Zitat von Kathrina001:Also gerade am Arbeitsplatz als neue Mitarbeiterin erwarte ich, dass man von den anderen integriert und beachtet wird. Genauso denken alle anderen in meinem Umfeld auch (die ebenfalls introvertiert sind). Ich finde es anders herum etwas „aufdringlich“. Als Neue möchte ich den Laden nicht betreten wie der Kaiser ...
Das ist genau das, was ich meine. Es kommt scheinbar nichts an von dem, was ich schreibe und zu erklären versuche....
🤔 Es ist ein kleiner, aber feiner Unterschied, ob sich jemand anbiedert und aufdrängt oder ob er lediglich offen und freundlich und direkter/offensiver auftritt.
Ich bin absolut nicht der Meinung, dass sich "Neue" irgendwo degenmäßig verhalten müssten, dass si da unter der Grasnarbe durchschleichen müssten und den schon vorhanden Mitgliedern im Club sozusagen Respekt zollen müssten. Selbstbewusst teilhaben ist was Anderes, wie sich ranschmeißen.
Ich habe mal mit einem Personalreferenten, der auch Psychotherapeut ist, darüber gesprochen und habe ihn gefragt, wie man sich im Job am Besten verhält und dass es mir auch öfter mal zum Verhängnis wurde, dass ich keine Leise bin, sondern mich eben oft im Job viel fasziniert und die Themen mich reizen und ich eben auch dafür brenne, mitmischen will und es mir deshalb oft vorgeworfen wurde, dass ich mich wichtig machen würde, dass ich die Backen aufblasen würde und so Zeug. Das kommt bei vielen nicht gut an, wenn jemand sich einfach nicht im Schwarm versteckt. Und er hat dann gemeint: "Machen Sie einfach Ihr Ding! Und was die Anderen dazu sagen, braucht Sie gar nicht interessieren. Lassen Sie die Unkenrufe an sich abprallen und leben Sie Ihr beruflichen Leben in vollen Zügen!".
Und ich sehe es auch so. Nur weil Lieschen Müller mit ihren Komplexen nicht fertig wird, muss nicht die ganze Welt angehalten werden, sondern die anderen Menschen dürfen ihre Talente und ihre Interessen und Neigungen ausleben. Das ist mit den Menschen wie bei den Hunden. Die einen sind Windhunde und die anderen sind Berner Sennenhunde. Völlig verschiedene Typen, für unterschiedliche Aufgaben ausgelegt. Und man kann aus einem Berner Sennenhund keinen Windhund machen und umgekehrt nicht. Und so ein Windhund kann halt rennen wie's Gift und der Berner Sennenhund kann einen Lastenwagen ziehen. Der Windhund könnte das wohl nicht.
Ein Fisch schwimmt und ein Vogel fliegt. Ich kann nicht sagen, der Fisch taugt nix, weil er nicht fliegen kann, dafür kann er schwimmen. Und ich kann nicht sagen, der Vogel ist Mist, weil er nicht schwimmen kann, dafür kann er fliegen.
Und so ist es mit den Fähigkeiten von Menschen. Es sind aber die Stillen, Zurückhaltenden, die auf die Lauten schimpfen, weil die Lauten es schaffen, im Mittelpunkt zu stehen. Und das ist ein Gefühl, was die meisten Introvertierten sich eigentlich wünschen, aber nicht schaffen. Da kommt der Neid her und daher das Geschimpfe. Ein Lauter kann leise sein und zurückhaltend. Aber jemand, der sich nicht vor traut, kann seinen Schatten nicht so leicht überspringen. Und das ärgert die, dass sie es nicht ins Rampenlicht schaffen.
Ich habe eine echt nette Schwester, wo ich gedacht habe, dass alles gut ist zwischen uns. Und irgendwann hat sie mir, als ihr Leben richtig im Höhenflug landete, an den Kopf geknallt: "Jetzt steh' ich nicht mehr in Deinem Schatten!". Dann habe ich auch nur gedacht: "Wer hat sich denn in meinen Schatten reingestellt...". Es tut so weh, wenn Menschen, mit denen man einfach nur glücklich gemeinsam leben möchte, immer heimlich auf einen eifersüchtig sind. Wenn ich manchmal solche Sprüche abbekommen habe, war ich so perplex, dass ich gedacht habe, ich wäre gegen eine Schranktür gelaufen.....
Kann's mir mal jemand erklären? Ich kapier's ehrlich nicht, warum diese sinnlosen Konflikte sein müssen?
Wer gibt denn den Introvertierten die Deutungshoheit darüber, wer die besseren Menschen sind und wie sich andere zu verhalten haben. Jeder darf für sich bestimmen, wie er sein will und leben will. Aber dann hört es auch auf. Die anderen dürfen so sein, wie sie sind. Ich schimpfe auch nicht auf die, die sich lieber zurückhalten. Ich habe einen sehr guten Freund, der ist ultra zurückhaltend, der fast unsichtbar. Und mir würde nie einfallen, dass ich ihn deswegen kritisiere oder dass ich ihn underraten würde oder dass ich ihn weniger mögen würde, weil er nicht so eine große Klappe hat. Aber er kreidet mir mein Wesen auch nicht an. Beim ersten Mal, als wir uns kennengelernt haben, habe ich ihn ausgelacht. Und das hat zwischen uns das Eis gebrochen, weil er selbst mitlachen musste. Er konnte mir nicht böse sein, weil es so lustig war, was ich gesagt hatte und ich selbst einen Lachflash hatte. Der hätte auch gleich beleidigt sein können, eine Feindschaft aufbauen können, aber er hat sich amüsiert und ich auch. Das war der Startschuss einer wunderschönen Freundschaft.... Wenn ich wieder geboren werden sollte, will ich wieder so werden wie ich bin, weil es gefällt mir, es macht mir Spaß und es gibt oft auch anderen was. Wenn ich nur still und angepasst in der Ecke sitzen würde, würde ich dieser Welt wohl nie geben, was ich ihr so geben kann.
Aber das kann jeder für sich entscheiden. Was wichtig ist, ist, dass man andere nicht komplett übergeht und umrennt. Man muss auch in der Lage sein, sich zurückzunehmen, anderen zuzuhören, andere ernst nehmen und sie zu respektieren.... Wenn man das alles auch macht, geht es mit den meisten Menschen gut.