Hallo @Perle, danke für deine Antwort. Ich lebe mit meiner Familie zusammen. Sie sind eine wichtige, und auch notwendige Stütze für mich. Ohne sie wäre vieles nicht machbar und zu realisieren. Sie unterstützen mich in allen Belangen. Einen Betreuer gibt es nicht. Arztbesuche mache ich alleine. Die Isolation kam aber nicht von heute auf morgen, sondern es war ein Prozess in den Jahren.
2012-2015
Trigger
2012/2013 ein sehr übles Schuljahr gehabt. Erniedrigungen, extremes Mobbing, Videoaufnahmen veröffentlicht und in der ganzen Stadt, einschließlich Schule verteilt, Fremde Blicke auf mir, jeder kannte mich, extremes Mobbing auf einer einwöchigen Klassenfahrt, wo ich denen schutzlos ausgeliefert war. Ach das zog sich das ganze Schuljahr durch.
2013/2014 habe ich mich wieder aufgebaut. Bin nach den Sommerferien rüber an die gegenüberliegende Schule. Neue Klasse, neues Umfeld, habe alles was gewesen ist, irgendwie verdrängt, aber es nie jemanden erzählt oder richtig verarbeitet. Neue Freunde gefunden, das Jahr durchgezogen, Abschluss gemacht, und bin in die Oberstufe rein.
2014/2015 Selbe Schule wie 2013/2014, Klasse blieb auch fast bestehen, war in der Oberstufe für den Realschulabschluss. Die Typen aus 2012/2013 sind aber wieder aufgetaucht, waren in Parallelklassen, unterwanderten mein schulisches Umfeld gezielt, belästigten mich auf den Nachhausewegen, wieder kannte jeder meinen Namen, wieder all die fremden Blicke auf mich, psychisch kam alles von damals hoch, was mich zusammenbrechen ließ. Ab hier ging es los: Erst mal also nicht mehr zur Schule, dauerhafte Krankschreibung da beim Hausarzt ausgeheult. Sozialarbeiter an der Schule: Ich war selbst schuld für meine Situation. Sozialpsychiatrischer Dienst: Es liege an mein Selbstbewusstsein... Also: Frustessen, schwere Depressionen, Isolation Zuhause im Zimmer, Flucht in Videospiele, hab mich mit meinem Oberstufenlehrer wegen der Fehlzeiten verkracht. Ihn von den Umständen zu erzählen, dafür war kein Vertrauen mehr da.
Danach:
Trigger
Von der Schule dann kurz vor den Sommerferien runter, neue Schule gefunden. War echt schön dort, aber mir ging es psychisch sowas von schlecht, dass ich kurz davor stand, mir etwas anzutun. Meine Eltern nahmen mich von der Schule in Absprache mit der Schule. Paar Monate Auszeit sollten es sein, hab mich aber auch nur wieder isoliert, und dann sollte ich das Jahr dort nach den Monaten wiederholen. Lief auch super und dachte irgendwann nicht mehr an damals. Aber dann ist mein Opa gestorben, was mich komplett zerstört hat, und 10 Wochen später meine Oma auf direkten Wege hinterher, was mich nochmal fertig gemacht hat. Schuljahr fürn Ar., Dauerisolation, Krankschreibung, Essstörungen, Depressionen, Videospiele... Die Schule gab mich auf, ich wieder daheim. Auf den anderen folgenden Schulen lief es ähnlich, und dann war auch noch unsere Hündin gestorben.
Seit unserem gemeinsamen Umzug versuche ich mein Leben komplett neu aufzubauen. Das ist auch der Grund, warum ich mich erneut für eine Schule angemeldet habe. Ich habe der neuen Schule meine komplette Situation im Voraus offengelegt, sie wissen über alles Bescheid. Sie hätten mich ablehnen können, sie wollen mich aber trotzdem, und ich soll dort die bestmögliche Unterstützung bekommen. Es ist eine große Schule, inmitten einer Universitätsstadt. Es sind dort tausende von Menschen. Ich habe trotzdem Angst wieder alle nur zu enttäuschen, wie an jeder Schule zuvor. Diese Schule ist eine große Chance und ich könnte mir damit den Traum des Realschulabschlusses erfüllen. Als Mensch mit Lernbehinderung ohnehin sehr schwer.
Die Spaziergänge tun mir gesundheitlich gut. Ich kann zwar nur sehr langsam gehen und habe starke Schmerzen im Rücken, aber ich merke, dass es besser wird. Nur ich brauche einfach mehr Zeit. Die Unsicherheit / Phobie vor Menschen ist noch immer da und ein sehr ernstes Problem. Nach und nach muss ich versuchen wieder mehr am öffentlichen Leben teilzunehmen. Aber ich gehe trotzdem meine Wege, und werde demnächst auch wieder Fahrrad fahren, vorausgesetzt mein Körper schafft diese Belastung bereits. Ich wünsche mir seit so vielen Jahren ein neues Leben. Ich hab es einfach im Bauchgefühl, dass es mir dieses Mal vielleicht sogar gelingen wird. Keiner sagt, dass es leicht wird. Sicher wird es schwierig. Aber ich habe mich so viele Jahre isoliert, das ist für mich einfach keine Option mehr, und zerfrisst mich immer mehr. Es wird früher oder später zu ernsten gesundheitlichen Folgen führen, insbesondere mit meinem Gewicht.