Hallo! Ich lese häufig bei Euch mit, weil ich da auch für mein Leben mit Reizdarm viel rausholen kann. Wir alle brauchen viel Kraft, uns im Kopf frei zu machen und an uns zu arbeiten. Was ich bei euch überhaupt nicht verstehen sind die viiiiiiieeelen Anfragen bezüglich Medikamente und Dosierungen?? Ist das ein Symptom eurer Krankheit, sich Medikamente irgendwo selbst zu besorgen und dann selbst mit der Dosierung herumzuexperimentieren?? Ich denke dabei nicht an die Anfragen, ob jemand auch das-und-das nimmt und wie derjenige damit zurecht kommt. Sondern ich denke an die Beiträge, wo sich jemand über`s Internet Medikamente bestellt hat und nicht weiß, wieviel nehmen!? Oder ob man einschleichend mit den Tabletten anfängt!? Oder, ob man sie abends oder wann nimmt!? Das sind doch alles Fragen an den behandelnden Arzt!! Oder spätestens an den Apotheker!! Bitte klärt mich auf, denn ich denke, es ist schon auch ein Stück gefährlich, irgendwas zu nehmen, auch wenn es anderen in der gleichen Situation guttut!! Wenn man es allerdings garnicht schafft, allein zum Arzt zu gehen, ......... Also, euch allen liebe Grüße, Romi (vom Reizdarm-Forum)

21.12.2002 10:23 • 06.01.2003 #1


7 Antworten ↓


Hallo Romi,

ich bin heute zufällig auf dieser Seite gelandet und bin auch vollkommen schockiert darüber wie fahrlässig die meisten mit ihrer Gesundheit umgehen. Ich kann die Verzweiflung vieler sehr gut verstehen, weil ich selbst depressiv bin, aber zugleich studiere ich auch Medizin und kann Deinen Appell deshalb nur unterstützen. Ich selbst bin extra in eine Klinik für Psychiatrie zur medikamentösen Einstellung gegangen, weil mein Vertrauen in diese Fachabteilungen einfach höher ist.
Alles Gute, Christina

30.12.2002 10:36 • #2


Hallo Christina! Ja, verstehen kann man alles, aber ob es der richtige Weg ist......?? Ich denke nicht! Nachdem wir beide ein bißchen (Du sicher mehr wie ich als Krankenschwester) Einblick in die Medizin haben, sind wir schockiert. Doch leider hab ich bisher keinen Beitrag von einen Betroffenen auf meine Frage bekommen! Aber wenn ich ein bißerl aufgerüttelt hab, bin ich auch schon zufrieden. Euch allen, die hier das liest, alles Liebe und Gute für`s Neue Jahr! Romi

30.12.2002 22:26 • #3


Hallo Romi,
Sozialhobie heißt, dass ein Betroffener nicht in der Lage ist, Kontakt zu anderen Menschen aufzubauen. Das ist mehr oder weniger stark ausgeprägt. Einige trauen sich nicht mal aus der Wohnung, können nicht allein einkaufen, andere haben nur mit fremden Menschen Probleme. Die extremen Fälle sind nicht in der Lage einfach zum Arzt zu gehen. Über das Internet fühlt man sich halt anonym, das geht einfacher, als zum Arzt oder Apotheker zu gehen.
Aber die richtige Lösung ist das sicherlich nicht. Man sollte nicht leichtsinnig mit Medikamenten experimentieren. Medikamente stellen auch nur kurzfristig die Symptome ab. Man sollte aber immer gegen die Ursachen vorgehen.
Wünsche allen Leidensgenossen und Interessierten ein frohes neues Jahr
Thomas

