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Pfingströschen

Pfingströschen

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Ihr Lieben,

Ich würde mich über etwas Zuspruch und Mut machen freuen.

Am Dienstag fahre ich (w, 26) nach 4 Jahren quasi kaum noch das Haus verlassen in eine tolle Klinik. Diese wurde mir von meiner Therapeutin empfohlen, da ich mir selbst nicht genug in den Hintern treten kann mich zu konfrontieren. Ich leide seit vielen Jahren unter einer massiven Angst und Panikstörung.

Nun habe ich allerdings tierische Angst vor der Fahrt. Wie gesagt, ich verlasse mein Haus seit jahren immer nur im Umkreis von 100 Metern wegen der ollen Panik und meinem Vermeidungsverhalten.

Hat von euch jemand erfahrungen, wie ihr die Angst mal so richtig ausgehalten habt? Ich habe solche Angst davor! Zwar geht die Fahrt nur eine knappe Stunde, aber schon das wird vermutlich ganz furchtbar für mich sein. Eine Situation, aus der ich nicht fliehen kann!

Interessanter Weise sagt meine Therapeutin, dass ich quasi fast geheilt sein werde, wenn wir endlich dort ankommen. Sie hat gesagt, ich werde vermutlich die ersten 20 Minuten tierische Angst und Panik haben, merken das nichts passiert und danach viel mutiger und zuversichtlicher sein. Sie selbst litt übrigens auch mal unter einer Panikstörung die sie erfolgreich besiegt hat.

Aber die Angst bleibt, dass ich mich nicht werde beruhigen können.
Genau so auch in der Klinik selbst. In meinem Kopf drehen sich die ganze Zeit die Gedanken darum, was ich mache, wenn die Angst und Panik zum Dauerzustand werden.

Meine Therapeutin versucht mich immer zu beruhigen, das könne körperlich gar nicht gehen, ich könne nicht verrückt werden oder eine Psychose bekommen, ich wäre gar nicht in der Lage dazu weil ich ein gesunder und nur zu ängstlicher Mensch bin.

An sich freue ich mich auch total auf den Klinikaufenthalt selbst! Ich bin sehr offen, unternehme gerne was und lerne so gerne neue Menschen kennen! Auch meine Freunde wollen mich besuchen kommen.

Ich hoffe die Prognose meiner Therapeutin bewahrheitet sich, dass nur die Fahrt anstrengend wird und die kommenden 4 Wochen der erste Urlaub seit einem halben Jahrzehnt sein wird.

Gefahren werde ich übrigens von meinem Freund (9Jahre zusammen) und meiner Therapeutin.

Also bitte macht mir etwas Mut, erzählt bitte keine horror Geschichten und versucht mich etwas mit euren Erfahrungen aufzubauen.

Wenn das alles so klappt wie ich es (bzw. Wie sich die Therapeutin es vorstellt) werde ich euch hinterher alles berichten und selbst der nächsten Generation Angsthasen Mut machen können

10.08.2019 09:44 • 16.08.2019 x 3 #1


7 Antworten ↓


Lottaluft

Lottaluft


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Hallo
Erstmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Entscheidung in eine Klinik zu gehen das wird dir bestimmt gut helfen
Ich war selbst vor ein paar Jahren für 3,5 Monate stationär und ich muss sagen -es war eine der besten Erfahrungen in meinem Leben.Alle Leute waren wahnsinnig nett und verständnisvoll weil alle das selbe Päckchen zu tragen hatten.Das hat mir die Eingewöhnung unglaublich erleichtert und ich habe mit ein paar Leuten auch immer noch Kontakt und eine der damaligen mitpatientinnen ist immer noch eine meiner besten Freundinnen.
Bei der Fahrt ist es schonmal gut das du nicht alleine bist und deinen Partner und deine Therapeutin an deiner Seite hast also kann dir ja eigentlich nichts passieren
Wenn dein Körper das anders sieht und meint mucken zu machen -mir hilft es immer meine Lieblingssongs für gute Laune in eine Playlist zu packen und entweder ganz laut mitzusingen oder mich einfach mit Kopfhörern zurück zu lehnen und zu versuchen die einzelnen Instrumente rauszuhören und dann zum Beispiel die anschläge vom Bass zu zählen oder den Takt vom Schlagzeug
Alternative -Hörbuch

10.08.2019 09:56 • x 2 #2


Ewigeangst

Ewigeangst


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Wow du hast aber eine tolle Therapeutin super das sie mitkommt...du wirst sehen es wird dir in der Klinik sehr gut tun und du wirst neue Kräfte kennenlernen..alles wird gut hab vertrauen...ich wünsche dir das allerbeste und freue mich für dich...das ist eine tolle Chance pack sie am Schopf...

