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Käit
Hallo an alle,

Ich möchte gern über dieses Thema sprechen, weil ich es sehr wichtig finde und auch selbst davon Betroffen bin. Ich halte Fixierung als Maßnahme für äußerst fragwürdig. Wie geht es euch damit? Wurde eine/r von euch auch schon mal fixiert?
Dieser Eingriff hat Spuren hinterlassen, ich leide seither zusätzlich unter Angstzuständen und Albträumen.

Ich bin dankbar für eure Kommentare.
Käit

27.07.2021 08:54 • 27.07.2021 #1


9 Antworten ↓


heartstowolves
Hallo,

ich kann mir vorstellen, dass eine Fixierung nicht sehr schön ist. Ich kann nur von der anderen Seite - der Pflege - reden. Es gibt Situationen da sind Fixierungen die einzige Möglichkeit bzw. wichtig. Das wird aber im Vorfeld immer abgesprochen und muss vom Arzt verordnet werden.
Dass das Spuren bei dir hinterlassen hat tut mir leid. Hast du das mit den Angstzuständen und Albträumen irgendwo schon ansprechen können?

27.07.2021 09:00 • x 3 #2



Fixierung als Maßnahme in der Psychiatrie

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Käit
Ich kann die Pflegekräfte auch verstehen, es ist deren Aufgabe, die haben sich das ja nicht ausgedacht. Und es gibt bisher eben keine Alternativen dazu, darum wird munter weiter fixiert. Ich denke, das ganze Konzept "Psychatrie" muss neu gedacht werden. Der Soteria Ansatz ist denk ich ganz vernünftig.

Ich kann zum Glück mit meiner Therapeutin darüber sprechen. Hast du selbst auch schon fixiert? Das muss auch hart sein.

27.07.2021 12:07 • #3


heartstowolves
Ich kann nur aus den Bereichen sprechen, wo ich es erlebt habe aber dort ist immer die letzte Wahl die Fixation. Wie es woanders ist, weiß ich nicht, kann mir aber vorstellen, dass es gewiss zu schnell angewandt wird.
Man darf eben nicht vergessen, dass es eine freiheitsentziehende Maßnahme ist und nur bei akuter Gefahr angewendet werden soll. Soll heißen: Bei schwerer Eigen- und Fremdgefährdung. Es war und ist leider in einigen Einrichtungen normal, wenn z.B. jemand eine Weglauftendenz hat, dass dieser fixiert wird. Das ist der falsche Ansatz.
Wo es allerdings auch sinnvoll ist zu fixieren:

Trigger

bei akuten Psychosen, in denen keine Medikamente helfen und die Person auf sich selbst und andere losgeht, bei hoch aggressiven Personen durch Alk und Dro. Einfluss



Ich habe schon häufiger fixiert, aber wenn, dann aus den oben genannten Gründen. Meist war es nicht anders zu handhaben und es ist auch nicht leicht. Aber bevor ich ernsthaft verletzt werde und die Person auch, wird fixiert und engmaschig überwacht, damit nichts passiert.
Ob es ethisch korrekt ist steht auf einem anderen Blatt. Es greift eben sehr auf die Intimsphäre ein, die fixierte Person kann sich nicht wehren (wobei ich da auch schon erlebt hab, dass man bespuckt wird oder die Person wollte dann zu beißen) und ist dementsprechend ausgeliefert, was zu Panik führen kann. Das kann ich auch vollkommen verstehen.

Ich stimme dir aber zu, dass einige Konzepte überarbeitet werden sollen.
Ich hoffe du kannst dieses Traumata mit Hilfe deiner Therapeutin überwinden.

27.07.2021 12:23 • #4


july1986
Ja ich wurde mal fixiert ,jedoch nicht in einer Psychiatrie ,sondern in einem normalen Krankenhaus auf der Intensivstation.

Dort lag ich aufgrund Dro..
An das Fixieren selbst und alles was davor geschah hab ich keinerlei Erinnerung ,dort hab ich ein Blackout .

Ich erinnere mich nur an alles was passierte bevor der RTW kam ,dann wie der Notarzt und die Sanitäter sich meiner Annahmen im Krankenwagen und dann wurde ich weg gespritzt .