30.12.2002 22:56 • #4


Hallo Romi,

ich weiss nicht, wie es bei den anderen ist, aber bei mir ist es folgendermassen: Bin schon seit Jahren depressiv und auch ein bisschen sozialphobetikerin (zu dem Ergebnis bis ich jetzt gekommen, nachdem ich auf euer Forum gestossen bin) und habe es lange ertragen (ebenso meine Partner). Ich war der Meinung, niemand könnte mir helfen und ich bin mit meinem Problem alleine auf der Welt. Ich dachte, ich bin gefangen in meinem Ich. Alle anderen die ich sah waren meiner Meinung nach glücklicher, hübscher, ausgeglichener, aktiver. Und wenn es mir gut ging, sah ich keine Veranlassung zum Arzt, Psychologen zu gehen, wenn es mir schlecht ging, konnte ich einfach nicht. Es sind jahrelange Prozesse, durch die ich ging. Irgendwann konnte ich darüber reden und habe es sogar geschafft, ein paar Therapiestunden zu nehmen. Doch ich habe es gehasst, wenn sie vor mir sass und mich ansah und von mir erwartete, dass ich mein Leben vor Ihr ausbreite. Wo ich doch sonst nichts mehr hasste, als zu reden. Das wars dann auch. Jetzt bin ich Mutter geworden und sehe plötzlich durch meinen Sohn, dass ich etwas tun muss. ER ist nur der Leidtragende und mir wird ein Spiegel vorgehalten. Ich möchte dass durchbrechen und ich will ihn zu einem lebensmutigen, selbstbewussten Kind erziehen. Das ich durch meine Kindheit meine "komplexe" habe, wusste ich ja schon immer, aber ich MUSS meinem Kind das vorleben was ich von ihm "erwarte" bzw. im lehren will. Ich habe im letzten Jahr sehr an mir gearbeitet, viele Bücher gelesen (vergiftete Kindheit kann ich empfehlen), angefangen mit meiner Mutter abzuschliessen, Autgenes Training gemacht und jetzt Meditation. Ich lebe sehr vernünftig, hasse Tabletten, bin eigentlich ein kleiner Öko. Aber diese Tabletten brauche ich jetzt, sie muessen mir helfen, nicht wieder in ein Tief zu fallen. Ich will jetzt konsequent an meinem Thema weiterarbeiten, dafür muss ich stabil sein. Und wenn ich das jetzt durchziehe weiss ich, dass ich es schaffen kann, ich bin auf dem richtigen WEg, das fühle ich einfach.Ich kann auch schon kleine Erfolgen erzielen, lächerlich für jemanden "Normalen" aber für mich die Schritte in die richtige Richtung. Und wenn ich lese, dass Ärzte einfach mal drauflos dosieren und probieren - das kann ich selber. Ich kenne meinen Körper und jettz höre noch mehr auf ihn. Ich glaube fest an die Wirksamkeit und das dies das richtige Medikament für mich ist (zoloft) und ich dosiere so wenig und beobachte jetzt. Als nächsten Schritt möchte ich gerne noch zu einer gehen, die Hypnose macht, habe über eine Freundin erfahren, dass sie super ist. Habe das Gefühl, dass noch ein Knackpunkt in meiner Kindheit ist - ein Knoten, den ich selber nicht lösen kann. Und wenn das "erledigt" ist, geht es hoffentlich auch wieder ein bisschen besser.

So, das war jetzt meine kurze Geschichte, vielen Dank fürs Lesen
C.

31.12.2002 11:18 • #5


Hallo Chris! Vielen Dank, daß Du mir so großen Einblick in Dein Leben gegeben hast. Ich glaube auch, daß Du auf den richtigen Weg bist!!! Es hört sich für mich stark danach an! Du hast Recht, denk an Dein Kind und Du hast unbändige Kräfte. Ich bin selbst Mutter von 2 Kindern. Sollte es oben rübergekommen sein, daß ich jede medikamentöse Behandlung ablehne, war das falsch. Ich habe nur Angst, um diejenigen von euch, die vor lauter Verzweiflung wahllos irgendwelche Substanzen einnehmen, evtl. mehrere nebeneinander, wo es dann nicht nur Nebenwirkungen sondern auch Wechselwirkungen geben kann. Natürlich nimmt man Medikamente, wenn einen dadurch geholfen wird. Manche eben auch lebenslang, das ist doch klar. Und freu Dich weiterhin über die kleinen Erfolge, auch wenn sie tatsächlich für einen ganz Gesunden lächerlich erscheinen. Doch nur so kommen wir vorwärts. Ich leide zwar nicht unter Sozialphobie, habe aber einen Reizdarm. Auch dort hat man Ängste, mit denen man umzugehen lernen muß. Nämlich die Angst unterwegs in die Hose zu machen. Meine kleinen, lächerlichen Erfolge, waren/sind z.B. ohne Einlagen aus dem Haus zu gehen. Soviel zu unseren Erfolgen, aber das ist der Weg. So wird man im Kopf freier und das ist, glaube ich für mich zumindest, der allergrößte Schritt in die Normalität zurück. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und ein paar wenige Leute, die Dich unterstützen und zu Dir stehen. Außerdem hast Du ja Dein Zwergerl! Liebe Grüße, Romi

31.12.2002 12:23 • #6


Hallo Thomas! Danke für Deine Antwort. Ich habe mir schon gedacht, daß es mit der Ausprägung zu tun hat, daß man dann nichtmal zu einem Arzt gehen kann. Kann man das auch nicht, wenn man jemanden seines Vertrauens mitnimmt (Mutter, Geschwister, Freund/in)? Oder hat man im schlimmsten Fall niemanden mehr zu seiner Seite?? Ich denke schon, daß ich selbst auch vor lauter Verzweiflung und vor allem Hoffnung auf Besserung was einnehmen würde. Doch ich wollte einfach ein bißchen aufrütteln, denn man kann evtl. die Nebenwirkungen nicht einschätzen. Am Ende geht`s einen dreckiger als vorher und man macht Dummheiten, die man vorher nicht gemacht hätte. Ich wünsche Dir ein gutes/besseres 2003! Liebe Grüße, Romi

31.12.2002 12:27 • #7


ich glaube auch, daß die meisten ärzte oft wahllos mit den medikamenten herumexperimentieren, die nebenwirkungen, die ihnen von den patienten berichtet werden, ignorieren und oft das aus der einnahme resultierende verhalten der patienten als besserung interpretieren obwohl diese sich schlechter fühlen. Neben- und wechselwirkungen kann ich auch der packungsbeilage oder der roten liste entnehmen genauso wie ärzte es auch tun.
mfg freak

06.01.2003 23:36 • #8




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