(Fortsetzung und letzter Part zu den Beiträgen #1, #42, #49, #50 und #83)
Neurotransmitter und ihre allgemein zugewiesene Rolle im Zusammenhang mit psychischen Problemen / Teil 2Nun stellt sich mir die Frage, ob denn "Normwerte" der o. g. Neurotransmitter und Sexualhormone aussagekräftig sind und ob es möglich ist, dass die vorliegenden Symptome eine andere Sprache sprechen?
Seit meinem "diagnostizierten" Burnout 2015 habe ich zahlreiche Neurostressprofile und Hormontests (Speichel, Urin) gemacht. Außerdem umfangreiche zusätzliche Blutparameter, die in irgendeiner Weise mit den o. g. Aspekten in Zusammenhang stehen könnten. Jegliche Abweichungen versuchte ich mittels Infusionen, Injektionen, Ernährung und Nahrungsergänzungen auszugleichen.
Dabei fiel mir auf, dass z. B.
Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine in aller Regel sehr gut regulierbar sind und ihren Wert dann auch langfristig halten, sofern man diverse "Vitalstoffräuber" im Rahmen einer verbesserten Lebensführung minimiert.
Auch den
Serotoninwert konnte ich binnen 10 Monaten von 66,4 yg/g Krea auf 173,1 yg/g steigern (Referenzwert: 148-230 yg/g Krea). Die Symptome verhielten sich tatsächlich entsprechend!

Was überhaupt nicht klappte, war die Hebung der
Katecholaminspiegel (Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin). Im Gegenteil: trotz umfangreicher Substitution entsprechender NEs
sanken alle drei Werte
noch weiter unter den jeweiligen Referenzwert. Die Symptome jedoch
verbesserten sich!
Für mich war insbesondere der
Cortisolspiegel und das
GABA von Interesse, da ich extrem stressempfindlich war.
GABA konnte ich mittels Präparaten von Anfang an gut steigern und ich spürte für mehrere Stunden nach der Einnahme eine deutliche Erleichterung. Der Wert ist seit einigen Jahren stabil, obwohl ich schon seit ca. 3 Jahren nichts mehr diesbezüglich substituiere.
Das
Cortisol jedoch blieb bis Anfang 2019 ganztägig im Keller, verglichen mit den Referenzwerten - egal, wieviel ich an Infusionen und NEs dafür tat. Erst seitdem ich den regelmäßigen
Alk. vollständig einstellte, auf
Histamin insgesamt etwas Rücksicht nahm und in der Folge eine deutlich stabilere Stressantwort ermöglichte, ging tatsächlich auch ganz langsam der Cortisolspiegel nach oben. Inzwischen liegt er im unteren Drittel des Referenzwertes und meine Stressantwort ist erfreulicherweise so gut wie nie seit 2015!

Trotzdem bin ich noch nicht zufrieden mit meiner
Ausdauer, sowohl geistig als auch körperlich.*
Endorphine zu messen macht wenig Sinn, deshalb bemühte ich mich lediglich um die entsprechenden Aktivitäten (Wandern in der Natur, leichtes Joggen, Meditation, entspannende Literatur) und die passende Ernährung. Insbesondere aktive B-Vitamine, Magnesium, Zink und Selen sowie Omega 3- und Omega 6-Fettsäuren substituier(t)e ich temporär in relativ hohen Dosen. Sämtliche Referenzwerte habe ich binnen recht kurzer Zeit erreicht und auch mein mentaler Zustand ist dementsprechend.
* Was mir jedoch immer suspekt war, war mein chronisch niedriger
Testosteronspiegel seit Messbeginn 2015 bis heute. Lange haderte ich mit einer Substitution, da ich Angst vor einer Nebennierenüberlastung hatte. Auch wollte ich erst eine Schilddrüsenproblematik ausschließen. Da beides inzwischen soweit relativ zuverlässig auszuschließen ist, verwende ich nun seit 2 Wochen eine Testosteroncreme, die ich mir aus Spanien zuschicken ließ. Sie ist rezeptfrei und entsprechend vorsichtig dosierbar. Natürlich erwarte ich mir nun keine Wunder, da mein Gesamtzustand für meine Verhältnisse eh sehr zufriedenstellend ist, aber ich glaube tatsächlich eine Steigerung meiner Ausdauerfähigkeit insbesondere in körperlicher Hinsicht (z. B. bei mittelschwerer Arbeit oder Joggen bei um die 30 Grad Celsius) festzustellen. Auch vertrage ich just seitdem wieder etwas Koffein (2 Tassen normalen Espresso oder Cappuccino täglich), was in meinem Fall wirklich ein weiteres Stück Lebensfreude darstellt. Auch Lautstärke und viele verschiedene Geräuschquellen tangieren mich nur noch gering.
Anhand dieser Erfahrungen bin ich schon der Ansicht, dass diese Werte
generell aussagekräftig sind. Auch wenn die Katecholamine sich zwar "auf dem Papier" nicht verbessert haben, so sind immerhin die entsprechenden Symptome deutlich besser bis einwandfrei geworden!