10.08.2019 09:58 • x 3 #3


nektarine


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Hallo!
Schön, dass du so tolle Unterstützung für die Fahrt bekommst!
Was ist mit einem Benzo für die Fahrt?
Liebe Grüße

10.08.2019 10:16 • x 2 #4


Pfingströschen

Pfingströschen


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Danke für eure ganzen Kommentare

Für die Autofahrt stelle ich mir gerade eine Playlist zusammen! Ansonsten habe ich mein IPad dabei auf dem ich zeichnen kann, meine Therapeutin zum Quatschen und sonstiges Finger Spielzeug / Bücher / Nintendo switch
Toll dass du Lottaluft so schöne Erfahrungen gemacht hast!

In meiner Klinik kann ich leider nur für 4 Wochen bleiben, aber mir wurde versichert, dass das ausreicht. Eine Verlängerung geht zwar nicht, aber ich könnte direkt in die Tages Klinik wechseln bei Bedarf.

Aber meine Therapeutin und ich haben sowieso eigentlich schon alles aufgearbeitet. Ich muss jetzt nur wieder lernen mich zu stellen und auszuhalten, dafür sollten die 4 Wochen ausreichen.

Meine Therapeutin ist wirklich eine sehr liebe!

Benzos oder sonstige Beruhigungsmittel habe ich nicht. Ich bin auch gefühlt der einzige Mensch der durch die noch ängstlicher wird, weil ich jegliche Sinnenswahrnehmungsveränderung furchtbar finde. Deshalb trinke ich auch keinen Alk. und Co.

Ich glaube die würden auch den Sinn verfehlen, ich soll mich ja stellen und aushalten lernen. _.

Ich vertraue eifnach mal darauf, dass meine Therapeutin recht behält und ich das alles durchstehen kann, auch wenn die Angst kommt.

10.08.2019 12:24 • #5


Icefalki

Icefalki


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Sehr gut, dass du in eine Klinik gehst. Auch wenn es dir vor der Fahrt graust, sag dir eines: und wenn ich dabei sterbe, ist mir das egal. Ich will endlich wieder mal Leben.

Was du noch tun kannst, wenn es losgeht, z.B. den Popo fest anspannen und wieder entspannen. Kannst die Fäuste ballen, kannst den Bauch einziehen und zwar mit viel Kraft. Laut singen hilft auch.

Dadurch kannst du dein Adrenalin abbauen. Aber richtig dabei anstrengen. Entspannen nicht vergessen. Und mal so richtig einen Zorn auf die Angst bekommen, hilft auch. Dich nicht als Opfer fühlen, sondern: ich Krieg das hin, ich fahre dorthin, wo mir geholfen wird.

10.08.2019 13:02 • x 1 #6


nektarine


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Hallo!
Das mit den Benzos kann ich gut verstehen! Ich mag diese Wirkung auch gar nicht, fühle mich dann so ausgeliefert.
Ich wünsche dir alles gute und hoffe, dass du ganz viel mitnehmen kannst!
Liebe Grüße

