Hallo Glückskind,
zunächst einmal tut es mir sehr leid, dass Du noch immer so sehr unter dem Mobbing leidest!
Ich finde es sehr gut, dass Du Dich jetzt wieder in eine Klinik traust und eine Reha machst

!
Ich gehe jetzt mal davon aus, dass es eine psychosomatische Reha wird, oder gehst Du in eine andere Form der Reha?
Ich befinde mich in einer ähnlichen Lage wie Du, ich werde auch demnächst einen Klinikaufenthalt antreten und habe auch etwas Angst vor den Mitpatienten. Ich bin sehr ängstlich und zurückhaltend, lebe auch sehr zurückgezogen mit so gut wie keinen Sozialkontakten, habe, neben vielen anderen Diagnosen, eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, die mir die Interaktion mit Menschen sehr erschwert. Es ist nicht mein erster Aufenthalt, darum kann ich zumindest etwas auf meine Erfahrungen zurückgreifen, aber trotzdem habe ich jedes Mal wieder ziemliche Angst.
Zitat von Glückskind3: zwischen durch war ich auch in Kliniken
Waren das auch psychosomatische Kliniken, Psychiatrien oder andere Krankenhäuser?
Und wie lange warst Du jeweils dort?
Sollte es sich um psychosomatische Kliniken o.ä. gehandelt haben, wirst Du ja schon Erfahrungen gemacht haben, wie es ist, auf Station zu sein und Umgang mit Mitpatienten zu haben. Wie sind diese Aufenthalte denn gelaufen?
Natürlich ist jeder Aufenthalt/ jede Klinik/ jede Station anders, ich kann Dir erstmal nur von meinen Erfahrungen berichten:
In jedem psychischen/ psychosomatischen Krankenhaus-Setting ist man ja sehr viel von Menschen umgeben, die auch schwierige Erfahrungen mit Mitmenschen gemacht haben. Also ganz grundsätzlich habe ich den Umgang der Patienten untereinander eher als sehr verständnisvoll und rücksichtsvoll erlebt. Es gibt ja auf vielen Stationen auch Regeln, die den sozialen Umgang untereinander regeln und ein Verstoß gegen diese führt ja auch nicht selten zum Rauswurf, dadurch habe ich es schon hauptsächlich so erlebt, dass auch "schwierigere" und "angriffslustigere" Patienten sich daher sehr zurückgehalten haben.
Es hängt natürlich auch so ein bisschen von der Station ab, auf der man ist, und sicher ist auf einer reinen Depressions-Station weniger Stress zwischen den Patienten als auf Stationen für Persönlichkeitsstörungen.
Ich sehe es als Training. Wenn sich etwas bessern soll, muss man sich den Situationen aussetzen, die einem Angst machen. Angst hat die Tendenz, sich auszudehnen und sich jeden Raum zu nehmen, den man ihr zugesteht, bis man irgendwann nur noch in einem Zimmer leben kann. Darum muss man sich diese Räume zurückerobern, wenn man an seinem Leben etwas verändern möchte.
Ich mache es also, obwohl ich Angst habe. Ich habe in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass es zwar unglaublich anstrengend ist, für eine gewisse Zeit unter so vielen Menschen zu sein, aber ich habe auch erlebt, dass man sich zu einem kleinen Teil daran gewöhnt und es sich aushalten lässt. Es hängt alles von der "Dosierung" der Sozialkontakte dort ab.
Als Beispiel:
Ich achte auf mich und versuche, meine Grenzen zu schützen. Ich setze mich während des Therapie-Tags ja schon in den Therapien sehr viel mit Mitpatienten auseinander, das sind die Herausforderungen, die ich an mich stelle, da es ja auch ein sehr kontrolliertes Umfeld ist, Therapeuten sind anwesend, um Eskalationen zu verhindern.
Dafür "gönne" ich es mir aber auch, mich nach dem Therapie-Tag zurückzuziehen und für mich zu bleiben. Auch am Wochenende. Die Abende und die Wochenenden brauche ich für mich alleine, um meine Batterien wieder aufzuladen.
Und da widersetze ich mich auch dem sozialen Druck, an irgendwelchen Sachen teilnehmen zu müssen. Ich sage inzwischen "Nein" zu irgendwelchen Spieleabenden oder Ausflügen, ich fühle auch nicht mehr ganz so doll wie früher den Zwang, mich im Aufenthaltsraum dazusetzen zu müssen, nur weil da ein paar Mitpatienten sitzen. Und wenn die das doof finden, dann finden die das doof, das ist dann aber deren Problem und nicht meins.
In den ersten Aufenthalten habe ich diese Grenze nicht gezogen und war dann sehr schnell so erschöpft, dass ich kaum noch in der Lage war, an den Therapien teilzunehmen.
Inzwischen versuche ich, selber zu bestimmen, wann ich mit jemandem etwas machen möchte und wann nicht.
Natürlich hängst es von der Patientengruppe ab, die gerade vor Ort ist, und es wird bestimmt immer jemanden geben, der einen Kommentar darüber ablässt, aber damit kann ich inzwischen umgehen. Ich sage mir dann, dass ich nicht mehr in der 8. Klasse bin und ich keinem Gruppenzwang mehr nachgeben muss.
Das war zuerst schwierig, da ich jetzt auch nicht so sonderlich gut darin bin, Grenzen zu setzen, aber in diesem kontrollierten Umfeld konnte ich es stückweise lernen. Da ist noch viel "Luft nach oben", aber es ist schon besser geworden.
Und auf diese Art der vorsichtigen Dosierung der Sozialkontakte und des Trainings meines Grenzen-Setzens konnte ich es in den letzten Aufenthalten ganz gut schaffen, mich irgendwie zurechtzufinden.
Natürlich habe ich auch dieses mal wieder Angst, auf eine schwierige Patienten-Gruppe zu treffen, aber ich arbeite bei solchen Dingen inzwischen verstärkt mit Gedanken-Stopps, ich erlaube es mir also nicht mehr, diese Ängste zu groß werden zu lassen. Denn wir haben tatsächlich einen Einfluss darauf, und auch das kann man trainieren.
Ich sage mir, dass ich abwarte und auf mich zukommen lasse, wer dort ist, denn ich kann es eh nicht beeinflussen.
Und was irgendwelche möglichen Probleme angeht, sage ich mir auch, dass ich diese angehe, wenn sie auftauchen, ganz nach dem englischen Sprichwort:
We'll cross that bridge when we come to it.
Ganz grundsätzlich sind, denke ich, sind ein paar Dinge besonders wichtig:Sich vor Augen zu halten, dass unter den Patienten auf Station sehr viele Menschen sind, die schlimme Gewalterfahrungen gemacht haben und die alle selber davor Angst haben, neue schlechte Erfahrungen mit Menschen zu machen.
Es ist ein kontrolliertes Umfeld, in dem man sich ausprobieren und Kontakt zu Menschen unter kontrollierten Bedingungen trainieren kann.
Wenn man die Angst verkleinern möchte, muss man sich ihr entgegenstellen und sich wieder Raum von ihr zurückerobern.
Oftmals hat die Angst ja sogar "gute Absichten", sie möchte uns beschützen, aber sie erweist uns einen Bärendienst und sperrt uns ein und nimmt uns Lebensraum. Dieser Zustand lässt sich umkehren und korrigieren, aber dafür muss man sich der Angst aktiv entgegenstellen, dafür müssen wir aus unserem Schatten der Vergangenheit heraustreten.
Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg für Deine Reha!
LG Silver