Als ich wieder wach wurde lag ich *beep* bzw nur noch mit einem Slip bekleidet komplett mit Armen,Beinen und Bauch ans Bett fixiert in einer mir völlig fremden Umgebung .

Angeblich war ich laut Ärzten davor bereits wach gewesen und deswegen musst ich wohl auch fixiert werden ,jedoch egal wie sehr ich mich anstrenge ,ich hab daran keine Erinnerung ,ob das stimmt .

Naja das ganze Geschehen an sich ist und bleibt traumatisch für mich .

27.07.2021 12:35 • x 1 #5


Zitat von Käit:
Ich halte Fixierung als Maßnahme für äußerst fragwürdig.

Fixierungen unterliegen ja strengen Regularien. Es gibt Patienten, die sich und andere verletzen, toben, Infusionen herausreißen uvm. Da sind sie meiner Meinung nach zwingend erforderlich.

27.07.2021 13:36 • #6


Icefalki
Zitat von Käit:
Ich halte Fixierung als Maßnahme für äußerst fragwürdig.


Man wird ja nicht ohne Grund fixiert, meiner Meinung passiert das nur, wenn der Betroffene sich und andere in Gefahr bringt.

Ich arbeite in einer HNO-Praxis, wo Patienten aus dem Massregelvollzug behandelt werden. Die kommen mit 2 Pflegern bewacht und an Beinen und Händen gefesselt in die Praxis. Bisher waren die alle sehr nett und lieb, aber nen Grund wird es schon haben, wenn das nötig ist.

27.07.2021 14:28 • x 1 #7


july1986
Zitat von Icefalki:
Man wird ja nicht ohne Grund fixiert, meiner Meinung passiert das nur, wenn der Betroffene sich und andere in Gefahr bringt. Ich arbeite in einer ...


Das hat nix damit zu tun,ob oder wie gefährlich die sind ,sondern das gehört im Vollzug soweit ich weiß ,dann einfach zum Standardprogramm.

27.07.2021 15:06 • #8


Mondkatze
Fixierung bedeutet immer Freiheitsberaubung und ist strafbar.
Deswegen kann man auch nicht einfach mal so jemanden fixieren, weil er lästig ist oder in irgendeiner Weise stört.
Es muß schon Gefahr in Verzug sein.
D.h. die Fixierung muß in diesem Moment gerechtfertigt, das angemessene Mittel der Wahl sein.
Der Arzt ordnet die Fixierung an und das Amtsgericht muß darüber in Kenntnis gesetzt werden, wenn die Fixierung länger von Nöten ist.

Habe das nur mal geschrieben, damit man etwas die Angst vor übereifrigen Handlungen im Krankenhaus / Altenheim verliert.

Auch wenn es im Moment Schutz bedeutet, nämlich Schutz vor Eigengefährdung ( z.B. Suizid ), ist und bleibt es ein Eingriff, der eine schreckliche Erfahrung sein muß.

Leider ist die Fixierung im Notfall das einzige Mittel um den Patienten zu schützen, denn für ein Gespräch sind die meisten in dem Moment nicht zugänglich.

27.07.2021 15:20 • x 2 #9


Spaceman
Während meines Zivildienstes in der Altenpflege 2001 war ich auch einmal an einer Fixierung beteiligt - natürlich nur assistierend. Eine Bewohnerin hatte mitten in der Nacht einen demenzbedingten psychotischen Schub mit schwerer Angst, Wut und Aggressionen. Sie wusste überhaupt nicht mehr, wo sie war, hatte panische Angst und wollte unbedingt weg. Alle Versuche, sie zu beruhigen schlugen fehl und mittlerweile war die halbe Station wach.

Die Pflegerin hat dann eine Tranquilizer-Spritze aufgezogen und dann ging es los. Bewohnerin packen, aufs Bett zwingen, Gurte anlegen, Spritze rein. Ich kann Euch sagen, dass war eine richtig beschissene Erfahrung. Wir mussten danach erst einmal eine Rauchpause machen und auch der Pflegerin zitterten immer noch die Hände. Sie sage "Gott, wie ich das hasse!".

Das wurde alles sauber dokumentiert und bei der Übergabe am Morgen ausführlich berichtet. Es war echt furchtbar, aber ich weiß nicht, wie das anders hätte gelöst werden können.

27.07.2021 19:48 • x 1 #10



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Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf