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Hallo zusammen,

ich werde demnächst meinen Hausarzt aufsuchen zwecks Checkup und ggf. Empfehlung bzw. Besuch eines Psychotherapeuten im Anschluss.

Seit einigen Wochen werde ich immer wieder traurig, wenn meine Gedanken schweifen lasse. Dabei dreht sich alles um den Job. Ständig geht mir durch den Kopf was (meinetwegen) nicht ganz gut läuft oder schief laufen wird. Dies könnte im Betrieb indirekt finanzielle Abstriche bedeuten (nicht einfach zu erklären).

Zur Vorgeschichte: Nach sehr gutem Ausbildungsabschluss bin ich seit wenigen Monaten (!) (24) vollzeit-weiterbeschäftigt im Betrieb, zusätzlich mache ich freiwillig eine Abendschule, die mir bis dato grundsätzlich keine Probleme bereitet. Ich habe zu spät realisiert, was man schultern muss bzw. dass ich bei gewissen Sachen nicht über die notwendigen Hintergrundinformationen (Ablauf) und soft/social skills und Durchsetzungsvermögen verfüge. (Die Einarbeitung würde ich als suboptimal bezeichnen, sicher trage ich auch durch meine ruhige Art eine Teilschuld.)

Das wird mir immer wieder bewusst, weswegen ich mich innerlich schäme und wertlos fühle. Durch diese "Schwäche" bin ich bei diesen mir unangenehmen Aufgaben auch demotiviert, und schiebe/ignoriere diese gerne bewusst, das hat auch eine entsprechende Fehlerquote zur Folge.
Ich versuche stellenweise nur durch den Tag zu kommen ohne an die langfristigen Arbeiten zu denken, was natürlich falsch ist und nicht viel bringt.

Es hilft sicherlich auch nicht, dass ich grundsätzlich ein ruhiger Typ bin und mich in Kollegengesprächen meist nur auf das nötigste beschränke. Dies ist jedoch im Arbeitsalltag wichtige Grundvoraussetzung.
Der Tip "Stell Fragen, wenn du etwas nicht weißt..." hilft mir auch nicht so ganz weiter, da es mir peinlich wäre bzw. ich mit der Antwort möglicherweise auch nicht viel weiter käme.

Mir tut es auch leid, dass zum Teil meinen Kollegen indirekt und meinen "Kunden" dadurch Nachteile entstehen könnten und die Erwartungen einiger wichtiger Betriebsmitglieder nicht zufriedenstellend erfüllt werden, was den Druck auf meine Chef (,der mir wohlgesonnen ist,) erhöht.

Dadurch, dass es so bald keinen direkten Vertreter gibt, erhöht die Last auf meinen Schultern. Das macht die Gedanken an einen möglichen Ausstieg erstmal zu Nichte (würde das überhaupt was bringen?).

Der Betrieb (öffentl. Dienst) und die Kollegen sind eigentlich sehr toll, ich glaube ich bin das Problem. was mich um so mehr ärgert. Mir machen zwar Teile der Arbeit nicht wirklich Spaß (überfordert, ungeschickt, kein Erfolgserlebnis), aber ich weiß nicht, ob ein Betriebs-/Arbeitsfeldwechsel das grundsätzliche Problem lösen würde...
Zudem wäre ich trotz der gesetzlichen Kündigungsfrist nicht so einfach bereit zu gehen aus mehreren Gründen:
Loyalität gegenüber Kollegen, Stellenbedeutung(Nachfolger erforderlich), finanziele Zukunftsangst (Absicherung), Angst vor der Blöße("Niederlage/Schwäche"), Enttäuschung von Mitmenschen
Dadurch habe ich auch große Angst, dieses Problem meinem sicherlich verständnisvollen Chef mitzuteilen, da er es in der auktuellen Personalsituation sicher auch nicht gut gebrauchen kann...

Da ich wenige ausgeprägte soziale Kontakte habe (hauptsächlich Verwandschaft, Ex-Azubis sehe ich nur in der Pause, die Gespräche bleiben oberflächlich) konnte ich mich bisher niemandem anvertrauen. Lediglich meine Eltern kennen einen Bruchteil des Grundproblemes ("Stress auf der Arbeit"), aber da sie auch ihre Probleme haben, möchte ich sie nicht belasten. Sie sind auch bisher stolz auf meinen Ausbildungsabschluss und mein Abendschulvorhaben

Die Auswirkungen auf mich persönlich sind Traurigkeitsmomente (weinen) und pessimistische Gedanken, manchmal deuten diese sich auch in Beisein anderer an:

Früher habe ich sicher viel im mich hineingefressen, was raus muss. Tränenausbrüche im Beisein von Mitmenschen habe ich bishher erfolgreich unterdrücken können, fürchte jedoch, dass mir dies nicht auf Dauer gelingen wird.

