ging, aber es war sehr unangenehm, ständig mit dieser Schwummrigkeit und Abgeschlagenheit im Rücken. Ich habe aktiv alle Situationen die für mich vorher total normal waren und NIE mit irgendetwas behaftet waren (Rausgehen, Autofahren, Arbeiten gehen, Freunde treffen) nachgestellt um genau solche Ängste auch auszuschließen. Ich gebe zu, dass ich eine gewisse Angst entwickelt habe rauszugehen, weil es einfach unangenehm ist und wenn man die ganze Zeit denkt, dass man gleich umfällt, ist das auch nicht förderlich. Mein Hausarzt und auch der Neurologe bei dem ich war attestierten nun eine "generalisierte Angststörung". Ich bin so unversichert, weil ich mir nicht erklären kann, woher das kommen soll.
Ich mache mir keine permanenten Gedanken oder Ängste um irgendetwas. OK, zugegeben, ich grübel gerne und überlege (konstruktiv), wie kann ich mein Leben verbessern. Ich mache mir grundsätzlich schon über viele Dinge Gedanken, allerdings sind es keine negativen und auch keine Gedanken über mögliche Gefahren, sie betreffen halt einfach mein Leben, meine Freunde, meinen Job, usw., da bin ich halt immer sehr "zweifelnd", grübelnd; ja, ich würde schon sagen, dass ich mich gedanklich mit vielen Sachen auseinandersetze, aber das war bisher nie eine Basis, bei der ich gesagt hätte: oh, das ist schädlich. Ich hatte auch bis zu diesem Zeitpunkt nie Probleme mit meiner Gesundheit, somatoforme Störungen kann ich mich nicht erinnern, ich bin echt sonst ein froher, gesunder Mensch, der auch vorher immer irgendwelche Befindlichkeitsstörung einteilen konnte (z. B. ich weiß, bin ich müde weil ich krank bin oder weil ich grad mal keine Lust hab, gehe ich bei der Erkältung arbeiten oder nicht, warum gehts mir jetzt gerade nicht so gut, ...), ich hatte mir da immer eine gewisse Kompetenz zugeschrieben. Jetzt mit dieser Diagnose zerbricht für mich etwas alles und ich bin auch nicht besserwisserisch veranlagt (vielleicht ein bisschen), aber ich kann mich halt in dieser Diagnose nur begrenzt wiederfinden.
Die Symptomatik ist auch ständig präsent, zu Hause natürlich etwas abgeflachter, weil ich mich da sicher fühle (aber das ist doch eigentlich normal, wenn man krank ist..?).
Ich habe jetzt ein Mittel verschrieben bekommen (Sulpirid) und werde es ab morgen nehmen und schauen, was passiert, aber ich bin nicht überzeugt.

Mich verunsichert es einfach extrem, da ich alles wieder machen möchte und ich schäme mich, dass ich auch so lange krankgeschrieben bin.

Würde mich freuen, wenn ein paar Leute berichten, die "wirklich" an dieser Störung leiden. Bei mir ist es ja wirklich nur eine Diagnose vom Hausarzt und Neurologen, während letzterer auf mich den Eindruck machte, dass er eine psychische Ursache nicht für hochwahrscheinlich hält.

Danke und viele Grüße
David

30.10.2012 21:02 • 29.09.2021 #1


21 Antworten ↓


Bei dir sind doch alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen, daher ist eine angsterkrankung als Ursachenbehebung als wahrscheinlich. Und vielen ging es wie dir, dass sie nicht wissen, warum sie es bekommen haben, da sie dachten, in ihrem leben und ihrer Vergangenheit wäre alles in Ordnung. Dem ist aber nicht der fall und wenn du dich in fachliche Hände begibst und einen Therapeuten suchst, dann findest du auch heraus warum das beider so ist und kannst an den Themen arbeiten. Ohne diese Erkenntnis das es die Psyche ist und die Diagnose stimmt, wird es keine Verbesserung deiner Symptome geben. Je schneller du einen Therapeuten findest und die Therapie beginnst um so schneller geht es dir besser. Da du noch nicht lange krank bist, hast du gute Chancen auf ein angstfreies leben, wenn du nicht alles verdrängst und angstmachende Situationen vermeidest, wie auch die Arbeit, kommst du da schnell wieder raus.

