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quiety
Hallo zusammen,

Zuletzt war ich vor etwas einem halben Jahr für einen Monat in einer Tagesklinik in Therapie. Nach diesem Monat hat man mich da regelrecht vor die Tür gesetzt, mit den Worten: "Wir können Ihnen hier nicht helfen."
Ich werde im Moment wieder etwas brauchen, um erneut den Entschluss zu fassen, wieder etwas dafür zu tun, dass ich gesund werde (falls so etwas überhaupt möglich ist).

ich leide ebenfalls unter Angstzuständen, die sich bei mir meist beim Autofahren bemerkbar machen. Jedoch nicht nur. Es ist wohl eher Stress, der meine Angstsymtome hervor ruft. Ich bin nicht mehr in der Lage zu arbeiten und verbringe derzeit den ganzen Tag eigentlich in der Wohnung. Ich bin noch in der Lage einkaufen zu gehen und letzten Sonntag war ich mit meiner Frau im Theater. Das ging auch noch. Obwohl ich mich dort schon ziemlich unwohl fühlte. Eins meiner weiteren Probleme ist nämlich auch, dass ich Angst vor übermäßig vielen Menschen habe. Das liegt allerdings überwiegend daran, dass ich an solch einem Ort Angst habe, umzufallen, nicht mehr rechtzeitig "in Sicherheit" zu kommen.
ich bin derzeit allerdings auch nicht in therapeutischer Behandlung (kriege allerdings Antidepressiva). Ein weiteres Problem bei mir ist nämlich noch, dass ich das Vertrauen in Ärzte verloren habe. Ich weiß nicht, wie mir ein Arzt, ein Therapeut helfen können soll, wenn ich kein Vertrauen in ihn habe.

Noch kurz zu meiner Person:
Ich bin männlich, 38 Jahre alt, gelernter Fachinformatiker und ich suche Personen, mit denen ich mich unterhalten kann (muss nicht nur über Probleme sein). Klar, ich bin verheiratet, und meine Frau steht voll hinter mir. Und ich rede auch viel mit ihr, aber - und da mache ich ihr natürlich keine Vorwürfe - kann sie meine Erkrankung nicht nachvollziehen.

So, das wars erst mal von mir.

Gruß, an alle Schreiberlis des Forums

Quiety

03.11.2011 19:41 • 14.11.2011 #1


13 Antworten ↓


MichaPME
Hallo quiety,

willkommen im Forum, schau dich in Ruhe um.

Wie lange nimmst du das Medikament? Nach meiner Erfahrung (2 x Psychsomatische Kliniken in den Jahren
2001 und 2007) ist es sehr wichtig, schnell einen Psychologen zu finden - Wartezeiten -. Hast du in diese Richtung schon was unter- nommen. Wie stehst du zu einem Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik (ca 6 Wochen). Der Vorteil dort ist, dass du dich dort ganz auf deine Heilung konzentrieren kannst; ich würde es jederzeit wieder tun.

Vielleicht kannst du auch versuchen zusammen mit Freunden oder mit deiner Frau leichten Bewegungssport (walken) auszuüben. Bewegung an der frischen Luft hilft mir immer wieder ... nicht zu viel auf einmal wollen. Kleine Schritte und ganz langsam deinen Bewegungskreis erweitern. Was auch sehr gut hilft: Entspannungsverfahren lernen z. B. Autog.
Training oder Progressive Muskelentspannung.

Herzlichen Gruß: Michael
54 J., (Ex)Angstpatient, Kursleiter Progr.Muskelentspannung nach Jacobson

03.11.2011 19:55 • #2



Tagesklinik kann mir bei meiner Angst nicht helfen

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Hallo quiety,

und herzlich willkommen hier im Forum.
Du hast "wunderschöne" Angstzustände, die nur jemand nachvollziehen kann, er sie je erlebt hat. Wie oft wollte ich schon die Notarzt rufen, weil ich wirklich dachte, es geht zu Ende.
Viele Leute, keine Fluchtmöglichkeit, immer an der Tür sitzen....genauso war es.
Was machst du, wenn du zu Hause bist? Hast du die Möglichkeit bei Musik oder einem Buch zu entspannen? Gehe nicht nur nach draußen, wenn du einkaufen gehen willst, sondern gehe ganz einfach jeden Tag ein Stück spazieren, immer ein Stück weiter, bis du dich sicher fühlst.
Mir hat ein Psychologe, die Gespräche mit ihm und die Verhaltenstherapie sehr geholfen. Es hat aber ungefähr zwei Jahre gedauert, bis ich merkte, wie ich mit der Angst umgehen mußte.

