Mir fällt es sehr sehr schwer darüber zu schreiben, aber ich versuche es mal. Ich würde mich freuen wenn der ein oder andere antwortet, nicht verurteilt, lacht oder sonst was.......
Zu mir: Ich bin 33 Jahre alt, verheiratet
Zwänge und Ängste habe ich offenbar schon mein Leben lang. Kleine Zwänge früher als Kind (Kopfschütteln, Zähne klappern, bestimmte Dinge x mal wiederholen usw.)
Diese gingen aber restlos weg. Ich hatte viel zu tun mit Mobbing in der Schule, Essstörung, usw.
Seit ich meinen Partner habe wurde alles immer besser. Ich dachte nie, dass es mir so gut gehen würde.
Dann kam ein Schicksalsschlag (so nenne ich ihn mal) oder etwas das im Leben nicht so lief wie es laufen soll. Ich rutschte in eine Krise.
Aber war trotzdem noch ok. Die Ängste und Zwänge nahmen aber zu..... Ist der Herd aus, sind die Türen geschlossen? Sind noch alle Karten in meinem Portemonnaie?
Dann Ängste aus der Vergangenheit: War ich immer treu? (Ich war es, aber ich hinterfragte einzelne Tage und drehte durch wenn ich sie nicht rekonstruieren konnte), ich hatte das Verlangen meinem Partner alles schlechte aus der Vergangenheit zu erzählen (um mich schlecht zu machen?)..... Nachdem wir alles durch hatten und ich ihm alles erzählte und mich so selber beruhigte dachte ich das es nun gut ist. Aber dann kamen weitere Ängste. Krankheiten, dass ich mich mit etwas infiziere und es nicht merke, versuche Situationen/Tage zu rekonstruieren um ganz sicher zu sein dass auch wirklich nichts passiert ist... Es hat mein Leben stark beeinträchtigt. trotzdem mit der Hilfe meines Mannes habe ich auch das einigermaßen im Griff.
Dinge wie alleine in die Stadt gehen sind für mich trotzdem schwer, fühle mich beobachtet, ausgelacht, schauen mich die Leute an? Lachen sie über mich? Auto fahren? Ich bin noch nie im Leben ohne Beifahrer gefahren, ich habe Angst was falsch zu machen. Ich schäme mich.

Meinen Job kann ich ganz normal ausüben, komischerweise merkt mir keiner meine Schwächen an und trete selbstbewusst auf. Seltsamerweise nur DA. Aber auch da kommen langsam Ängste... Habe ich allers richtig gemacht usw....
Sonst ging es mir aber gut. Dann kam der Tag.... Ich musste am Darm operiert werden wegen einer chronischen Entzündung. Ich war sehr aufgeregt. Auch schusselig, dümmlich an dem Tag. Ich hatte Angst. Ales lief wunderbar. Ich wachte auf, es ing mir blendend und konnte paar Tage später nach Hause. Dann fing es an, Kopfkino: Wie bin ich in mein Zimmer gekommen nach der OP? Ich habe keinerlei Erinnerung. Was wenn ich peinliche Sachen gesagt habe? Mein Leben offenbart? ... Ich versuchte alles zu rekonstruieren, alle Gespräche mit allen Menschen an dem Tag aber es klappte nicht. Ich stellte mich immer schlechter dar, wurde traurig und wütend warum ich mich so benommen habe. Warum ich nicht stark war. Jetzt denken alle schlecht von mir. Sie haben bestimmt alle gelästert. Psychisch labile Frau. Ich steigerte mich Tag für Tag mehr in diese Situation, begann zu weinen und das hört bis heute nicht auf. (Es ist 2 Wochen her).
Immer wieder breche ich in Tränen aus und schäme mich für mein Verhalten, dass ich so ängstlich war und so schusselig. Denke an die Menschen die mich betreut haben was die von mir denken. Auch wenn es ihr Job ist, ich habe mich so extrem reingesteigert. Ich habe keinen gefragt was ich evt. gesagt haben könnte, zu groß die Angst. So oder so ist die Frage ob ich es glauben würde was sie mir sagen oder ob sie mich anlügen würden, - oder ob ich Angst habe dass sie mir erzählen was ich wirklich gesagt habe. Meine Familie weiß nichts, die haben mich erst im Krankenzimmer gesehen. Die brauch ich nicht fragen. Das mein Verhalten unnormal ist und mit Kontrollverlust zu tun hat ist mir klar. Ich weiß nur nicht wie ich aus diesem Teufelskreis herauskomme. Warum lege ich so viel Wert auf die Meinung anderer? Warum denke ich so schlecht von mir selber? Ich kann nichts mehr machen. Ich habe keine Freude für Dinge die mir früher Spaß gemacht haben. Ich vernachlässige meinen Mann. Alles dreht sich nur um den einen Tag (in meinem Kopf). Es ist krank. Ständig rekonstruiere ich den Tag. Es macht mich verrückt. Ich habe so eine starke Scham. Ich würde so gerne die Zeit zurückdrehen und das ganze nochmal machen und bewusster und ruhiger drangehen. Geht natürlich nicht. Und auf der einen Seite bin ich ja froh dass es vorbei ist. Momentan bin ich an einem Punkt wo ich mich frage: Hört das wieder auf? Mein Kopf tut weh meine Augen sind geschwollen, ich will endlich normal sein. Vielleicht hat jemand von euch auch diese Art von Zwängen und hat ein paar Tipps oder kann mir Denkanstöße geben? ich weiß, dass dauerhaft sicherlich eine Therapie für mich gut wäre. Das ist mir bewusst. Sicher wird das aber nicht von heute auf morgen passieren....