31.10.2012 00:07 • #2



Diagnose Generalisierte Angststörung - verstehe es nicht

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Ich verstehe es aber nicht. Ich hatte nie Ängste, und ich sitze nun und probiere irgendwelche Ereignisse in Einklang mit der Symptomatik zu bringen - es klappt nicht. Es gab vor dem Auftreten keine Konflikte, es gibt auch jetzt keine Konflikte, nur mittlerweile die Beunruhigung, dass es so lange dauert und ich in eine Schiene gesteckt werde, die mir zumindest mittelfristig keine Heilung verspricht. Gleichzeitig habe ich keine Lust, mit meiner einfach superallgemeinen Symptomatik bei Ärzten weiterhin eine Welle zu machen, wenn es, so die Einschätzung, dafür keine Therapie gibt außer Zeit.

Was ist denn die Lösung? Soll ich jetzt mal eben eine Gesprächstherapie machen, wo ich gar nicht weiß, was ich für Situationen oder Gedanken schildern soll? Ich würd's mitnehmen, so lernt man sich ja besser kennen, aber ob das Heilung verspricht?!

Ich lese mir die ICD-Definition durch und denke mir: hä? Ich habe mir noch nie grundlegende Gedanken um meine Existenz gemacht, ich verdiene gutes Geld, habe eine sichere Arbeitsstelle, bin anerkannt von den Kollegen und mit vielen privat befreundet, habe einen guten Freundeskreis, es gibt einfach keine Gedanken oder Sorgen, die bei mir omnipräsent sind. Ich bin super gut gelaunt, aber die physische Einschränkung lähmt mich, ich möchte so gerne alles machen. Jetzt wo es mir so "schlecht" geht sind auch alle Problemchen beiseite geschoben, habe sofort alles Unnötige eingestellt (früher gerne 1-2 B. die Woche und am Wochenende geraucht, alles eingestellt und auch keine Lust mehr drauf!), mich geschont, mache Spaziergänge, versuche alles wieder in geregelte Bahnen zu kriegen und scheitere bzw. muss mich extrem zusammenreißen. Das kann doch so nicht weiter gehen.

Es gibt auch keine Situation, die die Symptomatik verstärkt, gar nicht, es ist alles unangenehm und ich hätte gerne den Zustand von vorher.

Eine krasse Ratlosigkeit, die einen wirklich verrückt machen kann.

Zitat:
Bei dir sind doch alle körperlichen Ursachen ausgeschlossen, daher ist eine angsterkrankung als Ursachenbehebung als wahrscheinlich.


Geht so. Es gibt halt den Antikörperwert des Viruses, aber man muss halt realistisch sehen, dass es schwer ist (gerade nach dem mittlerweilen langen Verlauf), ihn damit in Verbindung zu bringen. Die Symptomatik ist halt zu allgemein, leider. Ich könnte den Krankheitsverlauf schildern, könnte so viele Eckpunkte nennen, die gegen eine psychosomatische Ursache sprechen, aber das ist für die Ärzteschaft scheinbar zweitrangig. Ich hasse es, solche Pauschalurteile zu fällen, aber wenn ich allein sehe, wie mein Hausarzt vorgeht, der rein von der Dauer der Erkrankung von einer Diagnose zur anderen hüpft.. das Vorgehen des Arztes muss doch für den Patienten verständlich und nachvollziehbar sein, aber bei ihm muss man quasi alles bezweifeln. Gerade bei mir, ich bin vielleicht alle 2-3 Jahre für eine AU wegen Erkältung bei ihm. Mal so 'ne Abwägung, ob das bei diesem Patienten wahrscheinlich ist oder nicht, nö, wird nicht gemacht. Ich will mich ja nicht als Musterbeispiel darstellen, aber wenn das auf die Psyche schlagen soll, möchte ich gar nicht wissen, wie es Leuten geht, die einen anstrengenden Job, Verpflichtungen (Familie, Kinder, Schulden) oder sonstwas haben. Die müssten der Logik nach ja durchdrehen.

Zitat:
Hmm, warum Sulpirid und nicht das neuere, nebenwirkungsärmere Amisulprid?


Das musst du meinen Neurologen fragen, ich halte wenig davon und merke auch bis jetzt keine Wirkung.

