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Hallo, ich schaue nach langer Zeit mal wieder vorbei. Ich war hier letztes Jahr im Frühjahr irgendwann schon mal angemeldet, finde aber weder meine alten Benutzerdaten, noch meinen alten Thread wieder, der zugegeben und im Nachhinein betrachtet, doch mit dem Titel "Mein Leben ist eine Folter, ich kann nicht mehr", sehr depressiv geklungen hat. Ich habe daher einfach nochmal ein neues Benutzerkonto eröffnet, und ich hoffe das ist okay. Psychisch geht es mir mittlerweile ein wenig besser, im Vergleich zum vergangenen Jahr. Von den sehr heftigen Depressionen, die ich letztes Jahr noch hatte, verspüre ich so gut wie nichts mehr, und ich hoffe weiterhin, dass sie weit weg bleiben.

Das Haus zu verlassen, fällt mir nach neun Jahren Isolation Zuhause, aber leider immer noch sehr schwer. Es fühlt sich extrem komisch an, nach so vielen Jahren "draußen" zu sein. Das ist ja, als wäre man 9 Jahre in einem Gefängnis gewesen. Nein, selbst die haben mehr Freigang. Ich weiß gar nicht, was ich mit mir draußen anfangen soll. Wenn mir Leute begegnen, würde ich mich am liebsten unsichtbar machen, und sobald irgendwo ein Blickkontakt entsteht, mich andere Leute sehen, werde ich extrem unsicher. Eine Unsicherheit die auch für Außenstehende sichtbar ist und komisch wirkt und ist.

Dass ich durch die neunjährige Isolation und damaliger psychischer Probleme stark übergewichtig geworden bin und beim Gehen sehr schmerzhafte Rückenschmerzen habe, und nur sehr langsam gehen kann, macht es auch nicht gerade leichter und besser. Alles sehr frustrierend im Moment. Aber ich halte an meinen regelmäßigen, wenn auch kurzen. Spaziergängen fest, seit ich festgestellt habe, dass die mir gesundheitlich guttun. Und ich hätte auch mal wieder Lust Fahrrad zu fahren, weiß aber nicht, ob mein Körper diese Belastung aushält. Muskulatur und Ausdauer sind komplett im Eimer. Nach 9 Jahren Dauerisolation auch kein Wunder. Bin aktuell froh, dass ich wenigstens die kurzen Spaziergänge hinkriege.

Nur ich gerate langsam in Zeitdruck. Nach den Sommerferien habe ich ja diesen neuen Schulplatz an dieser berufsbildenden Schule, in dieser riesigen Stadt. Wir reden hier von einer Menschenanzahl im vierstelligen Bereich. Ich kriege ja so schon ein Kollaps, wie soll das dann dort gehen? Und den schulischen Leistungssport kann ich dort gleich mit vergessen. Ich bin nach 10 Min "Spazieren" so schon völlig zerstört und habe so intensive Schmerzen, dass ich erst mal pausieren muss. Ich weiß nicht, für mich steht fest, dass es meine letzte Schule ist. Wenn das wieder ein Flop wird, werde ich es diesmal direkt sein lassen und mir für meine Gesundheit eine Auszeit nehmen. Ich werde hier bald noch wahnsinnig.

29.06.2021 19:29 • 30.06.2021 #1


6 Antworten ↓


Perle
Hallo Stony, lebst Du allein? Du bist laut Profil 26 Jahre alt und hast 9 Jahre Dein zuhause nicht verlassen? Wie hast Du denn Dein Alltagsleben gemeistert, z. B. einkaufen, Arztbesuche etc.? Hast Du einen Betreuer(in)? Gibt es Familienangehörige, die Dir irgendwie geholfen haben? Was hast Du in den 9 Jahren gemacht? Entschuldige die ganzen Fragen aber ich versuche, mir ein Bild zu machen. Vielleicht kannst Du uns nochmal etwas mehr über Dich erzählen, wenn Du magst. Nun, nach so langer Zeit plötzlich sozusagen wieder einen normalen (Schul)alltag zu leben, finde ich schwierig. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

29.06.2021 20:56 • x 1 #2



Normales Leben nach 9-jähriger Isolation?

