dsocmh
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Zunächst zur Definition von Mobbing, welche ich meinem Text zugrunde lege. Mobbing ist eine Form regelmäßiger seelischer oder körperlicher Gewalt an vor allem schwächeren Menschen über einen längeren Zeitraum. Als seelische Gewalt können in Abwertungen, abwertende Maßnahmen mit und ohne körperliche Einwirkung, Ausgrenzung, Zwangsmaßnahmen gesehen werden. Ob ein Mensch darunter leidet oder nicht hängt davon ab, ob der Täter die Gewalt ernst meint und das Opfer dies auch so interpretiert.
Ich sehe vor allem zwei Ursachen von Mobbing: Interessenskonflikte und erfahrene Gewalt in Verbindung mit stressauslösenden Begleitumständen, welche Menschen dazu bringen moralische Prinzipien falls vorhanden - nicht anzuwenden. Vor allem Kinder müssen moralische Prinzipien auch erst lernen durch Erfahrung und Beobachtung.
Interessenskonflikte um knappe, lebensnotwendige Güter würden wohl auch die friedlichsten Menschen dazu bewegen, Gewalt anzuwenden. Darin sehe ich aber in unserer Gesellschaft nicht den Hauptgrund.
Die Hauptursachen sehe ich in erfahrener seelischer oder körperlicher Gewalt, v.a. in der Kindheit. Wenn wir als Kinder immer wieder auch subtile Formen von Gewalt erfahren, z.B. in Form autoritärer Zwangsmaßnahmen, Abwertungen, emotionale Vernachlässigung, hohe Erwartungen und damit geschürte Verlustängste, dann wächst in uns Aggression. Diese Aggression verschwindet nicht einfach so. Natürlich baut sich Aggression auch wieder ab, wenn die Gewalt nicht dauerhaft ist und man wieder Liebe erfährt oder wenn man sie z.B. durch körperliche Betätigung oder Wutausbrüchen nach außen führen kann. Doch intensives Mobbing über einem längeren Zeitraum kann so viel Aggression erzeugen, dass ein Abbau nicht mehr möglich ist und dann sucht sie sich andere Wege. Sie staut sich auf, richtet sich gegen den Träger der Aggression (Alk., depressive Zustände, Hautkrankheiten, Selbstabwertung,...) oder gegen andere in Form von Gewalt (Mobbing, Schlägereien). Wenn sie nicht mehr aufgetaut werden kann, dann richtet sie sich auch gegen die Person selbst (z.B. Suizid, Ritzen) oder gegen eine andere Personen (z.B. Amoklauf). Gewaltdarstellungen in Videospielen, gewaltverherrlichende Musik senken meiner Meinung nach nur die Hemmschwelle, diese Aggression nach außen zu tragen, sind aber nicht die wahre Ursache der Gewalt.
Wenn erfahrene Gewalt wieder Ursache von Gewalt sein kann, dann kann sie sich auch über Generationen ausbreiten. Die Frage ist, wie können wir Mobbing verhindern, wie können wir eine gewaltfreiere Kultur schaffen? Ich denke, ein Schlüssel hierzu wäre, Kinder als junge Menschen zu betrachten und ihnen den gleichen Respekt zuzugestehen wie auch Erwachsenen, sie mit Würde zu behandeln. Dazu gehört auch, Zwangsmaßnahmen auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren und nicht zu versuchen, sie durch Erwartungen, Bewertungen, Gewalt und das Schüren von Ängsten zu formen, sondern sie sich entwickeln zu lassen und dabei kommt auch etwas Sinnvolles heraus, wenn das Umfeld stimmt, denn im Endeffekt wird ein Jeder ein Stück weit zu einem Spiegelbild seines sozialen Umfeldes.
Dies stellt die gesamte Kultur in Frage, wie wir als Gesellschaft mit Kinder umgehen. Es stellt unser Schulsystem in Frage. Wenn es eine komplett andere Kultur gäbe, wie wir unsere Kinder erziehen, dann werden sie auch als Erwachsene anders sein und andere Bereiche unserer Kultur, unserer Gesellschaft in Frage stellen. Und davor haben wohl auch manche Angst.
Der wahre Feind ist nicht der Boss, nicht die Mitschüler, nicht die Kollegen, nicht die Nachbarn. Der wahre Feind hat kein Gesicht.
Es ist Teil unserer Kultur, die den Nährboden für Mobbing bereitet. Dagegen sollten wir friedlich aufbegehren.
Deshalb habe ich diesen Text geschrieben, denn die Gesellschaft braucht eine Diskussion über die Ursachen der Ursachen.
• • 15.02.2019 x 2 #1