03.11.2012 20:17 • #3


Eine Ferndiagnose kann dir hier niemand geben. Wenn alle wesentlichen körperlichen Ursachen ausgeschlossen sind, spricht Vieles für eine Angststörung, auch deine Beschreibung der Symptome. Um die Gründe zu finden, ist eine Therapie sicher sinnvoller als nur Medikamente zu schlucken.
Mir fällt bei deiner Schilderung nur Folgendes auf, ohne dass ich weiß, ob das relevant ist oder nicht:

- Du wirkst sehr kopfgesteuert, "vernünftig"
- alles in deinem Leben ist "geordnet" und "sicher"

Von Emotionen ist eher weniger die Rede, auch nicht von deiner familiären Situation. Hier sind häufig die Gründe für eine Angststörung zu suchen.

03.11.2012 22:06 • #4


Wenn du dir deiner Gefühle und alten Probleme so bewusst wärest, dann hättest du keine angststörung. Die Symptome ist klassisch und auch, dass dir die Ursache nicht klar ist und du keine sehen kannst und willst. Alleine wirst du da nicht weiter kommen, du brauchst einen Therapeuten der dir hilft die Ursachen zunfinden und aufzudecken. Und dein Arzt springt in den Diagnosen, weil ihm nichts mehr einfällt, schon alles normale ausgeschlossen ist. Deine abwehrhaltung was deine angsterkrankung angeht, wird deine Symptome nur schlimmer machen. Wenn du jetzt am Anfang gleich die richtige Therapie beginnst, die gibt es gegen ängste nämlich sehr wohl und sehr erfolgreich, dann kannst du das ohne weiteres wieder los werden. Aber ein Arzt kann dir nicht helfen, nur ein Therapeut.

04.11.2012 05:34 • #5


Hallo David,

verstehe ich das richtig, Du hast zwar Symptome, aber keine Angstgefühle??

Die meisten haben starke Angstgefühle und Symptome!

Mir wurde auch gesagt, ich habe eine generalisierte Angststörung. Allerdings ist es bei mir so, ich habe starke Angstgefühle und Symptome, jedoch mache ich mir keine Sorgen. Man sagt, die general. Angststörung wäre die ZUKUNFTSANGST- und da finde ich mich auch nicht wieder.

Ich habe in einem Angstbuch mal gelesen, dass Menschen mit einer gen. Angststörung oft nicht wissen, dass sie eine Angststörung haben, da sie eben "nur" Symptome haben. Das scheint wie bei Dir zu sein.

Mach eine Therapie.
Ich persönlich würde erst mal damit beginnen und nicht mit irgendwelchen Medis.

Viel Glück

04.11.2012 12:32 • #6


Zitat von afuman:
Mir fällt bei deiner Schilderung nur Folgendes auf, ohne dass ich weiß, ob das relevant ist oder nicht:

- Du wirkst sehr kopfgesteuert, "vernünftig"


Ui, das hast du gut erkannt. Das weiß ich, und ich probiere mich nach und nach etwas davon zu lösen. Ich weiß, dass ich etwas eigenbrötlerisch bin (obwohl man mir das im Gespräch wahrscheinlich nicht schnell anmerkt, da ich mich gut anpassen kann), bin aber seit den letzten 1-2 Jahren dabei, hier mehr aus mir herauszugehen und auch das Leben zu genießen. Das ist ein bewusster Prozess, der bei mir vielleicht ein wenig zeitversetzt beginnt, dabei verrate ich mich aber nicht selbst, sondern merke einfach, was mir an neuen Dingen Spaß macht.
Ich merke aber, dass es mir im Alltag schon Vorteile bringt, eine andere, vielleicht vorausschauende, vielleicht abgeklärtere Sicht auf die Dinge zu haben. Ich halte das keineswegs für optimal, die genau gegenteilige Seite möchte ich auch gerne kennenlernen und mir so das beste aus zwei Welten zusammenführen. Flexibel sein und keinem Muster folgen.

Zitat von afuman:
- alles in deinem Leben ist "geordnet" und "sicher"


Ja, ich musste diese Keule mal auspacken, weil es erinnerlich keine Situationen gab, die mich als Kind oder Jugendlichen negativ geprägt oder beeinflusst hätten. Ich habe ein sehr stabiles Umfeld und würde, selbst wenn ich "alles" verlieren würde, in gewisser Weise leicht landen.