10.08.2019 17:10 • #7


silverleaf


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Hallo Pfingströschen!
Ich finde es auch total super von Dir, dass Du diesen mutigen Schritt gehst und wünsche Dir ganz, ganz viel Erfolg für Deinen Aufenthalt ! Ich bin mir ziemlich sicher, dass Du es nicht bereuen wirst!
Ich selber habe auch mit ganz massiven Angstzuständen zu kämpfen und konnte das Haus zum Teil gar nicht mehr verlassen, da Du noch rausgehen kannst, sieht es doch schonmal sehr gut aus für Dich! Da hast Du doch schon viel erreicht, auch, dass Du mit Deiner Therapeutin schon so viel erreicht hast, zeigt ja, was für ein mutiger und starker Mensch Du bist ! Das wird Dir in der Klinik sehr helfen. Du wirst feststellen, dass es dort noch ganz viele Patienten gibt, denen es noch sehr viel schlechter geht als Dir, die therapeutisch noch ganz am Anfang stehen und die die ganze Aufbereitung ihrer Probleme noch vor sich haben. Es wird Deinem Selbstwertgefühl bestimmt sehr gut tun, wenn Du merkst, was Du schon alles erreicht hast und dass Du mit Deiner Erfahrung anderen Patienten helfen kannst. Du hast schon sooo viel geschafft, auf das Du stolz sein kannst, das wird Dir dort sicher nochmal wieder bewusst werden, manchmal verliert man den Blick dafür, wenn man zu sehr um sich selbst kreist und wenig Möglichkeit zum Abgleich mit anderen Erkrankten hat. Auch dass Du Freunde hast, die Dich unterstützen, ist ein super Vorteil, den auch viele Patienten in einer Klinik nicht haben, viele haben schon seit Jahren fast gar keinen Kontakt zur Außenwelt, keine Beziehung, keine Freunde, oftmals nicht mal einen ambulanten Therapeuten. All das sind Faktoren, die mich ganz zuversichtlich stimmen, dass Du gut von Deinem Aufenthalt profitieren können wirst und keine Angst davor haben musst.
Ich hoffe, Dir Deine Ängst etwas nehmen zu können, indem ich Dir ein bisschen von meinen Klinikaufenthalten erzähle, ich habe sehr viel Erfahrung und inzwischen über ein Jahr meines Lebens in Kliniken verbracht, den Großteil davon in einer stationären psychosomatischen Klinik (einmal waren 6 Wochen Tagesklinik angeschlossen, den Rest habe ich vollstationär verbracht). Zunächst einmal ist es ein gutes Gefühl, sich unter Gleichgesinnten zu befinden, die alle große Probleme haben, man muss sich nicht erklären, kann sein, wer man ist, man wird einfach verstanden, weil jeder in etwa nachvollziehen kann, wie es einem geht. Klar sind alle Symptomatiken unterschiedlich, aber auch wenn es sich um andere Krankheitsbilder handelt, haben trotzdem alle Verständnis füreinander und gehen rücksichtsvoll miteinander um. Die Klinik bietet ein gesichertes Umfeld, wie eine Burg, in der man keine Angst haben muss. Es fällt leichter, Kontakte zu knüpfen, weil man keine Rolle spielen muss, man kann einfach man selbst sein und wird akzeptiert. Es ist immer jemand da, wenn man Hilfe braucht. Die Mischung aus Einzel- und Gruppentherapie ist sehr hilfreich, und auch von diesen Kerntherapien abgesehen gibt es ja noch ein vielfältiges ergänzendes Therapieprogramm, dass Dich beschäftigt hält und Dir zeigt, was Du eigentlich alles noch kannst.
Natürlich ist ein Klinikaufenthalt auch sehr anstrengend, aber ich denke, dass Du Dir dessen bewusst bist, Du bist ja therapieerfahren und weißt daher, wie schwer Therapie manchmal sein kann, und die therapeutische Dichte ist in der Klinik sehr hoch. Aber ich denke, das wird Dir gefallen. Einmal in der Klinik angekommen wirst Du schnell feststellen, dass Deine Ängst in diesem Umfeld sehr schnell abnehmen werden.
Ich hoffe, dass die Kürze Deines Aufenthalts kein Problem wird, ich war immer mindestens 12 Wochen am Stück in der Klinik, diese 4 Wochen wirst Du kaum merken, kaum bist Du da, bist Du auch schon wieder weg, die Zeit verfliegt in der Klinik, selbst 12 Wochen fühlen sich wie maximal 2 an, auch das kannst Du Dir sagen, wenn die Angst wieder größer wird. Der Klinikaufenthalt wird kaum mehr als ein Wimpernschlag sein.
