Hallo dylania,
Zitat von dylania: Wie geht ihr mit so einer aussichtlosen Lage um bzw. was könnt ihr mir raten?
Deine Lage ist nicht aussichtslos. Du kannst viel erreichen, viele Deiner Symptome können besser werden. Es braucht nur alles seine Zeit. Und es braucht Akzeptanz gegenüber der eigenen Erkrankung und viel Geduld mit sich selber. Leider haben viele psychische Erkrankungen die unangenehme Eigenart, ziemlich hartnäckig zu sein, und es braucht einfach seine Zeit, bis sich wahrnehmbare Verbesserungen einstellen. Ein Jahr ist bei psychischen Erkrankungen keine lange Zeit, und oftmals dauert es, bis sich die gewünschten Veränderungen Stück für Stück einstellen.
Geh' Deinen Weg einfach weiter, Du machst imho schon vieles richtig. Du machst Therapie, Du bist in medikamentöser Behandlung, das machst Du alles gut. Ich glaube, Du wünscht Dir (was auch total verständlich ist) zu viel auf einmal. Gib' Dir die Zeit, die es braucht.
Probleme, die über 26 Jahre hinweg entstanden sind, können sich nicht (oder eher selten) in nur einem Jahr auflösen. Verbesserungen im Bereich psychischer Erkrankungen sind oftmals sehr kleinschnittig und sehr subtil.
Zitat von dylania: habe ich daran schon selbstständig gearbeitet
Das ist genau der Weg, Therapie ist immer nur Hilfe zur Selbsthilfe. Therapie kann einen immer nur für eine gewisse Zeit begleiten, man bekommt Anregungen und Hilfestellungen, die eigene Selbstfürsorge und die eigene Selbsthilfe zu verbessern. Die eigentliche Veränderung entsteht immer nur durch selbstständige Arbeit an Dir selber. Die Therapeutin kann Dir Gedankenanstöße angeben, kann Dir Tipps geben, wie Du Deine Selbsthilfe verbessern kannst. Sie kann Dir den Weg zeigen, den Weg gehen musst Du selber. Und wenn Du schreibst, dass Du das bereits tust und Dir bereits selbstständig Dinge erarbeiten kannst, ist das doch schonmal eine tolle Sache! Und wenn das bereits funktioniert, ist ja auch das Therapieende, das irgendwann kommt, nicht mehr so bedrohlich oder erschreckend. Ich habe schon sehr oft gehört, dass Menschen mir erzählt haben, dass sie das Gefühl haben, ihr/e Therapeut/in würde ihr/ihm ja gar nicht helfen und er/sie müsse ja irgendwie alles alleine machen, aber nur so funktioniert Therapie im Endeffekt. Hilfe zur Selbsthilfe. Und darum kann es auch (abhängig vom Krankheitsbild) durchaus sinnvoll sein, nach einer gewissen Zeit die Therapieform und den Therapeuten zu wechseln, um nochmal anderen Input zu bekommen. Das Ende der Verhaltenstherapie bei Deiner aktuellen Therapeutin muss ja nicht das Ende Deines therapeutischen Weges sein.
Zitat von dylania: also was ich in der Therapie lerne hat praktisch keinen Einfluss auf meinen Alltag.
Natürlich kann das (theoretisch) sein, und das täte mir sehr leid für Dich, aber vielleicht ist es auch so, dass Du bestimmte Veränderungen nur noch nicht bemerkt hast oder nicht mit der Therapie in Verbindung gebracht hast. Man unterhält sich in der Therapie ja mit einem Menschen vom Fach, der einem ständig gedankliche Impulse gibt. Diese können über die Zeit Deine Gedanken und Handlungsmuster verändern, aber das ist ein sehr subtiler Vorgang, der kaum merklich abläuft und der einem oftmals nicht wirklich bewusst ist.
Therapie kann einen Einfluss darauf haben, wie Du mit bestimmten Symptomen Deiner Erkrankung umgehst, nur wird sie sehr wahrscheinlich die Erkrankung in vielen Fällen nicht zum Verschwinden bringen. Bei bestimmten Erkrankungen werden gewisse Symptome bleiben, man kann nur mit der Zeit lernen, anders mit diesen umzugehen:
Zitat von dylania: Und was die Depression angeht hatte ich unbehandelt auch mal gute und mal schlechte Phasen, aber das ist jetzt auch unverändert,
Das wird vermutlich auch so bleiben. Die Therapie kann Dir nur die Werkzeuge an die Hand geben, mit den schlechten Phasen anders/besser umzugehen, Dich davon nicht so runterziehen zu lassen, ein ruhigeres Verhältnis zu diesen Phasen zu bekommen, also diese besser akzeptieren zu können und nicht noch zusätzlich darüber zu verzweifeln, dass sie da sind. Und wenn es gut läuft, gehen die schlechten Phasen vielleicht schneller vorbei oder kommen seltener, nur dass sie ganz ausbleiben, ist bei Depressionen zwar möglich, aber eher unwahrscheinlich.
Zitat von dylania: aber das ist auch schon wieder vorbei. Probiere gerade mit meinem Arzt, ob die Dosis zu erhöhen was bringt, aber wahrscheinlich muss ich wieder das Medikament wechseln.
Auch das ist bei psychischen Erkrankungen nicht ungewöhnlich. Bei vielen psychischen Erkrankungen gehört eine beständige Anpassung der Dosierung und auch mehrere Medikamentenwechsel mit dazu, der Körper passt sich halt leider an viele Medikamente an, die dann nicht mehr so gut wirken, auch das ist leider Alltag bei vielen psychischen Erkrankungen. Auch hier hilft im Endeffekt nur Akzeptanz.
Was ich sagen möchte: Verliere nicht den Mut, geh' Deinen Weg weiter, Du machst schon sehr viel richtig. Verliere nicht den Glauben daran, dass Deine Symptome sich bessern können, denn das können sie, es braucht nur vielleicht einfach länger, als Du ursprünglich mal gedacht hast. Über die Zeit wird es besser werden, aber bei psychischen Erkrankungen kann diese Zeit halt einfach etwas länger sein, als man ursprünglich vielleicht mal dachte.
Alles Gute!
LG Silver