Zitat von afuman:
Von Emotionen ist eher weniger die Rede, auch nicht von deiner familiären Situation. Hier sind häufig die Gründe für eine Angststörung zu suchen.


Wenn du meine familäre Situation meinst (Eltern), kann ich überhaupt nicht klagen, beide gingen und gehen sehr gut mit mir um, ich kann mich auf sie verlassen und sie sind immer auf meiner Seite. Das stand noch nie in Frage. Partnerschaftlich (wenn du insbesondere das mit Emotionen meinst) ist es bei mir aktuell still, die letzte Beziehung ist länger her. Das ist aber auch dem geschuldet, dass ich relativ schnell im Berufsleben stand und mir so schlichtweg der lockere Kontakt zu gleichaltrigen Mädchen fehlte - dazu kommt noch eine mit Sicherheit bestehende leichte Schüchternheit und das Problem, dass ich selten Menschen (Frauen) treffe, die mir so krass sympathisch sind und weiterhin sympathisch bleiben, dass eine Beziehung für mich in Frage kommt. Ich verliebe mich einfach nicht schnell; muss die Person kennen, beobachten. Ist das abnormal? Ich finde nicht und mich hat das auch nie krass beschäftigt, in meine momentante Lebenssituation würde auch eine Beziehung nicht 100%ig hereinpassen, weil ich viel mit mir selbst, meinen Freunden und meinem Job beschäftigt bin. Ich fühle mich selbst noch nicht reif genug, herauszugehen, mich zu präsentieren und zu sagen: hier bin ich, das bin ich, rennt mir die Türen ein! Das wird sich aber alles einrenken. Ich habe deshalb keine Angst. Es stört mich auch nicht, da so gerne ich mich mit Leuten umgebe, umso gerner bin ich auch wieder allein und mache einfach das, worauf ich Lust habe.

Zitat:
Deine abwehrhaltung was deine angsterkrankung angeht, wird deine Symptome nur schlimmer machen.


Hm, warum interpretierst du das als Abwehrhaltung? Mir ging es vor Beginn der Symptomatik so gut wie lange nicht mehr. Da ging's mir früher schon mal "schlechter", heute kenn ich mich besser und kann Sachen besser einordnen.
Aber ich muss doch, auch dass eine Therapie überhaupt funktioniert, mir sagen können: ok, es gibt diese und jene Konflikte, die kann ich selbst nicht lösen und brauche Hilfe. Das kann ich aber besten Gewissens so nicht sagen. Ich habe auch momentan gar keine Wünsche (außer gesund zu werden!), die mir erfüllt werden könnten; keine Last, die ich gerne von mir wegstoßen würde.

Zitat:
verstehe ich das richtig, Du hast zwar Symptome, aber keine Angstgefühle??


Richtig. Ich habe keine Ängste oder Angstgefühle. Es ist nur mittlerweile eine große Verunsicherung, dass es so lange dauert, dass mir vorallem nicht erklärt wird, warum und wie sich solche Ängste körperlich manifestieren sollen. Ich könnte eine Therapie machen und die Symptome würden weggehen - mögliche Koinzidenz mit der Auflösung der Krankheit? Wie schnell soll denn die Therapie anschlagen - wenn es stimmt, muss das ja ein größerer Themenkomplex sein, der bewältigt werden muss, wenn er sich so auswirkt.

Versteht mich nicht falsch. Ich verwehre mich nichts. Aber wenn es mir früher mental schlecht ging, war ich schlecht gelaunt und traurig, das ging nach wenigen Tagen vorüber. Jetzt ist es genau gegenteilig - ich bin gut drauf und wünsche mir Genesung. Ich sehe mich auch nicht als den typischen Kandidaten, der ganz klar und zwingend so eine Störung entwickelt, gerade weil ich noch so jung bin und von Schicksalsschlägen verschont wurde.