Vielleicht folgt der Wert ja noch nach oder ist in
meinem Fall vielleicht tatsächlich nicht so relevant!?
Interessant hierbei: Im Zuge meiner Suchttherapie musste ich aus Kostenträgergründen 3x eine Psychiaterin konsultieren, die über den Therapieverlauf eine Einschätzung abgab. Sie beglückwünschte mich am Ende zum "eindeutig erfolgreichen Verlauf" und ich erwähnte freudestrahlend, dass auch viele meiner o. g. Werte gestiegen seien. Sie sah mich völlig irritiert an und meinte, was denn diese Werte meiner Meinung nach mit
psychischen Problemen zu tun haben sollen! Ich skizzierte ihr in kurzen Sätzen das bisher Gesagte und sie schüttelte daraufhin den Kopf und meinte abschließend, dass sie derlei Zusammenhänge noch nie gehört habe...

Es sei erwähnt, dass sie keine suchtspezifische Psychiaterin ist, sondern eine ganz normale Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie führt!
Auch in der Psychosomatischen Klinik, in der ich 2016 für 6 Wochen wegen meinem Burnout stationiert war, schauten mich die dort behandelnden Ärzte bzgl. meiner "Messwertreiterei" an, wie man wohl als Politiker heutzutage einen sogenannten "Schwurbler" anschaut. Gefühlt war ich in dieser Klinik wohl der einzige Patient, der ohne Antidepressiva behandelt wurde. Das wurde mir auch von meiner behandlenden Therapeutin so ähnlich bestätigt. Allerdings muss ich ganz klar sagen, dass mir niemals ein AD o. ä. aufgedrängt, sondern lediglich
angeraten wurde, "um den
langfristigen Therapieerfolg außerhalb der Klinik zu gewährleisten". Die dort in Anspruch genommenen Therapieformen nahm ich für mich als sehr effizient wahr, insbesondere die "Kommunikative Bewegungstherapie". Viele meiner Mitpatienten waren oft außer Gefecht gesetzt, weil sie gerade eine "Medikamentenumstellung" durchlitten. Manche, die SSRI nahmen, kamen mir mitunter regelrecht "aufgedreht" vor, wenig reflektionsfähig. Damit möchte ich natürlich keine Pauschalisierung vornehmen - das sind nur meine persönlichen Eindrücke und natürlich kannte ich aus den Gruppengesprächen nur Ausschnitte aus ihrer Psycho-Vita.
Wenn ich mir selber die Frage stelle, ob ich mich heute als "geheilt" ansehe, muss ich das aus objektiver Sicht wohl eindeutig bejahen. Mein Leben hat sich durch die Krise und im Zuge meiner umfangreichen Bemühungen bedeutend zum insgesamt Heilsamen und vor allem Sinnvollen hin gewandelt. Alle halbwegs "guten Anlagen", die ich mitbrachte, können sich nun m. E. natürlich entfalten.
Natürlich muss ich erwähnen, dass eine Psychoanalyse im Jahre 2007 und ziemlich weitreichende Beschäftigung mit Psychologie, Biochemie und Philosophie in Kombination mit der für mich sehr wesentlichen Buddhalehre ihr Übriges dazu taten. Letztere ist in meinem Fall für eine äußerst grundlegendere Beschäftigung mit "Ich" und "Welt" verantwortlich als jegliche westliche Form von Psychotherapie in Anspruch nimmt und in dieser Hinsicht ist mein "Heilsweg" wohl noch lange nicht zu Ende...

Und genau hier stößt m. E. unsere "Psychologie" auch ganz offensichtlich an ihre Grenzen. Doch dies ist wiederum ein anderes Thema, dem ich mich ja in einigen anderen meiner Themen immer wieder mal widme - sehr zum Unmut mancher RomankritikerInnen...

Danke für´s Lesen und für Eure Teilnahme an der Diskussion - vielleicht geht´s ja noch a bisserl weiter. "
Ich habe jedenfalls erst mal fertig", um es mit Giovanni Trapattoni zu sagen...ciao!