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Hallo @Perle, danke für deine Antwort. Ich lebe mit meiner Familie zusammen. Sie sind eine wichtige, und auch notwendige Stütze für mich. Ohne sie wäre vieles nicht machbar und zu realisieren. Sie unterstützen mich in allen Belangen. Einen Betreuer gibt es nicht. Arztbesuche mache ich alleine. Die Isolation kam aber nicht von heute auf morgen, sondern es war ein Prozess in den Jahren.

2012-2015
Trigger

2012/2013 ein sehr übles Schuljahr gehabt. Erniedrigungen, extremes Mobbing, Videoaufnahmen veröffentlicht und in der ganzen Stadt, einschließlich Schule verteilt, Fremde Blicke auf mir, jeder kannte mich, extremes Mobbing auf einer einwöchigen Klassenfahrt, wo ich denen schutzlos ausgeliefert war. Ach das zog sich das ganze Schuljahr durch.

2013/2014 habe ich mich wieder aufgebaut. Bin nach den Sommerferien rüber an die gegenüberliegende Schule. Neue Klasse, neues Umfeld, habe alles was gewesen ist, irgendwie verdrängt, aber es nie jemanden erzählt oder richtig verarbeitet. Neue Freunde gefunden, das Jahr durchgezogen, Abschluss gemacht, und bin in die Oberstufe rein.

2014/2015 Selbe Schule wie 2013/2014, Klasse blieb auch fast bestehen, war in der Oberstufe für den Realschulabschluss. Die Typen aus 2012/2013 sind aber wieder aufgetaucht, waren in Parallelklassen, unterwanderten mein schulisches Umfeld gezielt, belästigten mich auf den Nachhausewegen, wieder kannte jeder meinen Namen, wieder all die fremden Blicke auf mich, psychisch kam alles von damals hoch, was mich zusammenbrechen ließ. Ab hier ging es los: Erst mal also nicht mehr zur Schule, dauerhafte Krankschreibung da beim Hausarzt ausgeheult. Sozialarbeiter an der Schule: Ich war selbst schuld für meine Situation. Sozialpsychiatrischer Dienst: Es liege an mein Selbstbewusstsein... Also: Frustessen, schwere Depressionen, Isolation Zuhause im Zimmer, Flucht in Videospiele, hab mich mit meinem Oberstufenlehrer wegen der Fehlzeiten verkracht. Ihn von den Umständen zu erzählen, dafür war kein Vertrauen mehr da.



Danach:
Trigger

Von der Schule dann kurz vor den Sommerferien runter, neue Schule gefunden. War echt schön dort, aber mir ging es psychisch sowas von schlecht, dass ich kurz davor stand, mir etwas anzutun. Meine Eltern nahmen mich von der Schule in Absprache mit der Schule. Paar Monate Auszeit sollten es sein, hab mich aber auch nur wieder isoliert, und dann sollte ich das Jahr dort nach den Monaten wiederholen. Lief auch super und dachte irgendwann nicht mehr an damals. Aber dann ist mein Opa gestorben, was mich komplett zerstört hat, und 10 Wochen später meine Oma auf direkten Wege hinterher, was mich nochmal fertig gemacht hat. Schuljahr fürn Ar., Dauerisolation, Krankschreibung, Essstörungen, Depressionen, Videospiele... Die Schule gab mich auf, ich wieder daheim. Auf den anderen folgenden Schulen lief es ähnlich, und dann war auch noch unsere Hündin gestorben.



Seit unserem gemeinsamen Umzug versuche ich mein Leben komplett neu aufzubauen. Das ist auch der Grund, warum ich mich erneut für eine Schule angemeldet habe. Ich habe der neuen Schule meine komplette Situation im Voraus offengelegt, sie wissen über alles Bescheid. Sie hätten mich ablehnen können, sie wollen mich aber trotzdem, und ich soll dort die bestmögliche Unterstützung bekommen. Es ist eine große Schule, inmitten einer Universitätsstadt. Es sind dort tausende von Menschen. Ich habe trotzdem Angst wieder alle nur zu enttäuschen, wie an jeder Schule zuvor. Diese Schule ist eine große Chance und ich könnte mir damit den Traum des Realschulabschlusses erfüllen. Als Mensch mit Lernbehinderung ohnehin sehr schwer.