04.11.2012 15:49 • #7


Zitat von davidh:
Ich weiß, dass ich etwas eigenbrötlerisch bin (obwohl man mir das im Gespräch wahrscheinlich nicht schnell anmerkt, da ich mich gut anpassen kann), bin aber seit den letzten 1-2 Jahren dabei, hier mehr aus mir herauszugehen und auch das Leben zu genießen. Das ist ein bewusster Prozess, der bei mir vielleicht ein wenig zeitversetzt beginnt, dabei verrate ich mich aber nicht selbst, sondern merke einfach, was mir an neuen Dingen Spaß macht


Das könnte ein Ansatzpunkt sein. Du verändert etwas an deinem Leben, wirst extrovertierter, vielleicht auch emotionaler. Man könnte auch sagen "erwachsener". Und an dem Punkt setzt Angst ein, weil es etwas Ungewohntes ist, von dem du nicht weiß, wo es genau hinführen wird. Die alten "Sicherheiten" gelten vielleicht nicht mehr so viel.

Ansonsten sehe ich keine Abwehrreaktionen gegenüber einer solchen Angstdiagnose bei dir. Du bist einfach verunsichert, und das ist normal. Ich würde den Versuch mit einer Therapie wagen, verlieren kannst du nichts und die Kasse zahlt es.

04.11.2012 17:29 • #8


Erster Gedanke beim Lesen Deines Beitrages: "Himmel hilf!, was für eine Ärztefaulheit!" Denn:

Als jahrelang Betroffene einer GAS (generalisierte Angststörung), kann ich Dir nahezu versichern: Es ist unwahrscheinlich, dass du eine GAS hast. Weniger unwahrscheinlich ist, dass Du bald eine GAS entwickeln könntest, wenn Du Dich weiterhin "verunsichern" lässt und "hypochondrische Wege" gehst! Folgendes:

1. Ich bin zwar keine Ärztin, aber dass ein "erhöhter Entzündungswert" bei Dir festgestellt wurde, aber ansonsten "alles in Ordnung ist", weist für mich auf RHEUMA (oder Fibromyalgie: chronische Faster-Muskelschmerzerkrankung) hin! Und eben diese Erkrankung(en) KANN/KÖNNEN durchaus Erschöpfungszustände hervorrufen, die selbstverständlich bleiben, sofern keine Therapien eingeleitet werden! Völlig klar! Wenn Du Rheuma hast, war die Erkältung sozusagen "nur" eine Art "Ausbruchshelfer" des Rheumas - und zwar einer der typischsten die es gibt. Die Überweisung zum Rheumatologen hätte für Deine Ärzte die erste Idee sein müssen - meiner Ansicht nach jedenfalls.

2. Eine GAS kann ausschließlich nur durch einen "psychologischen Psychotherapeuten" ERMITTELT werden (nicht diagnostiziert, denn dieser Begriff gilt ausschließlich für organische Untersuchungen!). Diese Ermittlung geschieht über einen Test, der entsprechend Deiner Antworten nach spezifischen Werten ausgewertet wird! Desweiteren sind dann auch Deine Schilderungen bedeutend, die den Einfluss Deines Befindens und Denkens auf Deinen Alltag schildern. Kurzum: Dein Hausarzt als auch Dein Neurologe haben NICHT die fachliche KOMPETENZ, DIESE "Angsterkrankung" zu "diagnostizieren".

Hab also Obacht und gehe zunächst zum Rheumatologen. Du kannst Dich in jedem Fall "gedanklich fangen" (wieder einkriegen), wenn Du ab sofort damit aufhörst, Dir von faulen und inkompetenten Ärzten am Selbstwertgefühl knabbern zu lassen.

02.12.2012 08:15 • #9


... dass mir vorallem nicht erklärt wird, warum und wie sich solche Ängste körperlich manifestieren sollen.

_____________


Abgesehen davon, dass Du meiner Ansicht nach keine GAS hast, kann ich Dir als Betroffene derselben vielleicht erklären, wie sich die GAS körperlich äußert. Ist womöglich einfach interessant, wenn auch nicht wichtig für Dich bzw. in Deinem Fall.