Am Arbeitsplatz bin ich sehr gehemmt, kann nicht ehrlich lachen und gehe durch meine persönlichen Probleme selten auf Mitmenschen zu um ein Gespräch zu beginnen. Auf meine Kollegen/Arbeitsfreunde muss ich daher wie ein Fremdkörper wirken. Ich kann kaum noch Freude empfinden, außer ich weiß meinen Angehörigen geht es gut. Durch den Stress und Unbeholfenkeit ist meine Umgangsart manchmal stümperhaft oder zu forsch.

Privat komme ich aus oft ins Grübeln und habe Angst um meine Zukunft (Persönliche Entwicklung, Beruf), Schlafen kann ich auch nicht mehr so gut/lange deshalb, durch die ständigen Gedanken und Fragen und Gewissensbisse.
Teilweise keimen auch depressive Gedanken in mir auf.

Ich versuche oft genug den Kopf freizubekommen: Sport/Spazieren/Unterhaltungselektronik/Unternehmungen mit Familie, wobei die Zeit dafür dank Abendschule begrenzt ist und das Problem nicht löst.

Meine größte Angst bedingt durch all dies ist, dass es Auswirkungen auf meine Gesundheit im Allgemeinen nimmt (seeleisch und physisch) und ich in meiner Weiterentwicklung stagniere.

Wer bis hierher gelesen hat, sieht, dass einiges zusammen kommt, weshalb ich nun auch ärztliche Hilfe suchen werde.

Ob ein Psychotherapeut mir geeignete Hilfe anbieten kann, weiß ich selbst noch nicht, hoffe es aber zumindest.

Vielleicht bin ich auch einfach nur unfähig und sollte den Ar. zusammenkneifen...

Es tat ein wenig gut, die Gedanken niederzuschreiben.

Über aufmunternde Worte oder Tipps bzw. eigene Erfahrungsberichte würde ich mich freuen.

Zum Glück ist bald Wochenende...gute Nacht euch!

16.11.2012 00:19 • 21.11.2012 #1


2 Antworten ↓


Schlaflose
Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Ein Arzt kann dir aber nicht helfen, höchstens indem er dir eine Überweisung zum Psychotherapeuten schreibt. Bei mir wurde dabei eine "ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung" festgestellt. Du kannst den Begriff ja mal bei Wikipedia nachschlagen und schauen, ob die dort genannten Kriterien auf dich zutreffen.

16.11.2012 08:53 • #2


so arzttermin absolviert,
körperlich wurde bisher zum glück nichts festgestellt

hab dem arzt meine seelischen probleme offenbart und mir wurde zu geringes selbstbewusstsein bzw. selbstunterschätzung attestiert, was stimmen mag und er gab mir kleine anregungen bzgl. der möglicher hauptursachen/probleme zum nachdenken...

überweisung zum psychotherapeuten habe ich auch erhalten...

der erste anruf war allerdings entmutigend: 6 monate mögliche wartezeit bei meiner eingeschränkten terminfreiheit, dass nimmt mir wieder viel mut, da muss ich wohl meine suche erweitern, vorher weiß man eh nicht wie gut man mit der person klarkommen wird, gibt aber noch einige in der nähe...

mit der familie kann ich nicht in dem notwendigen ausmaß darüber reden, bzw. würde aufgrund fehlender fachqualifikationen nur nett gemeinte, aber wenig hilfreiche antworten bekommen...
wenn wir es doch mal bereden, kommen mir immer direkt die tränen und ein dicker kloß im hals...

ich fresse alles in mich rein, weil ich mich keinem anvertrauen kann (/möchte/will), aber paradoxerweise brauche ich jemanden zum reden...kann man mir noch helfen??

das einsamsein (auch in einer gesellschaft) ist das schlimmste, vor allem wenn man es realisiert...aber so einfach kann man das nicht ändern...zum glück gibts die familie

habe dass gefühl, dass es mich irgendwann doch körperlich einholt oder ich auf der arbeit "aufalllen" könnte, in dem man mir doch früher oder später etwas anmerkt, was mir sehr unangenehm wäre

ich sollte wirklich mal mit meinem chef reden, wenn ich bei meinen tätigkeiten an bestimmten stellen festgefahren bin, sonst könnte es noch schlimm enden

hoffe zumindest die antidepressiva hemmen das gröbste

21.11.2012 22:31 • #3




Mira Weyer