Im übrigen: Wir sind gesund, wir erkennen aber eher als die anderen, wo Veränderungen nötig sind, wir erkennen eher, wo Sand im Getriebe ist.

Sonnenschein106

03.11.2011 19:55 • #3


quiety
Vielen Dank für die nette Begrüßung und die Antworten.
Natürlich ist das, was ich beschrieben habe, nur ein Bruchteil dessen, was in mir vorgeht und was meine Ängste ausmacht.
Das mit dem Spazieren gehen ist eine gute Idee und sollte ich wirklich mal in die Tat umsetzen.
Was mache ich, wenn ich zu hause bin? Ich schreibe an einem Buch. Ich bin leider jemand, der immer was zu tun haben muss, obwohl ich auch gerne lese. Ich brauche aber sehr lange für ein Buch, weil ich mich seltenst mal einfach so hinsetze oder lege und lese.
Ich arbeite sehr viel und gerne, aber vermutlich, weil ich mir nich unnütz vorkommen möchte. Ich mache natürlich auch den ganzen Haushalt. Also meine Frau braucht sich um nichts mehr zu kümmern. Ich koche (eine Leidenschaft von mir) und ich mache die Wäsche und bügel ^^
Ich habe im Moment nicht daran gedacht, eine weitere Therapie zu machen. Dazu müsste ich kurz erklären, wie das bei der letzten Therapie abgelaufen ist:

Ich war also vier Wochen da. Und mir war von Anfang an klar, dass ich da war um zu reden, und ich lernte auch schnell, dass mir reden hilft. Und ich redete über meine Probleme. Bereits von Anfang an. Da waren stellenweise Leute schon seit zwei Monaten und die hatten immer noch nichts von sich erzählt. Ich nahm die Therapie von Anfang an an. Bereits in der ersten Woche heulte ich in der Gruppentherapie, ließ also meinen Gefühlen komplett freien lauf. Meine Frau bemerkte bei mir sehr schnell, dass mir die Therapie gut tat. Ich merkte es auch selber. Mir ging es wieder besser.
Dann fragte mich meine Therapeutin, was ich nach dem Klinikaufenthalt machen möchte und ich sagte ihr, dass ich mir eine Selbsthilfegruppe suchen werde, weil ich gemerkt habe, dass mir das Reden in der Gruppe am meisten hilft. Sie stimmte mir voll und ganz zu.
Dann, drei Tage nach diesem Gespräch, hieß es plötzlich, dass man mir dort nicht helfen können. Sie sagten nicht, sie könnten mir nicht weiter helfen. Nein, sie könnten mir gar nicht helfen. Und keiner hatte mir wirklich erklärt, wieso eigentlich. Weshalb kann man mir nicht helfen? Man sagte mir, die Beendigung der Therapie wurde gemeinsam mit der Krankenkasse beschlossen. Aber ich ging zur Krankenkasse und dort konnte man mir auch nichts sagen. Oder man wollte nicht.
Das war das dritte mal, dass ich versucht habe, etwas gegen meine Angsterkrankung zu unternehmen.
Das erste Mal - ich war selbständig -, musste ich leider erfahren, dass Psychotherapien nicht in meinem Paket enthalten sind, und meine private Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt.
Beim zweiten Mal war ich bei einem Psychiater, der mir erzählte, dass ich gerne bei ihm in Behandlung gehen könnte, aber ich müsste bedenken, wenn ich einmal nicht kann, aus welchem Grund auch immer, und nicht wenigstens zwei Tage vorher bescheid sage, dann darf ich die Stunde selber bezahlen.
Klar, ich verstehe das ja auch. Aber das erzählt er jemanden, der sowieso Angst hat, überhaupt die Wohnung zu verlassen. Zu dem Zeitpunkt nahm ich noch keine Tabletten. Und dieser Psychiater erwähnte noch nciht einmal, dass es solche Tabletten überhaupt gibt. Wenn ich die da schon genommen hätte, hätte ich die Therapie beginnen können. Aber ich wusste nicht, dass es solche Tabletten gibt, und er hatte es auch nicht erwähnt.
Die Tabletten bekam ich dann erst im Zusammenhang der Tagesklinik.