Ängste lösen (wie jede innerliche Regung) "Botenstoffe" aus - bspw. Adrenalin. Adrenalin widerum wirkt natürlich organisch. Wo manche eine Art "Push" erleben (=Highgefühl, positiven Stress, usw. - bspw. beim Bungeejumping o.ä.), sind andere im Gegensatz "panisch", unruhig, nervös, zittrig. Einige kriegen Durchfall, ihr Magen säuert über - letzteres hat dann wieder Auswirkungen auf das körperliche Befinden (Magenschmerzen, Sodbrennen, kann bei Dauerhaftigkeit bis zur Magenschleimhautentzündung gehen, Kopfschmerzen, Depressionen...). Schutzmechanismen äußern sich natürlich auch - so z.B. ziehen sich die Muskeln zusammen bei neg. Angst (denn der Körper "erwartet" ja eine anstehende Anstrengung zur Gefahrenabwehr - nichts anderes singnalisiert ja das Adrenalin: BEREITSCHAFT), was dann bei Dauerzustand und je nach Häufigkeit eben zu Verspannungen führt... Usw., usw., usw., die Liste der körperlichen, vegetativen Auswirkungen der Angst ist lang...

Wenn Du noch nie tatsächliche Angst hattest, also das Gefühl, dass Du Dich in einer Gefahrensituation befindest oder gleichermaßen einer akuten Hilflosigkeit ausgesetzt bist und also am kommenden Geschehen absolut nichts ändern kannst, ist es natürlich schwer nachvollziehbar, was Angst wirklich bedeutet und wie sehr sie das eigene Leben beeinträchtigt - vor allem auch organisch.

Statt das aber verstehen zu wollen, sei lieber froh, dass Du diese Ängste nicht kennst! Du solltest sie Dir besser nicht einreden und ich finde es sehr gut, dass Du Dir Deiner glücklichen Situation in Sachen Familie, Arbeit und sozialem Umfeld bewusst bleibst!

02.12.2012 08:53 • #10


Danke für deinen Beitrag!

Tja, das ist leider ein Problem bei der Ärzteschaft. Ich glaube, ich war das letzte Mal "so richtig" vor 10 Jahren beim Arzt, bin sonst kein Dauergast in Praxen und höchstens für ein Attest mal da. Ich hatte mich immer als recht gesundheitsbewusst eingeschätzt. Ich lebe auch jetzt mit einer positiven Einstellung, dass es nichts schlimmes ist, dass es mich zwar einschränkt, aber man halt auch nicht wirklich etwas tun kann.

Das tolle Problem an meiner Symptomatik ist die Nichtspezifischkeit. Dazu gibt es noch Blutbilder, die grundsätzlich normal sind und einen akuten Virusantikörperwert, der aber von den Ärzten bisher eher stiefmütterlich behandelt wurde ("naja, das kann schon sein, aber da können wir Ihnen eh nicht helfen!") = tolle Anleitung für eine Genesung. Natürlich ist man als Patient verunsichert; erhält Diagnosen, die nicht passen. Auch die Kausalität zwischen Erkältung = Sport = Symptomatik scheint nebensächlich zu sein - der Zeitraum war gerade mal 10 Tage! Psychische Ursachen sind wahrscheinlich, obwohl nichts war. Ich würde es auch offen sagen, finde Verhaltenstherapien o. ä. sowieso sehr interessant, würde ich gerne mal machen. Alle jetzt entstandenen "Probleme" (lange krank, wenig mit Freunden am machen, Gewichtszunahme weil ich nicht mehr Sport mache) sind ursächlich durch diese Erkrankung!

Von weiteren Arztvorstellungen verspreche ich mir ehrlich gesagt wenig. Beim Rheumatologen war ich tatsächlich, er konnte eine rheumatische Erkrankung ausschließen, hatte soweit auch keine Diagnose (gleiche Aussage bei Hinweis auf Antikörperwert/vorangegangene Erkältung, "nee, "normal", "selbst wenn...!") für mich.

Zitat:
Wenn Du noch nie tatsächliche Angst hattest, also das Gefühl, dass Du Dich in einer Gefahrensituation befindest oder gleichermaßen einer akuten Hilflosigkeit ausgesetzt bist und also am kommenden Geschehen absolut nichts ändern kannst, ist es natürlich schwer nachvollziehbar, was Angst wirklich bedeutet und wie sehr sie das eigene Leben beeinträchtigt - vor allem auch organisch.


