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Hallo,

für mich war das ein richtiger Kraftakt sich hier anzumelden, ich hab das schon mal vor einem Jahr versucht, aber dann hat mich meine Courage verlassen und ich hab mich nicht mehr hierher getraut.
Ich bin eigentlich ein ziemlich hoffnungsloser Fall, seit 12 Jahren hab ich starke Depressionen, eine Borderlinestörung und eine immer schlimmer werdende soziale Phobie.
Ich hab mehrere Therapien durch, die vor allem daran scheiterten, dass ich mich schlecht öffnen kann.
Die einzigen "Kontakte", die ich habe, finde ich durchs Internet, weil ich im realen Leben so schüchtern bin, dass ich einfach nicht auf andere Menschen zugehen kann.
Und genau da liegt auch mein Hauptproblem:
Wenn ich denke, ich hab jemanden kennengelernt, der wirklich nett ist, werde ich SCHRIFTLICH schnell sehr offen und erzähle freimütig, dass ich Depressionen hab und schwer im realen Leben mit Leuten in Kontakt komme.
Die Reaktion ist immer gleich: Die Leute melden sich nicht mehr, man wird vor den Kopf gestoßen und fühlt sich doppelt wie ein Freak.
Vor allem, weil ich die Leute so vorher NIE eingeschätzt hätte.
Ich hab es bis heute nicht geschafft Mechanismen zu entwickeln, dass mich die ablehnende Reaktion der Leute nicht jedes Mal erneut wie ein Eimer kaltes Wasser trifft.
Gibt es hier Leute, denen das ähnlich geht?
Ich hab festgestellt, dass es ein großes Tabu ist zuzugeben, dass man ein trauriger Mensch ist, das stößt irgendwie alle Menschen ab.
Wenn man aber so tut, als hätte man kein Problem, dann entwickelt sich aus den Bekanntschaften ja auch nichts außer belangloser Plänkelei.
Ich hab das Gefühl immer nur lügen zu müssen, aber nie ich selbst sein zu dürfen, das ist total verletzend.

10.10.2013 15:05 • 10.10.2013 x 1 #1


7 Antworten ↓


Hey Dasha,

Herzlich Willkommen hier im Forum.

Schön dass Du den Schritt doch getan hast, eine Basis für Rat und Tat ist jetzt da !

Wir helfen immer und gerne...

Leg einfach so !

Werde Dir mal ne PN schicken...

Grüßle
Das Schinkencrossiant

10.10.2013 15:21 • x 1 #2



Kann Menschen schlecht einschätzen

x 3


Also naja, depressive Menschen strahlen halt keine positive Aura aus.
Ich habe mit einigen Menschen auch gar kein Kontakt oder rede dann gar nicht mit ihnen, da ich sie nicht runter ziehen möchte und ich merk natürlich auch das einige dann einfach genervt sind, wenn ich ständig emoliere. Ich bekomme das dann aber häufig nach einer Zeit gut in Griff, es ist dann meistens eine Phase wo ich so extrem deprimiert bin.
Man muss halt irgendwie erreichen seine Probleme nennen zu können und zu besprechen, aber nicht dauerhaft immer mies gelaunt sein oder die Welt sich darum drehen lassen.
Auf die Dauer funktioniert es halt nicht.

Eine Borderlinestörung ist ja unglaublich kompliziert und vielseitig, wie äußert sich das bei dir speziell?
Es ist auch interessant, dass du das ja scheinbar verbergen kannst und die Menschen das bei dir nicht sofort bemerken.

10.10.2013 15:31 • x 1 #3


Nun, bei mir ist das mit der Borderlinestörung so, dass ich in erster Linie ein total unausgeglichener Mensch bin.
Ich bin in einer Sekunde euphorisch und kann in der nächsten total depressiv sein.
Und ich ritze mich selbst oder schlage manchmal mit Fäusten auf mich ein, bis ich überall Hämatome habe.
Schriftlich kann ich total "normal" wirken, ja fast fröhlich und optimistisch, im realen Leben merkt man in erster Linie die große Unsicherheit.
Um ein Beispiel zu geben:
Ich kann ganz schlecht damit umgehen, wenn ich einer großen Gruppe von Menschen ausgesetzt bin, z.B. im Bus oder auch im Wartezimmer beim Arzt.
Dann fange ich an zu schwitzen, um das zu kompensieren, greif ich meistens zu einem Magazin und versuche darin zu lesen, aber das klappt meistens auch nicht, weil ich dann oft zu zittern anfange.