Was für Dich vielleicht schwierig werden könnte und worauf Du Dich vorbereiten solltest, ist, dass Du in ein Umfeld von ebenfalls erkrankten Menschen kommst, die alle sehr behandlungsbedürftig sind. Du hast zu Hause ja ein sehr gutes Netz und viele Menschen, die sich um Dich kümmern, in der Klinik verteilt sich die Aufmerksamkeit der Therapeuten auf viele Patienten, das kann manchmal schwierig sein. Da stimmt mich die Aussage "meine Therapeutin fährt mit mir in die Klinik und hält auf der Fahrt meine Hand" sorgenvoll, Du bist also daran gewöhnt, im ambulanten Bereich sehr intensive Betreuung zu genießen. Da wird man Dir in der Klinik vielleicht rückmelden, dass das nicht immer förderlich ist und regressive Tendenzen fördern kann. Und die Klinik wird Dir dieses Maß an Zuwendung nicht zukommen lassen können. Ich möchte betonen, dass ich das nicht sage, um Dich zu beunruhigen oder zu kritisieren, überhaupt nicht. Ich habe solche Sachen nur schon sehr oft miterlebt und schon oft nachts mit weinenden Mitpatienten zusammengesessen, die alle sagten, sie wünschten, man hätte sie darauf vorbereitet, und nichts anderes möchte ich hier tun. Manchmal können Rückmeldungen von Kliniktherapeuten sehr hart sein, weil deren Vorstellung von Therapie manchmal vom Therapieverständnis ambulanter Therapeuten abweicht. Und es kann dazu kommen, dass Patienten anfangen, sich regelrecht um die Aufmerksamkeit der Therapeuten zu zanken, wenn Du solche Verhaltensweisen an anderen Patienten feststellst, solltest Du auf Abstand gehen, das tut Dir nicht gut und führt nur dazu, dass Du von Deinem eigenen Therapieweg abkommst. Lass' die Probleme der Mitpatienten nicht so an Dich heran. Klar soll und kann man tolle Freundschaften schließen, nur vom Drama einiger Mitpatienten sollte man sich nicht anstecken lassen. Achte stets darauf, DEINE Therapieziele im Auge zu behalten.
Und nein, auch die letzten Punkt klangen nur negativ, sind es aber nicht wirklich. Ich habe nur festgestellt, dass es hilfreich ist, auf diese Dinge zu achten, dann kann man voll und ganz vom Aufenthalt profitieren. Und das wirst Du ganz sicher! Du bist eine starke Frau, die schon viel erreicht hat, und die jetzt ganz mutig noch einen herausfordernden Weg einschlägt, sei Dir dessen immer bewusst! Und Du wirst sehen, dass die Klinik Dir super gefallen wird, es ist meistens ein tolles Umfeld der Geborgenheit, in dem man sich voll auf seine Therapie konzentrieren kann, ohne von Alltagsproblemen belastet zu sein. Der Großteil der Therapeuten, Ärzte und Mitpatienten ist super, ich habe es eher so erlebt, dass die meisten Patienten gar nicht wieder nach Hause wollen, weil es Ihnen so gut gefällt. Nutze deine Therapieerfahrung, diese wird Dir helfen, von Deiner Zeit maximal profitieren zu können, da Du bereits weißt, wie "Therapie funktioniert", das ist eine gute Sache.
Ach ja, und eine Sache noch: Weißt Du, was Therapiedecken sind? Die kann ich Dir nur wärmstens empfehlen, großartige Erfindung. Ich habe auch ein Problem mit Medikamenten, manchmal ist meine Anspannung so hoch, dass kein Medikament mich runterbringt, nicht mal eine Kombi aus Benzos, Neuroleptika und weiteren Chemikeulen. Seit ich meine Therapiedecke habe, schlafe ich ohne Medikamente, und man hat mir früher echte Klopper zum Einschlafen verschrieben, nichts hat gewirkt. Die Therapiedecke ist super bei Angst- und Panikstörungen, durch ihre Schwere wirkt sie beruhigend auf das Nervensystem und bietet ein Gefühl von Trost und Geborgenheit, auch in wachem Zustand. Es gibt einen deutschen Hersteller, bei dem man die Decken test-schlafen kann (für ca. 28 Tage), wenn es nicht funktioniert, kann man sie zurückschicken. Vielleicht wäre das etwas für die Autofahrt?

Ich drücke dir alle Daumen für einen tollen Aufenthalt !
LG Silver

Gerade eben • #8



Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf


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