Zitat von marialola: Tut mir leid, dass ich das hier so ausweite.
Nein, das ist unheimlich wichtig, dass wir mal darüber reden. Gerade wir "Älteren", die mehr oder wenig das Gleiche durchgemacht haben.
Ich finde mich absolut in deiner Beschreibung wider. Nur keine Schwäche zugeben können, wer weint, wird getötet, geht unter, verliert. Und ja, auf keinen Fall als bedürftig angesehen werden, wir wollen niemanden brauchen, Vertrauen nicht wirklich, und je härter, desto besser.
Dabei sehnen wir uns unendlich nach Liebe, und versuchen es auf unsere Art, wie wir es gelernt haben: Sehr nützlich zu sein und extremst empathisch (jeder von uns kann die Stimmung anderer fühlen und reagiert sofort). War ja lebenswichtig. Und deswegen war keine Gelegenheit, sich selbst kennen zu lernen. Man war darauf getrimmt, andere mit ihren Stimmungen einschätzen zu müssen und gleichzeitig Strategien zu finden, damit man ungestraft das bekam, das man auch mal wollte. Ich denk immer, heutzutage könnte ich bei jeder Metoo-Bewegung mitmachen, allerdings war eben niemand prominent. Es war eher normal, dass man ganz nach der Laune der Erwachsenen behandelt wurde.
Deswegen; - Natürlich liegt hier die Wurzel allen Übels und natürlich tragen wir daran keine Schuld, obwohl uns das auch eingetrichtert wurde. Und Thema Vergebung? Nö, dazu greift deren Abrichtung zu gut: Was, ausser Härte bleibt einem denn? Vergeben will ich auch nicht, ich hab mich daher abgewendet, mich aus dieser Familie entfernt.
Theoretisch weiss ich so ziemlich alles, was man therapeutisch so aufarbeiten sollte. Ich denke auch viel über alles nach, lasse auch Veränderungen zu, sprich, ich arbeite an mir.
Allerdings wird das misshandelte Kind nie wirklich geheilt werden können, da es viel zu viele Trigger im Leben gibt, die immer wieder daran rütteln, dass nichts wirklich sicher sein wird. Und da diese Erkenntnis definitiv stimmt, wird man immer wieder mit der Urangst konfrontiert werden, dass unser Leben bedroht ist.
Insofern hilft uns nur, dass wir Ursache und Wirkung verstehen lernen und ein bisschen Mitgefühl für uns selbst entwickeln.