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Hallo ihr Lieben,
hiermit reiht sich ein weiterer Leidensgenosse ein. Ich habe sehr viele Beiträge aus dem Thread gelesen und kann die GEfühle und Gedanken sehr gut nachvollziehen. Wobei ich das Glück habe, dass es bei mir nicht so ausgeprägt ist.
Kurz zu mir.
Ich bin Männlich und 22 Jahre jung. Studiere in Berlin und wohne in einer WG mit 2 guten Freunden.
Ich weiß nicht genau wann das Problem bei mir begonnen hat. Aber ich bin der Meinung das ich in der Schulzeit keine Probleme damit hatte. Zumindest erinnere ich mich nicht, Angst in der Abiturprüfung davor gehabt zu haben o.ä..
Allerdings gab es eine unangenehme Situation bei meinem damals besten Freund zu Hause. Ich bin mit ihm zusammen aufgewachsen und wir kennen uns sehr gut, haben über fast ein Jahrzehnt jeden Tag zusammen verbracht. Irgendwann (so mit 16/17) hat er mich mal darauf angesprochen, als wir bei ihm saßen, warum ich denn heute ständig auf Klo renne. Ich hatte keine Ahung. Vorher bestand das Problem nicht. Seit dem war es mir immer etwas unangenehm wenn ich bei ihm war, allerdings war das kein größeres Problem.
Kein Problem in der Öffentlichkeit.
Kein Problem in der Schule.
Kein Problem in der SBahn.
Nach dem Abitur begann mein Zivildienst. Zu der Zeit hatte ich ein kleines Dro.. Welches ich aber nach 2-3 Monaten selbst bewälltigt habe. Allerdings ist zu der Zeit das Problem verstärkt aufgtreten, das ich ständig auf Klo musste, konnte es aber auch irgendwie managen.
Gefühlsmäßig begann zu der Zeit der Stress wie es weiter geht. Was fange ich mit meiner Zukunft an? Was will ich denn nun wirklich werden? etc.
Persönlich mache ich mir sehr viel Druck sehr Erfolgreich zu werden und viel Geld zu verdienen. Ich habe schon während meiner Schulzeit viel nebenbei gearbeitet und daher einen gewissen Lebensstandard im vergleich zu Mitschülern gehabt, ansonsten komme ich aber aus einem ganz normalen Haushalt.
Okay ich schweife ab. Sorry.
So lange ich alleine bin, habe ich überhaupt kein Problem. Ich kann x Stunden Autofahren oder auch täglich mit der Sbahn 30-60 Minuten. Problematisch wird es allerdings wenn Freunde oder Bekannte dabei sind (Es sei denn ich fahre selber).
Gestern gab es wieder eine Situation die etwas unangenehm war. Ich bin in die SBahn eingestiegen und habe einen Freund getroffen. Sofort war die Panik da. Ich bin mit einer Ausrede in der nächsten Station wieder augestiegen und habe (ohne auf Klo zu gehen oder zu müssen) die nächste genommen. Musste dann in der Uni zu einem Termin und bin kurz vorher auf Klo gegangen und dann zu dem Gespräch. Sofort war die Panik wieder da, weil ich ja nicht hätte rausgehen können. 10 Minuten später war ich wieder draußen und bin erst 2-3Stunden später auf Klo gegangen. Also wieder einmal eine absolut unbegründete Angst.
Naja und das übliche halt, Friseur, Zahnarzt etc. sind echt Problematisch. Wobei ich vor paar Tagen auch wieder beim Friseur war und es ging eigentlich. Am Anfang ist es schlimm und wenn ich merke der Friseur ist fast fertig fange ich an mich richtig wohl zu fühlen und könnte auch noch ewig weiter da sitzen. Aber dann ist es auch schon wieder vorbei.
Ich habe bei mir gewisse Zusammenhänge gemerkt. Wenn ich mich richtig gut fühle, also das Gefühl habe mein Leben im Griff zu haben kann ich mit dem Problem gut leben. Es ist zwar da aber hält sich sehr in Grenzen. Wenn ich aber wieder etwas schlechter drauf bin, haut es mich wieder volle Kanne um und das frustriert mich natürlich wieder.
Was mir etwas geholfen hat ist folgendes:
Lernen den Druck auszuhalten. Wenn ich zu Hause bin und den Drang verspüre auf Toilette zu müssen dann halte ich es so lange aus, bis es wirklich überhaupt nicht mehr geht. Auch wenn ich dabei im Zimmer auf und ab laufen muss und tief durchatmen muss. Dann setz ich mich wieder hin und es geht wieder 5 Minuten. Damit lerne ich, das ich meinem Körper nicht komplett ausgeliefert bin, sondern auch wenn ich wirklich super dringend muss es zurückhalten kann.
Anonsten hab ich die blöder Angewohnheit, wenn ich wieder Panik bekomme, mir ständig in den Schritt zu fassen. Dann geht es auch aber sieht natürlich sehr sehr bescheuert aus und geht in der Regel nicht. Ansonsten Herzrasen, Schweißausbrücke und zappeln.
So viel erstmal zu mir.
Ich bin zuversichtlich das wir es schaffen können! Wir müssen uns nur immer wieder in die Paniksituationen begeben. Ich denke die beste Form das Problem zu lösen ist eine Verhaltenstherapie und sich der Angst zu stellen. Schritt für Schritt. Vielleicht 10 Stufen aufschreiben die einem Angst machen. Die 1 macht mir ein wenig Angst und die 10 ist (vermeintlich) unerträglich. Dann anfangen sich von der 1 bis zur 10 hochzuarbeiten. Dabei an die Situationen denken in denen man mal kein Problem hatte und wie gut es sich angefühlt hat. (Persönlich habe ich immer ein enormes Glücksgefühl wenn mir im nachhinein auffällt das ich in einer bestimmten Situation keine Angst hatte).
Liebe Grüße an alle Leidensgenossen.
PS: Ich habe sehr großen Respekt vor euch, das ihr mit dem Problem offen umgeht. Ich habe noch nie mit irgendjemanden darüber gesprochen. Nicht mal mit meinem besten Freund und den habe ich wegen einer Manie schon 2 mal in der geschlossenen Besuchen müssen über mehrere Monate...
PS2: Ich denke es gibt viele die das Problem haben, ist mir in der Uni aufgefallen. Wir sitzen teilweise mit 500-1500 Leuten im Hörsaal und da ist mir schon öfter aufgefallen das manche die gleichen Symptome aufweisen wie hier beschrieben.