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Hallo Zusammen.
Bei mir wurde vor ca 2 Jahren eine Zwangsstörung diagnostiziert, daher leide ich unter Zwangsgedanken.
Ich bin Erzieherin und dann vor ca. 2 Jahren kam mir plötzlich dieser schreckliche Gedanke ich könnte ein Kind (welches ich dammals gehütet hatte) sexuell missbraucht haben. Dazumals hatte ich auch ein Alk.. Ich leide schrecklich unter dieser Unsicherheit ob ich das getan habe oder nicht. Ich war auch alleine mit dem Kind. Ich denke dann, ich könnte damals betrunken gewesen sein und habe vielleicht die Kontrolle verloren. Ich denke manchmal ich habe das alles verdrängt und das kommt jetzt wieder hoch. Ich denke oft, da muss doch was gewesen sein. Warum sonst kommt mir so ein Gedanke? Dieser Gedanke versetzt mich in riesengrosse Zweifel und gibt mir das Gefühl der allerschlimmste Mensch der Welt zu sein. Ich bin seit 2 Jahren in Therapie. Aber dieser Gedanke quält mich so!

Kennt Jemand von Euch solche Gedanken? Wie geht Ihr mit sowas um?

herzlichen Dank für Eure Antworten. Ella

21.12.2021 10:35 • 21.12.2021 x 1 #1


2 Antworten ↓


moo
Hallo @Ella13,

herzlich willkommen. So erschreckend die Thematik Deiner Zwangsgedanken auch sein mag, es sich erstmal lediglich Zwangsgedanken. Hinzu kommt der A lkoholsuchtaspekt. Beides sind zwar zwei verschiedene Dinge, wirken aber m. E. zusammen - insbesondere darin, dass sie Deine Unsicherheit verstärken. Zudem dürften Schuld- und Schamgefühle die Sache nicht unbedingt übersichtlicher machen.

Deine therapeutische Beschäftigung mit Zwangsgedanken etc. war vielleicht einfach etwas zu oberflächlich um Dir Beruhigung zu schaffen. Deshalb ein paar (hoffentlich) klärende Anmerkungen hierzu:

1. Gedanken und Denken sind zwei verschiedene Dinge!

Gedanken sind im Geist gespeicherte Sinneseindrücke, die aus bereits stattgefundenen Sinneskontakten (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) entstanden. Der Unterschied zu den Sinneskontakten ist lediglich, dass sie von innen (aus dem Geist) kommen.

Denken ist aktives geistiges Gestalten und findet in aller Regel unbewusst statt. Unbewusst bedeutet hier, dass Denken nicht bewusst erlebt und schon gar nicht beobachtet werden kann. Nur sehr weit fortgeschrittene Meditierende sind in der Lage, den Beginn und das Ende des geistigen Gestaltens zu erkennen, doch ich schätze, das ist bei keinem hier im Forum der Fall

Daraus folgt, dass das was Du oben beschreibst, lediglich ein Beobachten von Gedanken darstellt.

2. Weshalb die Angst?

Einer der Gründe, weshalb uns wirre Gedanken ängstigen, ist der (vermeintliche!) Kontrollverlust. In Wahrheit ist es aber kein Verlust von Kontrolle, sondern Unwissenheit über Punkt 1 (s.o.).

Da wir glauben, Gedanken seien gleichbedeutend mit Denken beziehen wir die Gedanken auf uns! Es fühlt sich so an, als hätten wir etwas mit unseren Gedanken gemeinsam, währen dafür verantwortlich, ja sogar manchmal schuld daran...

Niemals würden wir so über die anderen Sinneseindrücke (Gesehenes, Gehörtes, Gerochenes etc.) denken! Weshalb ist das so? Weil diese Sinneseindrücke (vermeintlich!) von außen kommen, Gedanken jedoch, wie oben beschrieben, von innen. Der unachtsame Geist meint deshalb, er wäre der Schöpfer derselben.

Ich hoffe, das klärt die Sache etwas für Dich? LG

21.12.2021 10:57 • x 2 #2


Lieber Moo

Vielen Dank für Deine Antwort...Du hast mir echt weitergeholfen und wenn ich ganz sachlich denken könnte, wären meine Gedanken weniger schlimm. Aber ich kann halt nicht mehr klar denken. Wenn dieser schrekliche Gedanke auftaucht, fühle ich einen starken Schmerz in meiner Seele...irgendwo weiss ich, dass da ganz viel emtionales dahintersteckt aber ich blicke nicht dahinter. und ja Schuldgefühle spielen eine grosse Rolle bei mit auch Scham. So denke ich, ich habe diese starken Schuldgefühle eben weil ich dazumals so etwas schreckliches getan haben könnte....ich danke Dir Moo!

Liebe Grüsse Ella

21.12.2021 11:14 • x 1 #3




Prof. Dr. Borwin Bandelow