Solche Geschichten mit Ärzten zieht sich schon mein ganzes Leben hindurch.
Bei der Bundeswehr wurde ich als Simulant beschimpft, weil ich Kreislaufprobleme hatte, schon mein Leben lang, und kein Arzt mich dahin gehend wirklich mal untersuchen wollte. Seit der Tagesklinik glaube ich, dass meine Kreislaufprobleme, die ich schon seit meiner Kindheit habe, eventuell bereits die Angsterkrankung gewesen sein kann. Ich gehe schon mein Leben lang zu Ärzten, wegen den Kreislaufproblemen. Aber nie wurde irgendetwas gefunden.
Dann, bevor das mit der Angsterkrankung akut wurde, ging ich zum Arzt, weil ich Rückenschmerzen habe (es wurde nichts gefunden), weil ich unter Schlafstörung leide (O-Ton des Arztes: "Sie haben halt einen leichten Schlaf") und und und

Ich selbst kam irgendwann auf den Trichter, dass das alles psychosomatischer Natur sein könnte und begann dann dahin gehend zu forschen.

Ich habe einfach das Gefühl, Ärzte können oder wollen mir nicht helfen. Noch mal in eine Klinik? Wieder allen möglichen Leuten meine Lebensgeschichte erzählen, mich ihnen zu öffnen um am Ende wieder vor die Tür gesetzt zu werden? Danke, aber wir können ihnen leider nicht helfen!

Ich weiß, dass ich mich irgendwann wieder aufrappeln muss, aber ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was das Ende der Tagesklinik ein Schlag ins Gesicht für mich war.

So, jetzt höre ich erst einmal auf. Hat gerade ein Film angefangen den ich sehen will ^^

Machts gut und bis die Tage.

Quiety

03.11.2011 21:21 • #4


Hallo nochmal, quiety,

ich kann verstehen, dass du kein großes Vertrauen in Ärzte hast, ist ja kein Wunder, nach dem, was sie mit dir gemacht haben. Ist für mich völlig unverständlich.
Vielleicht kamen sie nicht damit zurecht, dass du so zugänglich etc warst? Wäre natürlich überhaupt kein Grund (im gegenteil), dich "rauszuwerfen". Da kann ich auch nur den Kopf schütteln.
Leider ist es schwer, den "richtigen" Therapeuten zu finden. Aber ich würde an deiner Stelle glaub ich, es trotzdem versuchen. Man merkt ja in den ersten Gesprächen, ob es "funktioniert" oder eher nicht. Ein Versuch wäre es vielleicht wert?
Aber das Forum hier ist bestimmt auch schonmal hilfreich!

Wie lebst du denn zur Zeit mit deiner Angst? Hast du sie als "sie ist eben da" angenommen? Oder/Und arbeitest du konkret dagegen an? Ich meine, gibst du dir selbst "aufgaben", wo du weißt, dass sie dich Überwindung kosten?
Wie lange hast du schon Ängste?
Manchmal ist es ja auch so, dass die Erwartungsangst oft größer ist als die eigentliche Angst. Wenn du zB dich jetzt unter ne Menschenmenge gibst, wirst du, je öfter du das machst, feststellen, dass du gar nicht ohnmächtig wirst! Und sollte der, wenn du nicht gerade unter Kreislaufproblemen leidest, sehr unwahrscheinliche Zustand doch eintreten, dann wirst du feststellen, dass dich keiner auslacht, sondern alle besorgt um dich sind.
Ich weiß, dass das in der Theorie einfach klingt, aber in der Praxis halt schwer ist.

09.11.2011 23:10 • #5


Hallo,

ich denke, daß die Arbeitsunfähigkeit und die Suche nach einem Job mit der Gewissheit, schwer einen zu finden mit einer Angststörung, das schlimmste Übel ist.
Wenn Du nen sicheren Job hättest, der Dir Freude macht, wäre die Angst nebensächlich.

Die Angst ist ja nur ein Problem, wenn sie in existenzielle Bereiche eindringt und sie unerträglich macht.

Liebe Grüße,
Joe

10.11.2011 08:30 • #6


quiety
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie lange ich schon Ängste habe. Es war für mich immer klar, dass ich unter Kreislaufproblemen leide, schon seit meiner Kindheit. Vor vier bis fünf Jahren ging es eigentlich so richtig los. Mein Stresslevel fiel ins bodenlose. Es ging beispielsweise los, dass ich kaum noch Auto fahren konnte usw.
Dann machte ich die Therapie in der Tagesklinik. Und da ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass ich das gleiche, das ich jetzt erlebe, schon einmal erlebt hatte. Nämlich in meiner Zeit beim Bund. Die für mich der reinste Horror war, wegen meiner Kreislaufprobleme.
Durch die Therapie glaube ich mittlerweile, dass ich vielleicht nie wirkliche Kreislaufprobleme hatte. Was vielleicht auch erklären würde, warum nie ein Arzt irgendeine Auffälligkeit entdeckt hat und Kreislaufmedikamente bei mir nicht wirken.
Vielleicht waren es nie Kreislaufprobleme. Vielleicht sind es schon immer Auswirkungen meiner Ängste gewesen.
Ich dachte immer, dass mein Kreislauf verrückt spielt, und ich mich deshalb unwohl und unsicher fühlte. Aber vielleicht war es ja anders herum. Vielleicht kam das unwohle zuerst, und die Kreislaufprobleme waren ein Resultat dessen.

Ich nehme meine Ängste nicht einfach hin. Ich kämpfe ständig dagegen an. Deshalb fahre ich ja überhaupt noch Auto. Nur fühle ich mich halt am sichersten, wenn jemand mit im Auto sitzt, der zur Not das Steuer übernehmen kann. Beispielsweise war ich vor einigen Wochen auf einer Messe in Köln. Ich wollte dort unbedingt hin, obwohl mein Körper mir ganz deutlich zu verstehen gab, dass er nicht mitkommen wollte
Und trotzdem fuhr ich mit meiner Frau. Eine Stunde blieben wir. Länger ging nicht. Zum Glück sagte ich noch rechtzeitig, dass wir jetzt besser raus gehen. Als wir nämlich draußen waren, konnte ich mich so gut wie gar nicht mehr bewegen, ich hatte keinerlei Kontrolle mehr über meine Beine. Ich war so wahnsinnig müde, dass ich mich am liebsten an Ort und Stelle hingelegt hätte. Natürlich sind solche Dinge immer wieder Rückschläge, aber ich weiß, dass ich nie aufgeben werde und dass ich irgendwann wieder eine Messe besuchen werde. Und wenn ich diesmal zwei Stunden durchhalte, ist das doch schon ein Erfolg.

Dann zu dem Auslachen:
Ob du es glaubst oder nicht. Genau das ist mir mal passiert. Ich weiß ganz genau, wo meine Angst diesbezüglich herrührt.
Ich war 15, und es war in der Schule. Es war Pause und ich ging vom Klassenzimmer durch das Schulgebäude zum Pausenhof. Ich fühlte mich schon den ganzen Morgen nicht sonderlich gut. Und ich wollte raus, um was frische Luft zu schnappen. Kurz vor der Tür, bevor ich draußen war, drehte sich plötzlich alles und meine Beine waren wie Gummi. Ja, vielleicht sah es für Außenstehende echt witzig aus. Ich muss mich wohl so einmal um die eigene Achse gedreht haben. Das, woran ich mich bis heute, ganz genau erinnern kann, war, dass alle um mich herum gelacht haben.
Damals muss ich mir irgendwie geschworen haben, dass mir so etwas nie wieder passieren wird.

Ich bin auch gerade dabei, wieder einen Therapeuten zu suchen. Obwohl ich langsam keine Lust mehr habe, immer und immer wieder den Leuten mein ganzen Leben zu erzählen. Das liegt vermutlich immer noch mit ein wenig an meiner letzten Therapie in der Tagesklinik. Ob du es glaubst oder nicht, ich wurde dort regelrecht gemopt wegen meiner Vergangenheit.
Ich weiß nicht, ob das bei solchen Therapien immer so ist. Dort wo ich war, war es auf jeden Fall so, dass überwiegend Mütter dort in Behandlung waren. Und plötzlich kam ich dahin, und erzählte denen, dass ich mein eigenes Kind in ein Heim gesteckt habe. Es wollte gar keiner mehr wissen, wieso und was damals alles passierte. Mir schlug so demaßen ein Hass entgegen.
Im Moment liegt meine Therapie bei mir selbst. Ich schreibe derzeit mein ganzes Leben auf, versuche selbst zu ergründen, wieso ich so bin, wie ich bin, und ja, ich habe eigentlich aufgegeben, irgendwann mal wieder einen richtigen Job zu finden.
Jetzt im Moment habe ich Renge beantragt, also Arbeitsunfähigkeitsrente, die ja stets begrenzt ist. Fakt ist im Moment einfach, dass ich nicht arbeiten gehen kann. In meiner derzeitigen Situation könnte ich mich ja nicht einmal irgendwo vorstellen, ohne dass meine Angstsympthome auftreten.

10.11.2011 09:52 • #7


Das mit dem Auslachen ist natürlich doof und das kann natürlich der Auslöser sein. Denkst du denn, wenn du gerade keine Angst hast und zb zuhause bist, dass deine Angst vor dem Umkippen berechtigt ist? Oder denkst du, dass das eigentlich blödsinn ist und die ANgst kommt dann trotzdem, wenn du draußen bist und infolge dessen wird dir dann schwummerig (zb wie bei der messe)?
Eines solltest du beachten: Du warst 15 (=Pubertät, deine Mitschüler also auch) und in der Schule. Ich wurde auch des öfteren in der Schule ausgelacht etc pp. Aber das ist eben Schule. Man ist jung und die meisten sind froh, wenn sie über Schwächere lachen können. Ist ja auch Gruppenzwang usw. Da wundert es mich nicht so, dass man dich ausgelacht hat, wenn auch ich das nie machen würde und natürlich blöd ist, aber so sind Teenies manchmal.
WEnn dir das also heute auf offener Straße unter "normalen, erwachsenen" Menschen passiert, wirst du nicht ausgelacht. Habe ich noch nie erlebt und ich habe öfters mitbekommen, dass jemandem es mal schlecht ging und der KRankenwagen kam. Einige waren besorgt und haben geholfen, andere waren neugierig (kennste ja, schaulustige und so). Aber lachen und auslachen habe ich noch keinen gesehen.

Das,was du schreibst, klingt nach Gruppentherapie? ODer warum wussten alle BEscheid?
Es haben leider viel zu viele Leute vorurteile. Die bilden sich ihr Urteil, ohne den Hintergrund zu kennen. DAs ist echt doof.

Finde ich super, dass du dir wieder einen Therapeuten suchst! WEnn du keine Lust hast, immer wieder alles von vorne zu erzählen, dann hilft es dir vielleicht, alles aufzuschreiben? Du bist doch gut darin! Kannst es ja mal probieren. Dann kann sich dein Therapeut alles in Ruhe durchlesen und nachfragen, wenn er was nicht versteht.
ISt nur so ne Idee.

11.11.2011 00:30 • #8


quiety
Ich bin gerade dabei, alles aufzuschreiben ^^ Und ich finde, das hilft mir wirklich. Ich therapiere mich damit ein wenig selbst.