Ich kann es mir ansatzweise schon vorstellen. Ich wache morgens auf, gut durchgeschlafen und was Nettes geträumt, allerdings gerädert, physisch nicht fit, ohne Ängste (eher Unsicherheit), einfach nur die Hoffnung, den Arbeitstag gut zu überstehen und dass dieser Mist weg geht.

Was ich jetzt mache? Abwarten. Wenn's der Virus ist oder war (postinfektiöser Zustand), kann man eh nichts machen. Schade, dass kein Arzt mich dabei begleitet, das würde mich natürlich auch stärken - so ist alles bei mir ein persönliches Abwägen, Notlaufprogramm, das Wichtigste erledigen. Aber leider funktioniert unsere Medizin nicht so, für mich ist es nicht transparent genug, ich will verstehen, wie man zu einer Diagnose kommt, warum das eine wahrscheinlich und das andere nicht ist. Stattdessen sagen alle: "was der gemacht hat, weiß ich nicht. Ich finde nichts. Wahrscheinlich psychisch!" Dieser Rundumblick fehlt...

02.12.2012 11:48 • #11


Und was ist mit der Fibromyalgie? Auch ihr "Ausbruchshelfer" ist oft eine Viruserkrankung (Erkältung) und ihre häufigsten ersten Symptome sind Erschöpfung, Müdigkeit, späterhin Schlafstörungen und am Ende eben auch die typischen Schmerzen. Stimmungsschwankungen usw. sind da vorprogrammiert.

Ansonsten fiele mir noch das Pfeiferische Drüsenfieber ein.

Aber gut, ich will die "Hypochondrische Ader" nicht stärken, sondern will eigentlich nur sagen, dass ganz sicher noch nicht alle organischen Erkrankungen ausgeschlossen sind.

In meiner Verwandschaft ist jemand, dessen Erkältungsvirus sich in die Knochen gesetzt hat bzw. auf alles, was sich halt so entzünden kann. Antibiose ist bei Viren nutzlus, aber es gäbe eben doch Therapien.

Ganz nebenbei: Verunsicherung ist lediglich eine Vorstufe der Angst. Wo die Verunsicherung einen liesen Pieps macht, gibt die Angst einen großen Knall von sich.

Und wenn Du selbst sagst, "kopflastig" zu sein, wäre ein Psychoanalytiker womöglich besser für Dich als ein Therapeut.

03.12.2012 18:00 • #12


Britschi
Lieber David,
was mir auffällt, ist der VirusANTIKÖRPERbefnd. Wenn sich bereits Antikörper gebildet haben, ist eine Erkrankung nicht mehr akut, sie weisen lediglich darauf hin, dass eine Erkrankung stattgefunden hat. Mich würde interessieren, um welchen Antikörper es sich handelt. Es gibt nämlich Viruserkrankungen, die chronisch in Schüben verlaufen, z.B. Borreliose oder auch das schon genannte Pfeiffersche Drüsenfieber. - Von der psychischen Seite finde ich bei Dir auffallend, dass Du sehr perfektionistisch zu sein scheinst. Das ist auf die Dauer sehr anstrengend und kann zu körperlichen wie seelischen "Erschöpfungszuständen" führen. Man muss ja ständig die hochgesteckten Ziele erreichen. Ansonsten hoffe ich, dass es Dir bald wieder gut geht oder dass Du wenigstens die Ursache Deiner Missempfindungen bald herausfindest (möglichst nicht mit diesem perfektionistischen Anspruch).
Liebe Grüße,
Brigitte

18.01.2013 00:52 • #13


Seal79
Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen das solche Symptome die du schilderst eindeutig auf eine Angststörung / Panikstörung hinweisen auch wenn es für einen selbst zunächst überhaupt nicht nachvollziehbar ist wieso einen das trifft !
Man ist in seinem Leben glücklich, hat liebe Menschen um einen rum. Man ist sich darüber bewusst das es einem im Gegensatz zu anderen sehr gut geht ... man hat Arbeit die man gerne macht und überhaupt ist drum herum alles augenscheinlich so perfekt das man sich nur schwer damit abfinden kann das man sowas haben soll... man hinterfragt und hinterfragt aber findet keinen konkreten Auslöser und vor allem wird man im Kopf gefühlt irre weil man es in der derzeitigen Situation für völlig unmöglich hält sowas Zu haben weil ja alles eigentlich schön ist ... also grenzt man die derzeitige Lage in seinem Leben schon mal als Auslöser aus... dann kommt die Phase das man sich aufs körperliche Empfinden zu reinsteigert das man als Ursachen alle möglichen Symptome wie Herzrasen, Schwindel, Übelkeit , Unruhe etc. Immer versucht in Verbindung zu einer Erkrankung zu suchen damit man endlich eine Erklärung hat weil man unbedingt will das der ganze Mist endlich aufhört ...
alle körperlichen organischen Ursachen abzuklären erfordern zig Gänge zu Ärzten und es raubt einem jegliche Kraft weil jeder Arzt sagt organisch alles gesund sie sind gesund !