10.10.2013 15:39 • x 1 #4


Ich könnte jetzt wieder dich über alles mögliche ausfragen, da ich dich nicht kenne, aber ich will es mal simpler versuchen.
Hast du eine Idee wie wir dir helfen könnten oder wie du dir vorstellen könntest hier Hilfe zu finden?

10.10.2013 16:19 • x 1 #5


Hallo liebe Dasha,

ich bin in einer sehr ähnlichen Situation wie Du und in den letzten Jahren ist mir folgendes bewusst geworden:

Die meisten Menschen erwarten von einem Freizeitkontakt bzw. einer Freundschaft in erster Linie positive Aspekte für sich selbst und im Miteinander, um dem oftmals anstrengenden und routinierten Alltag für eine Weile entfliehen zu können. Oder kurz gesagt, um etwas Spaß und Freude zu haben und zu teilen. Das ist völlig verständlich, wie ich finde.

Traurige Menschen werden meistens als anstrengend, eher belastend und wenig bereichernd im Sinne des Lebensgenusses wahrgenommen. Mit ihnen kann man nicht so gut diese Unbeschwertheit und Leichtigkeit erleben, wie man es mit lebensfrohen Menschen kann. Und seine Freizeit möchten die meisten nun einmal mit überwiegend angenehmen Dingen füllen.

Offen und freimütig von seinen Depressionen zu erzählen, überfordert die absolute Mehrheit einfach und stößt sie vor den Kopf, insbesondere wenn es neue Bekanntschaften sind. (Es sei denn, sie sind selbst davon betroffen und kennen diese ganzen Gefühle ebenfalls.) Deshalb ist es nicht gerade förderlich, einen neuen Kontakt schon auf dieser Thematik aufzubauen, wie Du leider erlebt hast (und ich ebenso).

Wenn Du Menschen suchst, mit denen Du Dich unter anderem intensiv über die Tiefen Deiner (und eurer) Seele(n) und den Schwierigkeiten austauschen kannst, solltest Du lieber gezielt nach ähnlich Betroffenen Ausschau halten - zum Beispiel in Foren wie diesem hier oder in Selbsthilfegruppen. Wenn Du Dir hingegen auch einfache Freizeitkontakte wünschst und dabei auf Menschen triffst für die psychische Erkrankungen fremd sind, wäre es in der Tat angebrachter, den Seelenballast etwas mehr im Hintergrund zu halten. Oder nur zu erwähnen, dass es eben ein Teil von Dir ist, aber ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass Du auch andere Seiten zu bieten hast. Vielleicht mit ein bisschen Humor?

Soweit von mir zumindest in der Theorie.
In der Praxis habe ich es auch noch nicht geschafft, mir Kontakte aufzubauen, doch das liegt eher an diversen anderen Gründen. Seitdem ich mir das beklagen über die düsteren Bereiche zum größeren Teil abgewöhnt habe, mich selbst mit meinem Psychogedöns etwas lockerer sehen kann und es - wenn dann - eher auf die humorvolle, selbstironische anstatt auf tiefschwarze Art beschreibe, wurde ich zumindest gelegentlich nicht mehr direkt abgelehnt. Wenn das Gegenüber in Erfahrung bringt, dass man zwar Probleme hat, jedoch selber mit ihnen umgehen kann, wirkt das manchmal deutlich weniger abschreckend.

Liebe Grüße

10.10.2013 16:39 • x 1 #6


Hab mich vorhin ausloggen müssen, weil ich schon wieder vor mir selbst weglaufen wollte.
Ich hab in so kurzer Zeit nicht mit so vielen Antworten gerechnet, Danke auch für deine PN, Heiko.
Sei mir nicht böse, wenn ich im Moment noch nicht bereit bin, persönlich auf dich einzugehen, das ist alles gerade sehr viel für mich.
Nun, ich möchte erst einmal darauf antworten, WAS ich mir hier erhoffe:
In erster Linie erhoffe ich mir Überlebensstrategien, gerade was Sabah geschrieben hat, war für mich ganz hilfreich.
Ich weiß eigentlich genau, wo mein Problem liegt, nämlich dass ich zu schnell mit der Tür ins Haus falle, im Grunde will ich mich damit immer "absichern", ob der andere mich auch so akzeptieren würde, wie ich bin, aber ich erreiche damit meistens genau das Gegenteil.
Ich hatte auch schon ganz normale Freundschaften, jahrelang hatte ich Kontakt zu einer Frau, mit der ich mich in erster Linie über mein Hobby "Filmgeschichte" online ausgetauscht habe.
Sie erzählte mir nach und nach auch von ihren Problemen, ihrem schwierigen Mutterverhältnis, dass ihr kleiner Sohn ein Problemkind war und viel Aufmerksamkeit von ihr
einforderte.
Ich schrieb kaum etwas von mir, ich verschleierte so gut es ging meine Probleme, aus Angst von ihr nicht akzeptiert zu werden.
Da wir uns immer besser verstanden, wollte sie mich auch irgendwann persönlich kennenlernen, dann kam die Phase mit den Ausflüchten, ich musste ständig neue Ausreden erfinden, um sie nicht zu sehen, mein "Glück" war dass sie sehr weit von mir entfernt gewohnt hat und so ein spontanes Treffen einfach mal so nicht drin war, irgendwann nervten sie die ständigen Ausreden von mir, wir stritten uns und dann ging plötzlich mein Rechner kaputt.
Ich war erleichtert, so musste ich mich der unangenehmen Situation nicht mehr stellen, ich habe fast 2 Jahre danach ohne Internet gelebt, aus Angst und aus Scham.
Als ich wieder einen funktionsfähigen Rechner hatte, sah ich, dass sie nach einem Jahr nochmal versucht hatte mit mir Kontakt aufzunehmen, wieder war ich zu feige, mich zu stellen, ich ließ ihre PN unbeantwortet.
Bis heute schäme ich mich für mein Verhalten, aber ich zog offenbar daraus die falschen Konsequenzen, denn danach war ich jedes Mal "zu offen" und das klappt nun auch mal gar nicht.

10.10.2013 17:29 • #7


Zitat von dasha77:
Ich weiß eigentlich genau, wo mein Problem liegt, nämlich dass ich zu schnell mit der Tür ins Haus falle, im Grunde will ich mich damit immer "absichern", ob der andere mich auch so akzeptieren würde, wie ich bin, aber ich erreiche damit meistens genau das Gegenteil.

[...]Da wir uns immer besser verstanden, wollte sie mich auch irgendwann persönlich kennenlernen, dann kam die Phase mit den Ausflüchten, ich musste ständig neue Ausreden erfinden, [...]

Bis heute schäme ich mich für mein Verhalten, aber ich zog offenbar daraus die falschen Konsequenzen, denn danach war ich jedes Mal "zu offen" und das klappt nun auch mal gar nicht.


Das kenne ich alles nur zu gut.
Spätestens vor einem persönlichen Treffen wäre es mir ebenfalls wichtig, dass die Person wenigstens im Groben über mich Bescheid weiß. Denn wie Du schon schreibst, möchte man gerne (trotz seiner Defizite) akzeptiert werden und nicht die ganze Zeit etwas vorspielen müssen, zumal das auch mächtig anstrengend und krampfig für uns wäre. Komplett verschweigen würde und könnte ich es also auch nicht. Es gilt wohl wie gesagt, am besten irgendwie einen guten Mittelweg zu finden, mit dem beide Parteien umgehen können.

10.10.2013 18:23 • #8




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