Das mit den Ängsten und mit meinen Gedanken diesbezüglich ist gar nicht so leicht zu erklären. Es ist nicht so, dass ich jetzt denke: "Oweia, all die vielen Menschen. Hoffentlich passiert mir nichts." Ich denke eigentlich gar nicht darüber nach. Auch weiß ich, dass die Angst vor dem Ausgelacht werden, Blödsinn ist (außer man ist vielleicht in einem Bus volle Schüler, wenn man umkippt). Ich weiß das sehr wohl. Nur meine Psyche scheinbar nicht. Ich kann mir tausendmal sagen: "So, ich fahre jetzt auf die Autobahn. Mir wird schon nichts passieren." Etwas tief in mir drin, ist da ganz anderer Meinung, und ich fahre ohne ängstliche Gedanken auf die Autobahn, und trotzdem kriege ich körperliche Beschwerden, wie Rückenschmerzen, Müdigkeit, Herzrasen. Diese Beschwerden sind real, die kann ich dann nicht einfach als Unfug abtun.
Deshalb, die Angst vor dem Ausgelacht werden, und auch meine anderen Ängste, kommen aus einem Bereich von mir, den ich nicht kontrollieren kann.
Ich bin ein sehr rational denkender Mensch. Ich entscheide selten nach Gefühl und aus dem Bauch heraus. Ich habe immer so gelebt, dass ich mein eigener Herr bin. Ich kontrolliere mich, sonst niemand.
Ich habe beispielsweise von heute auf morgen mit dem Rauchen aufgehört, einfach weil ich es nicht mehr wollte. Ich hatte keine Lust mehr zu rauchen. Das ist schon viele Jahre her. Ich hatte nie irgendwelche Probleme damit. Mein Körper meinte zwar am Anfang, mich dazu zwingen zu wollen, wieder eine anzumachen. Aber mein Körper hat gar nichts zu melden.
Und dann kamen meine Ängste. Und plötzlich werde ich von etwas kontrolliert. Ich scheine plötzlich kein Mitspracherecht mehr über meine Gedanken zu haben. Das ist wohl das, was mir am meisten zu schaffen macht. Von etwas anderem Kontrolliert zu werden, ist eine ganz neue Erfahrung für mich.
Manchmal wünsche ich mir, dass es so etwas wie eine Gehirnwäsche gäbe. Einfach die negativen Gedanken löschen, an die sich mein Unterbewusstsein erinnert und mit dem Stempel "Achtung, nie wieder zulassen" versehen hat. Aber so etwas ist leider nicht möglich.

So, jetzt hab ich genug philosophiert ^^ Es ist halt nicht so leicht. Es reicht leider nicht, zu wissen, dass meine Ängste Blödsinn sind.

11.11.2011 10:40 • #9


Hallo, ich habe mich gerade erst angemeldet hier und wollte mich hier mal umschauen. Meine Probleme werde ich hier später berichten ersteinmal schaue ich mich hier um und freue mich vielleicht mal mit anderen Menschen sich austauschen zu können. Gruß

11.11.2011 16:11 • #10


Hallo Quity,

viele Grüsse nach Bergisch Gladbach erst mal

Zitat:
Manchmal wünsche ich mir, dass es so etwas wie eine Gehirnwäsche gäbe. Einfach die negativen Gedanken löschen, an die sich mein Unterbewusstsein erinnert und mit dem Stempel "Achtung, nie wieder zulassen" versehen hat. Aber so etwas ist leider nicht möglich.


nun, aber gerade das ist es ja, was die Angst ausmacht.
Angsterkrankungen gehören im früheren triadischen System zu der Neuroseform.
Kurz umschrieben ist die Neurose sozusagen ein (nicht ganz gelungener) Bewältigungsversuch auf einen inneren Konflikt, der nicht zugelassen wird, bzw. nicht ans Bewusstsein darf.
Du siehst also, Dein Unterbewusstsein tut genau das, was es Deiner Meinung nach sollte.

Zitat:
Mein Körper meinte zwar am Anfang, mich dazu zwingen zu wollen, wieder eine anzumachen. Aber mein Körper hat gar nichts zu melden.


Das mit dem Rauchen, Respekt, das spricht für einen sehr starken Willen! Trotz allem solltest Du es zulassen, das Dein Körper eine ganze Menge zu melden hat, wie Du ja erfahren musstest.
Deine körperlichen Schmerzen, wie Rückenschmerzen, Müdigkeit und Herzrasen könnten auch auf eine Depression hinweisen, ist das unter Umständen schon in Betracht gezogen worden? Die Depression ist ja eine häufige Begleitkrankheit der Angst.