Und dann ?
Ist man mit seinen Symptomen trotzdem immer noch da wo man vorher war nur mit noch mehr Frust und Traurigkeit als vorher .
Also wird man gefragt habe sie eine Idee woher es kommen könnte ? Man verneint rigoros das man es nicht wisse ... ( oft weiß man es zu dem Zeitpunkt übrigens wirklich nicht ) weil man sich gegen wehrt und das verschlimmerte bei mir die Symptome ungemein. Ich habe gedacht ich werde echt irre im Kopf und war einfach Tag für Tag seltsamer drauf weil der Mist nicht aufhört ... Ratschläge wie Treib Sport usw. nimmt man an aber die Umsetzung scheitert vorerst weil man fest daran glaubt das organisch was übersehen wurde und nicht mitten im Wald beim joggen umkippen will...also geht man in schonhaltung und es wird alles immer schlimmer.. man ist der festen Überzeugung das man froh ist nicht Sport betrieben Zu haben weil es einem ja schon im Ruhezustand mies geht und sich nicht ausmalen will wie es einem gehen würde unter Belastung ...

Lange Rede kurzer Sinn: das ist so ein kleiner Auszug meines Werdeganges in Angst und Panik.
Und ich kann dir sagen das irgedwo in deinem Leben etwas ist was aufgearbeitet werden muss weil genau das der Auslöser ist.... und das können leider Dinge sein die weit weit weg liegen wo man selbst nicht dran glaubt das es einen nach sonlanger Zeit einholen könnte ...

Vertrau den Ärzten und vor allem sei geduldig mit dir selbst und habe keine Angst dich mit allem zu konfrontieren was der Auslöser sein könnte ...
ich habe oft über alles und nichts nachgedacht und bei ein/ zwei Themen schossen mir unaufhörlich Tränen in die Augen die mir gleichzeitig signalisiert haben das da das Problem zu sein scheint ... sonst würde es mich emotional nicht so weghauen ... jahrelange Verdrängung geht nicht für immer ... das wurde mir bis heute gelehrt und auch ich habe noch so einiges an Abarbeitung vor mir ...

Liebe Grüße und Kopf hoch.. wir schaffen das ...

17.04.2021 06:20 • #14


Seal79
Und jetzt sehe ich gerade das der Thread von 2013 ist und mir wurde er als neues Thema angezeigt
Herzlichen Glückwunsch und guten Morgen
Egal... vielleicht kann jemand anderes aus meinem geschriebenen was positives ziehen ... schönes Wochenende allen

17.04.2021 06:28 • #15


29.09.2021 15:44 • #16


Hallo und willkommen, ich selber hatte eine Panikstörung, aber hier gibt es viele, die eine generalisierte Angststörung haben.
Eine Verhaltenstherapie ist der wichtigste Baustein. Zur Not kann man auch Medikamente nehmen, aber das wäre erst angezeigt, wenn die VT nicht so anschlägt wie gewünscht und der Leidensdruck sehr hoch ist.

29.09.2021 16:05 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Orangia
Wer sich damit auskennt ? Deine Therapeutin
Lass es einfach auf dich zukommen.
Wie lange hast du denn schon die Angstproblematik ?
Schon länger, oder das ist das erst jetzt neu ?

29.09.2021 16:21 • #18


Hallo und danke für die Nachricht.. Ich bin bekomme auch Medis sonst würde ich es gar nicht aushalten..

29.09.2021 16:22 • #19


Hallo ich habe den Kram jetzt seit Februar daher meinte meine Therapeutin das es noch gut behandelt werden kann..

29.09.2021 16:24 • #20



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