Die Spaziergänge tun mir gesundheitlich gut. Ich kann zwar nur sehr langsam gehen und habe starke Schmerzen im Rücken, aber ich merke, dass es besser wird. Nur ich brauche einfach mehr Zeit. Die Unsicherheit / Phobie vor Menschen ist noch immer da und ein sehr ernstes Problem. Nach und nach muss ich versuchen wieder mehr am öffentlichen Leben teilzunehmen. Aber ich gehe trotzdem meine Wege, und werde demnächst auch wieder Fahrrad fahren, vorausgesetzt mein Körper schafft diese Belastung bereits. Ich wünsche mir seit so vielen Jahren ein neues Leben. Ich hab es einfach im Bauchgefühl, dass es mir dieses Mal vielleicht sogar gelingen wird. Keiner sagt, dass es leicht wird. Sicher wird es schwierig. Aber ich habe mich so viele Jahre isoliert, das ist für mich einfach keine Option mehr, und zerfrisst mich immer mehr. Es wird früher oder später zu ernsten gesundheitlichen Folgen führen, insbesondere mit meinem Gewicht.

30.06.2021 06:11 • #3


Perle
Hast Du denn einen begleitenden Therapeuten(in) und/oder nimmst Du unterstützende Medikamente? Es muss doch da jemanden offizielles geben, der Dich schulisch und dann auch berufsbegleitend unterstützt?

30.06.2021 08:41 • x 1 #4


Ich habe keinen Therapeuten, und habe auch keine Medikamente. Wer von offizieller Seite soll das sein? Ich bin mit 26 ja für mein Leben selbst verantwortlich, Früher hatte ich Andi Depressiver verschrieben bekommen. Das waren die einzigen Medikamente. Für berufliche und schulische Laufbahn gibt es nur einen offiziellen Ansprechpartner für mich, und das ist das Jobcenter, und die wissen von meinen schulischen Plänen und unterstützen mich dahingehend. Das hat aber nichts mit meiner Erkrankung zu tun. Anders wird es, wenn ich dann nach den Ferien am neuen Schulplatz bin. Dort werde ich dann offiziell von der Schule als Ansprechpartner unterstützt. Andere Ansprechpartner gibt es nicht

30.06.2021 14:36 • #5


Perle
Es gibt ja z. B. Sozialdienste, die Menschen unterstützend und Schritt für Schritt zurück in das Alltagsleben begleiten. Sie bauen ein Netz für diesen Menschen und mit ihm gemeinsam auf, z. B. hinsichtlich der Wohnsituation, Therapieangeboten, schulischer und beruflicher Aus- und Weiterbildung, je nach Bedarf. Natürlich sind wir alle letztlich selbst für unser Leben verantwortlich aber ich kann ja dennoch Unterstützung in Anspruch nehmen. Ich wünsche Dir für Deine schulischen Plänen ganz viel Erfolg und nette Begegnungen mit den Mitschülern(innen)!

30.06.2021 18:38 • #6


Du meinst bestimmt den Sozialpsychiatrischen Dienst, oder? Ich hoffe auch, dass ich das nach den Ferien irgendwie schulisch wieder hinkriege. Es gibt einmal die private Seite, die für mich und meine Gesundheit steht, und dann die schulische/berufliche Seite, die durch erstes massiv gelitten hat. Zumindest hat diese Schule voraus, dass ich sie bereits jetzt schon im Voraus über die gesamte Situation informiert habe, und sie sich entsprechend auf mich einstellen können, und auch werden, wie man mir versichert hat. Bei den anderen Schulen in der Vergangenheit lief das ja nicht so gut.

30.06.2021 20:52 • #7




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