Herzliche Grüsse
Angela

11.11.2011 16:59 • #11


Hallo,

ich schon wieder. Das hört sich ja furchtbar mit diesen Angstzuständen an. Ich hatte zwar keine Angstzustände, aber ich neigte zu Depris, wenn immer 2 Brustwirbel schief waren. Sowie diese durch Mass. oder Physiotherapie wieder drin waren, waren sämtliche Depris wie auf Knopfdruck verschwunden. Deshalb mein Tip: Geht mal zum Osteopathen, guten Physiotherapeuten, die PNF machen und checkt Euch ab. Bei Kids weiß man sogar, dass schiefe Halswirbel sogar ein Hyperaktives Syndrom auslösen können, inkl. Legasthenie obwohl es nur in Wahrheit die Wirbel sind.

11.11.2011 20:44 • #12


quiety
Hallo,
vielen Dank für deine eingeflossenen Gedanken Angei. Eine Depression wurde noch nicht offiziell bei mir festgestellt.
Ich habe mir noch mal bei Wikipedeia ^^ genau durchgelesen, was als Depression bezeichnet wird.
Zitat:

Die Krankheit Depression ist charakterisiert durch Stimmungseinengung ..., Antriebshemmung, mit oder ohne Unruhe, Denkhemmung, Schlafstörungen.

Stimmungseinengung nein
Antriebshemmung nein
Denkhemmung weiß nicht, manchmal fallen mir einfache Begriffe nicht mehr ein oder ich verliere beim Reden den roten Faden Schlafstörung ein ganz dickes JA

Ich war ja bereits bei einigen Ärzten und nie hat wirklich jemand etwas festgestellt oder sich - wie ich finde - wirklich die Mühe gemacht, mal herauszubekommen, was ich wirklich habe.
Es sieht bei mir wirklich so aus, wenn ich zum Arzt gehe, wegen meinen Schlafstörungen (zu einem Facharzt wohlgemerkt, zu dem ich von meinem Hausarzt verwiesen wurde), dann höre ich von dem: "Sie haben halt einen leichten Schlaf."
Ich habe ganz stark das Gefühl, dass mich keiner für wirklich ernst nimmt. Jetzt habe ich Rente beantragt, aber weniger um wirklich Rente zu bekommen, sondern vielmehr, damit sich mal jemand anfängt für mich zu interessieren. Es ist nunmal so, die letzten anderthalb Jahre lag ich niemandem auf der Tasche außer meiner Frau. Also wieso sollte sich jemand intensiv darum kümmern, dass ich wieder gesund werde. Man hilft lieber jemanden, der derzeit Krankengeld bekommt und so der Krankenkasse auf der Tasche liegt. Also muss ich der Rentenkasse auf der Tasche liegen, damit ich Hilfe erwarten kann. Ich bin mal gespannt, am Mittwoch habe ich einen Termin bei einem Arzt, der ein Gutachten über mich erstellen soll.

Dann noch an fearfactory:
Natürlich auch Danke für deine Antwort. Das ist ja toll, wenn so etwas wirklich bei dir hilft. Aber wie gesagt, ich leide unter Angstzuständen und ich weiß bisher noch nicht, ob ich auch unter Depris leide. Deshalb weiß ich natürlich nicht, ob so etwas auch bei mir helfen könnte. Ich könnte natürlich mal zum Osteopathen oder Physiotherapeuten gehen. Aber so wie ich mich kenne, würden die mich auslachen oder so, wenn ich bei denen wegen meiner Probleme aufschlage. Das ist natürlich stark übertrieben, ich weiß, aber wirklich, bei solchen Ärzten auf dem Behandlungstisch zu landen, setzt voraus, dass die einen ernst nehmen.

14.11.2011 09:45 • #13


Hallo Quity,

also ich werde - wie schon geschrieben- vielleicht etwas später auf meine Probleme eingehen, da ich momentan ganz gut klar komme. Ich habe mir die Probleme anfangs auch aufgeschrieben. Das ist ein guter Einsteig. Aber dann las ich ein Buch. So ein Positiv denke Buch. Erst dachte ich: ist doch Mist. Aber da war ein Satz drin, der hat mir gereich: Kannst du ein Problem nicht lösen, dann löse dich von dem Problem. Das half. Und wenn ich mal wieder vor einem Problem stehe, dann geh ich erstmal auf diesem Weg ran. Klar, das hilft nicht immer und nicht jedes Problem kann man so lösen, aber es ist der Ansatz.

14.11.2011 12:57 • #14



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Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf